Harter Zinnober-Täubling

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Harter Zinnober-Täubling

Harter Zinnober-Täubling (Russula rosea)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Täublingsverwandte (Russulaceae)
Gattung: Täublinge (Russula)
Art: Harter Zinnober-Täubling
Wissenschaftlicher Name
Russula rosea
Pers.

Der Harte Zinnober-Täubling (Russula rosea, syn. Russula lepida) ist ein Pilz aus der Familie der Täublingsverwandten. Mit seinem rosaroten, matt-samtigen Hut, dem rötlich überhauchten Stiel und dem sehr festen Fleisch ist er leicht zu erkennen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farbtafel von Thomas John Hussey aus „Illustrations of British mycology, 2nd ed.“ (1865)

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hut des Harten Zinnober-Täublings ist 6–10 cm breit. Er ist jung halbkugelig, dann flach gewölbt bis ausgebreitet. Im Alter kann er mitunter auch leicht vertieft sein. Die Huthaut ist glatt, glanzlos, feinsamtig matt und springt bei Trockenheit oft rissig auf. Die Oberfläche ist intensiv hell-zinnober- bis scharlachrot oder rosa, bisweilen auch weißlich bereift. Doch oft blasst die Mitte auch cremefarbig aus. Die Huthaut ist so gut wie nicht abziehbar.

Die Lamellen sind weißlich, später auch cremefarben und haben in der Nähe des Hutrandes oft eine rötliche Schneide. Sie sind abgerundet bis angewachsen und stehen ziemlich gedrängt. Das Sporenpulver ist weißlich bis blass cremefarben (IIa nach Romagnesi)

Der Stiel ist 3–9 cm lang und 1–4 cm breit, weiß, doch meist rosa bis rötlich überhaucht. Er ist voll, fest und nahezu hart und feinflockig. Das Fleisch ist weiß, auffallend hart und fest-fleischig. Es schmeckt nach längerem Kauen leicht bitter und ein wenig nach Bleistiftholz (Zedernholz), besonders in den Lamellen. Der Geruch ist nicht besonders auffallend, doch beim Kochen kann er terpentinartig sein.[1][2]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporen breit elliptisch bis fast kugelig, 8–10 µm lang und 7–8 µm breit. Die stacheligen, dichtstehenden Warzen, sind bis zu 0,5 μm hoch und über Linien und Grate miteinander zu einem gut entwickelten Netzwerk verbunden. In der Huthaut sind viele Pileozystiden vorhanden, die zylindrisch, konisch, spindelförmig oder schmal keulenförmig sein können, sich aber mit Sulfovanillin nicht oder kaum anfärben. In der Huthaut lassen sich auch Primordialhyhen nachweisen, das sind Hyphen, die mit kristallinen Ausscheidungen überkrustet sind, die sich mit einer Fuchsinfärbung anfärben lassen. Die angefärbten, körnigen Granulate sind allerdings spärlich und verstreut und leicht zu übersehen.[3]

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pilz hat viele eindeutige Kennzeichen – die Hutfarbe, die matt-trockene, nicht abziehbare Huthaut, der rötlich überlaufene Stiel, das sehr harte, nur leicht bittere Fleisch mit dem typischen Geschmack nach Bleistiftholz –, sodass er bei ausreichender Aufmerksamkeit mit keinem anderen roten Täubling verwechselt werden kann. Die ebenso leuchtend roten Speitäublinge haben bei vielen Merkmalen genau entgegengesetzte Eigenschaften: die Huthaut ist klebrig-glänzend und lässt sich ganz oder doch sehr weit abziehen, das Fleisch ist weich und zerbrechlich und sie schmecken scharf.[1]

Ähnlich ist der seltene Ockerblättrige Zinnober-Täubling (Russula pseudointegra). Er hat ebenfalls einen roten, samtigmatten Hut, seine Lamellen sind aber zumindest bei Reife ockergelb. Auch das Sporenpulver ist satt ockergelb. Er schmeckt bitterer und auch ein wenig schärflich. Der ebenfalls seltene Scharfe Zinnober-Täubling (Russula pungens) schmeckt deutlich scharf und sein Fleisch färbt sich nach einiger Zeit grau.[4]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Harte Zinnober-Täubling ist wie alle Täublinge ein Mykorrhizapilz, der vorwiegend mit Rotbuchen eine Symbiose eingeht. Selten geht er mit Eichen, noch seltener mit Hainbuchen oder anderen Laubbäumen eine Partnerschaft ein.

