Haus Rissen Hamburg – Institut für Internationale Politik und Wirtschaft

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Haus Rissen Hamburg
Institut für Internationale Politik und Wirtschaft
Rechtsform gemeinnütziger Verein
Gründung 23. April 1954
Gründer Helmut Thielicke, Erik Blumenfeld, Ernst Schrewe,
Gerhard Merzyn
Sitz Hamburg
Ursprung Deutschland
Personen Adelheid Sailer-Schuster, Michael Otto, Philipp-Christian Wachs
Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Globalisierung, Europäische Union, Sicherheitspolitik,
Vereinte Nationen
Methode Politische Bildung
Angestellte 16
Besitzer Gesellschaft für Politik und Wirtschaft e. V.
Motto Wissen, das Sie weiterbringt
Website www.hausrissen.org

Haus Rissen Hamburg – Institut für Internationale Politik und Wirtschaft ist ein gemeinnütziges, unabhängiges und überparteiliches Fortbildungsinstitut mit Sitz im Hamburger Stadtteil Rissen. Gegründet 1954 durch Erik Blumenfeld und weitere Hamburger Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft, bietet das Institut Seminare, Workshops und andere Fortbildungsprodukte zu aktuellen Fragen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Es ist ein durch die Bundeszentrale für politische Bildung anerkannter Träger der Politischen Bildung in Deutschland.

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude, 2012

Derzeitiger Direktor des Hauses ist seit 2008 Philipp-Christian Wachs. Das Institut beschäftigt acht weitere Fachreferenten. Zu den Veranstaltungen und Seminaren werden auch externe Experten hinzugezogen. Insgesamt werden pro Jahr gut 100 Seminare und Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen aus Unternehmen, Schulen, den Streitkräften und anderen Institutionen durchgeführt.

Beratend wirkt ein Kuratorium von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft unter Vorsitz von Michael Otto. Getragen wird das Institut durch die gemeinnützige Gesellschaft für Politik und Wirtschaft e. V.

Die Organisation versteht sich selbst als Produkt der aktiven Bürgergesellschaft und hat keinen festen staatlichen, kirchlichen, politischen oder sonstigen Träger. Es finanziert sich zu über 50 Prozent aus Teilnehmergebühren der Seminare und wird für den restlichen Teil unterstützt durch einen Kreis von Förderern, Kooperationspartnern und Spendern. Die Seminare und Veranstaltungen finden vorwiegend im Institutsgebäude in Hamburg-Rissen, aber auch an anderen Orten in ganz Deutschland statt.

Geschichte und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Rissen als Bildungsinstitut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude, 2012

1954 wurde Haus Rissen durch Hamburger Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien gegründet, um nach dem Zweiten Weltkrieg die demokratische Neuausrichtung der jungen Bundesrepublik zu unterstützen und zur Einbindung des Landes in den Westen beizutragen. Dieser Gründungsimpuls ist im Satzungszweck des Instituts festgehalten: „Jugend für Demokratie und Marktwirtschaft zu gewinnen und die Völkerverständigung zu fördern“. Bis heute liegt deshalb einer der Schwerpunkte des Instituts in der politischen Bildungsarbeit mit Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Gründer der Atlantik-Brücke, Erik Blumenfeld, engagierte sich aktiv beim Aufbau des Haus Rissen und leitete das Kuratorium des Instituts bis 1981. Deshalb gehört auch die Pflege der transatlantischen Beziehungen bis heute zu den Arbeitsschwerpunkten des Instituts.

Mit seinen Seminaren, Workshops, Tagungen und öffentlichen Veranstaltungen hat Haus Rissen seit seiner Gründung nicht nur Akzente gesetzt in der öffentlichen Auseinandersetzung und Impulse gegeben für die reformorientierte Weiterentwicklung von Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft in Deutschland. Bundespräsident Karl Carstens würdigte angesichts des 25. Vereinsjubiläums 1979 in einem Schreiben an Institutsdirektor Gerhard Merzyn die Arbeit des Hauses:

„25 Jahre Haus Rissen, das bedeutet 25 Jahre einer breit angelegten Bildungsarbeit auf hohem Niveau, die alle Fragen der Wirtschaft und der Gesellschaft, der Innen- und der Aussenpolitik einbezieht. Der Verein ist keiner politischen Partei, keiner Konfession, keinem Interessenverband und auch keiner Ideologie verpflichtet. Es ist ein Umschlagplatz freier Meinungen, auf dem unterschiedliche Auffassungen zu Wort kommen und selbständiges Urteil gefragt ist.“

Karl Carstens, in: Jürgen Hagenmeyer: 50 Jahre „Haus Rissen“. Politische Bildung in Hamburg 1954 – 2004. Hamburg 2004, S. 180

Das Institut hat auch stets mit geopolitischem Blick aktuelle weltweite Entwicklungen in den Blick genommen und in seinem Seminar- und Veranstaltungsangebot thematisiert.

In den fünfziger Jahren gehörte dazu u.a. die Öffnung nach Amerika durch Behandlung transatlantischer Fragen, die Erörterung der Zukunft der neu entstandenen Europäischen Gemeinschaft, der Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa sowie die Hinwendung zu Ländern der Dritten Welt wie etwa Indien.

