Hans Spethmann

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Hans Spethmann (* 11. Dezember 1885; † 19. März 1957) war ein deutscher Wirtschaftsgeograph und Geologe. Er lebte unter anderem in Essen, wo er beim Bergbauverein arbeitete. Seinen Lebensabend verbrachte er in Lübeck.

Seine ersten Veröffentlichungen beschäftigten sich bereits mit der Geologie und Morphologie der Ostsee, bevor er Assistent bei Otto Krümmel in Kiel wurde. Er verfasste Arbeiten zur Landeskunde Islands.

Als 22-jähriger Student nahm er im Juli 1907 an einer Island-Expedition unter der Leitung der Berliner Wissenschaftler Dr. Walther von Knebel und Max Rudloff zur geologischen Erkundung des kaum bekannten Vulkanmassivs Askja und seiner Kraterseen Öskjuvatn und Víti (Askja) im zentralisländischen Hochland teil. Dabei kamen v. Knebel und Rudloff bei der Erforschung des größeren Öskjuvatn wahrscheinlich am 10. Juli 1907 auf dem See ums Leben. Spethmann überlebte, weil er zu diesem Zeitpunkt weit vom Unglücksort entfernt in der Askja Forschungen betrieb. Nach seiner Rückkehr zur Basis fand er die beiden Forscher und das Boot nicht mehr vor. Er blieb somit der einzige Gewährmann für das unglückliche Geschehen. Im August 1907 begleitete er eine weitere isländische Suchexpedition, um das Schicksal der Verschollenen aufzuhellen, das aufgrund der mysteriösen Umstande bis heute nicht restlos geklärt ist. Im September kehrte er nach Deutschland zurück.

Spethmann lehrte unter anderem als Privatdozent an den Universitäten Zürich, Berlin und Köln.

Er verfasste zahlreiche Abhandlungen zur Geologie und Wirtschaftsgeografie Mitteleuropas, insbesondere auch wichtige Publikationen über das Ruhrgebiet und den Ruhrbergbau. Ferner befasste er sich auch mit dem Leben von Hans von und zu Loewenstein, Franz Haniel, Johann Dinnendahl, Franz Dinnendahl, Ernst Honigmann und Friedrich Marthe.

Im Frühjahr 1913[1] gründete Spethmann zusammen mit Cahnheim, Herrmann und Heinrich Erkes die Vereinigung der Islandfreunde, die bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Er gehörte zum Vorstand der Kölner Gesellschaft.

