Club of Rome

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Logo des Club of Rome
Älteres Logo (bis ca. 1999 verwendet)

Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss von Experten verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern und wurde 1968 gegründet. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Mit dem 1972 veröffentlichten Bericht Die Grenzen des Wachstums erlangte er große weltweite Beachtung. Seitdem kämpft der Club of Rome für nachhaltige Entwicklung und setzt sich für den Schutz von Ökosystemen ein.[1] Seit 2008 hat die Organisation ihren Sitz in Winterthur, Schweiz.

Gleichberechtigte Präsidentinnen des Club of Rome sind seit 2018 Sandrine Dixson-Declève und Mamphela Ramphele.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Club wurde 1968 gegründet. Die Idee stammt von dem italienischen Industriellen Aurelio Peccei, einem damaligen Mitglied der Firmenleitungen von Fiat und Olivetti und Präsident der Unternehmensberatung Italconsult, sowie dem Schotten Alexander King, Direktor für Wissenschaft, Technologie und Erziehung bei der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Es gelang ihnen, eine Konferenz zu den Zukunftsfragen der Menschheit in der Accademia dei Lincei in Rom zu organisieren, die jedoch nicht zu dem gewünschten Erfolg führte. Nach dem Ende der Konferenz trafen sich sechs der Teilnehmer: Aurelio Peccei, Alexander King, Hugo Thiemann, Max Kohnstamm, Jean Saint-Geours und Erich Jantsch. Die Gruppe beschloss, ihre Ideen weiter zu verfolgen, und gab sich den Namen „Club of Rome“.

1973 erhielt der Club of Rome den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels als bisher einzige Organisation anstelle einer Einzelperson.[3]

Ziel/Anliegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ziele des Club of Rome sind, die wichtigsten Zukunftsprobleme der Menschheit und des Planeten durch holistische, interdisziplinäre und langfristig ausgerichtete Forschung zu identifizieren, alternative Zukunftsszenarien und Risikoanalysen zu evaluieren, praktische Handlungsoptionen zu entwickeln und vorzuschlagen, neue Erkenntnisse und Trends gegenüber Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit zu kommunizieren und gesellschaftliche Debatten zur Verbesserung der Zukunft in Gang zu setzen.[4] Das aktuelle Arbeitsprogramm des Club of Rome konzentriert sich auf die Themenbereiche 1) Umformulierung der Ziele und Veränderung der Funktionsweise unserer Wirtschaftssysteme; 2) Entkopplung von Wohlstandsentwicklung und Ressourcenverbrauch; und 3) Sicherung von Lebensgrundlagen, Arbeitsplätzen und Einkommen.[5]

Um seine Ziele zu erreichen, setzt der Club of Rome auch auf die Bildung der jungen Generation. Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome rief daher im Jahr 2004 gemeinsam mit Schulen aus ganz Deutschland das Netzwerk der Club-of-Rome-Schulen ins Leben. Unter dem Motto „global denken, lokal handeln“ sollen Schülerinnen und Schüler an Club-of-Rome-Schulen lernen, über Grenzen hinweg zu denken, globale Perspektiven einzunehmen und in ihrem lokalen Umfeld aktiv zu werden. Club-of-Rome-Schulen sind als Lernorte gedacht, an denen Schülerinnen und Schüler ihren Einfluss in kleinen und großen Zusammenhängen entdecken und ihre Potentiale entfalten können.[6]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweite Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den Bezeichnungen Club of Rome, National Association des Club of Rome und tt30 (Think Tank 30) ist ein Netzwerk formal unabhängiger, durch gemeinsame Ideen verbundener Organisationen aktiv. Da es heute eine größere Zahl von National Associations und tt30s gibt, wird der ursprüngliche Club of Rome zur Unterscheidung gelegentlich mit „Club of Rome International“ bezeichnet, insbesondere dann, wenn die Möglichkeit einer Verwechslung besteht.

