Jack London

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Schriftsteller; für den Leichtathleten siehe Jack London (Leichtathlet).
Jack London (1900) Signatur von Jack London

Jack London (* 12. Januar 1876 in San Francisco als John Griffith Chaney; † 22. November 1916 in Glen Ellen, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Er erlangte vor allem Bekanntheit durch seine Abenteuerromane Ruf der Wildnis und Wolfsblut sowie durch den mehrfach verfilmten Abenteuerroman Der Seewolf und den autobiographisch beeinflussten Roman Martin Eden. Diese Werke geben gleichzeitig eine Übersicht über die geographischen Räume, die er kannte: den arktischen Norden Nordamerikas (Klondike) zur Zeit des Goldrausches, Kalifornien und den Pazifik bzw. die Seefahrt auf diesem Ozean. Als erfolgreicher Schriftsteller bekannte London sich in seinen politischen Essays, geprägt durch harte Erfahrungen in der Kindheit, häufig zu den unteren Schichten der Gesellschaft und offen zum Sozialismus, wenn auch sehr eigener Prägung. Er war bis kurz vor seinem Tod Mitglied der Socialist Party der Vereinigten Staaten und hatte sich 1901 für diese Partei erfolglos um das Amt des Bürgermeisters von Oakland beworben.[1] Sein literarisches Werk wurde international erfolgreich und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an der Stelle von Londons Geburtshaus in San Francisco, Ecke 3rd Street und Brennan

London wurde in San Francisco als nichteheliches Kind der aus gutbürgerlichem Hause stammenden[2] Flora Wellman (1843–1922), und des unstet lebenden Philosophen, Astrologen und Wanderpredigers[3] William Henry Chaney (1821–1903) geboren; dieser hatte sich den Beinamen „Professor“ gegeben. Chaney bestritt allerdings später dem 21-jährigen London gegenüber auf dessen briefliche Anfrage seine Vaterschaft, da er zeugungsunfähig sei. Londons Biografen gehen heute fast einhellig von Chaneys Vaterschaft aus,[4] eindeutig belegbar ist sie nach Quellenlage nicht.

Die Zeitung „San Francisco Chronicle“ berichtete am 4. Juni 1875, dass Chaney unter dramatischen Umständen Flora Wellman, die ebenfalls dem Spiritismus zugeneigt war, aus dem Haus gejagt habe, weil sie einer Abtreibung nicht zustimmen mochte. Daraufhin beging sie einen Selbstmordversuch, indem sie eine Überdosis Opium nahm und sich in die Schläfe schoss; sie konnte jedoch gerettet werden.

Am 7. September 1876 heiratete Flora Wellman den aus Pennsylvania stammenden Kriegsveteranen, Zimmermann, zeitweiligen Geschäftsmann und Farmer John London, der sich auch als Verkäufer von Nähmaschinen betätigte. Das Ehepaar zog nach Oakland, wo John London einen Kolonialwarenladen eröffnete.[5] Der Stiefvater erkannte den Jungen als seinen Sohn an, wodurch dieser dessen Nachnamen London erhielt. Die Familie lebte meist in ärmlichen Verhältnissen und zog in den folgenden Jahren innerhalb der San Francisco Bay Area mehrmals um, da John London wiederholt versuchte, auf neuen Grundstücken sein Glück als Farmer zu machen; all diese Versuche scheiterten.

1886 zog die Familie endgültig nach Oakland zurück. John London war zu dieser Zeit weitgehend invalid, und seine Frau sowie der junge Jack London mussten zum Einkommen der Familie beitragen. Er lebte in dieser Zeit meist im Haushalt der ehemaligen Sklavin Virginia Prentiss, die so etwas wie die – von Mutter Flora bezahlte – Ziehmutter des Jungen und eine prägendere Bezugsperson seiner Kindheit als die leibliche Mutter wurde.[6] Beide „Mütter“ sollten Jack London überleben. In ihren letzten Lebensjahren lebten die beiden Frauen in einem gemeinsamen Haushalt.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