Der Pilz ist eine Charakterart des Rotbuchenwaldes und kommt vorwiegend in Waldmeister-Buchenwäldern und nicht zu bodensauren Hainsimsen Buchenwäldern vor. Er kann auch in Labkraut-Tannenwäldern sowie (selten) in Orchideen- oder Seggen-Buchenwäldern gefunden werden. Gelegentlich kommt er auch in Hainbuchen-Eichenwäldern, an Waldwegen, Waldlichtungen sowie in Parkanlagen vor.

Der Pilz mag schwach saure bis neutrale pH-Werte, toleriert aber auch saure bis schwach alkalische. Die Böden sollten flach oder mittelgründig, mäßig trocken bis frisch und nicht zu nährstoffhaltig sein. Der Harte Zinnober-Täubling ist jedoch nicht allzu wählerisch und kommt sowohl mit Sandböden als auch mit humosen Braunlehm-Rendzinen, Braun- und Parabraunerden über Sandstein, Graniten und Gneisen, Basalten, Mergeln als auch Kalkgestein zurecht. Die Fruchtkörper erscheinen von Juli bis Oktober und nur selten früher oder später. Man findet sie vorwiegend im Hügel- und unteren Bergland.[5]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Länder mit Fundnachweisen des Harten Zinnober-Täublings.[5][6][7][8][9][10][11][12][13][14][15]
Legende:
  • Länder mit Fundmeldungen
  • Länder ohne Nachweise
  • keine Daten
  • außereuropäische Länder
  • Der Harte Zinnober-Täubling ist eine holarktische Art, die auf der nördlichen Halbkugel auf allen Kontinenten in der meridionalen und temperaten Klimazone vorkommt. Die Art wurde in Nordasien (Israel, Kaukasus, Sibirien, Russland-Fernost, Korea und Japan), in Nordamerika (USA), in Nordafrika (Marokko, Algerien und Tunesien) und in Europa nachgewiesen. Auch in Madeira wurde sie gefunden. Die europäische Verbreitung des Harten Zinnober-Täublings entspricht derjenigen der Rotbuche, seines bevorzugten Mykorrhizapartners.

    In Deutschland findet man den Pilz vom Voralpenland bis zur dänischen Grenze. Im Süden ist er mäßig verbreitet, in der norddeutschen Tiefebene ist er selten.

    Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das lateinische Artattribut (Epitheton) "rosea" bedeutet rosa oder rosenrot,[16] während das noch häufig verwendete Artattribut "lepida" mit prächtig oder anmutig übersetzt werden kann.[17]

    Infragenerische Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Harte Zinnober-Täubling ist die Typusart der Untersektion Lepidinae, die innerhalb der Sektion Lilaceae (Incrustata) steht. Bei den Vertretern dieser Untersektion handelt es sich um große oder mittelgroße, mildschmeckende Arten. Ihr Hut ist meist rot oder rötlich und oft bereift.

    Unterarten und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die folgende Tabelle führt die Unterarten und Varietäten des Harten Zinnober-Täublings auf.[18]

    Varietät Autor Beschreibung
    R. rosea var. speciosa Zvara Farben ähnlich wie beim Typ, aber etwas blasser und stärker ausbleichend zuletzt gelblich. Fleisch weniger fest und schnell weich werdend. Stiel fein-runzelig, rosa überlaufen in Alter gilbend und rostfleckig. Sporen in der etwa 8 × 7,5 µm, mehr oder weniger kammartig ornamentiert.
    R. rosea var. salmonea Zvara Ebenfalls unter Eichen mit lachsfarbenem bis schwach rosafarbenem Hut.
    R. rosea var. sapinea Zvara Unter Tannen mit rotbraunem Hut und schwach safrangelben Lamellen.
    R. rosea var. alba Quel. Unter Rotbuchen als Albino-Form mit mehr ockerfarbenem Hut, sonst wie der Typ.
    R. rosea var. lactea (Pers.) Møll. & J.Schaef. Der Hut ist 5–6 cm breit, weißlich cremefarben, manchmal am Rand fast gelblich-oliv, selten in der Mitte leicht rosa. Stiel fest, bei Berührung gilbend oder bräunend. Das Fleisch sehr ähnlich wie Typus, wie auch der Geruch und der Geschmack. Die Sporen haben höhere stachelartige Warzen oder diese sind fein netzförmig verbunden.

    Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Harte Zinnober-Täubling ist essbar, doch hartfleischig und wenig wohlschmeckend, bei größeren Mengen wird ein Abbrühen empfohlen.[1]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: Harter Zinnober-Täubling (Russula rosea) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b c Hermann Jahn: Pilze rundum: Harter Zinnober-Täubling. (PDF; 6,1 MB) In: pilzbriefe.de. Westfälische Pilzbriefe, S. 184 [Nr. 246], abgerufen am 14. Mai 2011.
    2. Hans E. Laux (Hrsg.): Der Kosmos PilzAtlas. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-10622-5, S. 186.
    3. Roger Phillips: Russula lepida. RogersMushrooms. (Nicht mehr online verfügbar.) In: rogersmushrooms.com. Archiviert vom Original am 21. Januar 2015; abgerufen am 14. Mai 2011 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rogersmushrooms.com
    4. Ewald Gerhart (Hrsg.): Pilze. Band 1: Lamellenpilze, Täublinge, Milchlinge und andere Gruppen mit Lamellen. BLV Verlagsgesellschaft, München/ Wien/ Zürich 1984, ISBN 3-405-12927-3, S. 276.
    5. a b German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0, S. 493.
    6. Basidiomycota Checklist-Online – Russula lepida. In: basidiochecklist.info. Abgerufen am 25. September 2012.
    7. Cvetomir M. Denchev, Boris Assyov: Checklist of the larger basidiomycetes in Bulgaria. In: Mycotaxon. Band 111, 2010, ISSN 0093-4666, S. 279–282 (mycotaxon.com [PDF; 578 kB; abgerufen am 31. August 2011]).
    8. Z. Tkalcec, A. Mešic: Preliminary checklist of Agaricales from Croatia V:. Families Crepidotaceae, Russulaceae and Strophariaceae. In: Mycotaxon. Band 88, 2003, ISSN 0093-4666, S. 295 (cybertruffle.org.uk [abgerufen am 31. August 2011]).
    9. Estonian eBiodiversity Species description Russula lepida. In: elurikkus.ut.ee. Archiviert vom Original am 13. Februar 2013; abgerufen am 13. Juni 2012 (englisch).
    10. Weltweite Verbreitung von Russula lepida. (Nicht mehr online verfügbar.) In: data.gbif.org. Archiviert vom Original am 9. Juli 2015; abgerufen am 21. August 2011.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/data.gbif.org
    11. Elias Polemis u. a.: Mycodiversity studies in selected ecosystems of Greece: 5. (PDF; 330 kB) Basidiomycetes associated with woods dominated by Castanea sativa (Nafpactia Mts., central Greece). In: Mycotaxon 115 / mycotaxon.com. 2008, S. 16 ff, abgerufen am 22. August 2011.
    12. Gordana Kasom, Mitko Karadelev: Survey of the family Russulaceae (Agaricomycetes, Fungi) in Montenegro. In: Warsaw Versita (Hrsg.): Acta Botanica Croatica. Band 71, Nr. (2), 2012, ISSN 0365-0588, S. 1–14 (versita.metapress.com [PDF]). versita.metapress.com (Memento des Originals vom 27. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/versita.metapress.com
    13. Russula rosea in der PilzOek-Datenbank. In: pilzoek.de. Abgerufen am 21. August 2011.
    14. T. V. Andrianova u. a.: Russula lepida. Fungi of Ukraine. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.cybertruffle.org.uk/ukrafung/eng. 2006, archiviert vom Original am 27. November 2015; abgerufen am 3. Mai 2012 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cybertruffle.org.uk
    15. NMV Verspreidingsatlas online : Russula lepida. In: verspreidingsatlas.nl. Abgerufen am 25. September 2012.
    16. Karl Ernst Georges: roseus. In: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1. Hannover 1913, Sp. 2410 (zeno.org).
    17. Karl Ernst Georges: lepidus. In: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1. Hannover 1913, Sp. 618 (zeno.org).
    18. Monographic Key to European Russulas (1988). (PDF; 1,4 MB) In: Englische Übersetzung von M. Bons Russula-Schlüssel:. The Russulales Website, S. 82, archiviert vom Original am 28. Juli 2010; abgerufen am 14. Mai 2011.