Hyponymie

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Dieser Artikel befasst sich mit dem linguistischen Begriff. Für die Verwendung in der antiken und traditionellen Logik, siehe Unterbegriff und Syllogismus.

Hyponymie ist ein Terminus der Linguistik und bezeichnet die semantisch-begriffliche Unterordnung (Subordination) eines Semems unter ein anderes Semem. Das untergeordnete Semem nennt man Hyponym, das übergeordnete Semem Hyperonym. Das zur Hyponymie konverse Verhältnis der semantischen Überordnung nennt man Hyperonymie.

Hyponym ist damit Synonym für Unterbegriff, Hyperonym für Oberbegriff.

Die in der Linguistik vorherrschende abweichende Sprachregelung dürfte historisch bedingt sein und zum anderen darauf beruhen, dass man terminologisch Unabhängigkeit von der Begriffslogik erlangt: zwischen Wort, Begriff, Semem muss nicht scharf unterscheiden werden und man entgeht der Kritik an der traditionellen Begriffslogik.

In einem engeren Sinn wird das Verhältnis der Hyponym - Hyperonym - Verhältnis auch mit der Art-Gattungs-Relation identifiziert.

Die Hyponymie ist eine zentrale semantische Relation zwischen Begriffen in semantischen Netzen, Taxonomien und Thesauri. Sie ist zu unterscheiden von der Teil-Ganzes-Beziehung (Meronymie).

Eigenschaften der Hyponymie[Bearbeiten]

Diese Relation ist:

  • transitiv – wenn A ein Hyponym von B ist und B ein Hyponym von C, dann ist A ein Hyponym von C.
  • irreflexiv – kein Begriff ist ein Unterbegriff von sich selbst.
  • asymmetrisch – wenn A ein Hyponym von B ist, dann kann B nicht Hyponym von A sein.

Beispiel für ein Hyponym transitiver Art: Wenn Banane ein Hyponym von Obst und Obst ein Hyponym von Lebensmittel ist, dann ist Banane ein Hyponym von Lebensmittel.

Oder in anderer Perspektive: Die Bedeutungen der untergeordneten Ausdrücke enthalten alle Bedeutungen der übergeordneten. Dies gilt jedoch nicht umgekehrt (hier: nicht jedes Lebensmittel ist eine Banane), weil die Bedeutung des Hyponyms spezifischer ist.

Verhältnis zwischen Hyperonym und Hyponym[Bearbeiten]

Zwischen Hyperonym und Hyponym bestehen weiterhin die folgenden Beziehungen:

  • der Begriffsumfang (die Extension) des Hyponyms ist kleiner als der Begriffsumfang des Hyperonyms. Beispiel: Jeder Basset ist ein Hund, aber nicht jeder Hund ist ein Basset.
  • der Begriffsinhalt (die Intension) des Hyponyms ist größer als der Begriffsinhalt des Hyperonyms. Das Hyponym hat mindestens ein semantisches Merkmal mehr als das Hyperonym.
  • Die Prädizierung eines Objekts als A (Hyponym) impliziert die Prädizierung des Objekts als B (Hyperonym) − aber nicht umgekehrt.

Ein Begriff kann auch das Hyponym mehrerer Hyperonyme sein. Zum Beispiel ist Banane ein Hyponym zu Obst und zu Pflanze.

Hyponymie wird auch als Sonderfall partieller Synonymie aufgefasst: Hyponyme haben zum einen mit dem Hyperonym und zum anderen mit ihren Kohyponymen mindestens ein semantisches Merkmal gemeinsam[1]

Kohyponymie[Bearbeiten]

Kohyponyme sind Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms. In begriffslogischer Terminologie sind Kohyponyme die Unterbegriffe eines gemeinsamen Oberbegriffs.

Kohyponyme stehen in der Relation der Kohyponymie. Diese Relation ist symmetrisch und transitiv. Die Inhalte der Elemente unterscheiden sich in mindestens einem semantischen Merkmal.

Zum Beispiel sind 'Dackel' und 'Pudel' Kohyponyme zum gemeinsamen Hyperonym 'Hund':

  • Dieser Dackel ist ein Hund.
  • Dieser Pudel ist ein Hund.

Kohyponyme schließen sich gegenseitig aus (sind inkompatibel (unverträglich)):

  • Dieser Dackel ist kein Pudel.
  • Dieser Pudel ist kein Dackel.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hyponymie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction, Cambridge: CUP, 1996

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Glück, Helmut (Hg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. Metzler, Stuttgart - Weimar 2010: Hyponymie.