Internationales Baum-Archiv
Das Internationale Baum-Archiv (IBA) ist ein privates Projekt der fotografischen Dokumentierung und historischen Erforschung der Kulturgeschichte der Bäume. Es besteht daher aus der fotografischen Erfassung herausragender Bäume und Baumgesellschaften/Wald (Feldarbeit) sowie der Aufarbeitung der Schrift- und Bild-Quellen seit historischer Zeit in Buchform (Buch). Das IBA ist das weltweit einzige Archiv dieser Art und das Buch «Götterwohnungen» ein Quellenwerk für Europa, Vorderasien und den Orient.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]«Wenn es solche Bäume gibt, sind sie von jetzt an mein Thema», sagte die freischaffende Zürcher Berufsfotografin Verena Eggmann, als sie 1975 vor der 500-jährigen Linde von Linn auf dem Aargauischen Bözberg stand. Sie hatte damit bereits die beiden das IBA bestimmenden Themen in der Hand: Die Fotografie des Baumes und sein Unsichtbares, die Legende, die diesen Baum mit der in Sichtweite liegenden Habsburg verbindet. Das Erfassen forsthistorisch bedeutsamer oder mit einer Symbol- bzw. Legendentradition verbundener Bäume der Schweiz begann. Aus der Verbindung mit dem Zürcher Journalisten Bernd Steiner, den sie 1991 heiratete, entstanden ab 1985 die Ausweitung der Arbeit auf weitere Länder und die ersten Publikationen der Baumbilder und ihrer kulturellen Aspekte. 1987 gaben sie ihrem Projekt den Namen «Internationales Baum-Archiv (IBA)».
Methode und Grenzen
Der Sprung über die Schweizer Grenze erforderte methodisches Vorgehen. Die zu bereisenden Länder wurden um Standort-Listen oder Bücher der forstlich ältesten oder kulturell traditionsreichsten Bäume und ihrer nationalen oder regionalen Bedeutung angefragt. Fotografiert wurde mit Kleinbild- bis Plattenformat, hinzu kamen Gespräche mit Förstern, Gemeindebehörden, Einwohnern und für den Wissensstrand über einzelne Kulturen mit den möglichst kompetentesten Fachwissenschaftlern. Entscheidend wurde nach 1990 die Entdeckung der enormen globalen Bedeutung der Bäume in den Religionen und ihren Geschichten von der Entstehung der Welt. Schrittmacher waren hierbei die Schriften des Zürcher Gräzisten Walter Burkert, die Schriften des Keltologen und Germanologen Bernhard Meier und die Sammlung «Bibel & Orient» des Theologen Othmar Keel in der Universität Freiburg i. Ü.
Grenzen solcher Baumreisen setzten die Distanzen, die ausserberuflich vorhandene Zeit, die Finanzierung, wofür eigene Mittel nicht ausreichten. Starthilfe leisteten drei renommierte Zürcher Persönlichkeiten, weitere Hilfe kam vom Bund, vom Kanton, von Forschungsinstitutionen und dem ebenfalls in den 1980er Jahren gegründeten IBA-Verein.
Das Museum
Ende 1996 fanden die beiden IBA-Gründer ein neues Domizil in der der Stadt Winterthur gehörenden Villa Rosenberg samt kleinem Park. Der Plan war, das stark angewachsene Archiv der Öffentlichkeit zugänglich zu machen; der neue Ort mit den mächtigen, auch über 100-jährigen Bäumen, war mit dem Thema geradezu identisch.
Wenige Monate nach dem Umzug jedoch starb Verena Eggmann. Ein halbes Jahr später entschloss sich Bernd Steiner, das «Museum Internationales Baum-Archiv» dennoch zu eröffnen. Auf der Suche nach Helferinnen und Helfern lernte er die Waldpädagogin, Erwachsenenbildnerin und Märchenerzählerin Silvia Haubensak kennen. Als «Frau der Ersten Stunde» bei den Zürcher Waldschulen, übernahm Haubensak, die später Steiners Frau wurde, die noch fehlende Museumspädagogik. An die Stelle des Vereins trat eine Stiftung.
Baumreisen, Jahresausstellungen im Haus und ausser Haus im In- und Ausland, Vorträge ausser Haus sowie mit Märchen und Mythen um Bäume am Lagerfeuer im angrenzenden Wald liefen nun neben einander her. Weit verbreitete esoterische Verzerrungen und Fälschungen erforderten ständig neue Korrekturen bei Vorträgen und in eigenen Publikationen.
