Izbica

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Izbica
Wappen von Izbica
Izbica (Polen)
Izbica
Izbica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lublin
Powiat: Krasnystaw
Geographische Lage: 50° 54′ N, 23° 9′ OKoordinaten: 50° 53′ 36″ N, 23° 9′ 24″ O
Einwohner: siehe Gmina
Postleitzahl: 22-375
Telefonvorwahl: (+48) 82
Kfz-Kennzeichen: LKS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK17
Nächster int. Flughafen: Flughafen Rzeszów
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 26 Schulzenämter
Fläche: 138,66 km²
Einwohner: 8347
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0606042
Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindevorsteher: Karol Jerzy Babiarz
Adresse: ul. Gminna 4
22-375 Izbica
Webpräsenz: www.izbica.ug.mbnet.pl



Izbica (jiddisch איזשביצא, Izbitz) ist ein Dorf im Powiat Krasnostawski in der Woiwodschaft Lublin in Polen. Izbica ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde (gmina wiejska).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Izbica liegt zwischen Zamość und Krasnystaw, etwa 55 km südöstlich von Lublin. Der Fluss Wieprz fließt westlich des Ortes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grabhügel der Strzyżów-Kultur datiert in die Bronzezeit.

Bis 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wurde es 1419 erstmals erwähnt. Es war Gegenstand der Auseinandersetzungen nach dem Januaraufstand gegen Russland. Dabei verlor es seine Stadtrechte und wurde der Gemeinde Tarnogóra zugeordnet.

1921 werden etwa 3.000 Einwohner gezählt, die bis zum Jahr 1939, dem Beginn der deutschen Besatzung auf 6.000 zunahmen. Mit einem Anteil von über 90 Prozent an der Gesamtbevölkerung waren die örtlichen Juden prägend für das Schtetl Izbica.[2]

1939 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1942, während des Zweiten Weltkriegs, wurde Izbica zu einem deutschen Konzentrationslager, das für wenige Monate als Durchgangslager (Ghetto Izbica) bei Judendeportationen von Łódź nach Bełżec, Sobibór und Treblinka diente. Auch etwa 8.000 deutsche Juden aus Bad Cannstatt, Franken, Aachen, Koblenz, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Düsseldorf, Essen, Duisburg und dem Rheinland sowie aus Wien waren 1942 in dieses Ghetto deportiert worden. Hinzu kamen 2.600 tschechische Juden aus Theresienstadt und etwa 2.000 slowakische Juden.[3]

Nur wenige dieser Deportierten konnten im Ghetto, das durch einen Holzzaun abgetrennt war, Werkstätten einrichten. Die meisten blieben ohne feste Arbeit. 400 junge Männer wurden im nahe gelegenen Arbeitslager Augustówka bei der Flussregulierung eingesetzt. Wer nicht durch Erwerbsarbeit, durch Tauschhandel von mitgebrachter Kleidung oder Lebensmittelpakete aus dem Reich – dies war bis zum 15. Mai 1942 erlaubt – selbst für seine Ernährung sorgen konnte, war auf die Suppe der Volksküche angewiesen:

„... an vollkommener Erschöpfung, genauer gesagt, an Hunger, starben hier täglich zwanzig bis dreißig Menschen, die zu vollkommenen Skeletten abgemagert waren. Wir bekamen aus der Gemeinschaftsküche zum Frühstück ein bitteres, schwarzes Getränk [...], zum Mittagessen eine immer gleichbeleibende, grau, gesalzene, sonst geschmacklose 'Suppe' mit einigen wenigen Graupen darin ... und einem oder zwei Stückchen Kartoffeln oder Rüben ... das Ganze war ohne eine Spur von Fett ... Brot fünf Dekagramm pro Tag“

zitiert nach Robert Kuwalek: Das kurze Leben... S. 124

Die Berichte der überlebenden polnischen und deutschen Ghettobewohner zeigen: Das gemeinsame Verfolgungsschicksal der polnischen und deutschen Juden trug nicht zu einer Solidarisierung bei, sondern verstärkte Vorurteile, Misstrauen und Neid.[4] Das Auftreten der deutschen Juden wurde oft als diskriminierend, arrogant und anmaßend empfunden; die deutschsprachigen Juden im Judenrat und in der jüdischen Polizei wurden verdächtigt, vorrangig polnische Juden auf die Deportationslisten in die Vernichtungslager zu setzen. Die vergleichsweise wohlhabenden deutschen Juden trafen auf vielköpfige orthodoxe jüdische Familien, die in ärmlichen Verhältnissen ohne fließend Wasser, Elektrizität und Toiletten wohnten.

