Iblīs

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Iblīs (arabisch إبليس, DMG Iblīs; deutsch: ‚Enttäuscher, der Enttäuschte, Teufel‘) oder auch Azazil (عزازل, DMG ʿAzāzil) ist eine dem Teufel vergleichbare Gestalt in der arabischen und islamischen Legende[1] und gehört nach islamischer Auffassung zu den Shaitan. Im Gegensatz zum christlichen Verständnis vom Satan, als Gegenspieler Gottes, nimmt Iblis lediglich die Rolle des Feindes der Menschen (und Dschinn) ein. In der arabischen Sage war Iblis, bevor er gemäß islamischer Auffassung bei Allah in Ungnade fiel, ein sehr frommer Dschinn und Oberhaupt der Divs; seine Stellung war so hoch, dass er das Privileg bekam, die Paradiestore zu bewachen, was eigentlich die Aufgabe des Engels Ridwan ist. Iblis wird im Koran fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte genannt. Auch in den Mekkanischen Suren wird von den Scharen des Iblis (Sure 26:95) gesprochen. Die Bezeichnungen Schaitan und Iblis sind im Islam meist beliebig austauschbar.[2]

Iblis in der islamischen Mythologie[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der islamischen Mythologie ist Iblis ein, aus Feuer geschaffenes Wesen, welches im Himmel residierte, bis es seine Niederwerfung vor Adam verweigerte, obwohl Allah dies befohlen hatte. Als Allah sagte, er werde einen Nachfolger auf Erden erschaffen, sprachen die Engel: "Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?" (Sure 2: 29). Allah bejahte und befahl den Anwesenden sich vor Adam niederzuwerfen. Während Iblis im Quran ausschließlich unter den Engeln ist, wird er in Sure 18 Vers 50 als einer der Dschinn bezeichnet. Dies führte zu einigen Verwirrungen in der islamischen Mythologie. Hier folgen die häufigsten Theorien, die erklären sollen, weshalb Iblis unter den Engeln war[4]:

1) Eine Hadith besagt, dass Iblis dessen Name damals noch Azazil gewesen ist, der einzige Gläubige unter den Dschinnen war und die Engel ihn erretteten und in Gottes Auftrag im Himmel aufnahmen. (Siehe auch "Iblis in den Ahadith)

2) Im Himmel gab es keinen Unterschied zwischen Engel und Dschinnen. Dschinnen werden diejenigen genannt, die Iblis´ Widerstand folgten.

3) Die Dschinnen sind die Nachkommen von Iblis. Er war der Einzige unter den Engeln der aus Feuer geschaffen war, aber auch der Einzige unter den Dschinnen, der im Himmel erschaffen wurde. Die Dschinnen, umfassen demnach Iblis und seine Nachfahren.

4) Iblis war ein Engel, der sich vor niemanden außer Allah niederwerfen konnte. Da er somit aber Gottes Befehl verweigerte, wurde er aus dem Himmel verbannt. Auf Erden wurde er dann, ohne die Nähe Gottes, zu einem Dschinn (Unsichtbaren) und sein Name wurde aufgrund seiner Enttäuschung zu Iblis.

Iblis im Koran[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[5]Im Koran wird Iblis 11 mal namentlich genannt, fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Niederwerfung vor Adam. Die weiteren Male im Zusammenhang damit, dass die Ungläubigen ihn folgen und, dass die Ungläubigen seine Hoffärtigkeit bestätigen. Im Folgenden werden alle Suren genannt, in denen Iblis namentlich erwähnt wird:

"Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Ādam nieder!“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs. Er weigerte sich und verhielt sich hochmütig und gehörte zu den Ungläubigen." (Sure 2: 34)

"Und Wir haben euch ja erschaffen. Hierauf haben Wir euch gestaltet. Hierauf haben Wir zu den Engeln gesagt: „Werft euch vor Ādam nieder!“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs. Er gehörte nicht zu denjenigen, die sich niederwerfen." (Sure 7: 11)

"außer Iblīs; er weigerte sich, mit denen zu sein, die sich niederwerfen. Er sagte: „O Iblīs, was ist mit dir, daß du nicht mit denen bist, die sich niederwerfen?“" (Sure 15: 31,32)

"Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Ādam nieder.“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs. Er sagte: „Soll ich mich vor jemandem niederwerfen, den Du aus Lehm erschaffen hast?“" (Sure 17: 61)

"Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Ādam nieder.“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs; er gehörte zu den Dschinn. So frevelte er gegen den Befehl seines Herrn. Wollt ihr euch denn ihn und seine Nachkommenschaft zu Schutzherren anstatt Meiner nehmen, wo sie euch doch feind sind? – Ein schlimmer Tausch für die Ungerechten!" (Sure 18: 50)

"Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Ādam nieder.“ Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs. Er weigerte sich." (Sure 20: 116)

"und die Heerscharen Iblīs’ allesamt." (Sure 26: 95)

"Wahrlich, Iblīs fand seine Meinung von ihnen bestätigt. Sie folgten ihm, außer einer Gruppe der Gläubigen." (Sure 34: 20)

"außer Iblīs; er verhielt sich hochmütig und gehörte zu den Ungläubigen. "Er sagte: „O Iblīs, was hat dich davon abgehalten, dich vor dem niederzuwerfen, was Ich mit Meinen Händen erschaffen habe? Verhältst du dich hochmütig, oder gehörst du etwa zu den Überheblichen?“ (Sure 38: 74, 75)