London im Alter von neun Jahren mit seinem Hund Rollo, 1885

Jack London musste bereits als Kind unter anderem als Zeitungsjunge, Helfer in einem Wirtshaus und als Arbeiter in einer Konservenfabrik zum Familieneinkommen beitragen. Mit 13 Jahren verließ London die Highschool und wurde in den Arbeitsalltag eingespannt. Kinderarbeit gab es in den Vereinigten Staaten noch im Jahr 1900 für zwei Millionen Kinder unter 16 Jahren, die Arbeiten auf dem Land oder in Fabriken verrichteten. Entwicklungsstörungen und Gesundheitsschäden waren die Folge. Erst 1905 wurden Gesetze erlassen, die das Elend etwas verringerten.

Bereits als Kind las London Romane, vor allem aus öffentlichen Bibliotheken. Einer seiner ersten Einflüsse war die englische Schriftstellerin Ouida. Seine große Förderin wurde die später in San Francisco berühmte Schriftstellerin Ina Coolbrith, die zu jener Zeit als Bibliothekarin an der Stadtbibliothek von Oakland angestellt war; sie beriet den lese- und bildungshungrigen jungen London bei der Wahl seiner Lektüre, nahm seine Bemühungen um Bildung ernst und ermutigte ihn in seinem Selbststudium. In einem Brief aus dem Jahr 1901 bezeichnet er Coolbrith als die wichtigste geistige Bezugsperson in dieser Zeit seines Lebens und nennt sie seine „Göttin“.[7]

Mit 15 Jahren kaufte er sich von geborgtem Geld ein Boot, wurde der jüngste Austern-Pirat in der Bucht von San Francisco und verkaufte seine Ware auf dem Markt von Oakland; das illegale Abernten von Austern zu Handelszwecken genoss in der an Austern reichen Bay Area den Zuspruch der Bevölkerung und wurde von den Behörden meist toleriert.[8] Nachdem sein Boot von einer mit ihm und seinem Team verfeindeten Gruppe von Austernpiraten angezündet und versenkt worden war, schloss sich London der Fischereipolizei der Bay Area als freiwilliges Mitglied im Kampf gegen illegale chinesische Garnelenfänger und griechische Lachswilderer an; diese Tätigkeit beendete er mit 17 Jahren.[9]

Nach einiger Zeit auf See (unter anderem als Robbenjäger auf einer Reise nach Japan) und als Hobo holte London seinen Highschool-Abschluss nach. 1896/97 studierte er an der Universität von Berkeley, nachdem er die als anspruchsvoll geltende Aufnahmeprüfung bestanden hatte. Er brach das Studium aber nach nur einem Studienabschnitt ab und erlangte nie einen Hochschulabschluss.

Goldrausch, schriftstellerischer Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbildung von Jack Londons Hütte bei Stewart Island (1898) in Dawson am Yukon River

In Kalifornien waren Nachrichten von Goldfunden am Klondike River eingetroffen. Das Goldfieber erfasste ihn, und er segelte am 25. Juli 1897 gemeinsam mit seinem Schwager James Shepard – dem Ehemann seiner Stiefschwester Eliza aus John Londons erster Ehe[10] – und anderen Abenteuerlustigen nach Norden. Jack London versuchte sich kurzfristig erfolglos als Goldsucher in Yukon. Kurz darauf wurde er, mittellos nach Kalifornien zurückgekehrt, vor allem durch seine Tiergeschichten und seine Erzählungen vom harten Leben einfacher Menschen zur Berühmtheit und zum Bestsellerautor. Er bekam jedoch rund 100 Absagen von Zeitungen und Verlegern, bevor er seinen ersten Band Kurzgeschichten veröffentlichen konnte. Die Storys trafen den Nerv der Zeit und waren ein großer Erfolg.

