Heilstätte Harzgerode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Heilstätte Harzgerode im Jahr 2011

Die Heilstätte Harzgerode wurde 1928–1931 vom Architekten Godehard Schwethelm erdacht und gebaut. Von 1931 bis 1998 wurden hier zunächst Tuberkulose, später auch andere Lungenleiden von Kindern behandelt. Das Gebäudeensemble umfasst das Hauptgebäude, eine Gärtnerei, zwei Ärztewohnhäuser, die Chefarztvilla, eine Isolationsstation, ein Schulgebäude, sowie ein Torhaus.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heilstätte Harzgerode liegt nördlich der Stadt Harzgerode auf einem 21 ha großen, parkähnlich angelegten Grundstück. Das Gelände auf einer Lichtung ist von Nadel- und Laubwald umschlossen. Mehrere Wanderwege führen am Gelände entlang.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Details der Heilstätte Harzgerode

Im Stil des Neuen Bauens erdacht, ist die Heilstätte Harzgerode heute ein Baudenkmal der klassischen Moderne. Luft und Sonnenlicht sollten die Kinder jener Zeit von ihren Lungenleiden heilen. Verspielte Formen, wie zum Beispiel runde Fenster und Räume, kunstvoll geätzte Scheiben und geschwungene Formen, kindliche Leichtigkeit in einen schlichten Funktionsbau bringen. Charakteristisch für die Heilstätte sind die langen Balkone vor den Patientenzimmern an der Süd- und Ostseite des Gebäudes, welche durch bodentiefe Fenster auch für bettlägerige Kinder zu erreichen waren. Die beiden Bettenflügel Süd und Ost sind in der Mitte durch einen vierseitigen Zentralbau verbunden, in dem sich die Funktionsräume befanden.

Die Heilstätte Harzgerode war das erste Großprojekt des jungen Godehard Schwethelm, der später u. a. auch das Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode entwarf. Überall im Gebäude findet man die typische Handschrift des Architekten in der allgemeinen Formgebung und in kleinen baulichen Details, wie einem Kamin aus Dachziegeln. Während ein Flügel in den 90er Jahren saniert wurde, sind im Altbau noch viele Bauteile im Original vorhanden.

Nutzung als Kinderheilstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1931 bis 1998 wurde die Heilstätte Harzgerode als Kinderheilstätte für Tuberkulose und als Kurklinik für Lungenkrankheiten betrieben. Die Heilstätte bot Platz für 150 junge Patienten und 150 Angestellte, welche zu großen Teilen auf dem Gelände wohnten. In zwei Operationssälen wurden Lungenoperationen durchgeführt. Bis in die 1990er Jahre spielten nach wie vor Licht und Luft eine große Rolle bei der Heilung der Lungenleiden. Hierfür gab es ausgedehnte Spaziergänge auf dem Gelände und Liegekuren auf den Balkonen der Heilstätte.

1950 erhielt die Heilstätte eine eigene Sonderschule, in den 1980er Jahren anstelle der Schulbaracken ein mehrklassiges Schulgebäude.

Nach 1990 als bauhistorisch beachtenswerte Anlage eingestuft, wurden in wenigen Jahren ca. elf Millionen DM für Sanierung, Modernisierung und Medizintechnik investiert, allein zwei Millionen DM für neueste Technik zur Röntgendiagnostik und Laborausstattung. Angesichts der ab 1991 sinkenden Zahl von Einweisungen kündigte Anfang 1995 ein Sprecher des Sozialministeriums der Landesregierung Sachsen-Anhalts die Schließung der Klinik zum Jahresende an. Eltern der betroffenen Kinder gründeten eine "Initiative zur Erhaltung der Fachkinderklinik Harzgerode". Fast 17.000 Unterschriften wurden in der Region für den Erhalt der Heilstätte gesammelt. Stadtrat, Kreistag und Landtag setzten sich für den Weiterbetrieb ein. 1996 kamen nochmals rund 10.000 Unterschriften für den Erhalt der Klinik zusammen. Trotz der Proteste erfolgte im Dezember 1997 die Ankündigung der endgültigen Schließung. Zum 30. September 1998 wurde den noch 89 Beschäftigten gekündigt. Anschließend gab es zahlreiche Versuche, die Anlage einer neuen Nutzung zuzuführen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2017 bewohnt die sozial-ökologische Gemeinschaft Heilstätte Harzgerode das Gelände und baut es sukzessive als Ökodorf aus.[1] Auf Anfrage werden Führungen angeboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Falko Grubitzsch: Die Kinderheilanstalt Harzgerode. Vom architektonischen Konzept zur Bekämpfung einer Volksseuche zum modernen Klinikum. In: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt, 1996/2, S. 140–155.
  • Friedhelm Linemann, Andreas Friebe: Harzgerode und das Selketal. Episoden und Bilder aus vier Jahrhunderten. Letterado, Quedlinburg 2006, ISBN 3-938579-22-6, S. 101–107.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. sozial-ökologische Gemeinschaft Heilstätte Harzgerode. Abgerufen im 13. Februar 2018.

Koordinaten: 51° 39′ 28,9″ N, 11° 8′ 46″ O