Martina Löw

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Martina Löw (rechts) bei einer Veranstaltung des Goethe-Instituts und der City Institute an der York University

Martina Löw (* 9. Januar 1965 in Würzburg) ist eine deutsche Soziologin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martina Löw wurde 1993 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main bei Marianne Rodenstein mit der Arbeit „Raum ergreifen. Alleinwohnende Frauen zwischen Arbeit, sozialen Beziehungen und der Kultur des Selbst“ promoviert.[1] Die Habilitation erfolgte im Jahr 2000 im Fachbereich Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Für ihr bisheriges Werk, insbesondere für ihre Habilitationsschrift zur Raumsoziologie, erhielt sie den Christian-Wolff-Preis. Von Januar 2002 bis Juli 2013 war sie Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt mit den Arbeitsschwerpunkten raumbezogene Gesellschaftsanalyse, Stadt- und Regionalsoziologie sowie Frauen- und Geschlechterforschung, seither ist sie an der TU Berlin Professorin für Architektur- und Planungssoziologie. Zuvor war sie als Privatdozentin und wissenschaftliche Oberassistentin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beschäftigt, nachdem sie am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main sowie als Gast- bzw. Vertretungsprofessorin an den technischen Universitäten Berlin und Darmstadt tätig gewesen war.

Von 2011 bis zum März 2013 war sie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Ihr Nachfolger war Stephan Lessenich.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 veröffentlichte Martina Löw eine Soziologie des Raums, welche die Entstehung des Raumes als soziales Phänomen begreift, das von gesellschaftlichen Entwicklungen abhängt. Löw versteht den Raum als eine relationale Anordnung sozialer Güter und Lebewesen, die durch die Synthese und das Platzieren dieser Elemente hervorgebracht wird. Ein solcher prozessualer Raumbegriff kontrastiert die zuvor in der Soziologie vorherrschende Auffassung, die Raum als starren Hintergrund sozialer Prozesse auffasst. Darauf aufbauend arbeitet Löw empirisch zu der Frage, wie Raumkonstruktionen in und durch elektronische Netze verändert werden. Weitere Forschungsschwerpunkte sind „Raum, Macht und soziale Differenzierung“ sowie ethnographische Stadtstudien.

Im Bereich der Stadtforschung hat Löw verschiedene Teilstudien zum Themenfeld „Öffentliche Sicherheit“ und „Theater und Stadt“ durchgeführt. Eine empirische Untersuchung des Wirkungsgefüges von Raum und Geschlecht am Beispiel der Prostitution in Frankfurt am Main ergänzt das Themenfeld. Zu ihren neuesten Forschungsansätzen zählt die Analyse städtischer Eigenlogik. Die Eigenlogik der Stadt bezeichnet ein komplexes Ensemble an Wissensbeständen und Ausdrucksformen, die in einem inneren Zusammenhang stehen, auf regelgeleiteten, routinisierten und über Ressourcen stabilisierte Handlungsformen basieren und Städte zu Sinnprovinzen verdichten.

Ab Sommer 2008 war Löw Koordinatorin des vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Kunst im Rahmen der Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) geförderten Schwerpunkts „Eigenlogik der Städte“, einem Kooperationsprojekt der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Darmstadt. „Eigenlogik“ steht dabei als Arbeitsbegriff für die je spezifischen und „typischen“ Eigenschaften sowie stillschweigend wirksamen Prozesse der Sinnformung einer Stadt. Ziel ist es, die grundlegenden Strukturen der Städte zu verstehen sowie Relationen und Ähnlichkeiten zwischen den Städten nachzuvollziehen. Zentrales methodisches Instrument ist dabei der Städtevergleich.

Der Eigenlogik-Ansatz unterscheidet sich damit entscheidend von anderen Sichtweisen innerhalb der Stadtforschung, die zwar in der Stadt zu forschen, die Stadt als solche jedoch als gegebene, nicht weiter zu untersuchende Größe betrachten. Der Forschungsansatz zur Eigenlogik der Städte macht dagegen die Stadt selbst zum Untersuchungsgegenstand.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martina Löw, Renate Ruhne: Prostitution. Herstellungsweisen einer anderen Welt. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-518-12632-5.
  • Martina Löw, Helmuth Berking: Die Eigenlogik der Städte. Neue Wege für die Stadtforschung. (= Interdisziplinäre Stadtforschung). Campus, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-38725-3.
  • Soziologie der Städte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-58503-0.
  • Martina Löw, Silke Steets, Sergej Stoetzer: Einführung in die Stadt- und Raumsoziologie. Barbara Budrich, Opladen 2008, ISBN 978-3-8252-8348-3.
  • Einführung in die Soziologie der Bildung und Erziehung. Leske + Budrich/UTB für Wissenschaft, Opladen 2006, ISBN 3-8252-8243-0.
  • Raumsoziologie. (= Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft). Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-29106-8.
  • Raum ergreifen. Alleinwohnende Frauen zwischen Arbeit, sozialen Beziehungen und der Kultur des Selbst. Kleine, Bielefeld 1993.
  • Martina Löw: The Sociology of Space - Materiality, Social Structures and Action. Cultural Sociology, Palgrave Macmillan, New York 2016, ISBN 978-1-137-48771-1.
  • Vom Raum aus Stadt denken, Transkript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4250-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martina Löw: Raum ergreifen. Alleinwohnende Frauen zwischen Arbeit, sozialen Beziehungen und der Kultur des Selbst. Kleine, Bielefeld 1993.