Horst Dieter Schlosser

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Horst Dieter Schlosser (* 2. Mai 1937 in Düsseldorf) ist ein deutscher germanistischer Mediävist und Linguist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosser studierte Germanistik, Geschichte, Philosophie und Pädagogik an den Universitäten von Hamburg, Münster und Freiburg i.Br. Von 1965 bis 1972 war er wissenschaftlicher Assistent und Akademischer Rat in Hamburg und Frankfurt am Main. Anschließend war er von 1972 bis 2002 Professor für Deutsche Philologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 1976 bis 1978 und von 1988 bis 1999 bekleidete er das Amt des Vizepräsidenten der Goethe-Universität.

Schlosser untersuchte insbesondere den Wandel des gesprochenen und geschriebenen Wortes, u. a. am Beispiel der Frankfurter Stadtmundart, ferner den Sprachgebrauch in der DDR, den Bereich „Technik und Sprache“ sowie Medizinische Ethik. Daneben veröffentlichte er auch über althoch- und altniederdeutsche Texte sowie über Literaturgeschichte. Er ist Initiator und war von 1991 bis 2011 Sprecher der sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“. Von 1983 bis 2017 war er Vorsitzender des Zweigs Frankfurt am Main der Gesellschaft für deutsche Sprache, seit 1991 korrespondierendes Mitglied des Collegium Europaeum Jenense der Universität Jena.

Schlosser zählt zu den namhaften Linguisten in Deutschland, der neben seiner Unwort-Initiative wichtige Publikationen wie den „Atlas deutscher Literatur“ und „Sprache unterm Hakenkreuz“ veröffentlicht hat.

2016 erschien von ihm „Die Macht der Worte. Ideologien und Sprache im 19. Jahrhundert“; aktuell (Stand: Anfang 2021) arbeitet er an einem Buch zum Sprachwandel.

Bekannt ist Horst Dieter Schlosser zudem für sein humorvolles Sprachtalent, mit dem er nicht nur auf Pressekonferenzen zum Unwort die Anwesenden unterhielt, sondern auch Generationen von Germanistik-Studierenden Sprachgeschichte, -entwicklung und -wandel nahebrachte und in zahlreichen Vorträgen der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ für ein kritisches Sprachbewusstsein warb.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Autor
  • Lexikon der Unwörter. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 2000, ISBN 3-577-10449-X.
  • Atlas deutscher Literatur. Tafeln und Texte. Graphik Uwe Goede. 10. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006, ISBN 3-423-03219-7.
  • Die Macht der Worte. Ideologien und Sprache im 19. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Köln 2016, ISBN 978-3-412-50557-8.
  • Sprache unterm Hakenkreuz. Eine andere Geschichte des Nationalsozialismus. Böhlau Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-412-21023-6.
  • Es wird zwei Deutschlands geben. Zeitgeschichte und Sprache in Nachkriegsdeutschland 1945–1949. Lang, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-631-53705-0.
  • Die deutsche Sprache in der DDR zwischen Stalinismus und Demokratie. 2. Auflage. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1999, ISBN 3-8046-8861-6.
  • Notabene DDR. Ein historisch-kritisches Lexikon. Weißensee Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-89998-322-7.
als Herausgeber
  • Sprache und Kultur. Lang, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-631-37051-2.
  • Althochdeutsche Literatur. Mit altniederdeutschen Textbeispielen. Verlag Erich Schmidt, Berlin 2004, ISBN 3-503-07903-3.
  • Hermann von Sachsenheim: Die Mörin. Nach der Wiener Handschrift ÖNB 2946. Brockhaus, Wiesbaden 1974, ISBN 3-7653-0061-6.
  • Das Deutsche Reich ist eine Republik. Beiträge zur Kommunikation und Sprache der Weimarer Zeit. Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-39071-8.
  • Mit Hippokrates zur Organgewinnung? Medizinische Ethik und Sprache. Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-631-33006-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]