Hindernis (Pferdesport)

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Steilsprung mit 2 Stangen, Dekorelementen als Unterfang und breiten Fangständern
Triplebarre bei CSI*-Turnier mit der Nummer vor dem rechten Ständer, roten Fahnen rechts und weissen Fahnen links
Die Auflagen der abgeworfenen Stange sind erkennbar. Die Auflagen passen in die Löcher der Eisenschiene am Ständer.
Nach dem Kreuz liegt eine Stange am Boden und zwingt das Pferd konzentriert und ruhig weiter zu galoppieren.
Einfache Sprungständer. Kerben für die Sprungauflagen auf der Außenseite. Diese Bauweise ist leichter als mit Eisenschienen.

Hindernisse gibt es in mehreren Disziplinen des Pferdesports. Es gibt Hindernisse, die gesprungen werden müssen, beispielsweise beim Springreiten, Jagdreiten und bei der Vielseitigkeit und Hindernisrennen. Es gibt aber auch Schritt- und Trab-Cavalettis oder Stangen die in der entsprechenden Gangart ohne Sprung überwunden werden. Fahrsport-Hindernisse müssen durchfahren werden.

Hindernisse für den Fahrsport und das Springreiten werden unten beschrieben.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Hindernisse im Pferdesport sollten so beschaffen sein, dass sie nicht und die Verletzungsgefahr gering ist. Eine Gefahr ist, dass ein Pferd auf eine am Boden liegende Stangen tritt, weil eine Stange an die falsche Stelle gerollt ist. Darum sollten Stangen gegen Wegrollen gesichert werden und auf die richtigen Abstände geachtet werden.

Meistens werden schwere, standfest und solide Hindernisse bevorzugt. Es reiten jedoch auch viele junge Mädchen und andere physisch weniger leistungsfähige Menschen, die bereits mit feuchten Holzstange an die Grenze ihrer Kräfte gelangen. Fichtenholz mit einer normalen Restfeuchte von 15 % hat eine Dichte von rund 400 kg/m3. Damit wiegt eine Stange von vier Metern Länge bei zehn Zentimetern Durchmesser bereits 12 kg Kilogramm. Hindernisständer, insbesondere Fangständer sind wesentlich schwerer, vor allem wenn sie gelochte Eisenschienen für die Sprungauflagen haben. Deshalb werden immer mehr leichte Hindernisse aus Aluminium oder splittersicherem Kunststoff verwendet. Bei einem zuverlässigen Pferd können unter Umständen sogar zwei zusammengesteckte „Schwimmnudeln“ statt einer Hindernisstange mit Erfolg verwendet werden, vorausgesetzt die Schwimmnudeln werden gut festgeklemmt.[1] Bei der Ausbildung junger Pferde empfiehlt sich das nicht. Für die Bodenarbeit werden auch häufig plastikummantelte weiche schaumgummiartige Elemente verwendet, die beim Darauftreten nachgeben. Sie werden auf den Boden gelegt oder aufeinander gestapelt.[2] Alternativ können im Training auch 3 m lange Stangen mit 8 cm Durchmesser, die nur noch rund 6 kg wiegen, zusammen mit leichten Aluminium-Ständern verwendet werden.

Hindernisstangen und Ständer müssen gegen Feuchtigkeit geschützt gelagert werden, damit sie sich nicht vollsaugen, noch schwerer werden und verrotten. Das Holz muss behandelt werden.[3] Meistens werden sie zunächst weiß grundiert und anschließend mit einem bunten Anstrich versehen.

Hindernisse beim Springreiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hindernisstangen aus Holz
Gestapelte weiche Plastikelemente

Die Parcours-Hindernisse für Springprüfung werden aus beweglichem Material aufgebaut.

Hindernisstangen sind meistens aus Holz, können aber auch aus Kunststoff sein. Sie sind 3-4 m lang und haben einen Durchmesser von 8-10 cm. Das Gewicht und der Durchmesser der Stangen spielen in Wettkämpfen eine wichtige Rolle. Je leichter eine Stange ist, umso leichter wird sie abgeworfen. Je kleiner der Durchmesser der Stangen ist, um so filigraner wirkt das Hindernis. Es wird vom Pferd weniger wahrgenommen und weniger respektiert. Daher neigen die Pferde dazu nachlässiger zu springen und Fehler zu machen.

Der Raum zwischen den Stangen und der Erde sollte nicht leer sein. Dazu kann beispielsweise unten in den Ständer eine Planke eingehängt werden, eine Bürste oder andere Elemente als Unterfang unter die Stangen gestellt werden. Für das Pferd ist ein ausgefüllter Sprung leichter zu taxieren, als eine einzelne frei in der Luft schwebende Stange. Hindernisse in kräftigen Farben werden besser wahrgenommen, als unauffällige Farben.

