Hermann Josef Roth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem deutschen Naturwissenschaftler Hermann Josef Ludwig Roth; für den deutschen Pharmazeuten Hermann Josef Roth siehe Hermann J. Roth!

Hermann Josef Ludwig Roth (Rufname: Hermann; Pseudonym: Antonius R.) (* 2. Januar 1938 in Montabaur) ist ein deutscher Theologe und Naturwissenschaftler, Kultur- und Wissenschaftshistoriker, Fachdidaktiker und Aktivist in Denkmalpflege, Natur- und Landschaftsschutz. Autorenkürzel: HJR

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Josef Ludwig Roth wurde in Montabaur geboren als Sohn des Landrates Heinrich Roth und dessen Ehefrau Gertrud geb. Ebert. Nach dem Abitur 1957 (incl. Gr. Latinum, Graecum, Hebraicum) lebte er zunächst als Zisterziensermönch und studierte an der Philosophisch-theologischen Hochschule Heiligenkreuz bei Wien. Nach der Priesterweihe (Frankfurt 1963) war er in der Jugend- und Gemeindearbeit und am Gymnasium der Abtei Marienstatt tätig.

Seit 1966 studierte er Biologie und Chemie mit Hilfswissenschaften (Physik, Paläontologie), legte beide Staatsprüfungen für das Lehramt an Höheren Schulen ab (1970, 1972) und lehrte an einem Kölner Gymnasium. Aushilfsweise wirkte er gelegentlich in der Pfarr-, Jugend- und Altenseelsorge.

Der Regierungspräsident Köln ernannte Roth 1991 zum Fachbereichsleiter Biologie im Rahmen der Lehrerfortbildung. Seit 1995 war er Studiendirektor. Er promovierte 1990 an der Universität Nijmegen zum Doktor der Naturwissenschaften.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früh mit der Heimatnatur vertraut hat er geo- und biologische Aspekte rheinischer Mittelgebirge systematisch zu erfassen versucht. So beteiligte er sich am Projekt „Floristische Kartierung Mitteleuropas“ (1971–1988) und analysierte ökologische Faktoren bedrohter Lebensräume. Zudem untersuchte er Kinetik und funktionelle Anatomie des Vogelschädels.

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse hat Roth gern in ihren geistes- und sozialgeschichtlichen Kontext gerückt: z. B. Evolution angesichts der Glauben-Wissen-Spannung; Ökologische Theorien und ethische Postulate gegen Wahrnehmungsvielfalt von „Natur“; Spongiosaarchitektur und Analogien zur Baukunst der Gotik.

Andererseits hat sich Roth um Popularisierung naturwissenschaftlicher Kenntnisse durch Vorträge, Exkursionen und Publikationen bemüht. Das wiederum förderte das Verständnis für Leben und Wirken von Forscherpersönlichkeiten (u.a. Maximilian Prinz zu Wied,[1] Paolo Boccone, Dominik Bilimek, Philipp Wirtgen).

Seit der Schulzeit ist Roth im Naturschutz aktiv und hat ehrenamtlich maßgebende Funktionen in Verbänden und Gremien ausgeübt, z. B. in "Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW" (LNU, 1982–2000) und Deutscher Wanderverband (1998–2005). Seit 1975 war er ständig Mitglied von Landschaftsbeiräten auf kommunaler und Landesebene (z.B. NRW 1993-98). Für eine beachtliche Zahl von Natur- und Kulturdenkmalen wurden Schutz- oder Pflegemaßnahmen angeregt oder erstritten. Sein Team in der Biologischen Station Bergisches Land leistete Pionierarbeit für den Natur- und Umweltschutz (1985–1996).[2]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde als „bester Kenner des Westerwaldes“[3] gekennzeichnet; dabei ragen seine Fächer übergreifenden Fragestellungen hervor. Ein Beispiel dafür ist seine Analyse der floralen Bauplastik gotischer Monumente in Altenberg und Köln aus Sicht von Botanik und Kunstgeschichte.[4]

