Herbert Renz-Polster

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Herbert Renz-Polster (* 25. Februar 1960 in Stuttgart) ist ein deutscher Kinderarzt, Wissenschaftler und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Renz-Polster studierte von 1982 bis 1989 Humanmedizin in Gießen, München und Tübingen. 1986 schrieb er seine Doktorarbeit in Pakistan zum Thema Augenkomplikationen bei Lepra. Von 1991 bis 1995 war er Lektor in einem medizinischen Fachbuchverlag. Von 1995 bis 2002 machte er die Facharztausbildung zum Kinderarzt und bildete sich in den USA wissenschaftlich weiter (Forschungsschwerpunkt: Epidemiologie allergischer Erkrankungen). Ab 2002 war er als Kinderarzt, als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg sowie als Buchautor tätig. Er befasst sich vorrangig mit der kindlichen Entwicklung aus Sicht der Verhaltens- und Evolutionsforschung.

Renz-Polster ist der Zwillingsbruder von Ulrich Renz.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher erschienen unter anderem folgende Sachbücher:

  • mit Dorothea Renz-Polster: Radfahren mit Kindern. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 3-499-19598-4.
  • mit Nicole Menche, Arne Schäffler: Gesundheit für Kinder. Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln. Kösel, München 2004, ISBN 3-466-30672-8.
  • Kinder verstehen. Born to be wild – wie die Evolution unsere Kinder prägt. Kösel, München 2009, ISBN 978-3-466-30824-8.
  • Menschenkinder. Plädoyer für eine artgerechte Erziehung. Kösel, München 2011, ISBN 978-3-466-30930-6.
  • mit Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen: Natur als Entwicklungsraum. Ein neuer Blick auf das kindliche Lernen, Denken und Fühlen. Beltz, Weinheim/Basel 2013, ISBN 978-3-407-85953-2.
  • Die Kindheit ist unantastbar: Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen. Beltz, Weinheim/Basel 2014, ISBN 978-3-407-85847-4.
  • mit Nora Imlau: Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. Gräfe und Unzer, München 2016, ISBN 978-3-8338-4598-7.

Zudem Beiträge in medizinischen Fachbüchern sowie Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten (u. a. zum möglichen Zusammenhang von Kaiserschnitten und kindlichen Allergien[2] sowie zur Methodik der Gesundheitsförderung in Kindergärten[3]).

Darüber hinaus erschien ein Vortragsmitschnitt auf DVD: Born to be wild – Plädoyer für artgerechte Menschenhaltung. Vortrag auf dem Kongress „Arche Nova – Die Bildung kultivieren“ am 16. Oktober 2011 in Bregenz. Auditorium-Netzwerk 2011

Position zu Einschlafproblemen bei Kleinkindern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Renz-Polster hat eine differenzierte Haltung zum Schlaftraining von Kleinkindern, durch welches insbesondere auch Kinder, die abends lange Schreien, dazu gebracht werden sollen, selbstständig einzuschlafen.

Er erkennt an, dass die Fähigkeit der Kinder, selbstständig in den Schlaf zu finden, für die Eltern und die Familie insgesamt eine Entlastung darstellen mag, sieht jedoch keine darüber hinausgehenden Vorteile. Nicht nachweisbar sei, dass das selbstständige Einschlafen auch zu einem selbstständigeren Verhalten des Kindes in anderen Bereichen führt, wie gelegentlich vermutet.[4]

Zudem stellt er fest, dass sich das klassische Schlaftraining nicht für Kinder eignet, die noch gestillt werden. Die mütterliche Brust sei ohnehin die ideale Einschlafhilfe. Etwa ein Drittel der Kinder im Alter von 6 Monaten könne nachts durchschlafen, ohne zwischendurch gefüttert zu werden. Flaschennahrung werde weniger schnell verdaut und in der Regel in größeren Portionen aufgenommen, wodurch nicht gestillte Kinder in der Nacht eher durchschläfen.[4]

Andererseits nehme in der Regel die Häufigkeit des nächtlichen Aufwachens bei Säuglingen in den ersten sechs Monaten kaum ab. Gestillte Kinder, die nahe bei der Mutter schlafen, hätten einen leichteren Schlaf. Sie wachten häufiger auf und nähmen gegenüber Säuglingen, die im eigenen Bett schlafen, bis zu einem Drittel mehr Kalorien zu sich.[4]

Da sich die Schlafrythmen von Mutter und Kind aufeinander abstimmen, sei der Schlaf trotz des häufigeren Aufwachens ähnlich erholsam, wie bei getrennt schlafendem Kind.[4]

Etwa alle 50 Minuten wechsle ein Kleinkind tagsüber von einer aktiven in eine beruhigte Phase. Wenn sich das Kind in der ruhigen Phase geborgen und behaglich fühlt, werde es selbstständig in den Schlaf finden.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.kinder-verstehen.de/wer_ich_bin.html
  2. H. Renz-Polster, M. R. David u. a.: Caesarean section delivery and the risk of allergic disorders in childhood. In: Clinical and Experimental Allergy. Band 35, Nummer 11, November 2005, S. 1466–1472, ISSN 0954-7894. doi:10.1111/j.1365-2222.2005.02356.x. PMID 16297144.
  3. F. De Bock, J. E. Fischer, K. Hoffmann, H. Renz-Polster: A participatory parent-focused intervention promoting physical activity in preschools: design of a cluster-randomized trial. In: BMC public health. Band 10, 2010, S. 49, ISSN 1471-2458. doi:10.1186/1471-2458-10-49. PMID 20113522. PMC 2835684 (freier Volltext).
  4. a b c d e Herbert Renz-Polster: Schlafprobleme aus Sicht der Evolution, Fachartikel, In: www.Kinder-Verstehen.de