Intrum Justitia

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Intrum

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Rechtsform AB
ISIN SE0000936478
Gründung 1923
Sitz Stockholm, Schweden
Mitarbeiterzahl 3850 (2015)
Umsatz 602 Mio. Euro (2015)
Branche Forderungsmanagement
Website http://www.intrum.com/

Intrum bietet Credit-Management- und Inkassodienstleistungen in ganz Europa, die den Forderungskauf mit einschließen. Gegründet wurde das Unternehmen 1923 als Familienbetrieb in Stockholm, wo sich noch heute der Stammsitz befindet. 2015 beschäftigte Intrum etwa 8.000 Mitarbeiter in 24 Ländern und betreut europaweit rund 100.000 Kunden.[1]

Im November kündigte das Unternehmen die geplante Fusion (53 % zu 47 %) mit dem norwegischen Konkurrenten Lindorff an,[2] wobei das kombinierte Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen voraussichtlich große Teile seines Skandinavien-Geschäfts verkaufen muss.[3]

Am 27. Juni 2017 entstand durch den Zusammenschluss von Intrum Justitia und Lindorff der branchenführende Anbieter von Credit Management Lösungen. Seit dem 19. März 2018 agieren auch die unter Intrum Justitia und Lindorff firmierenden deutschen Gesellschaften unter der Marke Intrum, gleichzeitig wurde die Lindorff Deutschland GmbH zur Intrum Deutschland GmbH umfirmiert.[4]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intrum deckt mit ihren Dienstleistungen alle Teilbereiche des Credit Managements ab, von der Umsatz- und Cashflow-Optimierung bis zum Forderungsmanagement. Zu den Serviceleistungen des Unternehmens gehören unter anderem die Aufenthalts- und Anschriftenermittlung, die Beitreibung von B2B- und B2C-Forderungen, Langzeitüberwachung und Bewertung von Forderungsbeständen sowie Forderungspfändungen und gerichtliche Mahnverfahren. Die Hauptgeschäftsfelder lassen sich unterteilen in:

  • Forderungsmanagement und Inkasso (auch Auslandsinkasso),
  • Forderungskauf
  • Wirtschafts- und Bonitätsauskünfte,
  • Präkasso,
  • Credit-Decision,
  • Cashflow-Optimierung,
  • Zahlungsabwicklung.

Spezialisiert hat sich das Unternehmen dabei vor allem auf individuelle Kundenlösungen für Finanzdienstleister, Baugewerbe, Dienstleistungssektor, E-Commerce, Energieversorger, mietrechtliche Forderungen, Telekommunikation und Versicherungen.

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlerweile verfügt Intrum Justitia nach eigenen Angaben über eine Präsenz in mehreren europäischen Ländern: Deutschland, Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Belgien, Irland, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich, Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen, Estland und Niederlande. Über ihr Netzwerk sei Intrum darüber hinaus in rund 160 weiteren Staaten präsent.[5]

Konzernleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konzernleitung der Intrum Justitia AB besteht aus Chief Executive Officer und Präsident des Mutterhauses Mikael Ericson, Acting CFO Thomas Moss, Chief Risk Officer (CRO) Johan Brodin, Sales, Chief Brand & Communications Officer Annika Billberg, Chief Commercial Officer Anne Louise Eberhardt, Chief Investment Officer Anders Engdahl, Chief Operating Officer Cathrine Klouman, Chief Legal Officer Niklas Lundquist, Chief Human Resources Officer (CHRO) Jean-Luc Ferraton, sowie den Regionalvorständen Per Christofferson, Marc Knothe, Harry Vranjes, Alejandro Zurbano und Anette Willumsen.[6]

Börsengang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 war die Intrum Justitia Aktiebolag (AB) mit der Wertpapierkennnummer (WKN) 633824 und der ISIN SE0000936478 im NASDAQ OMX Stockholm gelistet. Seit Januar 2014 ist die Aktie auf der Nasdaq Stockholm Large Cap Liste der Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 1 Mrd. EUR gelistet. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt 1.594.893 Schwedische Kronen (SEK) (Stand 31. Dezember 2015). 2015 verteilte sich dieses auf 73.421.328 Anteile mit einem Quotenwert von 0.02 SEK je Aktie.

Der niedrigste Aktienpreis lag 2015 bei 218,10 SEK (29. Januar), der höchste bei 312,40 SEK (29. Oktober). Ende 2015 belief sich die Marktkapitalisierung von Intrum Justitia auf 20.880 Millionen (17.133) SEK. Pro Tag wurden im NASDAQ Stockholm Exchange durchschnittlich 233.834(252.157) Aktien gehandelt. Alle Handelsplätze zusammen kamen im Durchschnitt auf 575.124 Trades täglich.

