Iblīs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Iblis)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Iblis ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den gleichnamigen Musiker siehe Iblis (Sänger).
Iblis (oben rechts) verweigert sich der Niederwerfung, Illustration aus einer persischen Handschrift des 16. Jahrhunderts

Iblīs (arabisch إبليس, DMG Iblīs; deutsch: ‚Enttäuscher, der Enttäuschte, Teufel‘; vermutlich abgeleitet von griechisch Διάβολος diábolos: ‚Durcheinanderwerfer, Teufel‘)[1], genannt auch Azazil (عزازل, DMG ʿAzāzil), ist eine dem Teufel vergleichbare Gestalt im Islam und der arabischen Legende[2] und gehört nach islamischer Auffassung zu den Schaitan. Im Gegensatz zum christlichen Verständnis vom Satan, als Gegenspieler (des monotheistischen) Gottes, nimmt Iblis lediglich die Rolle des Feindes der Menschen (und Dschinn) ein. Im Koran wird Iblis 11 mal namentlich genannt, fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Niederwerfung vor Adam, die er verweigert. Die weiteren Male im Zusammenhang damit, dass die Ungläubigen ihm folgen (Sure 26:95) und dass die Ungläubigen seine Hoffärtigkeit bestätigen (Sure 34:20). In der arabischen Sage gilt Iblis als Oberhaupt der Diw. Die Bezeichnungen Schaitan und Iblis sind im Islam meist beliebig austauschbar.[3]In einer säkulären Auslegung steht Iblis symbolisch für jemanden, der zwar Gott verehre, aber die Menschen als seine Geschöpfe nicht würdige.[4]

Iblis in der islamischen Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der islamischen Theologie ist Iblis ein aus Feuer geschaffenes Wesen, welches im Himmel residierte, bis es seine Niederwerfung vor Adam verweigerte, obwohl Gott diese befohlen hatte. Als Gott sagte, er werde einen Nachfolger auf Erden erschaffen, sprachen die Engel: "Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?" (Sure 2: 29). Gott bejahte und befahl den Anwesenden, sich vor Adam niederzuwerfen. Da Iblis den Menschen als minderwertig betrachtete, weigerte er sich, und bat Gott um eine Frist, zu beweisen, dass die Menschen unwürdig sind, indem er sie irre führt: „O mein Herr, gewähre mir eine Frist bis zu dem Tage, an dem sie auferweckt werden. Gott sprach: Also wird dir die Frist gewährt, bis zum Tage einer vorbestimmten Zeit.“ (Sure 38:80). Das genaue Wesen von Iblis ist unter islamischen Theologen umstritten, da er sich im Koran ausschließlich unter den Engeln befindet, aber in Sure 18 als einer der Dschinn bezeichnet wird. So entwickelten sich verschiedene Auslegungen um das Wesen von Iblis:

1) Die Dschinn umfassten einst einen Stamm der Engel, dessen Aufgabe es war, über die Paradiestore zu wachen. Iblis und sein Stamm wurden aus Feuer geschaffen, während der andere Stamm der Engel aus Licht geschaffen wurde. Als Iblis Gott gegenüber ungehorsam wurde, wurden er und sein Stamm verbannt.[5]

2) Nach einer Überlieferung gehörte Iblis einst zu den Dschinnen, die die Erde, vor den Menschen bevölkerten. Iblis war der letzte Gläubige unter den Dschinnen, so dass er von den Engeln errettet und in den Himmel erhoben wurde, wo er fortan unter ihnen lebte.[6]

3) Iblis war der einzige der Dschinn, der im Himmel erschaffen wurde und somit auch der einzige unter den Engeln, der aus Feuer erschaffen wurde und einen freien Willen hatte. Er ist der Stammvater der Dschinn, sowie Adam der Stammvater der Menschen sei. Die Dschinnen sind demnach die Nachkommen von Iblis.[7]

4) Iblis war ein Engel, der sich vor niemanden außer Gott niederwerfen konnte. Da er somit aber Gottes Befehl verweigerte, wurde er aus dem Himmel verbannt. Auf Erden wurde er dann ohne die Nähe Gottes zu einem Dschinn (Unsichtbaren) und sein Name wurde aufgrund seiner Enttäuschung zu Iblis.[8]

