Dimethylformamid

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Dieser Artikel betrifft nicht Fumarsäuredimethylester, auch als Dimethylfumarat bezeichnet, für das ebenfalls die Abkürzung DMF gebräuchlich ist, das aber wesentlich andere Eigenschaften und damit auch Verwendungen hat.
Strukturformel
Strukturformel von Dimethylformamid
Allgemeines
Name Dimethylformamid
Andere Namen
  • N,N-Dimethylmethanamid
  • N,N-Dimethylformamid
  • Ameisensäuredimethylamid
  • DMF
Summenformel C3H7NO
CAS-Nummer 68-12-2
PubChem 6228
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche Flüssigkeit mit schwach aminartigem Geruch[1][2]

Eigenschaften
Molare Masse 73,10 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,95 g·cm−3 (20 °C)[1]

Schmelzpunkt

−61 °C[1]

Siedepunkt

153 °C[1]

Dampfdruck
Löslichkeit

mischbar mit Wasser und vielen organischen Lösungsmitteln[2]

Dipolmoment

3,82(8) D[3] (1,3 · 10−29 C · m)

Brechungsindex

1,4305 (20 °C)[4]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP)[5], ggf. erweitert[1]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​312​‐​332​‐​319​‐​360D
P: 201​‐​210​‐​302+352​‐​304+340​‐​305+351+338​‐​308+313 [1]
Zulassungs­verfahren nach REACH

besonders besorgnis­erregend[6]: fortpflanzungs­gefährdend (CMR)

MAK

DFG/Schweiz: 5 ml·m−3 bzw. 15 mg·m−3[1][7]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−239,3 kJ/mol[8]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Dimethylformamid (DMF), genauer N,N-Dimethylformamid, ist ein Amid der Ameisensäure. DMF wird als polares, aprotisches, organisches Lösungsmittel eingesetzt.

Die Verwendung als Lösungsmittel für Polyacrylnitril, das dessen Verwendung als Kunstfaser ermöglichte (Orlon, Dralon u. a.), wurde 1941 von Herbert Rein bei IG Farben und 1944 unabhängig bei DuPont in den USA entdeckt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die großtechnische Herstellung von DMF erfolgt auf zwei verschiedenen Wegen, nach einem einstufigen und einem zweistufigen Prozess. Bei der einstufigen Synthese wird Dimethylamin mit Kohlenmonoxid bei erhöhter Temperatur und erhöhtem Druck direkt zu DMF umgesetzt. Die Reaktion wird in der Flüssigphase mit Hilfe eines Katalysators (Natriumethanolat) durchgeführt:

Bei der zweistufigen Synthese wird die Umsetzung von Dimethylamin mit Ameisensäuremethylester durchgeführt, es entsteht Methanol als Nebenprodukt:

Beide Synthesen verlaufen mit hohen Ausbeuten ohne die Bildung nennenswerter Nebenprodukte. Die Produktaufarbeitung erfolgt in beiden Fällen durch mehrstufige Destillation.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DMF ist eine farblose bis gelbliche, schwerflüchtige Flüssigkeit, die sich mit Wasser und vielen organischen Lösungsmitteln mischt.[2] Bei Normaldruck siedet die Verbindung bei 153 °C. Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 3,93068, B = 1337,716 und C = −82,648 im Temperaturbereich von 303 K bis 363 K.[9] Wichtige thermodynamische Größen werden in der folgenden Tabelle gegeben:

Zusammenstellung der wichtigsten thermodynamischen Eigenschaften
Eigenschaft Typ Wert [Einheit] Bemerkungen
Standardbildungsenthalpie ΔfH0liquid −239,4 kJ·mol−1[10] als Flüssigkeit
Verbrennungsenthalpie ΔcH0liquid −1941,6 kJ·mol−1[10] als Flüssigkeit
Wärmekapazität cp 148,16 J·mol−1·K−1 (25 °C)[11]
2,03 J·g−1·K−1 (25 °C)
als Flüssigkeit
Kritische Temperatur Tc 649,6 K[12]
Kritische Dichte ρc 3,82 mol·l−1[12]
Verdampfungsenthalpie ΔVH0 46,7 kJ·mol−1[13]
Schmelzenthalpie ΔFH 8,95 kJ·mol−1[14]

Die Verbindung bildet azeotrop siedende Gemische mit n-Heptan bei 97 °C bei einem Gehalt von 5 Ma% bzw. mit Ethylbenzol bei 134 °C mit einem Gehalt von 15 Ma%. Keine Azeotrope werden mit Wasser, Methanol, Ethanol, Benzol, Toluol, und Acetonitril gebildet.[15]