Die Begegnung mit dem Zisterzienserorden führte zur Spurensuche nach dem Grab Ottos von Freising (1114–1158) in Morimond (1963). 1979 begründete Roth die internationalen Kartäuser-Kolloquien.[5] Zuletzt hat er Alanus ab insulis († 1203) auch außerhalb der Anthroposophie wieder populär zu machen versucht.[6]

Der interdisziplinären Ausrichtung entspricht Roths Mitarbeit in der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg, für die er auch in Brasilien recherchiert hat [7] oder das von ihm angeregten Projekt „Klösterliche Kulturlandschaftsforschung“ des Zentrums für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur der Leibniz-Universität Hannover.

Er wurde in zahlreiche Gremien berufen oder gewählt, z. B. Historische Kommission für Nassau (seit 1978), NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege in Düsseldorf (1994–2000).

Didaktik, Publizistik, Bibliophiles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im In- und Ausland als Referent, Exkursionsleiter und in der Umwelterziehung engagiert, formulierte Roth für den Beirat der Obersten Landschaftsbehörde NRW entsprechende Empfehlungen (1998). Eigene Unterrichtserfahrungen flossen sowohl in Lehr- und Lernmitteln ein, so „zur Ethik im Biologieunterricht“ (1992), über „Erdwissenschaften und Biologie-Didaktik“ (2001) oder im Experimentierkasten für Schüler „Ökologie“ (1986), als auch in Publikationen für jedermann. Pionierleistungen waren „Naturführer“ zum Westerwald (1975, 1980) und der „Kölner Naturführer“ (1990).

Als Redakteur betreute er die Fachzeitschriften "Cistercienser-Chronik. Forum für Geschichte, Kunst, Literatur und Spiritualität des Mönchtums" (ISSN 0379-8291; Bregenz, seit 1973), "Natur- und Landschaftskunde" (ISSN 072-7795 Arnsberg, Krefeld, seit 1995), "Biologie regional" (Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf, 1991–2002) und „Godesberger Heimatblätter“ (seit 2010).[8]

Im Museum sah Roth stets eine wichtige Ergänzung zur Schule. Er war richtungweisend beteiligt an der Gründung des Landschaftsmuseums Westerwald in Hachenburg sowie beratend tätig im Vorfeld der Gründung des Bergischen Freilichtmuseums in Lindlar und beim Rheinischen Museumsamt.

Er regte bedeutende Ausstellungen an und begleitete sie fachlich: "Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit" (Aachen 1980)[9], „Pflanzenwelt des Kölner Domes“ (Köln 1989: Flora/Botanischer Garten und Domforum), "Maximilian Prinz zu Wied. Jäger, Forscher, Reisender" (u. a. in Hachenburg, Bonn, Filderstadt, Köln, Radebeul, Remscheid, Dortmund, Steinfurt, Frankfurt 1995 ff.)[10], "900 Jahre Cîteaux - Rheinische Zisterzienser im Spiegel der Buchkunst" (Landesmuseum Mainz 1998/99)[11] "500 Jahre Brasilien - Vom Rhein nach Rio" (Landesvertretung Rheinland-Pfalz Bonn 2000). Er wirkte mit bei "Männerbande - Männerbünde. Zur Rolle des Mannes im Kulturvergleich" (Rautenstrauch-Joest-Museum Köln 1990) und "Die Kölner Kartause um 1500" (Stadtmuseum Köln 1991).

