Heinrich Leo Behncke

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Heinrich Leo Behncke

Heinrich Leo Behncke (* 26. Dezember 1819 in Lübeck; † 26. Januar 1914 ebenda) war ein Lübecker Weinhändler und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Leo Behncke war Sohn des Lübecker Kaufmanns Wilhelm Ludwig Behncke (1783–1850). Er besuchte das Katharineum zu Lübeck und begann 1836 seine kaufmännische Lehre in der Firma Minlos in Lübeck, die sich mit Speditionsgeschäften und Im- und Export befasste. Nach zwei Jahren wechselte er in den 1814 gegründete Weinhandel seines Vaters, um dort Küfer zu lernen. 1841 unternahm er zwei Bildungsreisen zu Geschäftsfreunden, die erste nach Skandinavien und die zweite durch Westeuropa bis auf die Iberische Halbinsel. 1842 trat er gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm in die väterliche Firma in Lübeck ein und übernahm in der Folge europaweit die erforderlichen Handlungsreisen für die Weinhandlung zu Lieferanten und Kunden. Nach dem Tod des Vaters führte er die in Lübeck sehr angesehene Weinhandlung gemeinsam mit seinem Bruder bis dessen Tod 1882, danach bis zum Eintritt seines eigenen Sohnes und seines Schwiegersohnes allein. Von seinem Bruder Wilhelm hatte er nach dessen Tod das Konsulat Großbritanniens übernommen, welches er auch in seinem Ruhestand als Kaufmann 1893 fortführte und erst 1906 an seinen Sohn übergab. Behncke war an Landwirtschaft interessiert und ab 1891 Besitzer eines Bauernhofs in Lübeck-Vorwerk. Zwei Jahre vor seinem Tod kaufte er das mecklenburgische Gut Nutteln am Mickowsee bei Brüel. Für dieses ließ er von Fritz Behn 1913 die Lübecker Löwen gießen, die heute auf der Burgtorbrücke in Lübeck stehen.

Behncke war auch im innerstädtischen Ehrenamt neben seiner unternehmerischen Verantwortung engagiert. Er gehörte der Handelskammer zu Lübeck als dem Vorstand der Kaufmannschaft zu Lübeck an, zeitweise als stellvertretender Präses. Als Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in Lübeck war er von 1883 bis 1889 in deren Vorsteherschaft. Der Lübecker Bürgerschaft gehörte er als Abgeordneter von 1862 bis 1864 und wieder von 1880 bis 1885 an.

Behncke, der ab 1840 regelmäßig Tagebuch über seine Reisen führte, verfasste auch eine umfangreiche Familiengeschichte in vier Bänden. Sein umfangreicher privater Schriftnachlass und die Firmenbücher liegen im Archiv der Hansestadt Lübeck.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus des Weinhändlers Konsul Behncke im Schüsselbuden 2

Behncke war in erster Ehe verheiratet mit Caroline Hayen († 1868), Tochter des Oldenburger Juristen Heinrich Wilhelm Hayen. Aus dieser Ehe gingen der einzige Sohn und drei Töchter hervor. In zweiter Ehe heiratete er 1876 Martha Deiss, Tochter des reformierten Lübecker Geistlichen Wilhelm Deiss. Behncke bewohnte in Lübeck von 1860 bis 1891 das Schlösschen Bellevue als Sommerhaus. 1904 erwarb er das Sommerhaus Am Burgfeld 11 in Lübeck. Das Wohnhaus mit Weinhandel und Konsulat in der Lübecker Altstadt befand sich im Schüsselbuden 2/Ecke Mengstraße. Es wurde 1832 unter Einbeziehung einiger Teile des Vorgängerbaus neu errichtet. Mit dem Luftangriff auf Lübeck wurde es 1942 zerstört. Der gotische Gewölbekeller und eine Wandmalerei an der Südwand des Erdgeschosses von 1331/38 sind jedoch erhalten und in den Neubau von 1958 integriert worden.[1]

Der Kaiser stiftete im Oktober 1898 die Rote Kreuz-Medaille in drei Klassen. Aus Anlass seines Geburtstages, 27. Januar, wurde sie an die Lübecker Bürger in 2. Klasse Fräulein Julie Kierulff, Frau Konsul Behncke (geborene Fehling), Frau Oberarzt Türk sowie Herrn Landrichter a. D. Priess[2] und in 3. Klasse an Frau Konsul Possehl, Frau Wichmann, Herrn Rechtsanwalt Priess,[3] Konsul Rehder,[4] Konsul Marty,[5] Dr. Hammerich,[6] Dr. Hofstaetter,[7] Physikus Riedel, Dr. Schorer sowie dem Kaufmann Schetelig verliehen.[8]

Das Gebäude an der Schüsselbuden 2 in Lübeck im Jahr 2018.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Lübecker Kaufmannsfamilie, 4 Bände, Rahtgens, Lübeck 1900–1913

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alken Bruns: Behncke, Heinrich Leo in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Band 12, S. 32–34
  • Jan Zimmermann: St. Gertrud 1860–1945: ein photographischer Streifzug. Bremen: Edition Temmen 2007, S. 15, 34 ISBN 978-3-86108-891-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heinrich Leo Behncke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Heiligen Drei Könige hinter Glas, in: Bürgernachrichten der BIRL, Nr. 109, Frühjahr 2012, S. 16 (Digitalisat (Memento des Originals vom 15. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.xn--lbeck13-n2a.de), siehe auch Beschreibung auf Lübecker Wandmalerei
  2. Joach. Ludo. Albr. sen. Priess
  3. Georg Albr. jr. Priess
  4. James Carl Rehder
  5. Wilhelm Marty
  6. Ad. Joh. Carl Hammerich
  7. Ed. Carl. Gust. Hofstaetter
  8. Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 41. Jahrgang, Nr. 6, Ausgabe vom 5. Februar 1899, S. 67.