Lungenheilstätte

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Lungenheilstätte Leysin, Schweiz, um 1900

Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägte Begriff Lungenheilstätte bezeichnet eine Heilstätte für Tuberkulosekranke, an der die Luftkur durchgeführt wurde, insbesondere in Form von Höhenkliniken. Der Übergang zu Sanatorium und Fachklinik ist fließend.

Lage und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Ernst von Leyden gegründete Deutsche Zentralverein zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke bewirkte einen deutlichen Rückgang der Tuberkulosesterblichkeit. Carl Dorno und Alexander Spengler untersuchten den therapeutischen Wert von Klima und Ultraviolettstrahlung. Höhenkliniken kamen in Mode.[E 1] Der Zauberberg (1924) hat ein verzerrtes („schönes“) Bild der Lungenheilstätten entstehen lassen. Wirklichkeitsnäher ist die sarkastische Bezeichnung „Mottenbunker“ – wobei mit Motten die Tuberkelbazillen gemeint sind. Der Infektiosität entsprechend befanden sich die Krankenanstalten isoliert von Städten und Dörfern, wenn möglich in Höhenlage. Frauen, Männer und Kinder wurden getrennt untergebracht. Die meisten Häuser hatten große Sonnenterrassen und Gärten, weil die Ultraviolettstrahlung und frische Luft die Heilung fördern. Die abgeschiedene und gesunde Lage begünstigte seit den 1970er Jahren die Umwidmung für Kur und Rehabilitation. Viele Häuser wurden Fachkliniken für Orthopädie oder Psychiatrie.

Nach wie vor ist die Tuberkulose ein gewaltiges Problem der Sozialmedizin und der Infektiologie. So nimmt die Antibiotikaresistenz zu. Dass die Heilstätten weitgehend verschwunden sind, liegt vor allem an Wohlstand und Hygiene. In der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und in der Nachkriegszeit in Österreich traten wieder zahlreiche Tuberkulosefälle auf. Viele Lungenheilstätten erlebten eine zweite „Blütezeit“.

Lungenheilstätten nach Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unvollständige Liste. E=Einzelnachweise/Geschichte, B=Bilder, DNB=Deutsche Nationalbibliothek.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baden und Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franken und Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessen und Westfalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mark Brandenburg und Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neumark und Posen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestdeutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seehospital Sahlenburg

Ostpreußen, Westpreußen und Pommern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lochstädt

Pfalz und Saarland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlesien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Görbersdorf

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1916 bis 1925 starben in der Schweiz über 50'000 Menschen an der Lungentuberkulose. Neben den Privatkliniken gab es auch Volksheilstätten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Schweiz die ersten Volksheilstätten für Lungenkranke eröffnet: 1895 Heiligenschwendi, 1896 die Basler Volksheilstätte in Davos-Dorf, 1897 die Glarner Volksheilstätte in Braunwald und 1898 die Zürcher Heilstätte Wald. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten Sanatorien in Clermont-sur-Sierre, Leysin, Malvilliers, Knoblisbühl, Unterägeri, Allerheiligenberg und 1912 die Barmelweid. In Davos gab es 1918 zwölf kantonale und einige ausländische Volkssanatorien (Niederlande, Deutschland, England usw.). Ende der 1920er-Jahre gab es in der Schweiz 88 Sanatorien als Lungenheilstätten.[1][2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Credé: Ueber Heilstätten-Wesen. Dissertation Universität Leipzig 1907.
  • Ingeborg Langerbeins: Lungenheilanstalten in Deutschland (1854–1945). Dissertation Universität Köln 1979.
  • Wilhelm Roloff: Tuberkulose-Lexikon. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1949.
  • Erich Stern: Zur Frage der Psychotherapie im Lungensanatorium. In: Allgemeine ärztliche Zeitschrift für Psychotherapie und psychische Hygiene. Band 2, 1929, S. 299–314.
  • Erich Stern: Bemerkungen zu Thomas Manns „Zauberberg“. In: Medizinische Klinik. Band 21, 1925, S. 254–257.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lungenheilstätten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hirschhalde
  2. a b c d e Lungenheilstätten (private Website) (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  3. Philippstift
  4. Walter Koepff: Von der Heilanstalt zur modernen Klinik (Eleonoren-Klinik)
  5. Beelitz
  6. Stahnsdorf (Memento vom 22. Juli 2015 im Internet Archive)
  7. Rathenow
  8. Oranienbaum (lungenheilstaetten.de)
  9. Kolberg (lungenheilstaetten.de).
  10. Holsterhausen
  11. Die Lungenheilstätte im Hardter Wald (Hindenburger)@1@2Vorlage:Toter Link/www.hindenburger.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. Ronsdorf
  13. Sophienheilstätte
  14. Heilstätte der Österreichischen Bundesbahner (Memento des Originals vom 22. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/oldthing.de
  15. Grafenhof

DNB-Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich-Hilda-Genesungsheim (Oberweiler)
  2. Demmingen (Memento vom 7. April 2015 im Internet Archive)
  3. Nordrach-Kolonie
  4. Pappenheim
  5. Ambrock
  6. Eberbach, Männer
  7. Reichelheim, Frauen
  8. Lostau
  9. Vollmarstiftung Trebschen
  10. Ronsdorf
  11. Vogelsang
  12. Landesklinikum Thermenregion