Geschichte Iblis’ in den Ahadith und der arabischen Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Iblis dessen Name damals noch Azazil war, war der letzte Gläubige unter den Dschinn, als die Engel von Gott den Befehl erhielten, sie wegen ihrer Boshaftigkeit zu bestrafen. Azazil wurde als einziger errettet und durfte daraufhin die Paradiestore 1000 Jahre lang bewachen, was eigentlich die Aufgabe des Engels Ridwan war. Auf einer Inschrift am Tor las er: „Es gibt unter den meist geehrten Dienern Allahs einen, der lange Zeit gehorsam ist und sich (sodann) seinem Herrn widersetzt und sein Herr sich von ihm abwendet und ihn verflucht.“ Azazil wunderte sich über diese Weissagung, denn er fragte sich, wer sich anmaßen könnte, sich seinem Herrn zu widersetzen. Was er nicht wusste, war, dass er selbst es sein würde, der in dieser Weissagung gemeint war. Er ging zu Gott und bat darum, diesen Frevler verfluchen zu dürfen, der in der Weissagung vorkommt. „Oh Herr, gestatte mir diesen unwürdigen Sünder zu verfluchen, wer immer er auch sein möge.“ Gott gestattete es ihm, und so fing er an, diesen Sünder mit Flüchen zu überhäufen, unkundig darüber, dass er selbst es war, den er verfluchte.

Als Gott Adam erschuf und ihn die Namen aller Dinge lehrte, befahl Gott, dass sich die Engel vor Adam niederwerfen, aus dem Grund, weil er durch das, was er ihn gelehrt hatte, wissender war als die Engel. Alle warfen sich auf den Befehl Gottes hin nieder, außer Azazil.

Die meisten Muslime sind überzeugt, dass Engel sich nicht gegen den Befehl Gottes wiedersetzen können, da sie keinen freien Willen haben, was für viele ein Beleg dafür ist, dass Azazil vom Wesen her kein Engel war.

Als Iblis sich weigerte, vor Adam auf die Knie zu gehen, sprach Gott:

Iblis, was hat dich gehindert, dass du dich niederwirfst vor dem, was Ich mit meinen Händen geschaffen habe? Wähnst du dich groß, oder bist du einer von den Überheblichen?“ Iblis erwiderte: „Ich bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn (den Menschen) hast Du aus Ton erschaffen.“ (Sure 38:73).

Gott verbannte ihn wegen seines Hochmuts.

O geh hinaus von hier; denn du bist ein Verfluchter, und mein Fluch soll auf dir bis zum Tage des Gerichts lasten.“ (Sure 38:74)

Iblis bat um eine Frist, die ihm laut Koran auch gewährt wurde:

O mein Herr, gewähre mir eine Frist bis zu dem Tage, an dem sie auferweckt werden. Gott sprach: Also wird dir die Frist gewährt, bis zum Tage einer vorbestimmten Zeit.“ (Sure 38:80)

Er (Iblis) sagte: „Bei Deiner Erhabenheit, ich will sie sicher alle in die Irre führen. Ausgenommen davon sind Deine erwählten Diener unter ihnen.“ (Sure 38: 82)

Iblis im Sufismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sufismus wird Iblis meistens als gefallener Engel [9] verstanden, dessen Aufgabe es ist, den Menschen herauszufordern. Gott sagte demnach zu den Engeln, sie sollen niemanden dienen außer ihm. Als er von den Engeln forderte sich vor Adam zu verneigen und Iblis sich als Einziger weigerte, bewies er die höchste Loyalität, da er lieber Gottes Befehl verweigerte, als sich vor jemand anderen als Gott zu verbeugen. Iblis Rolle als Schaitan, wird demnach als eine Strafe aufgefasst, die er bereitwillig auf sich nahm, wobei er nach Ablauf seiner Frist wieder in den Himmel zurückkehren darf, sobald die Hölle erloschen ist.[10] Gleichzeitig erhielt er auch die schwerste Aufgabe, da er die gesamte Frist über von Gott getrennt sein muss. Iblis Weigerung wird demnach nicht als Rebellion gegen Gott, zu der Engel gemäß des Korans ja nicht fähig sind, verstanden, sondern als Beweis seiner wahren Liebe, die über bloße Gehorsamkeit hinaus geht. So verbleibt die Rolle als gefallener Engel weitaus stärker betont, als in anderen monotheistischen Glaubensrichtungen.

