Hikmat Al-Sabty

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Hikmat Al-Sabty (2013)
Selbstvorstellung Hikmat Al-Sabty, 2013

Hikmat Al-Sabty (* 1. Juli 1954 in Nasiriya, Irak) ist ein deutscher Politiker (Die Linke), Übersetzer und Dolmetscher. Er war von 2011 bis 2016 Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Al-Sabtys Eltern waren Goldschmiede. Seine analphabethischen Eltern ließen ihn erst einige Wochen nach seiner Geburt bei den irakischen Behörden registrieren. Das war an seinem Geburtsort gängige Praxis. Der Geburtstag wurde dann von den Standesbeamten auf den 1. Januar oder 1. Juli festgelegt. In Al-Sabtys Fall war es der 1. Juli.[1] Al-Sabty schloss sich einer verbotenen sozialistischen Schülerorganisation an.[1] Er studierte Agrarwissenschaften an der Universität Sulaimaniya.[2]

Al-Sabty befand 1980 im Urlaub in der Türkei, als am 22. September der Erste Golfkrieg zwischen Irak und Iran ausbrach. Da es zwischen dem Irak und der DDR keine Visumpflicht gab, flog er im November desselben Jahres über Berlin-Schönefeld nach Deutschland und bat in Westberlin um Asyl. Zunächst wohnte er in Monschau. Al-Sabty setzte 1981–1987 sein Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen fort und schloss mit einem Diplom ab.[3] Von 1987 bis 1989 promovierte er an der Universität Bonn. Er arbeitete unter anderem als Pharmareferent und Musiker.[4] Von 1989 bis 1992 lebte er in Osnabrück. Nach der Wende zog Al-Sabty im September 1992 mit seiner Frau und ihren neugeborenen Sohn zuerst nach Güstrow und ein Jahr später nach Rostock-Lichtenhagen.[1]

Al-Sabty trat 2007 der Partei Die Linke bei.[3] Er gehörte von 2009[3] bis 2016 dem Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern der Partei DIE LINKE an. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2011 wurde er erstmals in den Landtag gewählt. Er hatte Platz 14 auf der Landesliste.[5] Bei der Wahl 2016 kam er nicht zum Zug.[6]

Al-Sabty war Mitglied im Sprecherrat des MIGRANET-MV (Landesnetzwerk der MSO aus MV)[7] und Mitglied des Migrantenrates der Hansestadt Rostock.

Im Sommer 2011 beteiligte er sich an der Aktion „Willkommen in Palästina“,[8] bei der zahlreiche Aktivisten über den israelischen Flughafen Ben Gurion in die Palästinensischen Autonomiegebiete einreisen wollten.[9][10][11] Die Einreiseaktion wurde unter anderem vom Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, als Provokation gegenüber Israel bewertet.[12]

Im März 2014 reiste er als Wahlbeobachter des Referendums während der Krimkrise am 16. März auf die Krim, wofür er auch von Parteifreunden heftig kritisiert wurde.[13] Von der Ukraine wurde er daraufhin mit einem dreijährigen Einreiseverbot belegt.[14]

2019 wurde bekannt, dass Al-Sabty zusammen mit 1.200 Personen auf sogenannten „Feindeslisten“ der rechtsextremen Gruppe Nordkreuz gestanden hatte.[15][16]

Al-Sabty ist als Übersetzer und Dolmetscher tätig und lebt in Rostock.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Untersuchungen zum Lysinbedarf bei Regenbogenforellen unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit Tryptophan, Arginin und Threonin. Bonn, Univ., Diss., 1989
  • Leben zwischen Orient und Okzident : Ein Iraker erzählt. Rostock: Verlag BS 2008 ISBN 978-3-86785-032-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hikmat Al-Sabty – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hikmat Al-Sabty: Zur Person. In: www.al-sabty.de. Archiviert vom Original am 18. April 2016; abgerufen am 20. Dezember 2019.
  2. Dr. Hikmat Al-Sabty - Arabisch-Deutsch-Arabisch. In: arabisch-deutsch.net. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  3. a b c Landesverband Mecklenburg-Vorpommern: Dr. Hikmat Al-Sabty. In: www.originalsozial.de. Archiviert vom Original am 21. November 2010; abgerufen am 20. Dezember 2019.
  4. DNB 115831495
  5. Landesliste zur Landtagswahl am 4. September 2016 (Memento des Originals vom 30. Mai 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.originalsozial.de
  6. Frank Pubantz: Gägelow - Die Linke wählt Holter — und die Jugend – OZ - Ostsee-Zeitung. In: ostsee-zeitung.de. 11. Januar 2016, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  7. Sprecherrat. In: www.migranet-mv.de. Archiviert vom Original am 19. Juli 2011; abgerufen am 20. Dezember 2019.
  8. Dutzende Palästina-Aktivisten in Israel festgesetzt. In: www.tagesschau.de. Archiviert vom Original am 11. Juli 2011; abgerufen am 20. Dezember 2019.
  9. Kompakt: Ausland Kompakt II - WELT. In: welt.de. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  10. "Willkommen in Palästina": Israel nutzt Facebook für Einreiseverbote - Golem.de. In: golem.de. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  11. E. Hausen: "Willkommen in Palästina": Flughäfen verweigern Ausreise nach Israel. In: israelnetz.com. Abgerufen am 20. Dezember 2019.
  12. PRESSEMITTEILUNG. „Überflüssige und unsinnige Provokation.“ DIG-Präsident Reinhold Robbe kritisiert geplante Masseneinreise von „Palästina-Aktivisten“ nach Israel. In: www.deutsch-israelische-gesellschaft.de. Archiviert vom Original am 13. August 2011; abgerufen am 20. Dezember 2019.
  13. Mathias Meisner: Deutschland - Ukraine: Linke, die Krim und ein ausgeladener Gysi - Politik - Tagesspiegel. In: tagesspiegel.de. 17. März 2014, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  14. Kitiltották a jobbikos Kovács Bélát Ukrajnából. In: origo.hu. 29. August 2014, abgerufen am 20. Dezember 2019 (ungarisch).
  15. Alexa Hennings: Nordkreuz-Gruppe - Rechtsextreme "Feindeslisten" bleiben das Geheimnis des BKA. In: deutschlandfunkkultur.de. 21. August 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  16. Jan Greve: 15.07.2019: »Warum wurde ich nicht früher informiert?« (Tageszeitung junge Welt). In: jungewelt.de. 15. Juli 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.