Nationales Bildungspanel

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Das Nationale Bildungspanel (National Educational Panel Study, NEPS), bekannt auch unter dem Studientitel Bildungsverläufe in Deutschland, ist eine Panelstudie zur Erforschung von Bildungsprozessen in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel des Nationalen Bildungspanels ist es, Längsschnittdaten zu Kompetenzentwicklungen, Bildungsprozessen, Bildungsentscheidungen und Bildungsrenditen in formalen, nicht-formalen und informellen Kontexten über die gesamte Lebensspanne zu erheben. Das NEPS-Konsortium wurde von Hans-Peter Blossfeld an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg aufgebaut und als Principal Investigator bis zum 31. Juli 2012 geleitet. Am 1. August 2012 hat Hans-Günther Roßbach die Projektleitung übernommen.

Das Projekt wurde in den Jahren 2009 bis 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Seit dem 1. Januar 2014 wird das Nationale Bildungspanel vom Leibniz Institut für Bildungsverläufe e. V. (LIfBi) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg betrieben.

Beteiligte Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den vertraglich gebundenen Partnereinrichtungen sind folgende Institutionen an der Umsetzung der Studie beteiligt (in alphabetischer Reihenfolge):

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nationalen Bildungspanel werden acht Bildungsabschnitte, sogenannte Etappen, unterschieden, deren Integration durch die theoretische Konzentration auf fünf miteinander verbundene Dimensionen, die sogenannten Säulen, erreicht wird. Bei den Säulen handelt es sich um:

  • Säule 1 – Kompetenzentwicklung im Lebenslauf
  • Säule 2 – Bildungsprozesse in lebenslaufspezifischen Lernumwelten
  • Säule 3 – Soziale Ungleichheit und Bildungsentscheidungen im Lebenslauf
  • Säule 4 – Bildungserwerb mit Migrationshintergrund im Lebenslauf
  • Säule 5 – Bildungsrenditen im Lebenslauf

Diese fünf Säulen stellen die zentralen Stützpfeiler des Nationalen Bildungspanels dar. Die inhaltlichen Schwerpunkte der fünf Säulen werden über die Lebensspanne hinweg verfolgt. Die Lebensspanne wird dabei in folgende acht Bildungsetappen unterteilt:

  • Etappe 1 – Neugeborene und Eintritt in frühkindliche Betreuungseinrichtungen
  • Etappe 2 – Kindergarten und Einschulung
  • Etappe 3 – Grundschule und Übertritt in eine Schulart der Sekundarstufe I
  • Etappe 4 – Wege durch die Sekundarstufe I und Übergänge in die Sekundarstufe II
  • Etappe 5 – Gymnasiale Oberstufe und Übergänge in (Fach-)Hochschule, Ausbildung oder Arbeitsmarkt
  • Etappe 6 – Aufnahme einer beruflichen Ausbildung und der spätere Arbeitsmarkteintritt
  • Etappe 7 – (Fach-)Hochschulstudium und Übergänge in den Arbeitsmarkt
  • Etappe 8 – Allgemeine und berufliche Weiterbildung

Die Säulen und Etappen bilden zusammen mit der Leitung und Koordination und dem Methodenbereich die Rahmenkonzeption des Nationalen Bildungspanels.

Konzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die methodische Anlage des Nationalen Bildungspanels lässt sich als Multi-Kohorten-Sequenz-Design beschreiben. In den Jahren 2009 bis 2012 wurden sechs Startkohorten (Neugeborene, Kindergartenkinder, Klasse 5, Klasse 9, Studierende und Erwachsene) mit insgesamt mehr als 60.000 Personen gezogen. Die Stichprobenziehungen orientieren sich sowohl an den Übergängen im Bildungssystem als auch an den Übergängen zwischen Bildungssystem und Arbeitsmarkt. Die Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer werden über einen längeren Zeitraum regelmäßig befragt; ebenso finden in festgelegten Abständen Kompetenzerhebungen statt. Um historische Veränderungen bei der Absolvierung der verschiedenen bildungsrelevanten Übergänge dokumentieren und analysieren zu können, werden in späteren Jahren neue Stichproben gezogen (Kohortensukzession) und in die Studie aufgenommen. Die erhobenen Daten unterliegen zeitnah einer strengen Qualitätskontrolle und werden nutzerfreundlich aufbereitet und dokumentiert. Danach erhalten Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland die Möglichkeit zur wissenschaftlichen Analyse dieser Daten, um eine möglichst hohe Ausschöpfung des Datenmaterials und somit möglichst große Fortschritte in der Bildungsforschung zu erzielen.

Die Konzeption des Nationalen Bildungspanels ermöglicht mittel- und langfristig einen Beitrag zur Beantwortung u. a. folgender Fragestellungen:

  • Wie entfalten sich Kompetenzen im Lebenslauf?
  • Wie beeinflussen Kompetenzen Entscheidungsprozesse an verschiedenen kritischen Übergängen der Bildungskarriere (und umgekehrt)?
  • Wie und in welchem Umfang werden Kompetenzen von Lerngelegenheiten in der Familie, in der Gleichaltrigengruppe und den Lernumwelten Kindergarten, Schule, Hochschule und Berufsausbildung sowie Weiterbildung beeinflusst?
  • Welche Kompetenzen sind für das Erreichen von Bildungsabschlüssen, welche für lebenslanges Lernen und welche für ein erfolgreiches individuelles und gesellschaftliches Leben maßgeblich?

Insgesamt ist zu erwarten, dass mit der Etablierung des Nationalen Bildungspanels die Rahmenbedingungen für die empirische Bildungsforschung in Deutschland entscheidend verbessert, eine evidenzbasierte Politikberatung ermöglicht, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses maßgeblich unterstützt und die internationale Sichtbarkeit der deutschen Bildungsforschung deutlich gefördert werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]