Die im Familienbesitz entstandene Fachbibliothek zur Landeskunde (Nassovica, Rhenania) hat Roth ausgebaut und um zusätzliche Fachbereiche (Monastica, Brasiliensia) erweitert. Teilbestände und Archivalien haben inzwischen übernommen: Stiftung Naturschutzgeschichte, Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Archiv des Bistums Limburg, Stadtarchiv Montabaur.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engagement in Fachorganisationen, z.B. als Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie (DGGTB, 1991) und als Geschäftsführer des Naturhistorischen Verein der Rheinlande und Westfalens (NHV) sowie in Geschichtsvereinen und Wanderclubs.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guide to Cistercian scholarship. 2. Ed.: Institute of Cistercian Studies, Western Michigan University. Kalamazoo 1985, S. 125 f.
  • Weidert, Werner K. (Hg.): Klassische Fundstellen der Paläontologie, Bd. 1. Korb: Goldschneck, 1988, S. 10. ISBN 3-926129-02-6
  • Feig, Guido, Paula Herzmann & Ursula Wittig: Wer war wer in Montabaur? Personen und Persönlichkeiten aus Verwaltung, Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft. Montabaur 1992, S. 264, 266, 269, 271-278, 297, 324.
  • Kremer, Bruno P., in: Rhein. Heimatpflege 35, 2, 1998, S. 154–155; ebd. 45, 1, 2008, S. 77
  • Kürschners Deutscher Sachbuch-Kalender 2003/2004. ²München, Leipzig: K.G. Saur, 2004, S. 626 [Verweise S. 935, 949, 967, 970, 980, 994, 996, 998] ISBN 3-598-24181-X
  • Who’s Who. Namenstexte der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur. (dt.). Berlin, Wien 2007, S. 766–767, 1 Abb.
  • European Almanac of Sholars / Europäischer Gelehrtenkalender Ed. 2014/15. Vienna: IDB, 2015, S. 910 - ISBN 978-3-922236-76-4

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abtei Marienstatt. Ein Führer zur Architektur und Kunst (= Marienstatter Gesammelte Aufsätze, 2) – 70 S., Abb. im Text u. auf Taf., Hachenburg 1966
  • Die Pflanzen in der Bauplastik des Altenberger Domes. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte und zur mittelalterlichen Botanik. Vorw.: Prof. Dr. Hansferdinand Linskens. Hg. mit Unterstützung des Kultusministers NRW und des Landschaftsverbandes Rheinland – 156 S., 43 Abb. im Text, 336 Abb. auf 58 Taf., Bergisch Gladbach 1976
  • Der Westerwald. Vom Siebengebirge zum Hessischen Hinterland. Kultur und Landschaft zwischen Rhein, Lahn und Sieg – 294 S., 142 z.T. farb. Abb. auf Tafn., zahlr. Abb. im Text, Köln: DuMont 1981; ²1982; 41989 – ISBN 3-7701-1198-2
  • Das Bergische Land. Geschichte und Kultur zwischen Rhein, Ruhr und Sieg – 224 S., 2 Ktn., 16 Abb. auf Tafn., Köln: Bachem, 1982 – ISBN 3-7616-0611-7
  • Siegerland, Westerwald, Lahn und Taunus. Geologie, Mineralogie und Paläontologie mit Exkursionen – 176 S., 58 Abb. im Text, 100 Farbfotos, 1 Farbkte., Stuttgart: Franckh, 1983; ²Bindlach: Gondrom, 1993 – ISBN 3-8112-1055-6
  • Ökologie. Grundlegende Schülerversuche zu Ökologie und Umweltschutz – 71 S., Abb., Bonn: Maey, 1986 – [dazu:] Schülerheft. 56 S., Abb.
  • Hessen – 640 S., 64 Abb. auf Taf., Abb. im Text, 6 farb. Taf., München: Prestel, 1986 – ISBN 3-7913-0770-3
  • Bonn. Von der römischen Garnison zur Bundeshauptstadt. Kunst und Kultur zwischen Voreifel und Siebengebirge – 364 S., 114 SW-Abb., 29 Farbabb., zahlr. Abb. im Text – Köln: DuMont, 1988 – ISBN 3-7701-1970-3
  • Naturkundliche Bibliographie des rechtsrheinischen Schiefergebirges zwischen Lahn und Sieg. Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz: Siebengebirge, Westerwald, Bergisches Land, Hessisches Hinterland (= Planaria III) - 202 S., Overath: BSBL, 1989 – ISSN 0931-3737
  • Die bauplastischen Pflanzendarstellungen des Mittelalters im Kölner Dom. Eine botanische Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung auswärtiger Architekturplastik und sonstiger Kunstgattungen (= Europ. Hochschulschriften XXVIII/117) – 196 S., 30 Abb., Frankfurt, Bern, New York, Paris: Lang, 1990 – ISBN 3-631-43225-9
  • Christoph Kloft (Hg.) und Hermann Josef Roth: ... und mittendrin der Westerwald. Geschichten und Geschicke in Europas Mitte. Blickpunkte zwischen Mainz und Köln, Rheingau und Siebengebirge. Paulinus Verlag, Trier 2008, ISBN 978-3-7902-1627-1