Die Stangen werden von je zwei Ständern getragen. Die Ständer sollten standfest und nicht zu leicht sein, damit sie nicht bei jedem Luftzug umfallen. An den Ständern sind höhenverstellbare Halterungen, die so genannten Auflagen, angebracht, auf die die Stangen gelegt werden. Die Auflagen haben eine konkave, ausgehöhlte Auflagefläche, in die die Stangen hineingelegt werden. Bei tiefen Auflagen liegen die Stangen fester und werden nicht so leicht abgeworfen, bei flachen Auflagen, fallen die Stangen leichter herunter. Bei internationalen Wettkämpfen ist die Tiefe der Auflagen vorgeschrieben. Auf dem Abreitplatz für Springprüfungen sind mindestens zwei Sprünge aufgebaut, ein Steilsprung sowie ein Oxer.

Bei der Stangenarbeit werden die Stangen auf den Boden gelegt.

Bei Wettkämpfen werden die Hindernisse rechts mit einer roten Fahne und links mit einer weißen Fahne markiert und so die Richtung in der sie gesprungen werden müssen angezeigt. Die Nummer wird vor der roten Fahne, also auf der rechten Seite des Hindernisses aufgestellt. Die Nummern zeigen die Reihenfolge der Hindernisse an.

Zu beiden Seiten der Sprünge werden meist Fänge aufgestellt. Sie dienen dazu, dass sich das Pferd auf das Hindernis konzentriert und nicht seitlich ausweicht. Bei Turnieren werden die Fänge meistens noch mit Blumen, Bäume und andere Dekorationselement verbreitert. Mit Hilfe des Blumenschmucks kann auch ein bestimmter Weg vorgegeben werden. Manchmal erschrecken Pferde vor unvermutet auftauchenden Dekorationselementen. Bei internationalen Wettkämpfen wetteifern die Parcoursbauer um eine möglichst originelle Gestaltung der Sprünge und des Parcours.

Steilsprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Steilsprung wird aus zwei Ständern, Stangen, Planken und anderem beweglichem Material gebaut.

  • Ein Kreuz ist in der Mitte niedriger und leitet das Pferd dazu mittig zu springen. Kreuze sind im Training und der Ausbildung sehr beliebt. Durch Stangen, die vor, unter oder hinter dem Sprung am Boden liegen kann das Pferd geleitet werden. Eine Stange am Boden unter dem Sprung erleichtert dem Pferd das Taxieren. Eine Vorlegestange ungefähr 3 m vor dem Sprung hilft dem Pferd beim Anreiten des Sprungs.[4] Eine Stange im richtigen Abstand nach dem Sprung zwingt das Pferd noch einmal aufzupassen, so dass es nach dem Sprung nicht davon stürmen kann.
  • Ein Rick besteht nur aus Stangen.
  • Planken sind breiter und auffälliger als Stangen und können Pferde irritieren, wenn sie Planken als Sprünge noch nicht kennen. Andererseits wirken Sie massiver als Stangen, sodass die Pferde mehr Vorsicht am Sprung zeigen und das Risiko geringer ist als bei Stangen, dass nachlässige Vorderbeine zum Abwurf führen. Planken liegen fester in den Auflagen, so dass sie weniger leicht abgeworfen werden. Aus diesem Grund wird oben meist eine Stange verwendet, oder sehr flache Auflagen, so dass auch die Planke leicht fallen.
  • Eine Mauer besteht aus undurchsichtigen Mauerteilen, die je nach Aufbau in der Höhe variiert werden können. Eine Mauer ist undurchsichtig, die Pferde können also nicht sehen was sich direkt hinter der Mauer befindet. Pferde mit mangelndem Vertrauen in den Reiter verweigern daher Mauersprünge eher als sonstige Hindernisse. Springt das Pferd die Mauer, wird nur selten gerissen, da das massige Aussehen zu viel Vorsicht bei den Pferden führt.
überbauter Wassergraben

Hochweitsprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Hochweitsprung wird meistens aus vier Ständern, Stangen, Planken und anderem beweglichem Material gebaut.

  • Bei einem Oxer sind die vordere und die hintere Stange gleich hoch. Der höchste Punkt der Sprungkurve liegt in der Mitte zwischen den beiden Stangen. Im Training wird oft die hintere Stange ein Loch höher gelegt und ist dadurch für das Pferd besser zu erkennen. Bei einem Oxer liegt auf dem hinteren Ständerpaar nur eine Stange. Er darf nur in die vorgesehene Richtung gesprungen werden.
  • Ein Doppelrick besteht aus zwei gleich hohen Ricks.
  • Triplebarre: besteht aus drei Ricks, die in der Höhe ansteigen. Die Flugkurve muss damit den höchsten Punkt über der letzten Stange haben und nicht mittig über dem Sprung.
  • Verdener Bank (Cavaletti oder niedrige Stange vor Steilsprung)
  • Hogback (dachförmig)
  • überbauter Wassergraben

Weitsprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wassergraben

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kombination besteht aus mehreren Sprüngen, zwischen denen ein oder zwei Galoppsprünge liegen. Eine Kombination aus zwei Sprüngen heißt zweifache Kombination, eine aus drei Sprüngen dreifache Kombination. Eine Kombination hat nur eine Hindernisnummer. Die Teilhindernisse werden mit den Buchstaben A, B und C bezeichnet.
In einem Derby werden auch spezielle Hinderniskombinationen, wie Pulvermanns Grab aufgebaut.

In-Out[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liegt kein Galoppsprung zwischen den Sprüngen, also muss das Pferd nach der Landung sofort wieder abspringen, nennt man sie In-Out. In-Outs dürfen nicht zu hoch sein. Zwei In-Outs kann das Pferd mit Schwung springen, bei längeren Sprungreihen muss das Pferd immer stärker mit der Hinterhand arbeiten. Die Sprungreihen müssen also auf die Kondition des Pferdes abgestimmt sein. Einfache In-Outs sind beispielsweise Galoppcavalettis.

In-Outs sind insbesondere in Gymnastikreihen und beim Freispringen sehr beliebt, da sie das Rhythmusgefühl trainieren und übereilige Pferde zur Konzentration erziehen.

Hindernisse beim Vielseitigkeitsreiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Geländeritt einer Vielseitigkeitsprüfung müssen feste Geländhindernisse überwunden werden, beispielsweise Gräben, Mauern, Zäune, Wasserdurchquerungen, Baumstämme. Zusätzliche Anforderungen sind Bergauf- oder Bergabklettern.

Hindernisse für den Fahrsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hindernisse beim Geländefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Marathonstrecken für das Geländefahren oder auf Fahrtrainingsplätzen gibt es spezielle Fahrhindernisse, zum Beispiel Wasserhindernisse oder mechanische Hindernisse/Trockenhindernisse. Die Hindernisse werden meist aus stabilen Holzpfosten und Stangen gebaut. Wenn möglich wird das natürliche Gelände einbezogen, indem die Hindernisse rund um Bäume oder am Hang gebaut werden. Auch Tunnel oder Brücken können als Hindernisse dienen. Bei großen Veranstaltungen gibt es kunstvoll gestaltete Hindernisse. Meist sind jedoch fest installierte Hindernisse aufwendiger als solche, die nur für eine Veranstaltung gebaut werden.

Hindernisse beim Hindernisfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Hindernisfahren oder Kegelfahren wird so schnell wie möglich durch einen Parcours mit Toren aus Kegelpaaren gefahren. Auf den Kegeln liegen Bälle, die bei Berührung herabfallen (Fehler). Die Tore sind nur wenig breiter als die Spurbreite der Wagen. Die Kegelpaare müssen in der richtigen Reihenfolge, so schnell wie möglich, fehlerfrei durchfahren werden. Bei der "Jagd nach Punkten" sind die verschiedenen Hindernisse des Parcours unterschiedlich viel Punkte wert. Ziel ist es in einer bestimmten Zeit möglichst viele Punkte zu sammeln. Die Punktezahl jedes Hindernisses ist auf einer Tafel bei dem rechten Kegel angegeben. Jedes Hindernis darf höchstens zwei mal durchfahren werden, dabei ist die Richtung gleichgültig. Ein Hindernis, das innerhalb der erlaubten Zeit begonnen wurde darf noch beendet gefahren werden, anschließend muss die Ziellinie auf direktem Weg überfahren werden. Ein mögliche Strategie ist es das schwierigste Hindernis mit der höchsten Punktzahl zum Schluss in Angriff zu nehmen, da für dieses Hindernis auch am meisten Zeit nötig ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horse Agility, vielseitige Verwendung von Schwimmnudeln und Krabbeltunneln als Hindernisse für Pferde
  2. Dual Aktivierung
  3. Roland Boost: Kreative Cavaletti-Arbeit: Mehr Abwechslung im Trainingsalltag. BLV Buchverlag, 2014, ISBN 3-8354-1230-2, S 28, Kapitel "Cavaletti einfach selbst gemacht"
  4. Steilsprung mit Vorlegestange, FN Video