Internationale Jazzwoche Burghausen

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Internationale Jazzwoche Burghausen
Music Maker Revue bei der Jazzwoche Burghausen 2011
Music Maker Revue bei der Jazzwoche Burghausen 2011
Allgemeine Informationen
Ort Wackerhalle & Stadtsaal, Burghausen
Genre Jazz, blues
Veranstalter Joe Viera
Zeitraum 1970–heute
Website www.b-jazz.com

Die Internationale Jazzwoche Burghausen ist ein seit 1970 jährlich im Frühjahr stattfindendes Jazzfestival im oberbayerischen Burghausen.

Hauptteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Festival hat sich in Bayern als eine der regelmäßigen Veranstaltungen dieser Art mit hochrangigen nationalen und internationalen Gästen etabliert. So traten u. a. Chris Barber, Roy Hargrove, McCoy Tyner und Dave Brubeck in Burghausen auf. 2006 waren die folgenden Künstler zu hören: Jan Garbarek, Viktoria Tolstoy, Ron Carter, Lalo Schifrin & die BBC Bigband, Abdullah Ibrahim, Ernestine Anderson und Diane Schuur. Eine Neuerung ist seit 2006 der „Next Generation Day“, d. h. an einem Sonntag treten dort Newcomer auf. (2006: Cyminology, Nadia Maria Fischer, Tré und Christian Krischkowsky). 2009 wurde im Rahmen der Jazzwoche erstmals der Europäische Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis vergeben. Fester Bestandteil der Jazzwoche ist auch ein Blueskonzert, bei dem u. a. Big Jay McNeely, Gene Conners, John Lee Hooker Jr., Joe Louis Walker, Dana Gillespie oder Angela Brown[1] aufgetreten sind.

Neben den Hauptkonzerten gibt es in dieser Woche ein Zusatzprogramm, wie z. B. Jazznights in Lokalen und Gaststätten der Altstadt, einen Frühschoppen oder Jam-Sessions im Jazzkeller des Mautnerschlosses.

Vom Bayerischen Rundfunk werden zahlreiche Konzerte mitgeschnitten und gesendet.

Neben der Jazzwoche wird im Juni eine Summer Jazz Night in der Altstadt veranstaltet.

In Burghausen finden außerdem regelmäßig Jazzkurse statt, die der künstlerische Leiter des Festivals, Joe Viera, ebenfalls organisiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der örtliche Gerichtsvollzieher Helmut Viertl hatte im Mai 1968 den Jazzclub Birdland in Burghausen gegründet, im ehemaligen Gasthof Zum bayerischen Löwen in der Altstadt. Zuvor hatte er schon in Neuburg an der Donau einen Jazzclub gegründet.[2] Im Winter 1969/70 präsentierte Viertl im Jazzclub die Idee eines Festivals mit dem Münchner Saxophonisten Joe Viera als Organisator (Viera reiste damals auch über das Land und präsentierte Jazzfilme). Um mehr Gäste anzulocken wollte man auch Pop und Blues präsentieren. Das erste Festival fand vom 3. bis 8. März 1970 statt. Viera führte Jazzfilme vor und auf dem Abschlusskonzert traten Viera mit seiner Band und Oskar Klein mit Band auf sowie der rumänische Jazzpianist János Kőrössy, der bald darauf in die USA emigrierte. Das Abschlusskonzert wurde mehrfach auf Radio Free Europe übertragen. Viertl verließ bald darauf im Streit um die musikalische Ausrichtung den Jazzclub[3] (der Anfang 1971 einging, als der Pachtvertrag gekündigt wurde, nicht zuletzt weil bei dem jungen Publikum Drogenkonsum vermutet wurde) und gründete die IG Jazz, mit der er das nächste Festival organisierte. Auftrittsort war nun die Grübenbar. Ein weiterer Auftrittsort war der Keller des Stadtsaals und das Mautnerschloss (nach dessen Umbau 1977).