Goldsucher warten auf die Registrierung ihrer Claims

Durch seine in kurzer Folge veröffentlichten Romane, Reportagen und Artikelserien wurde er in sehr kurzer Zeit wohlhabend. Von den Einnahmen seines Schreibens ließ er sich eine Yacht nach eigenen Entwürfen bauen, mit der er mehrere lange Seereisen unternahm. Er kam mit seiner Snark beispielsweise über Hawaii und die Südsee bis nach Australien, wo er sich wegen einer Erkrankung mehrere Monate im Krankenhaus kurieren lassen musste. Nachdem er als Schriftsteller und Journalist berühmt geworden war, erhielt er zahlreiche lukrative Aufträge, lebte unter anderem als Undercover-Reporter monatelang in einem Elendsviertel von London und geriet als Korrespondent im russisch-japanischen Krieg in Gefangenschaft.

1906 erlebte er das Jahrhundert-Erdbeben von San Francisco mit und verfasste darüber einen Augenzeugenbericht als Sonderkorrespondent für das Wochenmagazin Collier’s.[11] 1910 zog er sich mit seiner Frau auf eine von ihm gekaufte Farm in Sonoma County zurück, die er Beauty Ranch nannte und die heute als Museum im Originalzustand erhalten ist.[12] Dort wollte er eine dem modernen, industrialisierten, entfremdeten Leben möglichst ferne, „natürliche“ Existenz führen. Das hinderte ihn nicht daran, zum Beispiel Schweinezucht im großen Stil mit Ausrichtung auf Prämierung im öffentlichen Wettbewerb (was ihm gelang) zu betreiben.[12] Jack London sah sich zeitlebens eher als Landwirt denn als Schriftsteller. Er gab an, das Schreiben lediglich als Brotberuf zur Aufrechterhaltung seiner Ranch zu betreiben; diese betrachtete er als sein Lebenswerk.[13]

Jack London 1914

In seinem 1913 veröffentlichten autobiographischen Roman John Barleycorn (auf Deutsch König Alkohol) thematisierte London seine Alkoholkrankheit. Er behauptete in diesem Buch zwar, Zeit seines Lebens Alkohol in großen Mengen getrunken zu haben, jedoch ohne jeden Genuss. Wie glaubwürdig diese Aussage ist, ist umstritten. Die Hauptthese des Buches ist, dass Alkohol ein Dämon ist, der qua Konvention Männern erlaubt, gesellig zu sein, sie letztlich aber in die Sucht führt und vernichtet. Von den Frauen hingegen erhoffte sich London mittels des Frauenwahlrechts ein Verbot des Alkohols und neue Formen der suchtfreien Geselligkeit. Es war ihm aber nicht klar, wie dies konkret aussehen könnte, was umso mehr auffällt, da sich London über Formen weiblicher Geselligkeit in dem Buch sehr abfällig äußert. London jedenfalls war seit dieser Zeit und bis zu seinem Lebensende ein Befürworter der Prohibition, die landesweit in den USA erst nach seinem Tod politisch verwirklicht wurde.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jack London war zweimal verheiratet: Von 1900 bis 1904 in erster Ehe mit Elizabeth „Bess“ Maddern und in zweiter Ehe seit 1905 mit Charmian Kittredge. Der ersten Ehe mit Jugendfreundin Elizabeth entstammten die Töchter Joan und Bessie „Becky“. Die Familie lebte zeitweise im kalifornischen Piedmont, wo London während dieser Zeit einen seiner berühmtesten Romane, Ruf der Wildnis, zu Papier brachte. Die Ehe wurde nicht glücklich. London, der mehrere außereheliche Beziehungen pflegte, litt vor allem unter der puritanischen Grundeinstellung seiner Ehefrau, Bess hingegen unter den Alkohol- und Fraueneskapaden ihres Mannes; 1903 verließ Jack London die Familie und zog nach San Francisco. Dort lernte er über gemeinsame Freunde die fünf Jahre ältere, lebenslustige und gebildete Hotelierstochter, ausgebildete Pianistin und Verlagssekretärin Charmian Kittredge kennen. Die Verbindung wurde äußerst glücklich und dauerte bis zu Jack Londons Tod. Allerdings erlitt das Paar im Jahr 1910 den Tod eines 36 Stunden nach der Geburt gestorbenen Kindes und eine spätere Fehlgeburt. Das Paar führte im beiderseitigen Einvernehmen eine sogenannte Offene Ehe und galt nach Übereinkunft sämtlicher seriöser Biografen als ideale Lebensverbindung. Charmian überlebte Jack um fast 40 Jahre, ging keine weitere Ehe ein und ließ ihre Asche neben der ihres verstorbenen Gatten unter einem Felsbrocken bei Glen Ellen im heutigen Jack London Historic Park beisetzen.[14]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstelle von Jack und Charmian London auf dem Gelände ihrer Farm

