Heinz Schwitzke

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Heinz Schwitzke (* 13. Februar 1908 in Helbra; † 25. Oktober 1991 in Braunlage) war ein deutscher Autor und Redakteur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwitzke war seit 1928 als Schriftsteller und seit 1929 als Kritiker tätig. 1930 promovierte er mit einer Arbeit über Die Beziehungen zwischen Ästhetik und Metaphysik in der deutschen Philosophie vor Kant.

1932 trat er in die NSDAP ein. Von 1932 bis 1938 arbeitete er beim Deutschlandsender, wo er die literarische Abteilung leitete. Schwitzke diente als Soldat im Zweiten Weltkrieg, geriet für drei Jahre in sowjetische Gefangenschaft und verfasste dort sein Werk „Das Evangelium der Gefangenen“, eine Evangelienharmonie in Versen. Um Papier und Bleistifte für die Niederschrift zu bekommen, verkaufte er oft seine Tagesrationen an Brot und notierte in kleinster Schrift die Verse, die er todkranken Kameraden, deren Behandlung teils schon aufgegeben worden war, an ihren Betten vorlas. Das Manuskript wurde mehrfach kopiert; etliche Gefangene versuchten, Exemplare (etwa in hohlen Beinprothesen) aus der Sowjetunion zu schmuggeln, jedoch gelangte nur ein einziges Exemplar bis nach Westdeutschland. Schwitzke weigerte sich jahrzehntelang, dies Werk zu veröffentlichen. Es sei zu intim, zu belastend die Erinnerungen daran. Erst in den 80er Jahren stimmte er auf Bitten ehemaliger Kameraden zu, die Verse zu veröffentlichen.

1948 wurde Schwitzke Redakteur beim Evangelischen Pressedienst in Bielefeld und Leiter der Kirchlichen Rundfunkzentrale in Bethel. Er begründete den Informationsdienst Kirche und Rundfunk. Von 1951 bis 1971 war er Leiter der Hörspielabteilung des NWDR bzw. (ab 1955) des NDR. Sein Werk Das Hörspiel. Dramaturgie und Geschichte (1963) prägte – mit seiner Definition des Hörspiels als eines reinen Sprach- und imaginativen Rollenspiels, das von der Suggestionskraft poetischer Sprache lebe – die Hörspieltheorie nach 1945 maßgeblich. Vertreter des experimentellen „Neuen Hörspiels“ ab den späten 60er Jahren opponierten jedoch gegen Schwitzkes Auffassung des Genres als eines reinen Illusionsmediums.

Nach der Pensionierung verbrachte Schwitzke seine letzten Lebensjahre als Schriftsteller und Herausgeber in Eutin/Holstein.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Beziehungen zwischen Aesthetik und Metaphysik in der deutschen Philosophie vor Kant, Charlottenburg 1930, DNB 369369793 (Dissertation Universität Berlin 1930, 93 Seiten).
  • Bericht über eine junge Kunstform, in: Sprich, damit ich dich sehe. Sechs Hörspiele und ein Bericht über eine junge Kunstform, List, München 1960, S. 9–50
  • Das Hörspiel. Dramaturgie und Geschichte. Köln/Berlin 1963 (Online-Version).
  • Evangelium der Gefangenen, Luther-Verlag, Bielefeld 1978, ISBN 3-7858-0249-8.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sprich, damit ich dich sehe. Teil 1: Sechs Hörspiele und ein Bericht über eine junge Kunstform (List-Bücher; Band 164), List, München 1960, DNB 454802331
  • Sprich, damit ich dich sehe. Teil 2: Frühe Hörspiele (List-Bücher, Band 217), List, München 1962, DNB 452056632.
  • Unter Mitarbeit von Franz Hiesel, Werner Klippert und Jürgen Tomm: Reclams Hörspielführer, Philipp Reclam Junior, Stuttgart 1969, DNB 458919624.
  • Mit Bildornamenten von Hans Ohlms: Heimkehr zu Penelope: nach dem Text des Lagers 437 aus Homers Odyssee, Übersetzung von Heinz Schwitzke. Aldus-Presse, Reicheneck, Reutlingen 1985, DNB 860078167.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Klee: „Heinz Schwitzke“, in: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5
  • Theresia Wittenbrink: Schwitzke, Heinz, in: KLL (Killy, Walther) Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Bd. 10, Gütersloh/München 1991, S. 469

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. (Nummer 55 der handgedruckten und nummerierten Ausgabe, 55 Exemplare, 28 Seiten, illustriert)