Ende 2015 hatte die Intrum Justitia AB 9.266 Anteilseigner, im Vergleich zu 7.761 im Vorjahr. Die zehn Mitglieder der Konzernleitung hielten zu diesem Zeitpunkt zusammen 15.433, die Verwaltungsratsmitglieder 32.800 Aktien, die Intrum Justitia AB hielt 1.073.602 Aktien.[7]

European Payment Report[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr führt Intrum eine Umfrage durch, mit der das Zahlungsverhalten in Europa untersucht wird. Dazu werden Angaben von nahezu 10.000 Unternehmen aus 29 europäischen Staaten gesammelt und ausgewertet. Der „European Payment Report“ (EPR) liefert Zahlen zu Forderungsausfällen und -Verzögerungen. Die Ergebnisse des Berichts werden im Frühjahr jeden Jahres erhoben. So dokumentiert der EPR die Entwicklung des gesamteuropäischen Zahlungsverhaltens. Um Entwicklungen widerzuspiegeln, ergänzt Intrum den EPR kontinuierlich um neue Fragen zum internationalen Wirtschaftsleben und um weitere Länder. Der aktuelle EPR von 2016 umfasst 29 europäische Staaten und kann, wie seine Vorgänger, kostenfrei auf der Unternehmens-Homepage heruntergeladen werden.

Der EPR bildet auch die Grundlage für den länderspezifischen „Country Payment Report Germany“ den Intrum regelmäßig erstellt.[8]

Intrum in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist Intrum Justitia seit mehr als 30 Jahren tätig und betreut europaweit rund 3.000 Kunden. Im Jahre 2001 wurde die Schimmelpfeng Forderungsmanagement GmbH akquiriert und der Kundenstamm in Deutschland erheblich ausgebaut.[9] Im Jahr 2018 fusionierte Intrum Justitia mit der Lindorff Deutschland GmbH, zusammen firmieren die Unternehmen unter der Marke „intrum“.

Der deutsche Unternehmenshauptsitz befindet sich in Heppenheim. Geschäftsführer für Deutschland ist Florian Wöretshofer. Intrum ist Mitglied im größten Inkassoverband Europas, dem Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e. V. mit Sitz in Berlin.[10]

Intrum Justitia-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Intrum Justitia GmbH setzt sich für die Aufklärung im Umgang mit Geld und die Insolvenzvorbeugung ein. Auf eine Initiative hin gründete das Unternehmen am 12. Dezember 2011 eine Stiftung, um zu einem verantwortungsvollen Kredit- und Zahlungsverhalten beizutragen. Geführt wird die Stiftung unter dem rechtlichen Dach der katholischen Wilhelm Emmanuel von Ketteler-Stiftung, einer Gemeinschaftsstiftung zur Förderung der karitativen und sozialen Arbeit im Bistum Mainz. Mit der Justitia-Schuldnerberatungs-Stiftung fördert die Anbieterin von Credit Management Services die Schuldnerberatung- und Insolvenzstelle des Caritasverbandes Darmstadt e. V. und unterstützt deren Präventionsarbeit.[11] Dabei arbeitet die Intrum Justitia GmbH ausschließlich mit den erwirtschafteten Zinserträgen, sodass das Stammkapital von 25.000 Euro[12] unangetastet bleibt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma Intrum Justitia ist in der Schweiz verschiedentlich in Kritik geraten, da die von der Firma von den Schuldnern verlangten Beträge gerichtlich nicht durchsetzbar sind. Dabei handelt es sich um Verzugsschaden nach Art. 106 OR, der verlangt wird, sowie um Rechtsberatungskosten. Diese Kosten sind gesetzlich umstritten und die Firma Intrum Justitia verlangt diese trotzdem. Diese Kosten müssen gesetzlich vom Schuldner nicht bezahlt werden, obwohl dies die Firma Intrum Justitia verlangt. Nur die 5 % Verzugszins sind gesetzlich zu bezahlen.[13][14][15] Auch gab es verschiedene Klagen, wonach wegen Recherchefehlern Inkassoverfahren gegen die falschen Personen eröffnet wurden.

Auch der schweizerische Verband der Inkassogesellschaften steht in Kritik (VSI), weil diese die rechtswidrige Verzugsschadentabelle den Inkassogesellschaften vorschlägt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Intrum Justitia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unser Unternehmen. Abgerufen am 22. August 2016.
  2. Geplanter Zusammenschluss von Intrum Justitia und Lindorff. In: http://www.credit-manager.de/. Bundesverband Credit Management e.V., 16. November 2016, abgerufen am 8. Juni 2017.
  3. UPDATE 2-Intrum Justitia proposes spin-offs to meet EU demands on Lindorff merger, shares fall. Reuters, 18. Mai 2017, abgerufen am 8. Juni 2017 (englisch).
  4. Über uns. In: Webseite Intrum. Abgerufen am 22. August 2016.
  5. Intrum Justitia: Regions. In: Annual Report 2015. S. 22.
  6. Intrum Justitia Management. Abgerufen am 8. April 2013.
  7. Intrum Justitia: The share. In: Annual Report 2015. S. 29.
  8. Studie European Payment Report 2016: S. 3.
  9. Historie von Schimmelpfeng. Abgerufen am 9. April 2013.
  10. Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. Mitgliederliste. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 9. April 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/portal.inkasso.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Stiftung von Intrum Justitia. Abgerufen am 9. April 2013.
  12. Iustitia-Schuldnerberatungs-Stiftung. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 8. April 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www2.carinet.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. konsumentenschutz.ch: SKS mahnt erfolgreich gegen die Inkassofirma Intrum Justitia
  14. ktipp.ch: Intrum Justitia spielt ein unfaires Spiel
  15. budget-blog.ch: Verzugsschaden OR 106: Muss ich das bezahlen? (Memento des Originals vom 8. Dezember 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.budget-blog.ch