Heilwasser

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Historische Tonflasche zum Versand des Rákóczi-Heilwassers durch die Gebrüder Bolzano
(Bad Kissingen um 1830)

Heilwasser ist ein natürliches Mineralwasser, das den Anspruch einer heilenden, lindernden oder vorbeugenden Wirkung erhebt und somit rechtlich der Regulierung als Arzneimittel statt als Lebensmittel unterliegt.[1] Es gehört zu den ältesten Naturheilmitteln. Ein Heilwasser kann innerlich für Trinkkuren bzw. äußerlich für medizinische Bäder angewendet werden. 2013 wurden in Deutschland 77,4 Millionen Liter Heilwasser verkauft.[2]

Rechtlicher Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung für die Zulassung eines Arzneimittels ist grundsätzlich der Nachweis einer vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkung. Die Ausnahmeregelung im § 109 des Arzneimittelgesetzes ermöglicht ein Heilwasser als „traditionell angewendet“ in Verkehr zu bringen, sofern es bereits vor dem 1. Januar 1978 als solches zugelassen war[3]. Heilwasser ist in bestimmten Formen nach §21 (2) Nr. 1e AMG zudem von der Zulassung befreit und genießt eine Reihe weiterer gesetzlicher Regulierungserleichterungen.

Heilwasser ist freiverkäuflich, d. h. weder rezept- noch apothekenpflichtig. Es wird im Handel meist direkt neben natürlichem Mineralwasser angeboten.[4]

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach althergebrachter Lehre sollen die verschiedenen Heilwassersorten wirken, indem sie die Funktion von Stoffwechsel und Organen wie Magen, Darm, Herz, Kreislauf und Nieren anregen.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Kilogramm beziehungsweise einem Liter Wasser müssen mindestens ein Gramm gelöste Mineralstoffe oder Spurenelemente enthalten sein. Genaue Angaben zu Inhaltsstoffen und deren Wirkweise müssen auf dem Flaschenetikett ausgewiesen werden.

Richtwerte für die Inhaltsstoffe in Heilwasser:

Magnesiumcarbonat (MgCO3) > 100 mg/l
Calcium (Ca2+) > 250 mg/l
Fluoride (F) > 1,0 mg/l
Sulfate (SO42−) > 1200 mg/l
Hydrogencarbonate (HCO3) > 1300 mg/l
Kohlenstoffdioxid (CO2) 1000 mg/l (CO2 in der Quelle)

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 gab es in Deutschland 60 Heilwässer. „Deutsche Heilbrunnen“ in Bonn fasst als Interessengemeinschaft alle Heilbrunnenbetriebe unter einem Dach zusammen. Der Deutsche Heilbäderverband e.V. publiziert Begriffsbestimmungen und Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen (zuletzt 11. Auflage, 13. Oktober 1998).

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Unverträglichkeiten von größeren Flüssigkeitsmengen bei schweren Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen muss geachtet werden.

Eine typische auf dem Etikett angegebene Nebenwirkung ist, dass die Ausscheidung von Medikamenten beeinflusst werden kann.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung Warentest stellt die Frage, warum Heilwasser und natürliches Mineralwasser teils aus derselben Quelle angeboten werden können.[5]

Die Skeptikervereinigung GWUP nennt Heilwasser in einer Reihe mit Horoskopen, Tarot-Karten, Wünschelruten, Gedankenübertragung und Hellseherei.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Lüpke: Alles über Mineral- und Heilwasser. BoD – Books on Demand, 2008, ISBN 978-3-837-02981-9, S. 22 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Verband deutscher Mineralbrunnen, Branchendaten Mineralwasser-Markt 2013, 22. April 2014.
  3. § 109 AMG - Gesetze des Bundes und der Länder. Abgerufen am 11. Juni 2018.
  4. https://www.test.de/Natuerliches-Mineralwasser-im-Test-4258945-4258967/
  5. a b https://www.test.de/Waesser-Nicht-viel-drin-1262319-1262356/
  6. Bettina Albrod: Das Phänomen Selbsttäuschung. In: welt.de. 5. Mai 2013, abgerufen am 7. Oktober 2018.
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