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationalmuseum.ch: Die weisse Pest
  2. B. Rüttimann: Volkssanatorien in der Schweiz. In: Schweizerische Aerztezeitung. ([1]).
  1. Mythos «Höhenkur» und die Gründung der Lungenliga. (PDF) In: Schweizerische Ärztezeitung. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  2. a b c Volksheilstätten für Lungenkranke in Württemberg (Landesarchiv Baden-Württemberg) in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  3. Baugeschichte Schloss Horneck
  4. Heilstätten Friedrichsheim-Luisenheim (Landesarchiv Baden-Württemberg) in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  5. Lungenheilstätte Weinsberg (Landesarchiv Baden-Württemberg)
  6. Rehaklinik Überruh (Memento vom 21. August 2014 im Internet Archive)
  7. a b c d Ulrike Lindner (2001)
  8. a b Deutsches Ärzteblatt (2008)
  9. Über die München Klinik Harlaching, Menüpunkt: Geschichte des Klinikums. München Klinik gGmbH, abgerufen am 25. Februar 2020.
  10. Münnerstadt (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  11. a b siehe Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover#Rehazentrum Oberharz
  12. Sankt Andreasberg: Glückauf (lungenheilstaetten.de)
  13. Knappschaftskrankenhaus Beringhausen
  14. Hengsbach (D. Spies)
  15. Kaufungen: Aus Lungenheilstätte wurde neues Zuhause (HNA)
  16. Von der Hustenburg zum Zauberberg (Ruppertshain) (Memento vom 13. November 2011 im Internet Archive)
  17. Volksheilstätte Hellersen (lungenheilstaetten.de)
  18. Reha Klinikum „Hoher Fläming“
  19. Blankenfelde: Lungenheilstätte und Aufnahmelager (Memento vom 27. Juni 2014 im Internet Archive)
  20. Der Geist von Grabowsee
  21. Hohensalza (lungenheilstaetten.de)
  22. Sternberg: Schöneberg (lungenheilstaetten.de)
  23. Fachklinik Satteldüne (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  24. Nordheimstiftung (StadtWiki Cuxhaven)
  25. Bremer Heilstätte für unbemittelte Lungenkranke (GoogleBooks)
  26. Bürgerverein Ringelheim: Das Schloss Ringelheim
  27. Fachklinik Waldeck
  28. Kein Denkmalschutz für Ex-Lungenheilanstalt (MK Kreiszeitung)
  29. Lungenheilstätte Frauenwohl bei Allenstein in Ostpreußen (lungenheilstaetten.de).
  30. Kronprinzessin Cecilie-Heilstätte (lungenheilstaetten.de).
  31. Andreas Jüttemann: Tbc-Krankenhaus Hohenkrug
  32. Thaddäus Zajaczkowski: The Tuberculosis Hospital in Hohenkrug, Stettin, Department of Genitourinary Tuberculosis. Annales Academiae Medicae Stetinensis 58 (2012), S. 66–76.
  33. Lungenheilanstalt Lochstädt war hochmodern (PAZ 2012) – (PDF).
  34. SHG-Kliniken Sonnenberg
  35. Fachklinik Eußerthal (Memento vom 20. August 2014 im Internet Archive)
  36. Chefärzte waren Fritz Bredow (1880–1936) und Paul-Georg Schmidt.
  37. Seniorenzentrum Elisabethhaus Weibern
  38. Städtische Hardterwald-Klinik, Louise-Guery-Stiftung (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  39. Adorf: Am 21. Mai 1906 wurde die Heilstätte im Ortsteil Sorge in Betrieb genommen
  40. Geschichte Albertsbergs
  41. Geschichte Carolagrüns
  42. (K)ein Schloss in Coswig. Eine 220-jährige wechselvolle Geschichte (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive)
  43. AHG-Klinik Römhild
  44. Schloss Weißenburg
  45. Klinikum Chemnitz@1@2Vorlage:Toter Link/www.klinikumchemnitz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  46. Volksheilstätte Loslau (lungenheilstaetten.de)
  47. Lungenheilstätten im Riesengebirge
  48. Bad Ziegenhals (lungenheilstaetten.de)
  49. LKH Hörgas-Enzenbach
  50. lkh-hoergas.at
  51. gegründet 1896 von Leopold Schrötter von Kristelli
  52. KABEG LKH Laas. In: lkh-laas.at. Abgerufen am 27. Dezember 2017.
  53. Natters
  54. Lungenheilstätte im Fürther Stadtwald (FürthWiki)
  55. Geschichte des Allgemeinen und Orthopädischen LKH Stolzalpe
  56. Wiener Krankenanstaltenverbund
  57. Lungenheilstätte Wilhelmshöhe Tullnerbach der Justizanstalt Wien-Josefstadt
  58. Heilstätte für lungenkranke Kinder. In: archINFORM.
  59. 100 Jahre Hochgebirgsklinik Davos (Memento vom 9. Juli 2014 im Internet Archive)