  • Der Club of Rome International hat maximal 100 Vollmitglieder. Diese wählen ein Exekutivkomitee, das aus seiner Mitte den Präsidenten und die Vizepräsidenten bestimmt. Assoziierte und Ehrenmitglieder haben kein Stimmrecht. Der Club of Rome International trifft sich einmal jährlich. Im September 2007 wurde die Verlegung des Generalsekretariats von Hamburg nach Zürich beschlossen. Die Anschubfinanzierung des Umzugs in Höhe von 1,82 Mio. Franken (=1,2 Mio. Euro) wurde allerdings am 24. Februar 2008 in einer Volksabstimmung abgelehnt. Am 21. April 2008 verkündeten der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend und ein Vertreter des Club of Rome, dass der Hauptsitz nach Winterthur verlegt wird. Der Club of Rome wird dabei von der Robert und Ruth Heuberger-Stiftung über fünf Jahre mit insgesamt 1,8 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Von 2014 bis 2018 war Graeme Maxton der Generalsekretär des Club of Rome.[7][8]
  • Think Tank 30 International (s. u.)
  • Die National Associations des Club of Rome sind formal unabhängige Organisationen auf Länderebene. Meist sind sie als Verein organisiert. Sie wählen ihre Arbeitsthemen, ihre Struktur und ihre Mitglieder frei aus. Mitglieder des Club of Rome International sind nicht automatisch Mitglieder der jeweiligen Länderorganisation (wenngleich das auch oft der Fall ist). Die National Associations haben zusammen mehr als 1000 Mitglieder. Einige von ihnen haben nationale Think-Tank-30-Gruppen gebildet.

Deutsche Gesellschaft Club of Rome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome schafft Bewusstsein für die Themen, Ziele und Positionen des Club of Rome auf nationaler Ebene. 2018, im 50. Jubiläumsjahr des Club of Rome International, beschlossen die Mitglieder auf ihrer Jahrestagung, die Anliegen, die zur Gründung des Club of Rome führten, verstärkt in den Vordergrund zu rücken: Das "Abenteuer des Geistes" neu zu entfachen und die Weiterentwicklung des Menschen und seiner Denkweisen stärker in den Fokus zu rücken[9].

Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome ist ein gemeinnütziger Verein, der 1978 im Haus Rissen in Hamburg gegründet wurde. Präsident ist der Wissenschaftler Mojib Latif, die Geschäftsführung ist besetzt mit Andreas Huber.

Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome betreibt eigene Projekte, unter anderem den Think Tank 30. Dessen Mitgliedern sind unter anderem Jens Crueger, Wolfgang Gründinger (assoziiert), Manuel J. Hartung (assoziiert), Philipp Hübl, Philip Kovce und Akilnathan Logeswaran (assoziiert).

Außerdem verfolgt die Deutsche Gesellschaft Club of Rome im Rahmen einer Kooperation mit dem Planetarium Hamburg das Ziel, die Planetariums-Technologie für eine neue Form der Wissenschaftskommunikation und den globalen Austausch zu nutzen.[10]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Club soll multinational und multikulturell sein; alle Kulturen, Ideologien, Berufe und Wissenschaftszweige sollen vertreten sein.
  • Mitglieder sind ausgesuchte Ökonomen, Industrielle, Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
  • Es werden Vollmitglieder, Assoziierte Mitglieder, Ehrenmitglieder und Ex-Officio Mitglieder unterschieden. Die Zahl der Vollmitglieder ist auf 100 beschränkt.[11] Ein hochrangiges politisches Amt schließt eine Mitgliedschaft aus.
  • Bewerbungen um die Mitgliedschaft sind möglich, aber nicht üblich; Vorbild ist das Prinzip der wissenschaftlichen Akademien (siehe Kooption).

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirken und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Club of Rome trat zum ersten Mal 1972 öffentlich in Erscheinung mit der von ihm beauftragten Studie Die Grenzen des Wachstums, die unter der Leitung von Dennis und Donella Meadows erarbeitet worden war. Mit dieser Studie wurde erstmals unter Verwendung der System Dynamics-Methodik im Rahmen verschiedener Szenarien eine Prognose für die zukünftige Weiterentwicklung der Welt erstellt.

