Turnover (American Football)

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Ein Turnover bedeutet im American Football den Ballverlust und die Abgabe des Angriffsrechts einer Mannschaft. Dies ist beim American Football schwerwiegend, da man ohne Angriffsrecht nur schwer punkten kann. Es gibt drei Arten des Turnovers: Interception, Fumble und Turnover on Downs. Davon zu unterscheiden ist der Punt bei dem sich die zuvor angreifende Mannschaft freiwillig von Angriffsrecht trennt.

Turnoverarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interception[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gepasste Ball wird von einem Verteidiger abgefangen (engl.: to intercept = abfangen), bevor dieser den Boden berührt. Dabei darf der angespielte Angreifer jedoch nicht behindert werden (Pass Interference). Der Defender darf den Ball so weit wie möglich zurücktragen, jedoch nicht nach vorne passen. Sogenannte Laterals, also Pässe, bei denen der Ball ohne eine Vorwärtsbewegung zu machen zur Seite oder nach hinten gepasst wird, sind dem Abwehrspieler erlaubt, jedoch sehr selten, da die Chance auf einen erneuten Turnover durch das Nichtfangen des Balls recht groß ist. Ein Lateralpass, der nicht festgehalten wurde, ist ein freier Ball und kann auch von der gegnerischen Mannschaft gesichert werden.

Fumble[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sogenannte Fumbles (engl.: to fumble with sth. = mit etw. ungeschickt umgehen) können ebenfalls zu Ballverlusten führen. Der balltragende Spieler lässt den Ball fallen, nachdem er ihn unter Kontrolle hatte (ein bis zwei Schritte mit dem Ball) und bevor er mit einem anderen Körperteil als den Händen oder Füßen den Boden berührt. Dies geschieht meist auf Grund eines harten Tackles oder dem gezielten Zerren am balltragenden Arm (Strip Ball). Ein Fumble stellt einen Turnover dar, wenn der Ball durch die gegnerische Mannschaft gesichert wird. Ein Fumble, der durch die Offense gesichert wird, ist kein Ballverlust/Turnover; das Angriffsrecht ändert sich nicht.

Befindet sich der Ball noch hinter der Anspiellinie und hat der Quarterback noch keinen Pass geworfen, so gibt es nur dann einen Turnover durch Fumble gegen den Quarterback, wenn dieser den Ball verliert, ohne vorher eine Wurfbewegung ausgeführt zu haben (alleiniges Ausholen genügt nicht für einen incomplete Pass), und die gegnerische Mannschaft den Ball sichern konnte. Ansonsten gilt der Ball als unvollständiger Pass und der Spielzug ist – ohne wechselndes Angriffsrecht – beendet.

Ein gefumbelter Ball kann von jedem Spieler auf dem Feld aufgenommen und in Richtung der gegnerischen Endzone getragen werden. Ausgenommen sind vierte Versuche und alle Spielzüge der letzten zwei Minuten jeder Hälfte (nicht NCAA), bei denen nur der Spieler, der den Ball verloren hat, ihn, nachdem er ihn selbst wieder gesichert hat, weitertragen darf. Wird der Fumble von einem anderen Mitglied der Offense aufgenommen, ist der Spielzug an dieser Stelle beendet. Rollt ein Ball nach einem Fumble nach vorne ins Seitenaus, startet der neue Spielzug an der Stelle des Fumbles, ohne dass das Angriffsrecht wechselt. Rollt der Ball nach hinten ins Seitenaus, beginnt dort der neue Spielzug. Auch hier wechselt das Angriffsrecht nicht.

Gerät ein Ball nach einem Fumble in die Endzone der angreifenden Mannschaft und wird dort von der Defense gesichert, ist das ein Touchdown, wird der Ball in der Endzone von der Offense gesichert oder rollt der Ball über die hintere oder seitliche Begrenzung der Endzone, so ist das ein Safety.

Gerät ein Ball nach einem Fumble der Offense in die Endzone der verteidigenden Mannschaft und wird dort von der Defense gesichert, ist das ein Touchback; das gleiche gilt, wenn der Ball über die hintere oder seitliche Begrenzung der Endlinie rollt. Wird der Ball in der Endzone vom fumblenden Spieler gesichert, ist das ein Touchdown. Andere Spieler der Offense können den Ball in der Endzone auch sichern; wenn aber ein viertes Down gespielt ist oder die letzten zwei Minuten vor der Halbzeit oder dem Spielende angebrochen sind, zählt der Touchdown in der NFL nicht und der Ball kommt für das nächste Down zurück an den Ort, an dem er gefumbelt wurde.

Eine spezielle Form des Fumble ist der Fumblerooski, bei dem der Ball absichtlich gefumbelt wird, um so dem Offensive Lineman zu ermöglichen, unbemerkt den Ball aufzunehmen und einen Laufspielzug zu beginnen. Dieser Spielzug wurde mittlerweile verboten.

Turnover on Downs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die angreifende Mannschaft schafft es nicht, innerhalb von vier Versuchen zehn Yards (bzw. in Europa Meter) weit zu kommen. Der Ball wird an der Stelle, an der der vierte Versuch endete, an die andere Mannschaft übergeben. Sollte ein Pass nicht gefangen werden, kommt die gegnerische Mannschaft an der Anspiellinie in Ballbesitz. Nach einem vergebenen Field-Goal-Versuch wird der Ball, egal in welchem Versuch, ebenfalls abgegeben. In Europa an der Stelle, an der der Spielzug begann (LoS), in der National Football League an der Stelle, an der der Versuch geschossen wurde, jedoch mindestens an der eigenen 20-Yards-Linie.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Sonderform stellt der sogenannte Muff dar. Sollte bei einem Punt die den Ball empfangende Mannschaft diesen lediglich berühren und nicht sichern, kann die Mannschaft, die den Punt ausgeführt hat, den Ball aufnehmen und so in Ballbesitz bleiben. Sie hat einen neuen ersten Versuch. Ein Muff ist kein Fumble und kein Turnover, das blosse Berühren eines freien Balles führt nicht zu einem Ballbesitzwechsel.

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Falken Verlag, American Football, Die offiziellen Regeln, Niedernhausen 1996, ISBN 3-8068-1673-5