Jack London starb im Alter von vierzig Jahren auf seiner Farm in Glen Ellen, Sonoma County. Die früher weithin vertretene Auffassung, London habe seinem Leben selbst ein Ende gesetzt, gilt heute als umstritten. Einiges spricht für eine Harnvergiftung als Todesursache: Jack London litt in den letzten Lebensjahren an einer Niereninsuffizienz und hatte sich zuvor wegen anderer gesundheitlicher Probleme bereits mehreren Operationen unterziehen müssen. Möglicherweise trug auch seine Alkoholkrankheit oder das schmerzlindernde Morphin, das er zuletzt nahm, zu seinem Tode bei. Auch die Behandlung von Geschwüren mit Quecksilberpräparaten während seiner Segeltour in Polynesien könnte zu seinem frühen Tod beigetragen haben. Manche Biografen vermuten, sein Kreislauf habe wegen der gesamten gesundheitlichen Belastungen versagt.

Für einen Selbstmord Londons könnte hingegen sprechen, dass London in seinen letzten Jahren an Depressionen litt – wofür es außer autobiographischen Zeugnissen auch mehrere Belege Dritter gibt – und dass er in seinem Buch John Barleycorn wie auch in anderen, autobiographisch gefärbten Erzählwerken wiederholt berichtet, dass er unter Einfluss von Alkohol mehrmals versucht habe, sich das Leben zu nehmen.

Für beide Hypothesen gibt es Indizien. Die Ursache seines frühen Todes ist aber letztlich ungeklärt.

Nachlass und Erbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Jack Londons Tod wurde Charmian London Haupterbin und Nachlassverwalterin des Vermögens ihres Mannes. Für die Töchter, Mutter Flora, Schwester Eliza und seine alte Nanny Virginia wurde allerdings finanziell gesorgt. Seiner Ex-Ehefrau Bess hinterließ Jack London exakt fünf Dollar und das lebenslange Wohnrecht am ehemals gemeinsam bewohnten Haus in Oakland.[15] Charmian London verwaltete die literarische Hinterlassenschaft ihres Mannes, während sich Londons Stiefschwester Eliza Shepard, mit der sowohl Jack als auch Charmian ein enges Vertrauensverhältnis gepflegt hatten, gemeinsam mit ihrem Sohn und dessen Familie um die Bewirtschaftung der Farm kümmerte.[16] Nach Charmian Londons Tod – Eliza war bereits vor ihr gestorben – erbten die Shepards ihr gesamtes Vermögen. Deswegen gibt es bis heute Verwerfungen zwischen den Shepards und den Abbotts (Nachkommen von Jack Londons Tochter Joan), die sich weiterhin als Jack Londons rechtmäßige Erben sehen.[17]

Zum Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Ansichten kommen in verschiedenen seiner Schriften (z. B. Die eiserne Ferse, Martin Eden) zum Tragen. Jack Londons sozialistische Grundhaltung mischt sich dabei auf aus heutiger Sicht eigenwillige, jedoch zeittypische Weise mit sozialdarwinistischen Ansichten. Die arme, arbeitende Bevölkerung ist in Londons Weltsicht zwar roh und unkultiviert, in ihrer unbändigen, oft barbarischen Lebenskraft jedoch der dekadenten Ober- und Mittelschicht entschieden überlegen. Im Seewolf tritt diese Thematik besonders deutlich hervor: ein kultivierter, verweichlichter Protagonist trifft auf einen „wilden“ (obgleich gebildeten) Menschen.

