Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13

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Erster Regimentschef: Umberto I. König von Italien

Das Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 war ein Kavallerieverband der Preußischen Armee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Stammtruppe des Regiments gilt das vom Landgrafen Karl von Hessen-Kassel im Jahre 1688 aufgestellte Dragonerregiment „Graf Wartensleben“. Dieses Regiment bestand bis 1806 und wurde dann beurlaubt, da Hessen-Kassel von Napoleon aufgelöst und der größte Teil des Landes zum Königreich Westphalen geschlagen wurde. Als sich ein Ende der napoleonischen Ära abzuzeichnen begann, befahl Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel am 22. November 1813 die Errichtung eines neuen Leib-Dragoner-Regiments, das in Hofgeismar stationiert und 1821 in ein Husarenregiment umgewandelt wurde und den Namen Kurfürstlich Hessisches 2. Husaren Regiment erhielt. 1825 wurde das Regiment dem Herzog von Sachsen-Meiningen verliehen und führte von da an bis 1832 diesen Namen als Zusatz. In diesem Jahre vereinigte man das Regiment mit dem 1. Husaren-Regiment und formte daraus das Kurhessische Leib-Dragoner-Regiment, das bis 1840 bestand. Danach hieß es 1. Dragoner-Regiment. Die letzte Namensänderung in der kurhessischen Armee erfolgte 1845 zum Kurfürstlich Hessischen 1. (Leib-) Husaren-Regiment.

Die kurhessische Armee machte 1866 keine großen Anstrengungen im Kampf gegen die Norddeutschen Staaten. Sie stellte die Besatzung der Bundesfestung Mainz und wartete im Übrigen das Ende des Krieges in Passivität ab. Es gibt daher über diese Zeitspanne nichts spektakuläres zu berichten.

Nach dem verlorenen Krieg im Zuge der Bundesexekution gegen Preußen und der damit verbundenen Okkupation Kurhessens wurde das Regiment am 14. Oktober 1866 auf den König von Preußen vereidigt und als 1. Hessisches Husaren-Regiment Nr. 13 in die Preußische Armee eingegliedert. Als Stiftungstag wurde der 22. November 1813 festgelegt. Im Jahre 1897 wurde der König Umberto von Italien zum Regimentschef ernannt, das von da an den Namen Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Hessisches) Nr. 13 trug. Letztmals wurde der Namen des Regiments 1902 in Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 geändert. Nach der Ermordung von König Umberto im Jahre 1900 erhielt das Regiment als Chef der nunmehrige König Viktor Emmanuel III., ohne dass jedoch eine weitere Namensänderung erfolgte.

In Garnison lag das Regiment von 1866 bis 1875 in Hofgeismar, von 1875 bis 1902 in Frankfurt am Main, wo das Regiment ein sehr enges gesellschaftliches Verhältnis zu dem Ehemaligenverein des Regimentes hatte.[1] Von Frankfurt wurde es strafversetzt aufgrund des Betragens einiger Offiziere. Es hieß, ihnen „wäre das Nachtleben Frankfurts nicht gut bekommen“.[2] Von 1902 bis 1905 in Mainz[3] (Golden-Ross-Kaserne) und ab 1905 in Diedenhofen. In Wirklichkeit war die Verlegung nach Mainz geplant.[4]

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg nahm das Regiment als Teil der 4. Kavalleriedivision an den Kämpfen bei Wörth und Sedan teil. Nach der Vernichtung der französischen Rheinarmee bei Sedan nahm das Regiment an der Einschließung von Paris teil und wurde dann ab Anfang Oktober 1870 als Teil des Verbandes unter dem Bayerischen General von der Tann zur Sicherung der Belagerung gegen die Loirearmee eingesetzt. Hierbei nahm es am 10. Oktober 1870 am Gefecht bei Artenay teil. Nach der Einnahme von Orléans am nächsten Tag ging es zusammen mit der Preußischen 22. Division am 18. Oktober 1870 nach Châteaudun. In den nächsten Wochen folgten nur kleiner Gefechte. Der Angriff der Loirearmee zum Entsatz der belagerten Hauptstadt brachte für das Regiment weitere Kämpfe, darunter am 2. Dezember 1870 bei Loigny-Paupry sowie am 3. und 4. Dezember erneut bei Orléans.

Husaren im Manöver (vor 1910)