Seit 1972 wurden neben anderen Publikationen 34 sogenannte „Berichte an den Club of Rome“ angenommen, die sich mit verschiedenen Themen vor allem unter dem Aspekt der zukünftigen Entwicklung befassen. Die Berichte werden von externen Experten oder Mitgliedern des Clubs verfasst, zur Begutachtung vorgelegt und als Bericht angenommen oder abgelehnt. Sie werden aber nicht vom Club als Organisation verfasst oder herausgegeben.

Der Club of Rome ist Mitinitiator bei der Global Marshall Plan Initiative.

Der Club of Rome betonte 2017 im Bericht Wir sind dran den Einfluss von bewussten Investitionsentscheidungen auf die Zukunft der Umwelt[12]. Es solle demnach mehr Privates Kapital in Unternehmen fließen, die nach dem Pariser Klimavertrag und UN-Entwicklungszielen handeln[13]. Konsequent wurde bei der Vorstellung des Berichts am 16. Oktober 2017 im Hotel Bayerischer Hof (München) durch Mitglieder des Club of Romes und Münchner Unternehmer eine Investmentwende ausgerufen.[14]

Veröffentlichte Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dennis Meadows u. a.: Die Grenzen des Wachstums – Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit (Originaltitel: The limits to growth, übersetzt von Hans-Dieter Heck), DVA, Stuttgart 1972, ISBN 3-421-02633-5 (16. Auflage 1994)
  • Mihailo Mesarović, Eduard Pestel: Menschheit am Wendepunkt – 2. Bericht an den Club of Rome zur Weltlage (Originaltitel: Mankind at the turning point übersetzt von Hans-Dieter Heck und Walter Stegemann). DVA, Stuttgart 1974, ISBN 3-421-02670-X
  • Donella H. Meadows, Dennis Meadows, Jørgen Randers u. a.: Die neuen Grenzen des Wachstums, die Lage der Menschheit: Bedrohung und Zukunftschancen [Prognose 1991–2100 ] (Originaltitel: Beyond the limits, übersetzt von Hans-Dieter Heck), DVA, Stuttgart 1993 ISBN 3-421-06626-4 (Taschenbuchausgabe: rororo 9510 In: rororo-Sachbuch Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1993–1995, ISBN 3-499-19510-0)
  • Franz Josef Radermacher, Bettina Hofstaetter (Übersetzung), Global Marshall Plan Foundation (Hrsg.): Global Marshall Plan. A Planetary Contract for a Worldwide Eco-Social Market Economy. Global Marshall Plan Initiative, Hamburg 2004, ISBN 978-3-9809723-0-7 (deutsch und englisch).
  • Axel Beyer: Wie wir lernen wollen. Das Netzwerk der Club of Rome-Schulen. Murmann, Hamburg 2006, ISBN 3-938017-73-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Club of Rome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Club of Rome: "Wir sind im Begriff, den Regenwald aufzuessen". In: Zeit Online. 21. Mai 2015, abgerufen am 15. Mai 2018.
  2. cooppa.at: Der „Club of Rome“ im 21. Jahrhundert, 2. Februar 2019
  3. Die Preisträger*innen und ihre Reden. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, abgerufen am 22. August 2017.
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 29. Mai 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.clubofrome.org
  5. http://www.clubofrome.org/?p=693
  6. http://www.club-of-rome-schulen.org/
  7. Archivlink (Memento des Originals vom 16. Juni 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.clubofrome.org
  8. Graeme Maxton clubofrome.org, abgerufen am 23. Februar 2019
  9. Jahrestagung 2018. In: Deutsche Gesellschaft Club of Rome. Abgerufen am 25. Juli 2020.
  10. Pressemitteilung. In: Deutsche Gesellschaft Club of Rome. Abgerufen am 25. Juli 2020.
  11. Archivlink (Memento des Originals vom 28. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.clubofrome.org
  12. Club of Rome - Die Zukunft des Planeten. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 17. November 2017]).
  13. NDR: DAS! mit Ernst Ulrich von Weizsäcker. 4. Oktober 2017, abgerufen am 17. November 2017.
  14. Club of Rome sieht in Papst Franziskus Wegbereiter neuen Denkens | domradio.de. Abgerufen am 8. November 2017.