Auch in Ruf der Wildnis und in Wolfsblut tritt dieser Konflikt zwischen Natur und Kultur auf. Hier wählt Jack London das Spannungspaar WolfHund, wobei sich im Wolfsrudel die Vitalität der Natur mit der harten Auslese im Kollektiv paart, gegen die der domestizierte und dadurch dekadent und schwach gewordene Haushund keine Chance hat. Für London stellt dies das Spannungsverhältnis zwischen Natur- und Kulturmensch dar, eine Problematik, die auch von anderen Schriftstellern zur Wende zum 20. Jahrhundert aufgegriffen wurde. Ein ähnlicher Gegensatz ist beispielsweise auch in Selma Lagerlöfs um diese Zeit veröffentlichtem Roman Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen zu finden, in dem sich der Hausgänserich Martin erst aus seiner ihm vom Menschen anerzogenen Verweichlichung lösen und im Schwarm der Wildgänse beweisen muss.

Die Betonung der Weisheit des Kollektivs in gleichermaßen sozialistischer wie sozialdarwinistischer Ausprägung – Sichtweisen, die heute oft als einander ausschließende erscheinen – war um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als geistige Strömung durchaus verbreitet und wurde öffentlich und in intellektuellen Kreisen weltweit diskutiert. Eine eklektizistische Synthese der Ideen Karl Marx', Darwins, Schopenhauers und Nietzsches waren seinerzeit gerade bei Künstlern nicht selten anzutreffen. Sie finden sich in sehr ähnlicher Ausprägung beispielsweise auch bei dem schwedischen Schriftsteller August Strindberg, einem Zeitgenossen Jack Londons.

Jack London veröffentlichte 1910 in dem amerikanischen Magazin McClure's die Kurzgeschichte The Unparalleled Invasion. Dabei handelt es sich um einen futuristischen Bericht über die „Gelbe Gefahr“ und der Bekämpfung von durch explosionsartiges Bevölkerungswachstum in China ausgelöster Krisen. Diese Erzählung ist eines der frühen Werke des Science-Fiction-Genres. In Jack Londons China der 1970er herrscht bedrohliche Überbevölkerung. Die „monströse Flut des Lebens“ wird zu einer Bedrohung globalem Ausmaßes: „Jetzt trat China über die Grenzen seines Imperiums – einfach, indem es sich mit der Gewissheit und der erschreckend langsamen Macht eines Gletschers über die angrenzenden Territorien ergoss.“ Die Lösung der westlichen Welt für die entstandenen Probleme besteht in der Erzählung darin, die gesamte Bevölkerung Chinas mit bakteriologischen Waffen zu vernichten und das entvölkerte Land im Rahmen eines planmäßigen Wiederaufbaus von der westlichen Welt aus neu zu besiedeln. Da andere militärische Mittel an der Autarkie des chinesischen Grossreiches scheitern, wird der Einsatz von Biowaffen als die einzige Möglichkeit zur Lösung des „chinesischen Problems“ dargestellt. Die detailreiche Schilderung eines solchen Völkermordes wird von Jack London ohne jegliche moralischen Einwände betrieben. In der Erzählung wird abwertend von „yellow life“ and „yellow populace“ gesprochen. Die Kurzgeschichte, deren Titel sich mit „Die beispiellose Invasion“ übersetzen lässt, wurde später in der 1914 vom Verlag Macmillan Publishers (Vereinigte Staaten von Amerika) veröffentlichten Kurzgeschichten-Sammlung The Strength of the Strong Jack Londons übernommen.[18][19][20][21]