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amid zersetzt sich unter Licht und Hitzeeinwirkung zu Dimethylamin und Kohlenstoffmonoxid.[16] Lösungen in Wasser sind hydrolysebeständig. Zusätze von Säuren oder Basen katalysieren den Zerfall in Ameisensäure und Dimethylamin.[2] Als Lösungsmittel ist die Verbindung gegenüber einer Reihe von Stoffen nicht inert. Mit Stoffen wie Natriumhydrid, Natriumtetrahydroborat, Lithiumazid, Natrium, Thionylchlorid und Triethylaluminium treten heftige Reaktionen ein. Es reagiert auch mit halogenierten Kohlenwasserstoffen, wie Tetrachlorkohlenstoff.[17]

Sicherheitstechnische Kenngrößen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dimethylformamid bildet entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt von 58 °C.[1][18] Der Explosionsbereich liegt zwischen 2,2 Vol.‑% (70 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 16 Vol.‑% (500 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).)[1][18] Hier ergibt sich ein oberer Explosionspunkt von 51 °C.[1] Der maximale Explosionsdruck beträgt 7,2 bar.[1][18] Die Grenzspaltweite wurde mit 1,02 mm bestimmt.[1][18] Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsgruppe IIA.[18] Die Zündtemperatur beträgt 440 °C.[1][18] Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T2.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitshinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl nach akuter, als auch nach chronischer Einwirkung, kann es zu einer Leberzellschädigung kommen. Histologisch zeigen sich dann mikrovesikuläre Fetteinlagerungen (Fettleber) und Veränderungen des Lebergewebes ohne ausgeprägte Entzündungen.

DMF ist in Anlage 6 zu Nummer 30 des Anhangs XVII der REACh-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 als fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 2 gelistet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q Eintrag zu N,N-Dimethylformamid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 19. Mai 2017 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c d Eintrag zu Dimethylformamid. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 1. August 2012.
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Dipole Moments, S. 9-55.
  4. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-198.
  5. Eintrag zu N,N-dimethylformamide im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  6. Eintrag zu CAS-Nr. 68-12-2 in der SVHC-Liste der Europäischen Chemikalienagentur, abgerufen am 16. Juli 2014.
  7. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 2. November 2015.
  8. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-24.
  9. Gopal, R.; Rizvi, S.A.: Vapour Pressures of Some Mono- and Di-Alkyl Substituted Aliphatic Amides at Different Temperatures in J. Indian Chem. Soc. 45 (1968) 13–16.
  10. a b Vasil'eva, T.F.; Zhil'tsova, E.N.; Vvedenskii, A.A.: Enthalpies of combustion of NN-dimethylformamide and NN-dimethylacetamide in Russ. J. Phys. Chem. (Engl. Transl.) 46 (1972) 315.
  11. Kolker, A.M.; Kulikov, M.V.; Krestov, Al.G.: Volumes and heat capacities of binary non-aqueous mixtures. Part 2. The systems acetonitrile-N,N-dimethylformamide and acetonitrile-hexamethylphosphoric triamide in Thermochim. Acta 211 (1992) 73–84.
  12. a b Teja, A.S.; Anselme, M.J.: The critical properties of thermally stable and unstable fluids. I. 1985 results in AIChE Symp. Ser., 1990, 86, 279, 115–121.
  13. Panneerselvam, K.; Antony, M.P.; Srinivasan, T.G.; Vasudeva Rao, P.R.: Enthalpies of vaporization of N,N-dialkyl monamides at 298.15 K in Thermochimica Acta 495 (2009) 1–4, doi:10.1016/j.tca.2009.05.007.
  14. Smirnova, N.N.; Tsvetkova, L.Ya.; Bykova, T.A.; Marcus, Yizhak: Thermodynamic properties of N,N-dimethylformamide and N,N-dimethylacetamide in J. Chem. Thermodyn. 39 (2007) 1508–1513, doi:10.1016/j.jct.2007.02.009.
  15. I. M. Smallwood: Handbook of organic solvent properties. Arnold, London 1996, ISBN 0-340-64578-4, S. 245–247.
  16. Daniel L. Comins, Sajan P. Joseph: Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis (en). John Wiley & Sons, Ltd, 1. Januar 2001, ISBN 9780470842898, doi:10.1002/047084289x.rd335.
  17. P.G. Urben; M.J. Pitt: Bretherick's Handbook of Reactive Chemical Hazards. 6. Edition, Vol. 1, Butterworth/Heinemann 1999, ISBN 0 7506 3605 X, S. 131, 441.
  18. a b c d e f E. Brandes, W. Möller: Sicherheitstechnische Kenngrößen. Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase. Wirtschaftsverlag NW – Verlag für neue Wissenschaft, Bremerhaven 2003.