Islamwissenschaft

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Die Islamwissenschaft (veraltet: Islamistik, auch Islamkunde) ist die wissenschaftliche Erforschung der vom Islam geprägten Kulturen und Gesellschaften in der Vergangenheit und Gegenwart. Die Kultur des Islam wird als ein wesentlicher gesellschaftsprägender Faktor angesehen und ist als solcher Gegenstand der Wissenschaft. Dies unterscheidet die Islamwissenschaft Entstehung ca. 1900 von dem seit ca. 2010 an deutschen Universitäten eingeführten Fach der Islamischen Studien oder der Islamischen Theologie. Letztere beschäftigen sich mit den normativ-exegetischen Aspekten der Religion des Islam in ihrem sozialen und gesellschaftichen Kontexten und sind nicht auf den Vorderen Orient oder Südostasien als Zielregion beschränkt. Islamwissenschaft und Islamische Theologie gründen sich unter anderen Fragestellungen auf der Auswertung islamischen arabischen Schrifttums (Koran, Hadith, Kommentare, Recht, Literatur). Die Islamwissenschft umfasst jedoch in einem viel weiteren Maße Schrifttum und materielle Quellen der von ihr untersichten Gesellschaften. An Universitäten sind Islamwissenschaft und Islamische Theologie in getrennten Einrichtungen mit unterschiedlichen Studiengängen organisiert.

Das Studienfach Islamwissenschaft umfasst Religion, Literatur, Kultur, Geschichte und Gegenwart des islamisch geprägten Vorderen Orients und Südostasiens. Zur Ausbildung der Hauptfachstudenten gehört der Erwerb umfassender Kenntnisse des Hocharabischen und einer weiteren Sprache aus einem mehrheitlich muslimisch bewohntem Land wie des Persischen oder Türkischen, unter Umständen auch des Urdu oder des Indonesischen. Grundkenntnisse der islamischen Thologien, des islamischen Rechts, der Geschichte und Gegenwart sowie klassische und moderne Ausdrucksformen der arabischen Literatur sind weitere unabdingbare Gegenstände des Studiengangs.

Die Bezeichnung der Islamwissenschaftler als „Islamisten“ ist veraltet, seitdem sie zur Verwechslung mit dem politisch verstandenen NeologismusIslamist“ führen kann.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Fachdefinitionen und Einführungen

  •  Lutz Richter-Bernburg: Wozu Islamwissenschaft?. In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte. Campus, Frankfurt am Main / New York, NY 2003, ISBN 978-3-593-37336-2.
  •  Stephan Conermann, Syrinx von Hees (Hrsg.): Islamwissenschaft als Kulturwissenschaft - Historische Anthropologie / Mentalitätsgeschichte. Ansätze und Möglichkeiten. EB, Schenefeld / Hamburg 2007, ISBN 978-3-936912-12-8 (= Bonner Islamstudien, Band 4).
  •  Peter Heine: Einführung in die Islamwissenschaft. Akademie Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004445-3 (= Akademie Studienbücher - Kulturwissenschaften).
  •  Abbas Poya, Maurus Reinkowski (Hrsg.): Das Unbehagen in der Islamwissenschaft. Ein klassisches Fach im Scheinwerferlicht der Politik und der Medien. transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-715-8.

Bibliographie

Geschichte

  •  Hartmut Bobzin: Geschichte der Arabischen Philologie in Europa bis zum Ausgang des Achtzehnten Jahrhunderts. In: Wolfdietrich Fischer (Hrsg.): Grundriß der Arabischen Philologie. Bd. III, Wiesbaden 1992, S. 155–187.
  •  Johann Fück: Die Arabischen Studien in Europa bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts. Leipzig 1955.
  •  Ludmilla Hanisch: Die Nachfolger der Exegeten. Deutschsprachige Erforschung des Vorderen Orients in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wiesbaden 2003.
  •  Rudi Paret: Arabistik und Islamkunde an deutschen Universitäten. Deutsche Orientalisten seit Theodor Nöldeke. Wiesbaden 1966.
  •  Holger Preissler: Die Anfänge der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Göttingen 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Islamwissenschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen