Gesellschaft für deutsche Sprache

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.
(GfdS)
GfdS Logo.svg
Zweck: Fachgesellschaft
Vorsitz: Peter Schlobinski
Gründungsdatum: 1947
Mitgliederzahl: rund 3000
Sitz: Wiesbaden
Website: www.gfds.de

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ist ein hauptsächlich von der deutschen Kultusministerkonferenz und dem Kulturstaatsminister finanzierter Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die deutsche Sprache zu pflegen und zu erforschen sowie die Funktion der deutschen Sprache im globalen Zusammenhang erkennbar zu machen. Die GfdS begleitet dabei den jeweils aktuellen Sprachwandel kritisch und gibt Empfehlungen für den Sprachgebrauch.

Der Verein wurde von Landgerichtsdirektor Max Wachler 1947 als Nachfolgeorganisation des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins gegründet. Seit dem Umzug der GfdS im Jahre 1965 von Lüneburg nach Wiesbaden unter dem damaligen Geschäftsführer Otto Nüssler hat die GfdS ihren Sitz in der hessischen Landeshauptstadt.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Die GfdS unterhält einen Sprachberatungsdienst, bei dem sich Privatpersonen, Firmen, Behörden und Institutionen bei der Klärung sprachbezogener Fragen (so zur Rechtschreibung, Grammatik oder Stil) unterstützt und Gutachten (etwa zu Vornamen) erstellt werden. Seit einiger Zeit ist der Dienst jedoch kostenpflichtig, weshalb die Zahl der Anfragen stark zurückgegangen ist.

Seit 1971 verleiht die GfdS als eine Art sprachlichen Jahresrückblick die „Wörter des Jahres“.

Seit 1987 verleiht die GfdS alle zwei Jahre in einem öffentlichen Festakt den Medienpreis für Sprachkultur. Außerdem wird seit 1994 in Zusammenarbeit mit der Alexander-Rhomberg-Stiftung der Alexander-Rhomberg-Preis für Nachwuchsjournalisten vergeben. Der Hans-Oelschläger-Preis der GfdS wurde 2014 ins Leben gerufen. Er richtet sich an Journalisten in Rundfunk und Fernsehen, die durch entsprechende Sendungen das Empfinden für klares Deutsch stärken und den Sprachgebrauch kritisch beobachten.

Tätigkeit für den Deutschen Bundestag[Bearbeiten]

Der Redaktionsstab der Gesellschaft für deutsche Sprache beim Deutschen Bundestag bietet Bundestag und Bundesrat sowie Ministerien und Behörden der Länder seit 1966[1] Beratung bei allen Sprachfragen.[2] Diese Stellen können Texte aller Art vom Redaktionsstab der GfdS auf sprachliche Richtigkeit und Verständlichkeit überprüfen lassen. Auch Anfragen zum geschlechtergerechten Formulieren sind ebenso wie Fragen zu Stil, Grammatik und Rechtschreibung ein Aufgabengebiet des Redaktionsstabs.[1] Die Aufgabe des Redaktionsstabes der GfdS, welche für den Deutschen Bundestag innerhalb des Gesetzgebungsverfahrens übernommen wird, ist in § 80a der Geschäftsordnung des Bundestags (GOBT) geregelt:

(1) Ein beim Bundestag eingerichteter oder angesiedelter Redaktionsstab soll auf Beschluss des federführenden Ausschusses einen Gesetzentwurf auf sprachliche Richtigkeit und Verständlichkeit prüfen und bei Bedarf Empfehlungen an den Ausschuss richten. Der federführende Ausschuss kann den Redaktionsstab im gesamten Verlauf seines Beratungsverfahrens hinzuziehen und um Prüfung bitten. Dies gilt insbesondere für die Prüfung von Änderungsanträgen, deren Annahme zu erwarten ist.
(2) Darüber hinaus bietet der Redaktionsstab auch sonstige sprachliche Beratung an.

Die wichtigste Aufgabe des Redaktionsstabs beim Deutschen Bundestag besteht darin, die ihm zur Prüfung übergebenen Texte sprachlich zu überarbeiten. Er bemüht sich dabei um einfache und klare Formulierungen, wobei jedoch die Eigenheiten der Rechtssprache und anderer Fachsprachen berücksichtigt werden.

Tätigkeit für die deutschen Bundesministerien von 2009 bis 2012[Bearbeiten]

Der Redaktionsstab Rechtssprache beim Bundesministerium der Justiz wurde 2009 gegründet.[3] Er war das Ergebnis des zweijährigen Projektes „Verständliche Gesetze“, das auf eine parteiübergreifende parlamentarische Initiative zurückging[4] und wurde bis Ende 2012 unter der Trägerschaft der GfdS geführt.

Zeitschriften[Bearbeiten]

Die GfdS ist die Herausgeberin zweier Sprachzeitschriften: Der Sprachdienst und Muttersprache.

Der Sprachdienst ist eine Zweimonatsschrift mit einer Auflage von 3.200 Exemplaren (2007), die 1957 aus der praktischen Arbeit der GfdS entstand und bis heute zugleich ihr Mitteilungsblatt ist.

Die Zeitschrift wendet sich an ein breites sprachinteressiertes Publikum und beinhaltet Beiträge zu allen Fragen der deutschen Gegenwartssprache. Bekannt sind die regelmäßig erscheinenden Übersichten „Wörter des Jahres“ und „Die beliebtesten Vornamen“. In jeder Ausgabe werden Sprachanfragen von allgemeinem Interesse veröffentlicht. Die Schwerpunkte sind Sprachentwicklung, Sprachkritik, Glossen, Wortgeschichte, Grammatik, Stil, Phraseologie, Terminologie, Namenkunde und Rechtschreibung.

