Irbesartan

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Strukturformel
Strukturformel von Irbesartan
Allgemeines
Freiname Irbesartan
Andere Namen

2-Butyl-3-({4-[2-(2H-1,2,3,4-tetrazol-5-yl)­phenyl]phenyl}methyl)-1,3-diazaspiro[4.4]­non-1-en-4-on (IUPAC)

Summenformel C25H28N6O
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 138402-11-6
EG-Nummer (Listennummer) 604-078-2
ECHA-InfoCard 100.119.966
PubChem 3749
ChemSpider 3618
DrugBank DB01029
Wikidata Q947266
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C09CA04

Wirkstoffklasse

Antihypertensivum

Wirkmechanismus

AT1-Antagonist

Eigenschaften
Molare Masse 428,54 g·mol−1
Schmelzpunkt
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [2]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Irbesartan ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der AT1-Antagonisten, der in der Behandlung von Bluthochdruck und leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz, falls eine ACE-Hemmer-Therapie ungeeignet ist, eingesetzt wird.

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irbesartan wird für die Behandlung folgender Krankheiten eingesetzt:[3]

  • Essentielle Hypertonie
  • Nierenerkrankung bei Patienten mit Hypertonie und Typ-2-Diabetes mellitus als Teil einer antihypertensiven Behandlung.

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mehrstufige Synthese von Irbesartan geht vom Cyclopentanon aus, wobei im ersten Schritt durch die Umsetzung mit Natriumcyanid und Ammoniak das 1-Amino-1-cyclopentancarbonitril erhalten wird. Über eine Amidbildung mit Pentansäurechlorid und anschließende basische Zyklisierung wird eine Spirozwischenverbindung gebildet. Anschließend wird in Gegenwart von Natriumhydrid und Dimethylformamid mit 4′-(Brommethyl)-biphenyl-2-carbonitril die Biphenylsubstruktur in das Molekül eingefügt. Im letzten Syntheseschritt wird mittels Natriumazid durch Bildung der Tetrazolfunktion aus der Cyanogruppe die Zielverbindung erhalten.[4]

Synthese von Irbesartan

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbindung tritt in zwei polymorphen Kristallformen auf.[1]

Das Polymorph A schmilzt bei 181 °C mit einer Schmelzenthalpie von 91 J·g−1, Polymorph B bei 186 °C mit 116 J·g−1.[1] Beide Formen stehen monotrop zueinander. Das Polymorph B ist die thermodynamisch stabile Kristallform. Die beiden polymorphen Kristallformen unterscheiden sich hinsichtlich der Tautomerie der Tetrazolstruktur. Polymorph A entspricht der 4H-Tetrazolstruktur, Polymorph B der 2H-Tetrazolstruktur.[5][6] Das Polymorph A kristallisiert in einem hexagonalen Kristallsystem, das Polymorph B dagegen in einem triklinen Kristallsystem.[1]

Krebsgefährdende Verunreinigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund von Verunreinigungen mit dem potentiell krebserregenden N-Nitrosodiethylamin (NDEA) beim Wirkstoffhersteller Aurobindo Pharma Limited aus Hyderabad gab es seit Oktober 2018 mehrere Rückrufe Irbesartan-haltiger Medikamente.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e N. Boutonnet-Fagegaltier, J. Menegotto, A. Lamure, H. Duplaa, A. Caron, C. Lacabanne, M. Bauer: Molecular Mobility Study of Amorphous And Crystalline Phases of a Pharmaceutical Product by Thermally Stimulated Current Spectrometry. In: J Pharm Sci. Band 91, 2002, S. 1548–1560, doi:10.1002/jps.10146.
  2. a b Datenblatt Irbesartan, European Pharmacopoeia (EP) Reference Standard bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 1. November 2016 (PDF).
  3. ROTE LISTE 2013. 53. Ausgabe. Verlag Rote Liste Service, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-939192-70-1, S. 662.
  4. Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dieter Reichert: Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. 2 Bände. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 1-58890-031-2; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.
  5. M. Bauer, R. K. Harris, R. C. Rao, D. C. Apperley, C. A. Rodger: NMR study of desmotropy in irbesartan, a tetrazole-containing pharmaceutical compound. In: J. Chem. Soc. Perkin Trans. 1998, S. 475–481.
  6. Z. Böcskei, K. Simon, R. C. Rao, A. Caron, C. A. Rodger, M. Bauer: Irbesartan crystal form B. In: Acta Cryst. C 54, 1998, S. 808–810.
  7. NDEA: Zweiter Irbesartan-Rückruf, erstes Irbesartan-CEP zurückgezogen. In: Deutsche Apotheker Zeitung. 11. Oktober 2018.