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Episode von Star Trek: Das nächste Jahrhundert (Gefahr aus dem 19. Jahrhundert) wird ein junger Page namens Jack London vorgestellt, dem von Mark Twain nahegelegt wird, Schriftsteller zu werden. Ebenfalls wird Jack London in den Lucky-Luke-Bänden Der Daily Star und Am Klondike eingeführt. Nach Jack London sind der am 2. Mai 1976 entdeckte Asteroid (2625) und der Jack-London-See im Fernen Osten Russlands benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(dt. Übers.: Erwin Magnus)

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An der weißen Grenze (A Daughter of the Snows), 1902 (auch: Das Alaska-Mädchen)
  • Frisco Kid (The Cruise of the Dazzler, 1902) (Kalifornien)
  • Ruf der Wildnis (The Call of the Wild, 1903) (Klondike, Hundegeschichte); Neu und erstmals vollständig übersetzt, mit Nachwort und Anmerkungen von Lutz-W. Wolff, dtv, München 2013, ISBN 978-3-423-14277-9.
  • The Kempton-Wace Letters, 1903 (gemeinsam mit Anna Strunsky)
  • Der Seewolf (The Sea-Wolf, 1904) (Seegeschichte); Neu übersetzt, mit Nachwort und Anmerkungen von Lutz-W. Wolff, dtv, München 2014, ISBN 978-3-423-14364-6.
  • The Game, 1905 (Preisboxer)
  • Wolfsblut, Weißzahn, der Wolfshund (White Fang, 1906) (Klondike, Kalifornien, Hundegeschichte); Neu übersetzt, mit Nachwort und Anmerkungen von Lutz-W. Wolff, dtv, München 2013, ISBN 978-3-423-14239-7.
  • Vor Adams Zeiten (Before Adam), 1907 (Frühgeschichte der Menschheit)
  • Die eiserne Ferse (The Iron Heel), 1908 (Dystopie) komplett in HTML
  • Martin Eden, New York 1909, 2. Ausg. London 1910 (stark autobiographisch); Neu übersetzt, mit Nachwort und Anmerkungen von Lutz-W. Wolff, dtv, München 2016, ISBN 978-3-423-28081-5.
  • Lockruf des Goldes (Burning Daylight), 1910 (Klondike, ein „Sonoma-County Roman“); Neu und erstmals vollständig übersetzt, mit Nachwort und Anmerkungen von Lutz-W. Wolff, dtv, München 2015, ISBN 978-3-423-14426-1.
  • The Abysmal Brute, 1911 (Ein Boxer flieht von der Korruption in die Kalifornische Wildnis)
  • Die Insel Berande (Adventure), 1911 (Sklaverei auf den Solomon-Inseln)
  • Ein Sohn der Sonne (A Son of the Sun), 1912 (Südseegeschichten um einen Kaufmann und Abenteurer)
  • Die Scharlachpest (The Scarlet Plague), 1912 (Dystopische Erzählung, Menschheit durch Krankheit fast ausgelöscht)
  • Smoke Bellew / Alaska-Kid, 1912 (Alaska, Episodenroman aus der Zeit des Goldrauschs am Klondike, naturalistisch)
  • Kid & Co. (Fortsetzung von Alaska Kid)
  • Das Mondtal (The Valley of the Moon, 1913) (London, England und Kalifornier)
  • Die Meuterei auf der Elsinore (The Mutiny of the Elsinore), 1914.
  • Die Zwangsjacke (The Star Rover, 1915, auch als The Jacket verlegt) (Strafvollzug/Reinkarnation)
  • Die Herrin des Großen Hauses (The Little Lady of the Big House) 1916 (Kalifornien)
  • The Turtles of Tasman, 1916.
  • Jerry der Insulaner (Jerry of the Islands), 1917 (Pazifik, Hundegeschichte)
  • Michael, der Bruder Jerrys (Michael, Brother of Jerry), 1917 (Hundegeschichte, Tierschutz)
  • Der Wolf von Wallstreet (Hearts of Three), 1918.
  • Das Mordbüro (The Assassination Bureau Ltd), 1963 (vervollständigt von Robert L. Fish, Thriller)

Kurzgeschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kurzgeschichten Jack Londons sind in unterschiedlichen Zusammenstellungen erschienen.

