Ingo Althöfer

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Ingo Althöfer, Musical 2008

Ingo Althöfer (* 11. Februar 1961 in Lage (Lippe)) ist ein deutscher Mathematiker, Informatiker und Spiele-Erfinder.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingo Althöfer, Schachcomputer-WM 1999

Althöfer promovierte 1986 in Bielefeld bei Rudolf Ahlswede mit dem Thema Asymptotic Properties of Certain Competition Systems in Artificial Intelligence and Ecology.[1] In der Mathematik liegen seine Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Spieltheorie, Kombinatorische Optimierung und beim Design kombinatorischer Raumfahrt-Trajektorien.[2] Seit 1994 hat er den Lehrstuhl für Mathematische Optimierung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne. Zusammen mit Christian Deppe und Ulrich Tamm gibt er Rudolf Ahlswede's Lectures on Information Theory heraus (bis Januar 2019 waren im Springer-Verlag fünf von geplanten zehn Bänden erschienen).

Im Jahre 1985 führte Althöfer das 3-Hirn-Konzept im Schachspiel ein: Ein menschlicher Spieler (das dritte Hirn) trifft die Endauswahl unter den Zugvorschlägen von zwei verschiedenen Schachcomputern. In vielen Experimenten (zwischen 1985 und 1997) zeigten sich 3-Hirne um 200 Elo-Punkte stärker als die beteiligten Komponenten.

Gemeinsam mit Timo Klaustermeyer führte Althöfer im Jahre 2004 das Prinzip des Freistil-Schachs ein. Dabei besteht ein Team aus beliebig vielen Menschen und Computerhilfe in beliebiger Form. Das erste Freistil-Blitzturnier wurde von den beiden Erfindern im August 2004 online durchgeführt.[3] Seit dem Herbst 2018 gibt es Freistil-Turniere auch im Go-Spiel.[4]

Althöfer entwickelte zudem als Spiele-Erfinder mehrere Spiele mit Computerhilfe. Seine bekanntesten Spiele sind EinStein würfelt nicht (2004)[5], Zoff der Zünfte (2005), Torjäger (2010)[6], Rapa Nui (2005, mit Reinhold Wittig), Galtoni (2012) und San Jego (2015). Dabei veröffentlichte er seine Spiele teilweise in seinem Eigenverlag 3-Hirn-Spiele sowie in der Edition Perlhuhn von Reinhold Wittig; einzelne Spiele wurden auch von größeren Verlagen wie Noris Spiele, Kosmos Spiele und Gerhards Spiel und Design veröffentlicht.

Althöfer hat experimentell untersucht, wie sich Lego-Steine beim Waschen in der Waschmaschine zu Zufalls-Komplexen zusammensetzen.[7][8]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 13 Jahre 3-Hirn: Meine Schach-Experimente mit Mensch-Maschinen-Kombinationen. 3-Hirn-Verlag, 1998.
  • mit Roland Voigt: Spiele, Rätsel, Zahlen: Faszinierendes zu Lasker-Mühle, Sudoku-Varianten, Havannah, EinStein würfelt nicht, Yavalath, 3-Hirn-Schach, ... Springer-Spektrum, 2014.
  • mit Hartmut Menzer: Zahlentheorie und Zahlenspiele: Sieben ausgewählte Themenstellungen. De Gruyter, 2014.
  • Lothar Collatz zwischen 1933 und 1950 – Eine Teilbiographie. 3-Hirn-Verlag, Lage (Lippe), 2019.
  • Am Ende wird es Lippe sein – Über den Flüchtlingszug mit Berliner Lehrerinnen und Schülerinnen im Jahr 1945. 3-Hirn-Verlag, Lage (Lippe), 2020.

