Wilhelm IV. (Bayern)

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Wilhelm IV. von Bayern

Wilhelm IV. der Standhafte (* 13. November 1493 in München; † 7. März 1550 ebenda) war Herzog von Bayern von 1508 bis 1550.

Frühe Jahre und Regierungsbeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzog Wilhelm IV. von Bayern

Seine Eltern waren Herzog Albrecht IV. und Kunigunde von Österreich. Wilhelm regierte erst unter Vormundschaft seines Onkels Wolfgang, ab 1511 selbständig mit Leonhard von Eck als seinem führenden Berater.

1508 wurden die Rechte der Landstände für das Herzogtum Bayern in der sogenannten "Erklärten Landesfreiheit" bestimmt. Wilhelms Versuch, in der Folge die Macht der Landstände zu brechen, scheiterte zunächst, da auch sein jüngerer Bruder Ludwig X. gegen ihn opponierte. Nach dem Willen seines Vaters, der 1506 ein Primogeniturgesetz erlassen hatte, sollte Wilhelm Bayern alleine regieren. Als Ludwig dann volljährig wurde, erhob er dennoch Ansprüche auf die Mitregierung mit der Begründung, vor der Erbregelung geboren worden zu sein, und bat Kaiser Maximilian I. um Hilfe. Die Landschaft befürchtete eine Neuauflage des Landshuter Erbfolgekrieges. Auf ihr Drängen akzeptierte Wilhelm am 17. Februar 1514 die Mitregierung. Schon bald rückte er jedoch davon ab und bereitete sich auf einen Waffengang gegen seinen Bruder vor. Kaiser Maximilian erließ daraufhin am 29. September 1514 in Innsbruck einen Schiedsspruch, wonach Ludwig den Titel eines Herzogs und ein Viertel des Territoriums Bayerns erhalten sollte. Die Brüder einigten sich jedoch am 14. Oktober 1514 in Rattenberg anders: Wilhelm sollte von München aus die Bezirke der Rentämter München und Burghausen regieren, Ludwig von Landshut aus die Bezirke Landshut und Straubing und damit ein Drittel des Herzogtums. Diese Machtaufteilung funktionierte tatsächlich; es gab in Zukunft nur unwesentliche Meinungsverschiedenheiten. Auch die Mitherrschaft der Stände bis zu seinem 24. Lebensjahr erkannte Wilhelm nun an.

Regierung und Religionspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. April 1516 erließ er mit seinem Bruder Ludwig eine neue Bayerische Landesordnung. In dieser wurden unter anderem der Preis und die Inhaltsstoffe von Bier geregelt (→ Reinheitsgebot). Der 23. April wird deswegen seit 1994 vom Deutschen Brauer-Bund als Tag des Deutschen Bieres gefeiert. 1518 veröffentlichte er eine Landrechtsreform und 1520 führte er die erste einheitliche Gerichtsordnung in Bayern ein.

Den Kirchenbann gegen Martin Luther ließ er ebenso wie sein Bruder anfangs nicht vollstrecken. Am 25. Mai 1521 verkündeten die Brüder jedoch das Wormser Edikt in München und Landshut. Von nun an wurden Luthers Anhänger verhaftet und des Landes verwiesen. Wilhelm ließ sich 1524 vom Papst Clemens VII. durch die Abtretung der Hoheitsrechte über die bayrischen Bischöfe und der Einkünfte der kirchlichen Institute für die Sache des Katholizismus gewinnen und war einer der eifrigsten Gegner der Reformation, die er in seinem Land nicht aufkommen ließ. Durch Johannes Eck entstand im Auftrag Wilhelms die Eck-Bibel. 1526 setzte der Herzog eine Ständesteuer durch, in der festgelegt wurde, dass sie nicht nach unten abgewälzt werden durfte. Die Universität Ingolstadt wurde durch die Berufung der Jesuiten zum Hort der katholischen Reform gemacht. Mit dem Protestantismus stellten auch bayerische Bauern das bestehende System in Frage, ihre eingeschränkten Rechte bei hohen Steuern. Allgäuer Bauernbünde präsentieren Anfang 1525 zwölf Artikel mit Forderungen, die sich dann schnell verbreiteten. Weil der bayerische Kanzler Leonhard Eck sie nicht anerkennen will, kommt es zu Kämpfen an denen sich auch die fränkischen Bauern beteiligen. Burgen werden verwüstet, nach kurzer Zeit müssen die Bauern jedoch kapitulieren. Dass dennoch große Teile Bayerns von Unruhen weitgehend verschont blieben, liegt hauptsächlich an der besser gesicherten Stellung und Integration der dortigen Bauern. Hinzu kam, dass die bayerische Regierung andererseits schon früh gegenreformatorische Maßnahmen ergriff, Bauernproteste und Reformationsbestrebungen wurden früh im Keim erstickt.[1]

Nachdem der kinderlose König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn 1526 gefallen war, baten Gesandte des böhmischen Adels Wilhelms Bruder Herzog Ludwig X, sich um die böhmische Krone zu bewerben. Der war durchaus interessiert, unterlag aber bei der Wahl durch die Landstände dem Habsburger und späteren Kaiser Ferdinand. Wilhelm und Ludwig unterstützten daraufhin Ferdinands Gegenspieler Johann Zápolya in der Hoffnung, so den Einfluss der Habsburger zurückzudrängen. Erst 1534 einigten sich die Brüder mit den Habsburgern in Linz.

Wilhelm nahm trotz Bayerns offizieller Neutralität auf Grund eines geheimen Vertrages aufseiten Karls V. 1546–47 am Schmalkaldischen Krieg teil, es gelang ihm jedoch nicht, die pfälzische Kurwürde an sich zu bringen. Ludwig X. starb 1547 ohne Rechtsnachfolger, sodass nach seinem Tode sein Bruder Wilhelm wieder die Alleinherrschaft über Bayern übernehmen konnte. Dies war das endgültige Ende der bayerischen Landesteilungen. Wilhelm starb drei Jahre später, alleiniger Nachfolger wurde 1550 sein Sohn Albrecht V.

Kulturpolitik und Kunstförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster Wittelsbacher zog Wilhelm vom Alten Hof endgültig in die Neuveste, den Ursprungsbau der Münchner Residenz. Sein neues Domizil ließ er unter anderem 1528 von Albrecht Altdorfer mit dessen Gemälde Die Alexanderschlacht ausschmücken. Wilhelm förderte auch Barthel Beham und weitere Künstler. Mit seiner Gemäldesammlung begann die Geschichte der Alten Pinakothek. Schloss Dachau wurde ausgebaut und zur bevorzugten Sommerresidenz. Mit der Berufung von Ludwig Senfl nahm die Geschichte des Bayerischen Staatsorchesters ihren Anfang.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria Jacobäa von Baden, Ehefrau von Herzog Wilhelm IV (Hans Schöpfer I)

Herzog Wilhelm IV. heiratete am 5. Oktober 1522 in München die Prinzessin Maria Jakobäa von Baden (1507–1580), Tochter des Markgrafen Philipp I. von Baden und dessen Gattin Prinzessin Elisabeth von der Pfalz. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

Aus einer außerehelichen Beziehung mit Margarete Hausner von Stettberg entstammte ein Sohn:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wilhelm IV. (Bayern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Deutsche Baunerkrieg Kampf um das "alte Recht". Abgerufen am 18. November 2017.
VorgängerAmtNachfolger
Albrecht IV.Herzog von Bayern
1508–1550
Albrecht V.