In den 1960er Jahren ergänzte die intensive Beschäftigung mit der Deutschen Frage, die ersten Schritte der Entspannungspolitik und Fragen zu Politik und Strategie im Atomzeitalter die Themenpalette des Instituts ebenso wie die Entwicklung der postkolonialen Welt in Afrika, Mittel- und Fernost. 1965 fanden erstmals Seminare für Offiziere der westlichen Streitkräfte in Kooperation mit der Atlantik-Brücke statt, an denen bis heute über 12.000 Offiziere teilgenommen haben. Der Zukunftsforscher und Gründer des Hudson Institute, Herman Kahn, veranstaltete seit 1966 mehrere Jahre lang seine europäischen Sommerschule im Haus Rissen, und dessen Vorstände Eduard Pestel und Gerhard Merzyn gehörten im April 1968 zu den deutschen Gründungsmitgliedern des Club of Rome.

In den 1970er Jahren standen Themen die neu aufkommenden Fragen des nachhaltigen weltweiten Wirtschaftswachstums, die Öffnung Chinas und die geopolitischen Veränderungen Europas im Kern der Institutsarbeit. 1978 wurde die deutsche Sektion des Club of Rome durch Eduard Pestel im Institut gegründet und hatte bis 2005 dort seinen Sitz. Der damalige Leiter Uwe Möller war von 1992 bis 1998 Vorsitzender der deutschen Sektion und von 1999 bis 2007 weltweiter Generalsekretär des Club of Rome.

In den 1980er Jahren widmete sich das Institut auf nationaler Ebene beschäftigungspolitischen Fragen wie der Auswirkung moderner Technologien auf die Arbeitswelt und international u.a. den Umwälzungen in Osteuropa. Die Wende und friedliche Revolution in der DDR 1989/90 begleitete das Institut mit zahlreichen deutsch-deutschen Seminaren, Runden Tischen, Workshops, Klausurtagungen und anderen Formaten.

Bis zur Jahrtausendwende konzentrierte sich das Institut auf die Entwicklung des vereinten und erweiterten Europas sowie ausgewählte Weltgegenden und setzte einen Schwerpunkt in der publizistischen Arbeit durch zahlreiche Veröffentlichungen.

Seit 2008 ist der Verein wieder im Sinne des Gründungsauftrags als gemeinnütziges Fortbildungsunternehmen tätig und bietet mit jährlich gut 100 Seminaren, Workshops Vorträgen und Veranstaltungen Orientierungswissen zu aktuellen Fragen einer globalen Welt im Wandel. Seinen Kunden aus Unternehmen, Verwaltung und Streitkräften liefert das Institut auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Seminare und Fortbildungsangebote aller Art, entweder im institutseigenen Fortbildungszentrum in Hamburg-Rissen oder bei den jeweiligen Kunden vor Ort. Bis zum 1. Oktober 2014 lautete der Name Haus Rissen Hamburg - Internationales Institut für Politik und Wirtschaft. Im Zuge der Neuausrichtung nahm das Institut den heutigen Namen an.

Für Schüler und Jugendliche vermittelt das Institut im Rahmen seiner gemeinnützigen Jugendarbeit wirtschaftliches und politisches Orientierungswissen mit dem Ziel, aktuelle nationale wie globale Ereignisse zu verstehen und einzuordnen, um darauf aufbauend Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten erarbeiten zu können. Im Sinne des Gründungsauftrags von 1954 trägt Haus Rissen mit seinen Angeboten dazu bei, die politische Urteilsfähigkeit junger Menschen zu schärfen und damit die Bindekraft der Gesellschaft aus der Mitte heraus zu stärken.

Vorgeschichte des Gebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 wurde das Hauptgebäude als großbürgerlicher Landsitz für den Kaufmann Albert Ernst Vesper durch die Architekten Krenzki und Wille, Hamburg, auf der Fläche eines abgebrannten Vorgängerbaues, errichtet. Noch im selben Jahr kam es zum Verkauf des Hauses in der Inflationszeit, danach häufig wechselnde Eigentums- und Nutzungsverhältnisse.

Von 1934 bis 1945 befand sich auf dem Gelände die „Gauführerschule“ der Deutschen Arbeitsfront, einer Unterorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie trug den Namen „Gau-Betriebsgemeinschaftsschule Carl Heinzelmann“ und wurde von Rudolf Habedank geleitet. Die Schule wurde 1934 vom damaligen Gauleiter in Hamburg, Karl Kaufmann (1900–1969), eröffnet.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus diente das Haus von 1946 bis 1954 als Schulungsstätte für Mitarbeiter des Justizvollzugsdienstes der drei westlichen Besatzungszonen mit Unterbringung von Strafgefangenen im Untergeschoss des Haupthauses und benachbarten Gebäuden. 1952–1954 stand das Gebäude jedoch leer. Danach wurde es vom Trägerverein des heutigen Bildungsinstitutes übernommen und zu einem Ort politischer Bildungsarbeit umgestaltet.

Direktoren des Instituts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorsitzende des Kuratoriums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Hagenmeyer: 50 Jahre „Haus Rissen“. Politische Bildung in Hamburg 1954–2004. editiononline.de, Hamburg 2004, ISBN 3-9809508-4-0.
  • Jürgen Hagenmeyer: Gerhard Merzyn. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon. Band 2. Christians, Hamburg 2003, ISBN 3-7672-1366-4, S. 282–284.
  • Britta Hentrich: Haus Rissen, Internationales Institut für Politik und Wirtschaft. 50 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur gratulieren Haus Rissen zum 50. Geburtstag. (1954–2004, Jubiläumsanmerkungen). Haus Rissen, Hamburg 2004, ISBN 3-9809508-5-9.
  • Uwe Möller: 50 Jahre Haus Rissen. Orientierung für den Staatsbürger. Ein Werkstattbericht. (1954–2004). Verlag Michael Weidmann, Hamburg 2004, ISBN 3-935100-13-2.

Koordinaten: 53° 34′ 34,7″ N, 9° 46′ 22″ O