Iblis habe in seiner Verbannung, die wahre Einheit Gottes erkannt und die Illusion einer Trennung zu Gott überwunden, wodurch er zum wahren Monotheisten geworden sei. Früher habe er nur sich selbst zu Liebe, Gott angebetet. Da er nun verbannt ist, sind seine Gebete selbstlos und beweisen die Aufrichtigkeit seiner Liebe. Iblis behauptet sogar ein besserer Monotheist als Moses zu sein, da Moses sich an den Berg Sinai wendet, wenn er von Gott hört, Iblis aber Gottes Anwesenheit durch seine Liebe als allgegenwärtig betrachten kann. Als Moses erwiderte, Gott habe ihn doch bestraft, indem er seine Gestalt von einer englischen in eine teuflische verwandelt hat (al-mala ikiyati ila s-saytaniyati), entgegnete Iblis, dass sein Zustand nur vorübergehend sei. Dieser würde sich wieder ändern, doch seine Liebe zu Gott, würde nun ewig bestehen. Rumi hingegen beschreibt ihn als einäugigen Engel [11], der mit einem blinden Auge nur die halbe Wahrheit sehen könne. Er würde zwar die wahre Liebe zu Gott erkannt haben, doch die Liebe zu dessen Geschöpfen fehle ihm, weshalb er sich vor Adam nicht verbeugte und Gott ihn zum Teufel machte.

Versuche der Rehabilitierung Satans (Iblis’) im Sufismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annemarie Schimmel schreibt in Mystische Dimensionen des Islam: „In gewissen mystischen Kreisen versuchte man eine Art Rehabilitierung des Satan. Offenbar wurde dieser Gedanke zuerst von Hallaj formuliert: Satan rühmte sich Gott Tausende von Jahren gedient zu haben, ehe noch Adam geschaffen war, und sein Stolz, aus Feuer geschaffen zu sein, läßt ihn den Befehl, sich vor dem staubgeschaffenen Adam niederzuwerfen, zuwiderhandeln. Hallaj erkannte nur zwei echte Monotheisten an, nämlich Muhammad und Satan; aber während Muhammad der Kämmerer der göttlichen Gnade ist, wird Iblis zum Schatzmeister des göttlichen Zornes.“ (S. 276 f.)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. newworldencyclopedia: Iblis.
  2. Jürgen Ehlers (Hrsg. und Übers.): Abū'l-Qāsem Ferdausi: Rostam - Die Legenden aus dem Šāhnāme. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2002, S. 366
  3. Ursula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen. Islam, C.H. Beck, 2007, S. 87
  4. Vgl. "Islam ist Barmherzigkeit" Seite 113 Mouhanad Kchorchide 2. Auflage 2016 Verlag: Herder GmbH Freiburg im Breisgau 2012 ISBN 978-3-451-30572-6.
  5. Vgl. "Dämonenglaube im Islam" Autor: Tobias Nünlist Walter de Gruyter GmbH & Co.KG (Verlag) Seite 52 2015 ISBN 978-3-11-033154-7.
  6. Vgl. "Dämonenglaube im Islam" Autor: Tobias Nünlist Walter de Gruyter GmbH & Co.KG (Verlag) Seite 52 2015 ISBN 978-3-11-033154-7.
  7. Vgl. "Dämonenglaube im Islam" Autor: Tobias Nünlist Walter de Gruyter GmbH & Co.KG (Verlag) Seite 53 2015 ISBN 978-3-11-033154-7.
  8. Vgl. "Kein Gott außer Gott: Der Glaube der Muslime bis zur Gegenwart" Reza Aslan Verlag C.H.Beck, 2006 ISBN 3406544878, 9783406544873 Seite 234.
  9. Vgl. "Kein Gott außer Gott: Der Glaube der Muslime bis zur Gegenwart" Reza Aslan Verlag C.H.Beck, 2006 ISBN 3406544878, 9783406544873 Seite 42.
  10. Vgl. "Kein Gott außer Gott: Der Glaube der Muslime bis zur Gegenwart" Reza Aslan Verlag C.H.Beck, 2006 ISBN 3406544878, 9783406544873 Seite 234.
  11. Vgl. "Kein Gott außer Gott: Der Glaube der Muslime bis zur Gegenwart" Reza Aslan Verlag C.H.Beck, 2006 ISBN 3406544878, 9783406544873 Seite 45.