Heidelberger Disputation

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Martin Luther in Heidelberg
Luther als Mönch und Professor

Die Heidelberger Disputation (lat. disputare „auseinandersetzen“, „erörtern“) war ein im April 1518 von Martin Luther geleitetes wissenschaftliches Streitgespräch in der Heidelberger Universität. Für die Ausbreitung von Luthers Lehre im südwestdeutschen Raum hatte sie große Bedeutung.

Charakter, Verlauf und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit Martin Luther am Ordenskapitel in Heidelberg teilnehmen konnte, ließ er sich bei Johann von Staupitz[1][2] einerseits von seinen Hochschulverpflichtungen in Wittenberg beurlauben und erhielt andererseits von seinem sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise ein Schutzbrief, die durch entsprechende Korrespondenz seitens seines Landesherrn mit dem Fürstbischof von Würzburg Friedrich von Wirsberg und dem Kurfürsten von der Pfalz Ludwig V. der Friedfertige abgesichert worden war.[3]

Das Generalkapitel der deutschen Augustiner-Eremiten strenger Observanz fand 1518 in Heidelberg statt. Nachdem die Ordensangelegenheiten geregelt waren, veranstalteten die Augustiner am Freitag, den 26. April 1518[4] eine wissenschaftliche Disputation, mit deren Leitung Martin Luther betraut war. Die Veranstaltung fand nicht im Augustinerkloster selbst statt, sondern in der Universität, im Hörsaal der Artistenfakultät (Fakultät der Artes liberales). Eine weitere Verbindung der Universität zur Disputation bestand durch die Anwesenheit des Pedells Johannes Negelin.[5]

Die Disputation war bereits Teil des römischen Vorgehens gegen Martin Luther im Ablassstreit. Rom hatte den Augustinerorden damit beauftragt, eine Disputation durchzuführen, in der Luther seine Thesen zum Ablass erläutern sollte.[6] In der Disputation ging Luther aber nicht auf die Problematik des Ablasses ein,[7] sondern behandelte das Thema der Werkgerechtigkeit und die theologia crucis im Gegensatz zur theologia gloriae. In den von ihm aufgestellten Thesen zur Disputation vermittelte Luther den Grundgedanken seiner neuen Theologie, die völlige Abhängigkeit des Menschen von der Gnade Gottes. Nicht durch seine Werke erlange der Mensch Gottes Gnade, sola gratia sondern allein durch seinen Glauben.

Bei den an der Disputation beteiligten Professoren der theologischen Fakultät fand Luther keine Zustimmung, aber er gewann viele Anhänger unter den Studenten und Magistern der Artistenfakultät.[8] Spätere Reformatoren wie Martin Bucer, Erhard Schnepf, Franciscus Irenicus, Martin Frecht und Johannes Brenz waren unter den Zuhörern.

Die Heidelberger Disputation gewann für die Ausbreitung von Luthers reformatorischer Lehre große Bedeutung. Viele seiner Zuhörer wurden zu Trägern der Reformation im südwestdeutschen Raum. Auf die Reformation im Kraichgau hatte vor allem Johannes Brenz großen Einfluss, und Erhard Schnepf predigte schon ab 1520 im Sinn der lutherischen Lehre. Die meisten der später im Kraichgau tätigen Pfarrer und Prediger in den Prädikaturen hatten 1518 in Heidelberg studiert und wurden durch die Disputation für die Reformation gewonnen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Darstellung folgt im Wesentlichen dem Kapitel Heidelberger Disputation. In: Gerhard Kiesow: Von Rittern und Predigern. Die Herren von Gemmingen und die Reformation im Kraichgau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1997, S. 40f.
  • Karl-Heinz zur Mühlen: Die Heidelberger Disputation Martin Luthers vom 26. April 1518. In: Semper Apertus. 600 Jahre Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1386–1986. Bd. 1, hg. von W. Doerr u. a., Berlin u. a. 1985, S. 188–212.
  • Heinz Scheible: Die Universität Heidelberg und Luthers Disputation. In: ZGO 131 (1983) S. 309–329.
  • Michael Plathow: Martin Luther in Heidelberg. Die Heidelberger Disputation. In: „Luther-Bulletin“ 1998, 7, S. 76–93.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erster Dekan der Theologischen Fakultät zu Wittenberg, von 1502 bis 1520
  2. Christoph Bultmann, Volker Leppin, Andreas Lindner (Hrsg.): Luther und das monastische Erbe. Bd. 39 Spätmittelalter, Humanismus, Reformation, Mohr Siebeck, Tübingen 2007, ISBN 3-161-4-9370-2, S. 33–34
  3. Andrew Pettegree: Die Marke Luther. Wie ein unbekannter Mönch eine deutsche Kleinstadt zum Zentrum der Druckindustrie und sich selbst zum berühmtesten Mann Europas machte - und die protestantische Reformation lostrat. Insel, Berlin 2016, ISBN 978-3-458-17691-6, S. 107
  4. Vgl. zur Datierung Scheible, S. 317.
  5. Vgl. Scheible, S. 316–323; zur Mühlen, S. 190f.
  6. Vgl. zur Mühlen, S. 189f.
  7. Vgl. zur Mühlen, S. 189.
  8. Vgl. Scheible, S. 324–329.