  • Siwash, 1929, (Berlin, Universitas, 1. Auflage)
  • Das Gesetz des Lebens
  • Zum Jack-London-Jahr 2016 erschien ein Sammelband Die besten Geschichten mit 14 ausgewählten Nordlandgeschichten, neu übersetzt von Herbert Schnierle-Lutz. Anaconda, Köln 2016, ISBN 978-3-7306-0352-9

Tatsachenberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essays / Reden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • War of the Classes 1905 (Reden zum Sozialismus)
  • Revolution and Other Essays, 1909 (sozialistische Gedanken)
  • The Human Drift, 1917.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Auswahl von Filmen, die nach Romanen, Erzählungen oder Motiven von Jack London im Laufe der Filmgeschichte entstanden sind:

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jack London - Ein amerikanisches Original, 2016, ARTE, 03.12.2016

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christopher McCandless (1968–1992), ein Student aus wohlhabenden Verhältnissen, der unter anderem durch Londons Romane dazu inspiriert wurde, nach Alaska auszuziehen, um dort ein naturbezogenes, autonomes Leben zu führen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jonathan Auerbach: Male call. Becoming Jack London. Duke Univ. Press, Durham u. a. 1996, ISBN 0-8223-1820-2.
  • Thomas Ayck: Jack London. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 7. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2000. (= Rowohlts Monographien; 50244) ISBN 3-499-50244-5.
  • Robert Barltrop: Jack London. Eine Biographie. (= Ullstein-Buch; 34490; Ullstein-Sachbuch). Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1988, ISBN 3-548-34490-9.
  • Rüdiger Barth, Marc Bielefeld: Jack London. In: Wilde Dichter. Die größten Abenteurer der Weltliteratur. Malik, München 2009, ISBN 978-3-89029-300-4.
  • Lois A. Cuddy: Evolution and eugenics in American literature and culture, 1880–1940. Essays on ideological conflict and complicity. Bucknell University Press u. a., Lewisburg, Pa. u. a. 2003, ISBN 0-8387-5555-0.
  • Daniel Osborn Dyer: Jack London. A biography. Scholastic Press, New York 1997, ISBN 0-590-22216-3.
  • Justin D. Edwards: Exotic journeys. Exploring the erotics of U.S. travel literature, 1840–1930. University of New Hampshire, Hanover, NH u. a. 2001, ISBN 1-58465-115-6.
  • Christopher Gair: Complicity and resistance in Jack London's novels. From naturalism to nature. (= Studies in American literature. 22). Mellen, Lewiston u. a. 1997, ISBN 0-7734-8719-0.
  • Barbara S. Giehmann: Writing the Northland. Jack London's and Robert W. Service's Imaginary Geography. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010, ISBN 978-3-8260-4459-5.
  • James L. Haley: Wolf : the lives of Jack London. BasicBooks, New York, NY 2011, ISBN 978-0-465-02503-9.
  • Alfred Hornung: Jack London. Abenteuer des Lebens. Lambert Schneider, Darmstadt 2016, ISBN 978-3-650-40157-1.
  • Rolf Italiaander: Jack London. (= Köpfe des XX. Jahrhunderts. 88). Colloquium, Berlin 1978, ISBN 3-7678-0445-X.
  • Zhenkai Liu: Jack London in China (= Berichte aus der Literaturwissenschaft), Shaker, Aachen 1997, ISBN 3-8265-2291-5 (Dissertation Universität Bremen, 1995, 287 S.).
  • Alex Kershaw: Jack London. A life. Flamingo, London 1998, ISBN 0-00-654848-2.
  • Michael Klein: Das weiße Schweigen. Jack Londons Weg durch das Eis. Zsolnay, Wien 2001, ISBN 3-552-05167-8.
  • Michail Krausnick: Jack London. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006, ISBN 3-423-31085-5.
  • Earle Labor: Jack London: An American Life. Farrar Straus Giroux, New York 2013, ISBN 978-0-374-17848-2.
  • Charmian London: Jack London. Das Abenteuer eines Lebens. Erzählt von seiner Frau. Universitas, Berlin 1976, ISBN 3-8004-0827-9.
  • Rolf Recknagel: Jack London. Leben und Werk eines Rebellen. Biografie. 4. Auflage. Verlag Neues Leben, Berlin 1989, ISBN 3-355-00885-0.
  • Jeanne Campbell Reesman: Jack London. A study of the short fiction (= Twayne's studies in short fiction. Band 75). Twayne, New York 1999, ISBN 0-8057-1678-5.
  • Jeanne Campbell Reesman: Jack London's racial lives : a critical biography. University of Georgia Press, Athens, Ga. u. a. 2009, ISBN 978-0-8203-2789-1.
  • Hinrik Schünemann: Jack London. Bedarfsorientiertes Literaturmarketing in Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts. (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 14; Angelsächsische Sprache und Literatur. 363). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-631-35808-3.
  • Clarice Stasz: Jack London's women. University of Massachusetts Press, Amherst 2001, ISBN 1-55849-301-8.
  • Rebecca Stefoff: Jack London. An American original. Oxford University Press, Oxford u. a. 2002, ISBN 0-19-512223-2.
  • Irving Stone: Zur See und im Sattel. Jack London – ein Leben wie ein Roman (= Ullstein-Buch, Band 22780). Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-548-22780-5.
  • Georg Stefan Troller, Robert Lebeck (Fotos): Der Abenteurer. Das kurze, wilde Leben des Jack London. Bertelsmann, Gütersloh 1968, DNB 458444049.
  • Michel Viotte (in Zusammenarbeit mit Noël Mauberret): Die vielen Leben des Jack London. Knesebeck, München 2016, ISBN 978-3-86873-991-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jack London – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Jack London – Quellen und Volltexte (englisch)