Die anschließende Verfolgung der zweiten Loirearmee führte vom 8. bis 10. Dezember 1870 zur Schlacht bei Beaugency. Die letzte große Schlacht folgte dann vom 10. bis 12. Januar 1871 in der Schlacht bei Le Mans. Das Regiment war hierbei ein Teil der 2. Armee unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl. Nach dem Sieg bei Le Mans wurden die versprengen Reste der französischen Armee durch die vier Kavalleriedivisionen der zweiten Armee weiter verfolgt. Das 13. Regiment ging hierbei in nördlicher Richtung vor und hatte Einsätze am 13. Januar bei Ballon (Sarthe), am 14. Januar bei Beaumont-Pied-de-Bœuf (Sarthe) und am 15. Januar bei Alençon. Es wurde dann im Patrouillen- und Sicherungsdienst eingesetzt und kehrte am 9. Juli 1871 nach Hofgeismar zurück.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits am 29. Juli 1914 wurden verstärkte Offizierpatrouillen des Regiments an der deutsch-französischen Grenze eingesetzt. Nach der Mobilmachung rückte das Regiment nach Lothringen aus, wo es zunächst im Grenzschutz verwendet wurde. Danach kam es im Verband der 6. Kavallerie-Division im Oktober nach Flandern, wo es bis zum November 1914 blieb. Danach wurden die Husaren an die Ostfront transportiert und kämpften dort in zahlreichen Gefechten, insbesondere in Russisch-Polen. Im April/Mai 1915 war es im Raum Tauroggen/Memel eingesetzt.

Ab Juli 1915 diente das Regiment der Eroberung Kurlands und war ab Oktober bis 1917 an der Düna stationiert. Im November 1916 wurden mit zwei Eskadronen und anderen Einheiten das Kavallerie-Schützen-Regiment Nr. 45 gebildet, das jedoch bereits im Dezember wieder aufgelöst wurde.

Ab Februar 1918 nahm das Regiment an der Besetzung Livlands und Estlands teil. Im April 1918 erfolgte die Rückverlegung in das Elsaß verlegt. Hier wurden die Pferde abgegeben und das Regiment nach infanteristischer Ausbildung in ein Kavallerie-Schützenregiment umgewandelt. Als Teil der 6. Kavallerie-Schützen-Division wurde es im Juli/August bei Paschendaele und im September bei Cambrai eingesetzt. Im Oktober erfolgte die Verlegung nach Flandern.

Die Verluste des Regiments betrugen 19 tote Offiziere und 228 tote Unteroffiziere und Mannschaften; Todesfälle durch Unfälle eingeschlossen (Stand 1921).

Während des Weltkriegs befanden sich nach Notizen der Nachrichten für Stadt und Land zumindest zeitweise der Regimentsstab und die Musikkapelle des Regiments in Oldenburg. Die Hintergründe sind unklar. Vermutlich wurden detachierte Abteilungen als Militärpolizei sowohl in der Garnison als auch im Umland zur Verstärkung des Großherzoglich Oldenburgischen Gendarmeriekorps eingesetzt.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Eupen aus erfolgte nach dem Waffenstillstand der Rückmarsch nach Deutschland. Von Hagen aus sollte es mit der Eisenbahn nach Oldenburg transportiert werden, da Diedenhofen als Garnison nicht mehr zur Verfügung stand. Aufgrund der chaotischen Transportbedingungen wurde schließlich auf die Fahrt verzichtet und die Reste des Regiments zogen zu Fuß am 19. Dezember 1918 in Oldenburg ein, wo es nach einem Pressebericht an der Cäcilienbrücke mit einem Ehrenbogen empfangen wurde.

Zu Beginn des Jahres 1919 wurde die Einheit demobilisiert und schließlich aufgelöst. Eine Freiwilligen-Eskadron nahm am Schutz der Nationalversammlung in Weimar teil und wurde später in Leipzig gegen kommunistische Aufständische eingesetzt.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 3. Eskadron des 10. (Preußisches) Reiter-Regiments in Züllichau.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum
Steinrück von der Mark 1866 bis 1867
Major Wilhelm von Heuduck 21. November 1867 13. Januar 1868
Major/Oberstleutnant/Oberst Wilhelm von Heuduck 14. Januar 1868 bis 15. August 1873
von Lützow gen. von Dorgelow 1873 bis 1875
von Plötz 1875 bis 1877
von Bülow 1877 bis 1883
Franz von Niesewand 1883 bis 1888
Moritz von Bissing 1888 bis 1894
von Quast 1894 bis 1896
Oberstleutnant/Oberst Georg von Alten 16. Juni 1896 bis 17. Oktober 1900
von Blumenthal 1900 bis 1906
Oberstleutnant Ernst Hoeppner 1906 bis 1908
Hans von Heuduck 1908 bis 1913
Major/Oberstleutnant von dem Busche-Haddenhausen 18. April 1913 bis
Freiherr von Reitzenstein 4. Juli 1916 bis
Moser 1. April 1918 bis
von Linsingen 20. Mai 1918 bis
Major Kurt Otto Paul Eduard von Lewinski 27. Oktober 1918 bis
Rittmeister Georg Ilsemann 1919

Uniform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Leib-Dragoner-Regiment 1840