Im Spätherbst 1942 begann die Auflösung des Ghettos und die meisten Juden wurden in die Vernichtungslager gebracht. Kräftigere Männer und Frauen, darunter vermutlich noch 3.000 deutschsprachige Juden, kamen in Arbeitslager oder ins KZ Majdanek. Der Judenfriedhof wurde geschändet, die Deportierten mussten mit Grabsteinen eigenhändig das Gefängnis des Ortes errichten.[5]

Nach der Ermordung der Juden Izbicas, die fast die gesamte Bevölkerung ausgemacht hatten, war der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg entvölkert – die Vorkriegseinwohnerzahlen erreichte Izbica nie mehr. Die wenigen Überlebenden, zum Beispiel Thomas Blatt, der seine gesamte Familie verloren hatte, flohen aus dem Land.

1945 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1975 bis 1998 gehörte das Dorf zur Woiwodschaft Zamość.[6]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Izbica als Gmina wiejska ist das Verwaltungszentrum von umliegenden Dörfer und gliedert sich in folgende Schulzenämter (sołectwo): Bobliwo, Dworzyska, Izbica (aufgeteilt in Izbica-Osada und Izbica-Wieś), Kryniczki, Majdan Krynicki, Mchy, Orłów Drewniany, Orłów Drewniany-Kolonia, Orłów Murowany, Orłów Murowany-Kolonia, Ostrzyca, Ostrówek, Romanów, Stryjów, Tarnogóra, Tarnogóra-Kolonia, Tarzymiechy Drugie, Tarzymiechy Pierwsze, Tarzymiechy Trzecie, Topola, Wał, Wirkowice Drugie, Wirkowice Pierwsze, Wólka Orłowska sowie Zalesie.

Die Gemeindeverbund hat eine Flächenausdehnung von 138,66 km². 75 % des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt, 18 % sind mit Wald bedeckt.[7]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsdurchfahrt von Izbica

Durch Izbica verläuft die Droga krajowa 17, die Landesstraße 17. Sie ist bis zur Fertigstellung der S17 Teil der Europastraße 372. Die Droga krajowa 17 verläuft von Warschau bis zur polnisch-ukrainischen Grenze.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeindeverbund hat acht Grundschulen (szkoła podstawowa) und zwei Mittelschulen (gimnazjum).

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Izbica pflegt seit dem 24. August 2008 eine Gemeindepartnerschaft mit Winterlingen in Baden-Württemberg.

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Verwandlung des guten Nachbarn. (Thomas Blatt besucht Izbica und Sobibor), Regie: Peter Nestler, 85 Minuten, Deutschland 2002.
  • Izbica – Drehkreuz des Todes. (auch über die vermauerten Grabsteine), Regie: Wolfgang Schoen, Frank Gutermuth, Deutschland 2006.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mordechai Josef Leiner (* 1802 in Tomaschov; † 1854 in Izbica), polnischer Rabbiner, chassidischer Gelehrter und Gründer der Izhbitza-Radzyn-Dynastie des Chassidismus
  • Thomas Blatt (* 1927 in Izbica; † 2015 in den USA), Buchautor und Überlebender des Aufstandes im Vernichtungslager Sobibór. Er wurde im Haus Ul. Stukowa Nr. 13 geboren.[8]
  • Philip Bialowitz (* 1929 in Izbica, Polen, † 2016 in Florida), Juwelier und Überlebender des Aufstandes im Vernichtungslager Sobibór.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Blatt: Nur die Schatten bleiben. Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibór. Berlin 2000, ISBN 978-3-7466-8068-2.
  • Robert Kuwałek: Das kurze Leben 'im Osten'. In: Birthe Kundrus, Beate Meyer (Hrsg.): Die Deportation der Juden aus Deutschland. Göttingen 2004, ISBN 3-89244-792-6, S. 112–134.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Izbica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Waltraud Schwarz: Ein ehemaliger Insasse des Nazi-Vernichtungslagers erzählt in St. Georgen von seinem schweren Schicksal. Der Überlebende von Sobibór. In: Südkurier vom 12. Juni 2009
  3. Robert Kuwalek: Das kurze Leben 'im Osten'. In: Birthe Kundrus, Beate Meyer (Hrsg.): Die Deportation der Juden aus Deutschland. Göttingen 2004, ISBN 3-89244-792-6, S. 120, Anm. 24
  4. hierzu Robert Kuwalek: Das kurze Leben... S. 125f und S. 118f
  5. 3sat Sendung Isbiza 8. Februar 2009 21:45 Uhr
  6. Dz.U. 1975 nr 17 poz. 92 (polnisch) (PDF; 802 kB)
  7. regioset.pl (pl/en)
  8. [1]"Führung" durch Izbica - Vor dem Geburtshaus von Thomas Blatt (Fotos)