Bekannte deutsche Jazzmusiker wie Albert Mangelsdorff und Peter Herbolzheimer traten auf. Viera organisierte in Burghausen auch Jazzkurse. 1975 erhielt das Festival auch internationale Stargäste (Dollar Brand, Oscar Peterson, Joe Pass). 1976 wurde das Festival noch bekannter, als Chet Baker (er ersetzte Dexter Gordon, der krankheitsbedingt ausfiel) dort vor seinem Auftritt verhaftet wurde und bis Kaution gestellt wurde in der örtlichen Polizeizelle einsaß. Er war wegen Drogendelikten in Deutschland zur Fahndung ausgeschrieben, was bei einem Auftritt Anfang des Jahres in Hamburg noch zu keinen Problemen geführt hatte. Ebenfalls 1976 traten die Dutch Swing College Band auf, Papa Bue's Viking Jazzband und die Old Metropolitan Band. 1977 trat Benny Waters auf, 1978 Dizzy Gillespie, 1979 Horace Silver und das Art Ensemble of Chicago, 1980 Stephane Grappelli, McCoy Tyner, Max Roach und Mel Lewis, 1981 Clark Terry, Stan Getz und Ron Carter, 1982 Randy Brecker, Ray Brown, Bobby Hutcherson, 1983 Lester Bowie, Baden Powell, Benny Golson und Art Farmer. Das Festival wurde seit 1982 regelmäßig vom Bayerischen Fernsehen aufgezeichnet. 1984 zog man vom Mautnerschloss in die Wackerhalle um, da diese mehr Zuhörer fasste. Ende der 1980er Jahre beschloss man, auch das Auftaktkonzert – zuvor regionalen Musikern vorbehalten – mit internationalen Stars zu besetzen. 1988 trat Dave Brubeck auf, 1990 das Modern Jazz Quartet, 1992 Al Di Meola, 1993 Jim Hall und 1994 B. B. King. Helmut Viertl gab beim 25-jährigen Jubiläum 1994 die Leitung an seinen bisherigen Stellvertreter Herbert Hebertinger ab. Die künstlerische Leitung hatte weiterhin Joe Viera. Der Termin wurde 2000 von der zweiten Märzhälfte auf Anfang Mai verlegt und 2005 auf Mitte April. Nach dem Tod von Hebertinger 2004 übernahm Herbert Rißel (vorher für Tontechnik zuständig). Ab 2009 wurde ein Nachwuchspreis verliehen. Zum 40-jährigen Jubiläum 2009 kamen rund 8500 Besucher in die Konzerte.[4]

Europäischer Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(European Young-Musicians Jazz-Award of Burghausen)

Er wird verliehen an Nachwuchsbands (Höchstalter 30 Jahre) und ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. Preisträger waren:

Seit Einführung des Preises sind in der Jury: Joe Viera (Leitung) sowie die Musikjournalisten Roland Spiegel, Ralf Dombrowski und Reinhard Köchl.

Street of Fame[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 hat die Stadt Burghausen in der Straße In den Grüben eine sog. Street of Fame eingerichtet, um ausgewählten Jazzmusikern, die bereits in Burghausen zu Gast waren, eine Ehrung zuteilwerden zu lassen. In den Gehweg eingelassen sind rechteckige Reliefplatten, die jeweils den Namen, die Lebensdaten und die Unterschrift des Geehrten tragen. Die Street of Fame verläuft zwischen mittelalterlichen Häusern: ein Kontrast, der von den Initiatoren durchaus so beabsichtigt wurde.

Fotogalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Spiegel und Ulrich Habersetzer: "It has lines in its face: Internationale Jazzwoche Burghausen seit 1970". Stadt Burghausen in Zusammenarbeit mit BR-Klassik, Burghausen 2019, ISBN 978-3-9820505-1-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Internationale Jazzwoche Burghausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Street of Fame – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Video von Angela Browns Auftritt bei der internationalen Jazzwoche Burghausen 1990
  2. Geschichte im Folgenden hauptsächlich nach Robert Piffer, 40 Jahre Jazzwoche Burghausen, 2009. Zum Birdland Jazzclub Magisterarbeit von Simmeth.
  3. Dort gab es einerseits Spannungen zwischen Mitgliedern, die traditionellen Jazz bevorzugten und solchen wie Viertl, die Modern Jazz präferierten, andererseits drängten jüngere Mitglieder (Schüler, Lehrlinge, Studenten) auf mehr Pop, Rock, Soul und Blues. Schon im August 1968 gab es ein Free Jazz Konzert. 1969 gab es ein gut besuchtes Pop- und Bluesfestival im Jazzclub.
  4. Robert Piffer zur Jazzwoche Burghausen 2011, Jazzzeitung, 2011, Nr. 3
  5. GEMA