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über Jack London und die Sozialistische Partei der USA (Memento vom 13. April 2014 im Internet Archive) bei kirjasto.sci.fi (englisch)
  2. Kurzbiografie von Flora Wellman-London bei london.sonoma.edu
  3. Michail Krausnick: Jack London. S. 8.
  4. John Sutherland: „Introduction to John Barleycorn“. In: John Barleycorn. Oxford University Press, Oxford 1998.
  5. Thomas Ayck: Jack London. Rowohlt, Reinbek 2000, S. 15 f
  6. Über die Rolle von „Mammy“ Virginia Prentiss im Leben Jack Londons bei parks.ca.gov
  7. Über Ina Coolbrith und Jack London beim jacklondons.net
  8. Thomas Ayck: Jack London. S. 19 ff
  9. Über die Tätigkeit Jack Londons bei der regionalen Fischereipolizei (Memento vom 17. März 2014 im Internet Archive) auf glanzundelend.de
  10. Über Eliza und James Shepard bei london.sonoma.edu
  11. Originaltext von Jack Londons Augenzeugenbericht über das Erdbeben von San Francisco 1906
  12. a b Offizielle Seite von Jack Londons Ranch
  13. Über Jack London und die Beauty Ranch als sein Lebenswerk bei jacklondons.net
  14. Das Grab von Charmian und Jack London bei findagrave.com
  15. Jack Londons letzter Wille london.sonoma.edu
  16. Über das Verhältnis von Charmian London zu Eliza Shepard london.sonoma.edu
  17. Helen Abbott (Ehefrau von Jack Londons verstorbenem Enkel Bart) über Jack London und sein Vermächtnis lotter.org
  18. Jack London, The Unparalleled Invasion. Magazin: McClure's, Juli 1910.
  19. Titel gelisted auf Internet Speculative Fiction Database
  20. The Strength of the Strong. Roy Tennant und Clarice Stasz, abgerufen am 14. November 2016 (englisch).
  21. Walt Mervin: The Strength of the Strong:The Unparalleled Invasion. Roy Tennant und Clarice Stasz, abgerufen am 14. November 2016 (englisch).