Hu Hanmin

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Hu Hanmin
Vorsitzender der Kuomintang
7.12.1935 – 12.05.1936
Vorgänger: Wu Zhihui, Li Shizeng
Nachfolger: Chiang Kai-shek
Präsident des Legislativ-Yuan
8.10.1928 – 02.03.1931
Vorgänger: keiner
Nachfolger: Lin Sen
Persönliche Daten
* 9. Dezember 1879
Ort: Guangdong, Chinesisches Kaiserreich
† 12.05.1936
Ort: Guangdong, Republik China
Todesursache: Hirnblutung
Nationalität: Republik China

Hu Hanmin (traditionelles Chinesisch: 胡漢民; vereinfachtes Chinesisch: 胡汉民; Pinyin: Hú Hànmín; geboren in Panyu, Guangdong, Qing-Dynastie, China, * 9. Dezember 1879 in Guangdong, Republik China; † 12. Mai 1936) war ein konservativer Kuomintang-Parteiführer während der frühen Republik China.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hu stammte aus einer Hakkafamilie in Ji'an, Jiangxi. Sein Vater war nach Panyu, Guangdong gezogen, um ein öffentliches Amt zu übernehmen. Mit 21 Jahren wurde Hu Hanmin als Juren qualifiziert. Er studierte ab 1902 in Japan an der Hōsei-Universität und trat 1905 als Herausgeber der Zeitung Min Bao der Tongmenghui (Chinesische Revolutionäre Allianz) bei. Von 1907 bis 1910 nahm er in China an mehreren bewaffneten Revolutionen teil. Kurz nach der Xinhai-Revolution im Jahr 1911 wurde er zum Gouverneur von Guangdong und zum Generalsekretär der Provisorischen Regierung ernannt. Er nahm 1913 an der Zweiten Revolution teil und folgte Sun Yat-sen nach dem Scheitern dieser Revolution nach Japan. Dort gründeten sie die Kuomintang. Hu lebte zwischen 1917 und 1921 in Guangdong und arbeitete für Sun Yat-sen, zuerst als Verkehrsminister und später als Hauptberater.[1]

Hu wurde auf der ersten Konferenz der Kuomintang im Januar 1924 zum Mitglied des zentralen Exekutivkomitees gewählt. Im September fungierte er als Vize-Generalissimus, als Sun Yat-sen Guangzhou verließ und nach Shaoguan aufbrach. Nachdem Sun im März 1925 in Peking verstorben war, wurde Hu eine der drei mächtigsten Personen der Kuomintang. Die anderen beiden waren Wang Jingwei und Liao Zhongkai. Nachdem Liao im August desselben Jahres ermordet wurde, verdächtigte man Hu des Mordanschlages und verhaftete ihn vorübergehend. Nach der Spaltung der Partei in einen konservativen und einen linksorientierten Flügel im Jahr 1927 unterstützte Hu nunmehr Chiang Kai-shek und wurde Präsident des Legislativ-Yuan in Nanjing.[2]

Hu Hanmin ließ durch eine Neuregistrierung der Mitglieder einen Teil der Kuomintang-Politiker ausschließen, zu denen die Warlords Li Zongren und Bai Chongxi sowie der Kommunist Li Jishen gehörten. Wang Jingwei hingegen wurde nur verwarnt. Die Militärmachthaber Yan Xishan, Feng Yuxiang, Li Zongren und Bai Chongxi revoltierten deshalb gegen Chiang. Wang Jingwei, aus Frankreich kommend, wurde ihre Führungspersönlichkeit, die eine Gegenregierung in Beiping ausrief. Dieser Putsch kostete mehreren hunderttausend Menschen das Leben. Nachdem Chiang den Putsch niedergeschlagen hatte, erließ er als Zeichen guter Absichten gegen heftigen Widerstand von Hu Hanmin eine Generalamnestie für seine Gegner.[3]

