Henri Ellenberger

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Henri Ellenberger (* 1905; † Mai 1993 in Québec) war ein kanadischer Psychiater, Psychoanalytiker, Psychologie- und Medizinhistoriker.

Biographie[Bearbeiten]

Als Kind französischer Eltern in der britischen Kolonie Rhodesien geboren, entstammte er einer Familie protestantischer Missionare schweizerischer Herkunft und hätte die französische Nationalität haben sollen. Aber da sein Vater vergaß ihn dem französischen Konsulat zu melden, bekam er einen britischen Pass. Später nahmen er selbst, seine staatenlose Ehefrau und seine drei Kinder die französische Staatsbürgerschaft an. Als ihm 1941 der Entzug der Staatsbürgerschaft durch die Vichyregierung drohte, emigrierte er in die Schweiz.

Er studierte Psychiatrie in Straßburg und zog dann nach Paris, wo er eine junge Frau baltisch-russischer Herkunft orthodoxen Glaubens heiratete.

Am psychiatrischen Krankenhaus Saint Anne begegnete er jener dynamischen Psychiatrie, deren Geschichte er dreißig Jahre später erzählte. Er war in Topeka in den USA und später in Montréal als Psychiater tätig. In Montréal wurde er Professor für Kriminologie.

Ellenberger absolvierte von 1949 bis 1952 seine Lehranalyse bei Oskar Pfister, der damals bereits 77 Jahre alt war. Er erwog damals Mitglied der schweizerischen Société suisse de psychanalyse (SSP) zu werden.

In den 1950er Jahren erwarb er seine umfassenden Kenntnisse der Geschichte der Psychiatrie und der Psychoanalyse in Europa. Ellenberger schrieb und sprach mit Leichtigkeit Französisch, Englisch und Deutsch und interessierte sich für alle Formen psychischer Heilung. Er unternahm eine Studienreise in die USA. Die Begegnung mit Karl Menninger sowie der Aufenthalt an seiner Klinik in Topeka in Kansas entschied über die Richtung seiner künftigen Arbeiten.

Eigentlich beabsichtigte Ellenberger 1953, nachdem er zum Professor an der Menninger School of Psychiatry ernannt worden war, dauerhaft in den USA zu bleiben, aber da seine Frau in Russland geboren worden war, konnte sie in der Zeit des Kalten Krieges kein langfristiges Visum erhalten. Sie entschlossen sich daher 1959 in Montréal zu leben, wo er den Lehrstuhl für Kriminologie am Allen Memorial Institute der McGill University erhielt.

Québec wurde seine letzte neue Heimat, wo er im Mai 1993 verstarb. Er prägte eine Generation von Historikern der Psychoanalyse. Sein Hauptwerk schrieb er nach zwanzig Jahren Forschung auf englisch: The Discovery of the Unconscious. The History and Evolution of Dynamic Psychiatry. Es erschien 1970 in den Vereinigten Staaten und sicherte ihm weltweite Anerkennung.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Die Entdeckung des Unbewussten: Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung, Bern, Stuttgart, Wien: Huber, 1973, Neuausgabe: Zürich: diogenes, 2005, ISBN 3-257-06503-5.
  • mit Robert Duguay: Précis pratique de psychiatrie. Ed.: Maloine; 1996, ISBN 2-224-01029-X.
  • Essai sur le syndrome psychologique de la catatonie. Ed.: L'Harmattan, 2004, ISBN 2-7475-6031-7.
  • hrsg. von Elisabeth Roudinesco: Médecines de l'âme, essais d'histoire de la folie et des guérisons psychiques. Ed.: Fayard, 1995, ISBN 2-213-59500-3.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]