Herausgeberschaft/Redaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. Ausstellungskatalog (= Schriften d. Rhein. Museumsamtes, 10) – 707 S., zahlr. Abb.; Köln, Bonn 1980; hg. mit Kaspar Elm & Peter Joerißen – ISBN 3-7927-0573-7
  • Unser Bistum. Ereignisse und Gestalten aus der Geschichte des Bistums Limburg. Von Ferdinand Ebert. Vorwort: Bischof Franz Kamphaus – 440 S., Abb. im Text, Grevenbroich: Bernardus, 1993 – ISBN 3-910082-07-6
  • Maximilian Prinz zu Wied. Jäger, Reisender, Naturforscher (= Fauna u. Flora Rhld.-Pf., Beih. 17) - 357 S., zahlr. SW- u. Farb-Abb., Ktn., Tab., Landau 1995; mit Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz – ISSN 0938-7684
  • Kulturlandschaft Westerwald. Perspektiven einer ökologischen Regionalentwicklung (= POLLICHIA-Buch Nr. 35) - 126 S., Abb., Faksimilia, Bad Dürkheim 1997; hg. mit Herbert A. Eberth & Bruno P. Kremer
  • Maximilian Prinz zu Wied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817, Bd. I u. II. Frankfurt 1820/21 – 404 u. 364 S., Abb., St. Augustin: Gardez!, 2001 – ISBN 3-89796-026-5
  • Alte und gefährdete Haustierrassen. Geschichte, Erhaltung und Einsatz in der Landschaftspflege – Arnsberg: LNU, 2003 - 108 S., zahlr. Abb. im Text, Farbabb. auf Taf. – ISBN 3-00-014975-9
  • Klostergärten und klösterliche Kulturlandschaften. Historische Aspekte und aktuelle Fragen (= CGL-Studies, 6) – München: Meidenbauer, 2009 – 307 S. – ISBN 978-3-89975-167-3 – hg. mit Joachim Wolschke-Bulmahn, Carl-Hans Hauptmeyer, Gesa Schönermark – ISBN 978-3-89975-167-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Welt am Sonntag Nr. 13 vom 26. März 2008 (NRW)
  2. Rheinischer Merkur 41. Jg. Nr. 6 vom 1. Februar 1986, S. 16
  3. Prof. Joseph Ortheil: Faltblatt zu den 9. Westerwälder Kulturtagen in Wissen an der Sieg (2010)
  4. Bergische Landeszeitung vom 16. August 1979 („Die Botanik ist seine Leidenschaft“) – neues rheinland [Köln] 5/1977, S. 26 („Pflanzen als Symbole ihrer Zeit“)
  5. Neue Zürcher Zeitung vom 2. November 1979; Analecta Cartusiana, 310. Salzburg 2015. ISBN 978-3-902895-66-0
  6. Von der Klage der Natur – De planctu naturae. Alanus ab insulis = Cistercienser-Chronik 117, 2/3, 2010, Bregenz; ISSN 0379-8291
  7. Süddeutsche Zeitung 31. Mai 2002, S. 58 (58n)
  8. Bonner General-Anzeiger 5. Januar 2011
  9. Kölner Stadt-Anzeiger 30./31. August 1980
  10. Frankfurter Allgemeine Zeitung 24. Januar 2002
  11. FAZ 21. November 1998,
  12. Bergische Landeszeitung, Rhein-Berg, vom 28. Juni 2014, S. 53