Plötzliches Ende
Eigene Mittel für einen planbaren Betrieb waren bald aufgebraucht, doch brachten die Projektbeiträge der Domizilstadt, die Förderung des Kantons, Preise bzw. Gaben der UBS und der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Winterthur sowie das eigene Fundraising die jährlichen Mittel für eine Ausstellung und die Feldarbeit zusammen. Ab 2003 ermöglichte ein Mäzen während fünf Jahren einen stark erweiterten Betrieb, was auch den Ankauf von Modellen antiker Baumkulte und Repliken sowie einer weltweit einzigartigen Sammlung beschnitzter Nüsse und Kerne erlaubte.
Das Ende kam plötzlich. Der Finanzcrash in den USA von 2008 wirkte sich schon 2007 auf die Geldgeber aus, die Mittel für einen weiteren Fünfjahresplan und die vorgesehene Erweiterung des Museums kamen nicht mehr zusammen. Ende 2007 schloss das «Museum Internationales Baum-Archiv (IBA)» seine Pforten.
Reiche Bilanz
Während zehn Jahren hatten mehr als 30'000 Besucherinnen und Besucher, Schulklassen sowie in- und ausländische Gruppen das Museum zur Kulturgeschichte der Bäume besucht. Höhepunkte neben den thematischen Jahresausstellungen waren die Einladungen des IBA 1990 zum ersten gesamtdeutschen Forstkongress im Lichthof der Humboldt-Universität zu Berlin und 1998/99 zur Ausstellung «Magie der Bäume» in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel.
Bei Aufgabe des Museums zählte der Bestand rund 2'000 Standorte kulturgeschichtlich bedeutender Bäume in 18 europäischen und aussereuropäischen Ländern. In Fotografien gezählt sind dies etwa 50'000 Negative und Dias, festgehalten in durchwegs hoher Qualität, kartiert und beschriftet. Der übrige Ausstellungs-Fundus umfasst gegen 400 kleine und grosse Objekte.
Die in mehreren Büchern aufgearbeitete Ernte ist indes nicht abgeschlossen. Es fehlen Nord- und Südamerika, Indien, Ostasien und Afrika – abermals und trotz schwieriger Quellenlage ein grosser Stoff für Studenten und Absolventen der Kulturgeschichte und Dendrologie. Auch die bedeutende Rolle des Baumes in Malerei, Fotografie, Musik, Literatur und Dichtung konnte in der Museumszeit nur noch in Ausstellungen thematisiert werden.
IBA erneut zugänglich
Das Ehepaar Steiner Haubensak war auch nach der Aufgabe des Museums entschlossen, das «Internationale Baum-Archiv» erneut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So kam es 2014 zur Schenkung des IBA an das Naturama des Kantons Aargau in Aarau. Mehrere Wechsel in der Leitung verhinderten jedoch neue Ausstellungen. Am Ende stand die Tatsache, dass das naturwissenschaftliche Naturama sich nicht in der Lage sah, auch das kulturwissenschaftliche IBA angemessen zu präsentieren. In der Folge kam es 2025 zu einer Weitergabe der Schenkung. Sie befindet sich nun im Besitz des ArborCityNet, einer Vereinigung von drei Hochschulen mit Sitz in Zollikofen bei Bern. Von hier aus soll das «Internationale Baum-Archiv» Lehre, Forschung und Öffentlichkeit neu zugänglich gemacht werden.
Bisherige Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zürcher Baumgeschichten, Verlag im Waldgut, Frauenfeld 1989; 2. Aufl. Werd Verlag, Zürich 1996
Baumzeit, Werd Verlag, Zürich 1995 (10 Auflagen)
Kannenfeld, Schwabe Verlag, Basel 1997
Baumgenossen, AT Verlag, Aarau 2002
Götterwohnungen, Eine Kulturgeschichte der sakralen Bäume und Haine aus 5 Jahrtausenden, Schwabe Verlag, Basel 2014
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ArborCityNet: https://arbocitynet.ch
- Zentralbibliothek Zürich (ZB), Berufs-Archiv Verena Eggmann: https://www.zbcollections.ch/home/#/content/c195425dc9f74117973177e7a5e024b2
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bernd Steiner, Mitbegründer des Internationalen Baum-Archivs und neben der Bild-Autorin Verena Eggmann Textautor der Bücher.