Geschichte Iblis’ in den Ahadith[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iblis bewachte die Tore des Paradieses eintausend Jahre lang. Auf einer Inschrift am Tor las er: „Es gibt unter den meist geehrten Dienern Allahs einen, der lange Zeit gehorsam ist und sich (sodann) seinem Herrn widersetzt und sein Herr sich von ihm abwendet und ihn verflucht.“ Iblis, der zu der Zeit noch Azazil hieß, wunderte sich über diese Weissagung, denn er fragte sich, wer sich anmaßen könnte, sich seinem Herrn zu widersetzen. Was er nicht wusste, war, dass er selbst es sein würde, der in dieser Weissagung gemeint war. Er ging zu Gott und bat darum, diesen Frevler verfluchen zu dürfen, der in der Weissagung vorkommt. „Oh Herr, gestatte mir diesen unwürdigen Sünder zu verfluchen, wer immer er auch sein möge.“ Allah gestattete es ihm, und so fing er an, diesen Sünder mit Flüchen zu überhäufen, unkundig darüber, dass er selbst es war, den er verfluchte.

Als Allah Adam erschuf und ihn die Namen aller Dinge lehrte, befahl Allah, dass sich die Engel vor Adam niederwerfen, aus dem Grund, weil er durch das, was ihn Allah gelehrt hatte, wissender war als die Engel. Alle warfen sich auf den Befehl Allahs hin nieder, außer Iblis.

Die Engel können sich nach islamischer Auffassung nicht frei über den Befehl Allahs hinwegsetzen, denn sie haben keinen freien Willen, wie Iblis. Das ist für die meisten Muslime auch ein Beleg dafür, dass Iblis kein Engel sein kann.

Als Iblis sich weigerte, vor Adam auf die Knie zu gehen, sprach Allah:

Iblis, was hat dich gehindert, dass du dich niederwirfst vor dem, was Ich mit meinen Händen geschaffen habe? Wähnst du dich groß, oder bist du einer von den Überheblichen?“ Iblis erwiderte: „Ich bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn (den Menschen) hast Du aus Ton erschaffen.“ (Sure 38:73).

Und Allah verbannte ihn wegen seines Hochmuts.

O geh hinaus von hier; denn du bist ein Verfluchter, und mein Fluch soll auf dir bis zum Tage des Gerichts lasten.“ (Sure 38:74)

Iblis bat um eine Frist, die ihm laut Koran auch gewährt wurde:

O mein Herr, gewähre mir eine Frist bis zu dem Tage, an dem sie auferweckt werden. Allah sprach: Also wird dir die Frist gewährt, bis zum Tage einer vorbestimmten Zeit.“ (Sure 38:80)

Er (Iblis) sagte: „Bei Deiner Erhabenheit, ich will sie sicher alle in die Irre führen. Ausgenommen davon sind Deine erwählten Diener unter ihnen.“ (Sure 38: 82)

Iblis im Sufismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sufismus wird Iblis meistens als Engel verstanden, dessen Aufgabe es ist, den Menschen herausszufordern. Allah sagte demnach zu den Engeln, sie sollen niemanden dienen außer Allah. Als Allah von den Engeln forderte sich vor Adam zu verneigen und Iblis sich als Einziger weigerte, bewies er die höchste Loyalität, da er lieber Gottes Befehl verweigerte, als sich vor jemand anderen als Allah zu verbeugen. Iblis Aufgabe als Shaytan, wird demnach als eine Strafe aufgefasst, die er bereitwillig auf sich nahm, wobei er nach dem Ablauf seiner Frist wieder in den Himmel zurückkehren darf, und gleichzeitig auch die härteste aller Aufgaben erhielt, da er die gesamte Frist über, von Gott getrennt sein muss.

Versuche der Rehabilitierung Satans (Iblis’) im Sufismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annemarie Schimmel schreibt in Mystische Dimensionen des Islam: „In gewissen mystischen Kreisen versuchte man eine Art Rehabilitierung des Satan. Offenbar wurde dieser Gedanke zuerst von Hallaj formuliert: Satan rühmte sich Gott Tausende von Jahren gedient zu haben, ehe noch Adam geschaffen war, und sein Stolz, aus Feuer geschaffen zu sein, läßt ihn den Befehl, sich vor dem staubgeschaffenen Adam niederzuwerfen, zuwiderhandeln. Hallaj erkannte nur zwei echte Monotheisten an, nämlich Muhammad und Satan; aber während Muhammad der Kämmerer der göttlichen Gnade ist, wird Iblis zum Schatzmeister des göttlichen Zornes.“ (S. 276 f.)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Ehlers (Hrsg. und Übers.): Abū'l-Qāsem Ferdausi: Rostam - Die Legenden aus dem Šāhnāme. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2002, S. 366
  2. Ursula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen. Islam, C.H. Beck, 2007, S. 87
  3. Iblis | Vengeful Djinn. In: www.djinnuniverse.com. Abgerufen am 10. Mai 2016.
  4. Şeytan (iblis) cinlerden midir, eğer cinlerden ise neden meleklerin arasındaydı? Allah Teala sadece insanları ve cinleri imtihan için yarattığını bizlere belirtmiş... | Sorularla İslamiyet. In: www.sorularlaislamiyet.com. Abgerufen am 11. Mai 2016.
  5. islam.de / Quran Übersetzung - Suche /. In: islam.de. Abgerufen am 10. Mai 2016.