infas

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infas

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Rechtsform GmbH
Gründung 1959
Sitz Bonn, Deutschland
Leitung Menno Smid
Mitarbeiterzahl 115
Branche Dienstleistung
Website www.infas.de

Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft mit Sitz in Bonn ist ein Institut für Markt- und Sozialforschung, das für Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Verwaltung forscht und diese berät. Das Institut betreibt ein Telefonstudio mit 170 Plätzen in Bonn und hat bundesweit Interviewer für persönliche Vorort-Interviews (CAPI) im Einsatz. Geschäftsführer ist Menno Smid. infas ist eine Tochter der infas Holding AG (vormals Action Press Holding AG[1]), deren Vorstandsvorsitzender Smid seit 2009 ist.

Studienbeteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

infas führte und führt die empirische Forschung für zahlreiche nationale und internationale sozialwissenschaftliche Studien durch. Dazu gehören:

  • Das Nationale Bildungspanel (NEPS). Die Studie untersucht, wie sich der Bildungsstand vom Kindes- bis ins hohe Erwachsenenalter entwickelt und welche Auswirkungen die Bildung auf das weitere Leben hat. Mit der NEPS-Studie werden Bildungsprozesse über die gesamte Lebensspanne beschrieben und dabei Ursachen und Wirkungszusammenhänge ermittelt. Es handelt sich um eine Längsschnittstudie, das heißt Personen werden wiederholt befragt. Die Befragungen von Müttern mit Neugeborenen, von Eltern, Auszubildenden, Studierenden und Erwachsenen im Rahmen der NEPS-Studie werden von infas durchgeführt.[2]
  • Der European Social Survey (ESS) ist eine sozialwissenschaftliche Studie, die die sozialen und politischen Einstellungen von Bürgerinnen und Bürgern aus über 30 europäischen Ländern seit 2002 untersucht. Er zeigt Stabilität und Wandel in der gesellschaftlichen Struktur, in den Lebensumständen und Einstellungen der Bürger in Europa auf. Die Befragungen für das deutsche Teilprojekt des ESS werden mit Ausnahme der 5. Erhebungswelle durchweg von infas durchgeführt.[3]
  • Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine bundesweit repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden Die umfassende Untersuchung von Personen im mittleren und höheren Erwachsenenalter dient dazu, Mikrodaten bereitzustellen, die sowohl für die sozial- und verhaltenswissenschaftliche Forschung als auch für die Sozialberichterstattung genutzt werden können. Die Befragungen der bisher vier Wellen seit 1996 wurden von infas durchgeführt.[4]
  • Das vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) durchgeführte Panel "Arbeitsmarkt und soziale Sicherung" stellt eine Datengrundlage bereit, mit deren Hilfe die Dynamik des Grundsicherungsbezugs und die soziale Lage von Haushalten im Grundsicherungsbezug untersucht werden können. Seit 2009 werden die jährlichen Erhebungen von infas durchgeführt.[5]
  • Bei "lidA - leben in der Arbeit. Eine Kohortenstudie zu Gesundheit und Älterwerden in der Arbeit" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) handelt es sich um eine Längsschnittstudie zur Untersuchung der Fragestellung, inwieweit die Arbeit die Gesundheit älterer Beschäftigter beeinflusst. Ziel des Forschungsprojektes lidA ist es in einer interdisziplinärer Perspektive den langfristigen Effekt, den Arbeit auf die Gesundheit einer alternden Erwerbsbevölkerung in Deutschland gegenwärtig hat und künftig haben wird, zu untersuchen. infas führt seit 2009 die empirischen Erhebungen für die Studie durch.[6]
  • Mit der Studie Mobilität in Deutschland (MiD) wird das Mobilitätsverhalten der Deutschen im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und zahlreicher regionaler Partner untersucht. Dazu werden von infas 2016 und 2017 rund 135.000 Haushalte in einer Stichtagsbefragung zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Bereits 2002 und 2008 hat infas die MiD für das Bundesministerium durchgeführt.[7]
  • Das Innovationspanel des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wird im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2000 jährlich durchgeführt. Mit der Panelstudie werden Informationen zur Einführung neuer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren in Unternehmen, den Aufwendungen für Innovationen, und dem Erfolg, den sie damit erzielen, ermittelt.[8]
  • Zusammen mit der Wochenzeitung Die Zeit und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) führte infas im August 2016 die Vermächtnisstudie durch. Rund 3.000 Bundesbürgerinnen und Bürger wurden zu verschiedenen Lebensbereichen gefragt, wie sie die gegenwärtige Situation einschätzen, was sie in Zukunft erwarten und was sie künftigen Generationen empfehlen würden.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