Außerdem gibt der Verein die Vierteljahresschrift Muttersprache heraus und legt zu besonderen Themen Buchveröffentlichungen vor.

Organisation[Bearbeiten]

Vorsitzender ist seit Mai 2015 Peter Schlobinski, Professor für Germanistische Linguistik an der Leibniz Universität Hannover, Geschäftsführerin ist Andrea-Eva Ewels aus Wiesbaden. Die Gesellschaft für deutsche Sprache unterhält derzeit 100 ehrenamtlich geleitete Zweigvereine in über 35 Ländern (Stand: Mai 2015).

Die GfdS versteht sich nicht als Fachverband oder germanistische Berufsorganisation. Sie ist offen für alle an der deutschen Sprache Interessierten. Nach eigenen Angaben zählt sie derzeit um 3000 Mitglieder im In- und Ausland (Stand Mai 2015).[5]

Deutsche Zweigvereine[Bearbeiten]

49 Zweigvereine haben ihren Sitz in Deutschland, wobei in jedem Bundesland mindestens ein Zweigverein vorhanden ist. In den Bundesländern mit mehr als einem Zweigverein hat ein Zweigverein seinen Sitz in der jeweiligen Landeshauptstadt.

Die meisten Vertretungen befinden sich in Nordrhein-Westfalen (Aachen, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Münsterland, Siegen, Westliches Ruhrgebiet und Wuppertal) und Hessen (Bergstraße, Darmstadt, Frankfurt am Main, Kassel, Marburg an der Lahn und der Hauptsitz Wiesbaden). Diesen folgen Sachsen (Chemnitz, Dresden, Leipzig, Zittau und Zwickau) mit fünf Repräsentanzen, Niedersachsen (Braunschweig, Celle, Göttingen und Hannover), Baden-Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Stuttgart) sowie Rheinland-Pfalz (Koblenz, Mainz, Pfalz und Trier) mit jeweils vier Geschaftstellen.

Weitere Bundesländer mit mehreren Zweigvereinen sind mit jeweils drei Vertretungen Bayern (München, Nürnberg, Würzburg) und Mecklenburg-Vorpommern (Greifswald, Rostock, Schwerin) sowie Thüringen (Erfurt und Weimar), Sachsen-Anhalt (Halle/Saale und Magdeburg), Brandenburg (Potsdam und Frankfurt/Oder) mit je zwei Zweigvereinen. Jeweils ein Büro befindet sich in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, sowie im Saarland (Saarbrücken) und in Schleswig-Holstein (Kiel).

Ausländische Zweigvereine[Bearbeiten]

Weitere 52 Zweigvereine befinden sich im Ausland, davon 22 außerhalb Europas. Mit Kaliningrad, Moskau, Omsk, Polargebiet (Apatity), Saratow, St. Petersburg, Ural und Woronesch gibt es allein acht Zweigvereine in Russland.

Im europäischen Ausland haben Brüssel (Belgien), Sofia (Bulgarien), Tallinn (Estland), Turku (Finnland), Tiflis (Georgien), Athen (Griechenland), London (Großbritannien), Bozen, Mailand, Rom (alle Italien), Zagreb (Kroatien), Luxemburg, Innsbruck, Wien (beide Österreich), Warschau (Polen), Bukarest (Rumänien), Bratislava (Slowakei), Madrid (Spanien), Prag (Tschechische Republik), Kiew (Ukraine) und Budapest (Ungarn) Zweigvereine.

Außerhalb Europas gibt es sie in Afrika (6), Asien (9) und Amerika (7). Die sechs afrikanischen Zweigvereine haben ihren Sitz in Kairo (Ägypten), Jaunde (Kamerun), Lomé (Togo), Johannesburg, Kapstadt (beide Südafrika) und Windhoek (Namibia). Die in Nordamerika residierenden Vertretungen befinden sich in Boston, Chicago, Madison, New York und Philadelphia (alle USA). Die südamerikanischen Zweigvereine sind in São Paulo und Porto Alegre (beide Brasilien) zu finden. Die asiatischen Zweigvereine sind in Hangzhou, Peking, Shanghai (alle China), Jerevan (Armenien), Tel Aviv (Israel), Seoul (Südkorea), Tokio (Japan) und Pune (Indien) vertreten.

Mitgliedschaften/Kooperationen[Bearbeiten]

Vertreten durch den Vorsitzenden ist die GfdS Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung. 2003 gründete sie zusammen mit dem Goethe-Institut und dem Institut für Deutsche Sprache den Deutschen Sprachrat, dem später auch der Deutsche Akademische Austauschdienst beitrat.

Die GfdS steht im Austausch mit verschiedenen universitären und außeruniversitären Einrichtungen der Sprachwissenschaft, insbesondere mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Institut für Deutsche Sprache.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Steffi Menzenbach: Der Gesetzes-TÜV In: Das Parlament Nr. 27 vom 29. Juni 2009
  2. Nicole Tepasse: Unsere Fragesteller möchten eindeutige Antworten In: Das Parlament Nr. 1-2 vom 5. Januar 2009
  3. Redaktionsstab Rechtssprache
  4. Spiegel Online: Paragrafensprache – Expertenteam übersetzt Jura-Kauderwelsch ins Deutsche
  5. Mitglied werden. Abgerufen am 15. Mai 2015.