Er war mit Margarethe Spethmann geb. Besthorn verheiratet. Sein Sohn Dieter Spethmann war Jurist und ehemaliger Vorstandschef von Thyssen. Sein Nachlass an Schriften, darunter unveröffentlichte Manuskripte und eine Sammlung von Plakaten aus den Jahren 1916 bis 1924, befindet sich heute im Stadtarchiv Essen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbstständige Veröffentlichungen
  • Studien über die Bodenzusammensetzung der baltischen Depression vom Kattegat bis zur Insel Gotland. Verlag Lipsius & Tischer, Kiel 1911.
  • Die Grosswirtschaft an der Ruhr. Verlag Ferdinand Hirt, Breslau 1925.
  • Dynamische Länderkunde. Breslau 1928.
  • Zwölf Jahre Ruhrbergbau. Aus seiner Geschichte von Kriegsanfang bis zum Franzosenabmarsch 1914–1925. 5 Bände. Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1928–1931.
    • Band 1: Aufstand und Ausstand bis zum 2. Generalstreik April 1919.
    • Band 2: Aufstand und Ausstand vor und nach dem Kapp-Putsch bis zur Ruhrbesetzung.
    • Band 3: Der Ruhrkampf 1928-30. Das Ringen um die Kohle.
    • Band 4: Der Ruhrkampf 1923 bis 1925 in seinen Leitlinien.
    • Band 5: Der Ruhrkampf 1923 bis 1925 in Bildern.
  • Deutsche Islandforschung 1930. Mit Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft herausgegeben von Walther Heinrich Vogt und Hans Spethmann. Verlag F. Hirt, Breslau 1930.
  • Das länderkundliche Schema in der deutschen Geographie. Kämpfe um Fortschritt und Freiheit. Verlag R. Hobbing, Berlin 1931.
  • Das Schicksal in der Landschaft. Verlag R. Hobbing, Berlin 1932.
  • Die Rote Armee an Ruhr und Rhein. 3. Auflage. Verlag R. Hobbing, Berlin 1932.
  • Das Ruhrgebiet im Wechselspiel von Land und Leuten, Wirtschaft, Technik und Politik. Bde. 1–3: Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1933. Bde. 4–5: Klartext Verlag, Essen 2011 (Erstveröffentlichung nachgelassener Manuskripte)
    • Band 1: Von der Vorrömerzeit bis zur Gestalt eines Reviers in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
    • Band 2: Die Entwicklung zum Grossrevier seit Mitte des 18. Jahrhunderts.
    • Band 3: Das Ruhrrevier der Gegenwart.
    • Band 4: Das Ruhrrevier der Gegenwart (2).
    • Band 5: Das Ruhrrevier der Gegenwart (3).
  • Der Maistreik 1924 im Ruhrbergbau. Verlag R. Hobbing, Berlin 1932.
  • Ruhrrevier und Raum Westfalen. Wirtschaftskritische Ergänzungen zu dem Werk „Der Raum Westfalen“. 110 Seiten, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg 1933.
  • Auf fremden Pfaden in USA. R. Hobbing, Berlin 1934.
  • Ein halbes Jahrzehnt wegen der „Dynamischen Länderkunde“ von einem deutschen Hochschul-Geographen dienstlich gemaßregelt. R. Hobbing, Berlin 1934.
  • Friedrich Marthe: Ein vergessener deutscher Geograph. Verlag R. Hobbing, Berlin 1935.
  • Fünfzig Jahre Verein technischer Grubenbeamten, Oberhausen 1885–1935. Verlag Bertenburg, Gelsenkirchen 1935.
  • Der Verband technischer Grubenbeamten 1886–1936. Festschrift. Verlag Bertenburg, Gelsenkirchen 1936.
  • Wie unser Ruhrgebiet wurde. Verlag Paul Schmidt, Berlin 1936.
  • Die geschichtliche Entwicklung des Ruhrbergbaus um Witten und Langendreer. Verlag Bertenburg, Gelsenkirchen 1937.
  • Die Stadt Essen. Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik, Berlin 1938.
  • Mein Abschied von der geographischen Lehrtätigkeit. Verlag für Sozialpolitik, Berlin 1938.
  • Hans von und zu Loewenstein. Verlag Glückauf, Essen 1939.
  • Bericht über den Stand der Haniel-Forschung. Essen 1939.
  • Von dem Geschlecht der Spethmanns. Eigenverlag, Essen 1941.
  • Neue Ergebnisse der Dinnendahl-Forschung. Selbstverlag, Essen 1942.
  • Die Rolle von Ernst Honigmann beim Aufkommen der Mergelschächte im Ruhrgebiet. Selbstverlag, Essen 1942.
  • Bausteine zur Geschichte des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats. Selbstverlag, Essen 1943.
  • Der Märkische Ruhrkohlenbergbau von 1539 bis 1662. Selbstverlag, Essen 1944.
  • Die ersten Mergelzechen im Ruhrgebiet. Selbstverlag, Essen 1947.
  • Die Eroberung des Ruhrgebietes im Frühjahr 1945. Verlag Fredebeul & Koenen, Essen 1950.
  • Die Frühzeit des Ruhrorter Hafens. Verlag Glückauf, Essen 1950.
  • Franz Haniel. Sein Leben und seine Werke. Haniel, Duisburg-Ruhrort 1956.
Unselbstständige Veröffentlichungen
  • Ancylussee und Litorinameer im südwestlichen Ostseebecken. In: Mitteilungen der Geografischen Gesellschaft. Lübeck 1907
  • Tiefenkarte der Beltsee. In: Petermanns Mitteilungen. 1911.
  • Der Wasserhaushalt der Ostsee. In: Zeitschrift Ges. Erdkunde. Berlin 1912.
  • Studien zur Ozeanografie der südwestlichen Ostsee. In: Int. Rev. ges. Hydrobiologie. 1915.
  • Die Anfänge der ruhrländischen Koksindustrie. In: Essener Beiträge. Nr. 62, 1947, S. 31–84.
  • Die Eroberung des Ruhrgebiets im Frühjahr 1945. In: Essener Beiträge. Nr. 65, 1950, S. 43–91.
  • Studien an den Flanken des Bodtener Ufers. In: Die Küste. Kiel 1952.
  • Forschungen im innersten Winkel der südwestlichen Ostsee. In: Mitteilungen der Geografischen Gesellschaft Lübeck. 1953.
  • Das Ruhrrevier im Blickfeld geographischer Landeskunde. In: 29. Deutscher Geographentag Essen 1953. Band 29, S. 31–36.
  • Der Kampf der Zeche Schölerpad um einen Tiefbau unter dem Direktionsprinzip. In: Essener Beiträge. Nr. 70, 1955, S. 23–54.
  • Der Essen-Werdensche Bergbau beim Übergang auf Preußen im Jahre 1802 In: Essener Beiträge. Nr. 71, 1956, S. 59–115.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Th. Stocks: Hans Spethmann zum 70. Geburtstag. In: Deutsche Hydrographische Zeitschrift. Band 8, 1955, S. 165.
  • Beatrix Löffler-Erkes: Dr. Hans Spethmann. In: Island-Nachrichten. 1, Nr. 1, 1957, S. 3–4.
  • Lutz Mohr: Island - Faszination und Geheimnis. Tragödie deutscher Forscher auf isländischem Kratersee. Zum Nationalfeiertag Islands am 17. Juni. In: Greifswalder Blitz am Mittwoch. Jahrg. 2, Nr. 48 vom 14. Juni 1995, S. 1f.
  • Frank Schroeder: Die Eisumschlungene. Spurensuche in Island. LundiPress Verlag, Eichstätt 1995, ISBN 3-9801648-3-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Verein und seine Ziele. Gesellschaft der Freunde Islands e.V. Hamburg, abgerufen am 1. März 2010.