ICARUS-Initiative

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Das Ziel der ICARUS–Initiative (englisch International Cooperation for Animal Research Using Space) ist die Errichtung einer Fernerkundungsplattform im Weltraum, um die Bewegungen von Organismen global beobachten zu können.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ICARUS wurde 2002 durch ein internationales Konsortium, bestehend aus Wissenschaftlern gegründet, die erkannten, dass ein Wissensdefizit bezüglich der globalen Ausbreitungs- und Wanderwege von „Kleintieren“ (z. B. Insekten, Fledermäusen, Singvögeln) existiert.[1] 2011 wurde die ICARUS-Initiative auf einer Tagung der Bonner Konvention in Norwegen vor über 100 Regierungsvertretern vorgestellt.[2] Das Projekt wird seit März 2012 vom DLR-Raumfahrtmanagement als nationales Vorhaben gefördert und von Roskosmos unterstützt. Weiterhin finanziert die Max-Planck-Gesellschaft die Miniaturisierung des ICARUS-Funkchips (Empfänger-Sender-Einheit).

Voraussichtlich August 2018 soll das ICARUS-Experimentalsystem (Fernerkundungsplattform) auf der ISS durch einen Außenbordeinsatz (EVA, Extra Vehicular Activity) installiert werden.[3] Der Onboard-Computer und die ICARUS-Antenne wurden im Oktober 2017 bzw. Februar 2018 zur ISS transportiert.[4]

Executive Board[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Executive Board der Initiative besteht neben Martin Wikelski aus: Gil Bohrer, Ohio State University/USA, Meg Crofoot, University of California, Davis, und Smithsonian Tropical Research Institute, Panama, Roland Kays, North Carolina State University/USA, Kate Mansfield, Marine Turtle Research Group, University of Central Florida/USA, Grigori Tertitski, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, und Kasper Thorup, Universität Kopenhagen, Dänemark.[5]

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ICARUS nutzt die CDMA-Kommunikationstechnologie (Code Division Multiple Access), um kleine Datenmengen mit geringem Energieaufwand vom Boden zu einer Dekodierungs-Recheneinheit im niedrigen Erdorbit (400-800 km Bahnhöhe) zu senden.[6] Damit verwirklicht ICARUS eine IoT-(Internet of Things)-Kommunikation via Satellit. ICARUS besteht aus einer Fernerkundungsplattform auf der ISS, der auf dem Tier befindlichen Empfänger-Sender-Einheit und dem Rechenzentrum. Die Empfänger-Sender-Einheiten werden an von den Forschern ausgewählten Tieren angebracht. Diese besitzen u. a. GPS-Empfänger, um die Position des Tieres bestimmen zu können. Die Daten können dann von der Fernerkundungsplattform auf der ISS abgefragt werden. Nach deren Empfang auf der ISS werden diese an das Mission Control Center weitergeleitet und von dort an das Rechenzentrum gesendet. Die Daten können von den Forschern u. a. aus der Movebank[7] (einer Datenbank für Tierbewegungen) abgefragt werden. Darüber hinaus ist es den Forschern auch möglich, die Daten mittels eines mobilen Gerätes von den Tieren (Empfänger-Sender-Einheit) vor Ort abzufragen. Eine der Herausforderungen bestand darin, das Datenvolumen, das zur ISS übersandt werden soll, zu minimieren.[8][9]

Ziele und Nutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milliarden von Tieren bewegen sich über Kontinente und Grenzen hinweg. Forschern ist es deshalb kaum möglich, einzelne kleine Tiere kontinuierlich und über einen langen Zeitraum hinweg bei ihren Wanderungen zu beobachten. ICARUS soll hier Abhilfe schaffen. Durch die Analyse der lokalen und globalen Ausbreitungs- und Wanderwege sollen weitere Informationen über die Ausbreitung von Infektionskrankheiten durch Tiere (Singvögel, Fledermäuse, Insekten), die Wahrscheinlichkeit der Anwesenheit einer Vogelpopulation in einem bestimmten Gebiet, Bewegungsmuster bei der Wanderung, Beeinträchtigung der Vogelpopulation durch Umwelteinflüsse u. v. m. gewonnen werden.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Homepage – About ICARUS. Max-Planck-Institut für Ornithologie, 16. November 2011, abgerufen am 22. Februar 2014 (englisch).
  2. Siehe ICARUS-Initiative wurde bei einer internationalen Tagung der CMS (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals) vorgestellt, Meldung des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, 21. November 2011, abgerufen 8. März 2018
  3. Deutsch-russische Kooperation für Tierbeobachtung aus dem All : ICARUS-Antenne ist auf dem Weg zur Internationalen Raumstation, Seite der DLR zu Icarus, Stand Dienstag, 13. Februar 2018, abgerufen 20. Februar 2018
  4. Ohren für Icarus - Russische Rakete bringt Antenne des Tierbeobachtungssystems zur Internationalen Raumstation, Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft, 13. Februar 2018, abgerufen 20. Februar 2018
  5. siehe Homepage der Icarus-Initiative, abgerufen 8. März 2018
  6. Seite Datenübertragung bei www.tiersensoren.mpg.de, abgerufen 27. Februar 2018
  7. Siehe Homepage von Movebank.org
  8. Homepage – Technical Solution. Max-Planck-Institut für Ornithologie, 15. November 2011, abgerufen am 22. Februar 2014 (englisch).
  9. Manfred Dieterle-Jöchle: Vögel als Klimaforscher. Südkurier, 21. Dezember 2013, abgerufen am 22. Februar 2014 (PDF; 60 KB).
  10. Homepage – Science & Projects. Max-Planck-Institut für Ornithologie, 15. November 2011, abgerufen am 22. Februar 2014 (englisch).