Ausgewählte Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Dreihirn – Entscheidungsteilung im Schach. Magazin Computerschach & Spiele, Dezember 1985, S. 20–22 als pdf
  • Nim games with arbitrary periodic moving orders. International Journal of Game Theory, Band 17, 1988, 165–175
  • Asymptotic properties of levelregular decision trees with randomly evaluated leaves. Probability Theory and Related Fields, Band 80, 1989, 381–394
  • Data compression using an intelligent generator: the storage of chess games as an example. Artificial Intelligence, Band 52, 1991, 109–113
  • mit Gautam Das, David Dobkin, Deborah Joseph und José Soares: On sparse spanners of weighted graphs. Discrete & Computational Geometry, Band 9, 1993, S. 81–100
  • On sparse approximations to randomized strategies and convex combinations. Linear Algebra and Applications, Band 199, 1994, S. 339–355
  • mit Imre Leader: Correlation of Boolean functions and pathology in recursion trees. SIAM Journal of Discrete Mathematics, Band 8, 1995, S. 526–535
  • mit Walter Wenzel: 2-best solutions under distance constraints: the model and exemplary results for matroids. Advances in Applied Mathematics, Band 22, 1999, S. 155–185
  • mit Raymond Georg Snatzke: Playing Games with Multiple Choice Systems. Im Tagungsband "Computer Games 2002" (Editoren J.Schaeffer und andere), Lecture Notes in Computer Science, Band 2883, S. 142–153, 2003.
  • Improved game play by multiple computer hints. Theoretical Computer Science, Band 313, 2004, S. 315–324
  • Evolution of Complexes from LEGO™ Bricks in a Washing Machine. Annals of Improbable Research, Band 20, 2014, Heft März–April. als pdf
  • Lothar Collatz – Schüler, Lehrer, Mensch. OR-News, Ausgabe 64, November 2018, S. 28–34. als pdf
  • Computer Chess and Chess Computers in East Germany. ICGA Journal, Band 42, Heft 2–3, November 2020, S. 152–164.
  • mit Raphael Thiele: Analyzing a variant of Clobber: The game of San Jego. ICGA Journal, Band 42, Heft 4, Dezember 2020, S. 257–271.

Ludographie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004: Einparken bis zum Abwinken (3-Hirn-Verlag)
  • 2004: EinStein würfelt nicht! (3-Hirn-Verlag und Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele)
  • 2005: Die Regenbogen-Karawane (3-Hirn-Verlag)
  • 2005: Play Gauss (mit Reinhold Wittig; 3-Hirn-Verlag und Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele)
  • 2005: Zoff der Zünfte (3-Hirn-Verlag)
  • 2005: Rapa Nui (mit Reinhold Wittig; 3-Hirn-Verlag und Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele)
  • 2005: Parade (3-Hirn-Verlag und Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele)
  • 2005: Jenaer Turm (3-Hirn-Verlag und Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele)
  • 2005: Hermann und Thusnelda verprügeln die Römer (3-Hirn-Verlag)
  • 2005: Finale (Noris Spiele, bis 2009) alias Torjäger (Kosmos Spiele, seit 2010)
  • 2005: EinStein würfelt nicht! Erweiterung für drei oder vier Spieler (3-Hirn-Verlag)
  • 2005: Blitz! (3-Hirn-Verlag und Rombol)
  • 2007: Sisyphos (Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele)
  • 2007: Seasons of the Sun (3-Hirn-Verlag)
  • 2007: Big Balls (mit Jakob J. Lübke; 3-Hirn-Verlag)
  • 2007: 1558: Hanfrieds Erbe (3-Hirn-Verlag)
  • 2008: Omba, später Docker (mit Hilko Drude und Reinhold Wittig; Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele, 1-2-3-Games Éditions, Jactalea, Blue Orange)
  • 2012: Galtoni (Edition Perlhuhn, Göttinger Spiele; Gerhards Spiel und Design seit 2020)
  • 2015: San Jego (Bauanleitung und Spielregel im LEGO-Forum 1000steine.de)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mathematics Genealogy Project (englisch)
  2. Siehe: https://althofer.de/space-trajectories.html Das folgende Youtube-Video zeigt, wie solch eine Trajektorie aussehen kann: https://www.youtube.com/watch?v=HwBdo5Nr3Jw
  3. Homepage der Freistil-Blitz-Turniere
  4. codecentric Freistil-Go-Liga Saison 2018/2019
  5. Zu den Anfängen von "EinStein würfelt nicht": ewn Ursprung
  6. Seit 2010 im Kosmos-Verlag
  7. Meine wunderbare Wasch-Saison by Althöfer
  8. Ingo Althoefer erklaert das Chaos WELT 2018

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ingo Althöfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien