Imminghausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Blick auf den ehemaligen Attendorner Ortsteil Imminghausen
Lage von Imminghausen auf der Urkarte von 1836

Imminghausen ist ein ehemaliges Dorf, das für den Bau der Biggetalsperre devastiert wurde. Imminghausen lag in Nordrhein-Westfalen im mittleren Biggetal zwischen Olpe und Attendorn.

Der Bau der Talsperre wurde schon vor dem Zweiten Weltkrieg beschlossen, musste aber für die Dauer des Krieges zurückgestellt werden. Etwa ab 1950 nahm man das Projekt wieder auf. 1965 war die Biggetalsperre fertiggestellt, so dass mit dem Einstau von Wasser begonnen werden konnte. Das Gebiet des ehemaligen Ortes liegt heute auf dem Grund der Talsperre im Bereich der ehemaligen Dumickemündung in die Bigge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der untergegangenen Orte im Biggesee

Der Hof Imminghausen, plattdeutsch Immekusen, lag an der früheren Mündung des Bremgebaches in die Bigge ca. 1,5 km westlich von Bremge. Im Jahre 1318 urkundlich erstmals als Ymmenchusen erwähnt. Der Ortsname kann mit „bei den Häusern der Leute des Immo/Immi“ gedeutet werden[1]

1364 wurde der Ritter Dietrich von Plettenberg vom Erzbischof Engelbert III. mit dem Burglehen auf Waldenburg und dem Haupthof (curtis) in Immynchusen belehnt. Ebenso von den Nachfolgern Engelberts, Kuno und Friedrich.[2]

Ende des 15. Jahrhunderts wird Wilhelm Tütel, danach seine Erben, die Eheleute Heinrich Hegener, auf Hof Ymmekusen genannt. Ab 1501 zahlen sie den Chorherren in Attendorn jährlich eine Rente von 10 Schillinge.[3] 1526 erhält die Witwe Johann Hobergs auf der Waldenburg geborene Schüngel den Hof Imminghausen als Witwengut. Bewirtschaftet 1529 von Hinrich to Bychen. Politisch gehörte der Hof zum Amt Waldenburg und im Gogericht und Kirchspiel Attendorn zur Bauerschaft Langenohl, der auch umliegende Orte wie Ackerschott, Listernohl, Maiwormshammer u. a. angehörten. Im Schatzungsregister von 1543 hatte Henrich zu Immickhaußen eine Abgabe von 1½ Goldgulden zu entrichten.[4] Im Register von 1565 wurde Thonnis zu Inninckhausen mit 2½ Goldgulden besteuert.[5]

Ende des 16. Jahrhunderts war der Hof den Chorherren in Attendorn mit 15 Schillingen jährlicher Erbrente verpflichtet. Im Schatzregister von 1648 sind zu Imminghausen aufgeführt: „Bernhard Immickhaus, seine Frau Greta, 1 Knecht, 1 Junge, 1 Magd; Schmied Heinrich Hütte, dessen Frau sowie eine Weibsperson, die Leinen webt“. Das Gut ist als Pachtgut bezeichnet. In der Rauchschatzliste von 1664 ist Bernhard mit 1 Feuerstätte, 1 Stuben- und Backofen verzeichnet. 1717 war die Familie Johann Hund Pächter, danach deren Sohn Peter.

Ab 1723 scheinen die von Fürstenberg Rechte an dem Hof erworben zu haben. Pächter und spätere Besitzer von Hof Imminghausen war ab 1771 die Familie Ferdinand Heuel.[6] Der Nachkommenkreis dieser Familie ist außergewöhnlich zahlreich und vor allem in den Pfarreien Attendorn, Rhode und im Lennetal verbreitet. Im Pachtvertrag von 1808 mit Johann Heuel umfasste die Pachtgebühr: 1 mageres Schwein, 9 Hühner, 2 Pflugdienste, 1 Gans, 12 Scheffel Roggen, 12 Scheffel Gerste, 14 Rtlr. 24 Stüber 2 Pfg. Geldpacht oder mit jährlich 59 Rtlr. Frankfurter Währung zu bezahlen. Die Gewinnung (Pachtung) war alle 12 Jahre vorzunehmen. Der Schultheiß Johann Heuel beantragte Ende 1811 Loskauf der Grundrenten, aber erst 1818 konnte er Imminghausen freikaufen, dessen Haupteinkünfte aus dem umfangreichen Forstbesitz flossen. Karl Heuel betrieb Ende des 19. Jahrhunderts außerdem eine Gastwirtschaft in dem Gutshaus.

Politisch gehörte Imminghausen ab 1819 im Amt Attendorn zur Gemeinde Attendorn-Land. Die Kinder besuchten die Schule im benachbarten Bremge. 1930 gab es außer dem im vorigen Jahrhundert quergeteilten Stammhaus Heuel-Keseberg noch das in den 1890er Jahren erbaute Fachwerkhaus Heuel, die um 1920 errichteten Wohnhäuser Reininghaus und Pfeiffer und das etwas später erbaute Haus Hubert Heuel.

Das Adressbuch von 1899 führt in Imminghausen die Namen „Karl Heuel (Wirt), Emmerich und Theodor Heuel (beide Landwirte)“. 1936 gab es 6 Wohnhäuser mit 7 Haushaltungen und 53 Einwohner.[7] Das Adressbuch von 1956 führt die Namen „Becker (3), Beuth, Faulhaber (2), Friedrichs, Hengstenbeck, Heuel (6), Keseberg (3) und Pieper“.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Kreises Olpe, in: Westfälisches Ortsnamenbuch, Band 8, Bielefeld 2014, Seite 147
  2. Norbert Scheele: Geschichtliche Wanderung durch das Biggetalsperrengebiet, in: Heimatstimmen des Kreises Olpe, aus den Folgen 58, 60, 61, 62, Olpe 1966
  3. Norbert Scheele (Hrsg.): Regesten des ehemaligen Klosters Ewig, Olpe 1963, Urk 203 Seite 63/64
  4. Schatzungsregister von 1543, Seite 68 [1]
  5. Die Schatzungsregister des 16. Jahrhunderts für das Herzogtum Westfalen, Teil 1 (1536 und 1565), Münster 1971, Seite 219
  6. Julius Pickert: Die Bauernhöfe des Attendorner Kirchspiels im 17. Jh., in: Heimatblätter des Kreises Olpe, 4. Jhg. 1926/27, Seite 7/8
  7. Amtliches Einwohnerbuch des Kreises Olpe 1938, Amt Attendorn, Seite XV
  8. Heimatadressbuch Landkreis Olpe, Münster 1956, Abschnitt Attendorn-Land, Seite 155

Koordinaten: 51° 5′ 4″ N, 7° 51′ 19,1″ O