infas-Zentrale im Kanadahaus, Bonn

Das Institut wurde 1959 von Wolfgang Hartenstein, Klaus Liepelt und Günter Schubert als „Institut für angewandte Sozialwissenschaft“, kurz ifas, gegründet.[10] Aufgrund von Namensstreitigkeiten wurde die Kurzform später in „infas“ geändert. Finanziert wurde die Gründung unter anderem mit Geldern der SPD. infas konzentrierte sich von Beginn an auf die Sozial-, Politik- und Regionalforschung. Von 1965 bis 1996 hatte das Institut den Auftrag der ARD, Analysen und Hochrechnungen zu Bundestags-, Landtags-, und Kommunalwahlen in der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen.[11]

In den 1990er Jahren geriet infas in Schieflage und erreichte einen Schuldenstand von 28 Millionen DM. Ende 1993 übernahmen Experten von McKinsey und Familienmitglieder des ehemaligen Neckermann-Vorstands Unkelbach das Institut und führten eine Sanierung durch.[12] 1996 erwarb der PR-Berater Moritz Hunzinger die Mehrheit des Instituts und brachte sie 1998 vor dem Börsengang der Hunzinger Information AG, den Vorgänger der heutigen Infas Holding AG, in diese ein.

Fernsehforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1974 bis 1984 führte infas gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach die erste deutsche Fernsehforschung zur Ermittlung der Einschaltquoten durch. Dabei wurde erstmals ein elektronisches Messgerät eingesetzt. Das von der Heidelberger Firma Teldix entwickelte Gerät ermittelte auf Tastendruck die individuelle Fernsehnutzung der Haushaltsmitglieder. Die Daten wurden gespeichert und nachts über die Telefonleitung von den Instituten abgerufen.[13]

Wahlforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Auftrag des Deutschen Fernsehens und der Rundfunkanstalten der ARD hat infas am 19. September 1965 die erste Hochrechnung zu einer Bundestagswahl in Deutschland durchgeführt. Im Rahmen des ARD-Auftrags etablierte infas maßgeblich den Einsatz von Computern bei der Erstellung von Wahlprognosen. Die Politikforschung begann bei infas 1959 mit der Studie über „Wähler, Parteien und Politik in Niedersachsen“. Das Institut erstellte bis 1996 die Hochrechnungen für die Wahlberichterstattung der ARD.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DGAP: Ad-Hoc-Meldung
  2. NEPS-Studie: Wer führt die NEPS-Studie durch?
  3. Universität Bielefeld: European Social Survey - Über uns (Memento des Originals vom 14. Juni 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-bielefeld.de
  4. Deutsches Zentrum für Altersfragen: DEAS-Erhebungsinstrumente
  5. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: IAB-Haushaltspanel
  6. Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung: lidA - Projektdetails
  7. Mobilität in Deutschland
  8. Innovationserhebung, ZEW. Abgerufen am 20. Juli 2017
  9. Das Vermächtnis - Die Welt, die wir erleben wollen, ZEIT-Online. Abgerufen am 17. Juli 2017
  10. Anja Kruke 2007: Demoskopie in der Bundesrepublik Deutschland, Meinungsforschung, Parteien und Medien 1949-1990. Droste Verlag, ISBN 978-3-7700-5281-3, S. 202f.
  11. Jochen Groß 2009: Die Prognose von Wahlergebnissen - Ansätze und empirische Leistungsfähigkeit. VS Verlag, ISBN 3531172735, S. 33.
  12. Der Spiegel, 33/1996: Nur noch eine Ruine
  13. Otto Altendorfer 2001: Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland. Westdeutscher Verlag, ISBN 3531134353, S. 237.
  14. Bernd Klammer 2005: Empirische Sozialforschung. UVK Verlagsgesellschaft, ISBN 3825226425, S. 147.