Als Präsident des Legislativ-Yuan bemühte sich Hu um eine weitgehende Reform des Rechts nach internationalen Maßstäben. Über die neue vorläufige Verfassung und die Dauer der vorübergehenden Verfassungseinschränkungen kam es jedoch zum Konflikt zwischen Chiang Kai-shek und Hu Hanmin. Hu favorisierte eine kurze Zeit der Phase zur Konsolidierung des Staates und der rechtlichen Anleitung der Bevölkerung bei sofortiger Einführung der kommunalen Selbstverwaltung, während sich Chiang dafür Aussprach, diese von Parteigründer Sun Yat-sen konzipierte Phase müsse bis zum staatlichen Wiederaufbau und zur Erlangung militärischer Stärke ausgedehnt werden. Unter dem Verdacht, Hu werde sich ins Ausland abzusetzen und einen Putsch zu planen, stellte ihn Chiang am 28. Februar 1931 unter Hausarrest. Allerdings übten parteiinterne Kräfte Druck auf Chiang aus, Hu wieder freizulassen. Danach wurde Hu ein mächtiger Führer in Südchina, der drei politische Prinzipien des Widerstands vertrat: Widerstand gegen die japanische Invasion, Widerstand gegen Kriegsherren und schließlich Widerstand gegen Chiang Kai-shek. Die Anti-Chiang-Gruppierungen in der KMT kamen in Guangzhou zusammen, um eine rivalisierende Regierung zu bilden. Sie forderten Chiang's Rücktritt von seinen Doppelposten als Präsident und Premierminister. Ein neuer Bürgerkrieg wurde allerdings durch die japanische Invasion in der Mandschurei abgewendet. Hu blieb weiter ein bedeutender Machthaber in Südchina, das Kernland der KMT.[4]

Hu kritisierte Chiang nach der japanischen Invasion zunächst für dessen Zurückhaltung, militärischen Widerstand gegen das stärkere Japan zu leisten. Er bereiste sodann Europa und beendete seine politischen Attacken auf Chiang Kai-shek im Juni 1935. In der ersten Sitzung der 5. Kuomintang-Parteikonferenz im Dezember 1935 wählten ihn die Delegierten in Abwesenheit zum Vorsitzenden des Zentralkomitees. Hu kehrte unverzüglich im Januar 1936 nach China zurück und nahm seine Arbeit als Vorsitzender in Guangzhou auf, wo er jedoch schon am 12. Mai 1936 an einer Gehirnblutung starb.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jack Gray: Rebellions and Revolutions: China from the 1800s to 2000. Oxford University Press, New York 2002, ISBN 0-19-870069-5.
  • Dieter Kuhn (Hrsg.): Die Republik China von 1912 bis 1937: Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte (= Würzburger Sinologische Schriften, Edition Forum). 3. Auflage. Heidelberg 2007, ISBN 3-927943-25-8 (PDF).
  • Yee-Cheung Lau: Hu Han-min ; a scholar-revolutionary in contemporary China. Ann Arbor 1989, S. 53–55.
  • Edwin Pak-Wah Leung (Hrsg.): Political Leaders of Modern China. A Biographical Dictionary. Greenwood Press, Westport/Connecticut/ London, 2002, ISBN 0-313-30216-2.
  • Thomas Weyrauch: Chinas demokratische Traditionen vom 19. Jahrhundert bis in Taiwans Gegenwart. Longtai, Heuchelheim 2014, ISBN 978-3-938946-24-4.
  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. Band 1: 1911–1949. 4. Auflage. Longtai, Heuchelheim 2015, ISBN 978-3-938946-14-5.
  • Susheng Zhao: Power by Design: Constitution-Making in Nationalist China. University of Hawaii Press, Honolulu, 1996, ISBN 0-8248-1721-4.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zhao, Power by Design, S. 69; Weyrauch, Chinas demokratische Traditionen, S. 22, 37; Lau, Hu Hanmin, S. 53.
  2. Zhao, Power by Design, S. 69; Weyrauch, Chinas unbeachtete Republik, S. 111 f.; Weyrauch, Chinas demokratische Traditionen, S. 73, 101; Gray, Rebellions and Revolutions, S. 211.
  3. Kuhn, Die Republik China, S. 436; Weyrauch, Chinas demokratische Traditionen, S. 139.
  4. Lau, Hu Hanmin, S. 54; Kuhn, Die Republik China, S. 438, 485 ff.; Weyrauch, Chinas demokratische Traditionen, S. 141, 148; Zhao, Power by Design, S. 76.
  5. Taylor, The Generalissimo, S. 95; Weyrauch, Chinas unbeachtete Republik, S. 153; Lau, Hu Hanmin, S. 55.