Die Kurhessischen Husaren trugen eine kornblumenblaue Attila mit weißer Verschnürung und grauem Pelzbesatz. Auf den Achselschnüren befand sich ein weiß-metallenes U mit Krone, auf den Achselklappen ein rotes U mit Krone. Als Kopfbedeckung wurde eine Pelzmütze aus Seehundfell getragen. Diese hatte metallene Schuppenbänder und ein weißmetallenes sog. „Vaterlandsbandeau“ an der Vorderseite angebracht. Die Inschrift lautete: „Mit Gott für König und Vaterland“. Auf der linken Seite befand sich der sog. Kolpak (Mützenbeutel) aus ponceaurotem Tuch. Über dem National (Kokarde) war ein weißer Haarbusch eingesteckt. Mannschaften führten Stahlrohrlanzen mit schwarz-weißen Lanzenflaggen, Unteroffiziere führten weiße Lanzenflaggen mit einem schwarzen, preußischen Adler. Ein Geldgeschenk des Namensgebers mit dem Zweck, weitere Pelzteile für die Uniformen zu kaufen, wurde stattdessen für einen Hilfsfonds für Unteroffiziere und Mannschafter verwendet.[5]

Bereits mit A.K.O. vom 14. Februar 1907 befohlen und ab 1909/10 schrittweise eingeführt wurde anlässlich des Kaisermanövers 1913 die bunte Uniform erstmals durch die feldgraue Felddienstuniform (M 1910) ersetzt. Diese glich vollkommen der Friedensuniform; die Verschnürungen waren jedoch in grau gehalten. Das Lederzeug und die Stiefel waren naturbraun, die Pelzmütze wurde durch einen schilffarbig genannten Stoffüberzug bedeckt. Das Bandelier und die Kartusche wurden zu dieser Uniform nicht mehr angelegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo F.W. Schulz: Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914. Weltbild Verlag 1992. Podzun-Pallas Verlag 1985. 197S. OCLC 16076458
  • Max Hein: Das kleine Buch vom Deutschen Heere. Verlag von Lipsius und Tischer. Kiel 1901. 20S. OCLC 251015186
  • Jürgen Kraus: Die deutsche Armee im Ersten Weltkrieg. Stefan Rest (Hrsg.) Ingolstadt 2004. 632S. OCLC 219213550
  • Georg Ilsemann 1921: Husaren-Regiment König Humbert von Italien (1. Kurhess.) Nr. 13. Nach Regimentstagebüchern und eigenen Aufzeichnungen zusammengestellt. Erinnerungsblätter Deutscher Regimenter. Oldenburg i. O./Berlin. Gerhard Stalling 1921. OCLC 251073373
  • Georg Ilsemann 1936: Wir 13. Husaren im Weltkriege 1914/18. Regimentsgeschichte in Einzeldarstellungen. OCLC 251073389
  • 1913: Jahrhundertfeier des Husaren-Regiments König Humbert v. Italien (1. Kurhessisches) Nr. 13: am 15., 16., und 17. August 1913 zu Diedenhofen; Zeiteinteilung für die Festtage und Teilnehmer-Verzeichnis. Minjon, 1913, 63 Seiten. OCLC 72584891
  • Der 13. Husar: Nachrichtenblatt für die Angehörigen des ehemaligen Husaren-Rgts. König Humbert v. Italien (1. Kurhess.) Nr. 13. u. für die Angehörigen des Traditions-Truppenteils. München 1940–1943. Hrsg.: Traditionsverband Husaren-Regiments Nr. 13. im NS-Reichskriegerbund OCLC 183286656
  • Friedrich E. Metzler: Geschichte des Husaren-Regiments König Humbert von Italien: (1. Kurhess.) No. 13: zur Erinnerung an d. Jubelfeier 1913 u. zum Gebrauche d. Mannschaften d. Regiments Minjon, 1913, 191 Seiten OCLC 163133493
  • Felix Kühls: Geschichte des Königlich Preussischen Husaren-Regiments König Humbert von Italien (I. Kurhessisches) Nr. 13. Zum hundertjährigen Stiftungstag. Verlag Herman Minjon. Frankfurt am Main 1913.
  • Kurznotiz über den Einzug des Regiments in Oldenburg in den Nachrichten für Stadt und Land, Ausgabe vom 20. Dezember 1918.
  • Henning Roet de Rouet: Frankfurt am Main als preußische Garnison von 1866 bis 1914. Frankfurt am Main 2016.

Gemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Gudden, Titel: Bockenheimer Husaren im Manöver, um 1890, sehr großes Ölgemälde (ca. 2,30 Meter auf 1,40 Meter). Privatbesitz.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henning Roet: Frankfurt als Garnisonsstadt zwischen 1866 und 1914. Mit besonderem Blick auf die Kriegervereine der Stadt. S. 117. In: Robert Bohn, Michael Epkenhans (Hrsg.), Garnisonsstädte im 19. und 20. Jahrhundert. Bielefeld 2015, ISBN 3739510161, S. 109–118.
  2. Nebhut/Arle: Frankfurter Straßen und Plätze. Frankfurt 1974.
  3. Alfred Börckel: Mainz als Festung und Garnison von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Verlag von J. Diemer, Mainz 1913.
  4. Roet de Rouet, Henning: Frankfurt am Main als preußische Garnison von 1866 bis 1914. Frankfurt am Main 2016. S. 2011f.
  5. Roet de Rouet, Henning: Frankfurt am Main als preußische Garnison von 1866 bis 1914. Frankfurt am Main 2016. S. 213