Melek Taus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Melek Taus („Engel Pfau“)
Jesidisches Gräberfeld auf dem Stadtfriedhof Hannover-Lahe mit einem Melek Taus im Schaukasten auf dem Grab

Melek Taus („Engel Pfau“) oder Tausî Melek ist ein von den Jesiden in der Form eines blauen Pfaus verehrter Engel. Als erster von sieben Engeln erschuf er in Gottes Auftrag die Welt sowie Adam und Eva. Da sich Melek Taus weigerte, vor Adam zu knien, wie Gott forderte, wurde er zum obersten Engel und zum Statthalter und Verwalter der Erde erhoben. Diese Anweisung war eine Prüfung, da Gottes erstes Gebot an die sieben Engel gewesen war, sie sollten nur ihn anbeten. So symbolisiert Melek Taus im Jesidentum nicht das Böse und ist auch kein in Ungnade gefallener Engel.

Zwar wollte er sich auch selbst zum Gott erheben und fiel deswegen in Ungnade, doch er bereute seine Vermessenheit und büßte dafür in der Hölle.[1] Seine Schuld wurde ihm vergeben, seither dient er Gott als Stellvertreter sowie als Mittler und Ansprechpartner für die Gläubigen.

Inkarnationen[Bearbeiten]

Als wichtigste Menschwerdung des Melek Taus gilt nach jesidischem Glauben Scheich ʿAdī. Die Jesiden verehren sieben heilige Bronze- oder Eisenfiguren, die als Verkörperungen von Melek Taus gelten und Sandschak (sanǧaq) genannt werden.[2]

Islam[Bearbeiten]

Der Koran berichtet, dass Iblis sich aus Arroganz geweigert habe, vor Adam niederzuknien. Dabei werden Parallelen zum Pfau als Verkörperung des Hochmutes gezogen, welcher Iblis zu seinem Ungehorsam gegenüber Gott bewegte. Dementsprechend verehren die Jesiden nach islamischer Auffassung ein Wesen, das vor Gott in Ungnade gefallen ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Garnik Asatrian, Victoria Arakelova: Malak-Tāwūs: the Peacock Angel of the Yezidis. In: Iran and the Caucasus. Band 7, Nr. 1–2, Brill, Leiden 2003, S. 1–36 (doi:10.1163/157338403X00015; PDF-Datei; 890 kB auf rbedrosian.com).
  • R. H. W. Empson: The Cult of the Peacock Angel. A Short Account of the Yezîdî Tribes of Kurdistân. Witherby, London 1928 (PDF-Datei; 5,3 MB auf rbedrosian.com).
  • Isya Joseph: Devil Worship. The Sacred Books and Traditions of the Yezidiz. Badger, Boston 1919 (online auf archive.org).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sean Thomas: The Devil Worshippers of Iraq.. In: Daily Telegraph. 19. August 2007, abgerufen am 1. September 2014
  2. Peter Nicolaus: The Lost Sanjaq. In: Iran and the Caucasus. Band 12, Nr. 2, Brill, Leiden November 2008, S. 217–251 (doi:10.1163/157338408X406029).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Melek Taus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien