Jürgen Graf (Holocaustleugner)

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Jürgen Graf (* 15. August 1951 in Basel) ist ein Schweizer Holocaustleugner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Bankbeamten und Sozialdemokraten absolvierte das Humanistische Gymnasium. Er studierte Skandinavistik, Anglistik und Romanistik und schloss 1978 mit dem Lizenziat ab. Graf arbeitete zunächst als Lehrer in der Schweiz, später in Taiwan als Dozent an einer Universität. Nach seiner Rückkehr nach Basel arbeitete er als Befrager von Asylbewerbern für den Delegierten für das Flüchtlingswesen auf dem zur Empfangsstelle umfunktionierten Rheinschiff „Basilea“. Seine Erfahrungen schilderte er 1990 in dem Buch „Das Narrenschiff“, das zu einem „Rundumschlag gegen den Missbrauch des Asylrechts“ wurde und ihm den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit einbrachte. Wirtschaftlich war das Buch ein Erfolg.[1]

1991 lernte Graf den Holocaustleugner Arthur Vogt kennen, dessen Überzeugung er sich anschloss. 1993 erschien Grafs Buch „Der Holocaust auf dem Prüfstand. Augenzeugenberichte versus Naturgesetze“, worin er den Holocaust leugnet. Graf verschickte es an viele Journalisten und Parlamentarier und wurde damit als bekennender Negationist bekannt. Infolgedessen wurde er fristlos aus dem Schuldienst entlassen.[2] Anschließend fand Graf eine Anstellung an einer nichtstaatlichen Schule in Basel, an der er Ausländern Deutschunterricht gab.

Für den Holocaustleugner Gerhard Förster schrieb er mit Unterstützung Carlo Mattognos Auschwitz. Tätergeständnisse und Augenzeugen des Holocaust, das Förster 1994 in seinem Verlag Neue Visionen herausbrachte. Unter anderem wegen dieser Publikation wurden Graf und Förster im Juli 1998 vom Bezirksgericht Baden AG zu 15 (Graf) bzw. 12 (Förster) Monaten Haft ohne Bewährung und Geldstrafen verurteilt. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, ging Graf ins Ausland. Bereits 1995 war er in Deutschland wegen Volksverhetzung zu einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden.[3]

In Veröffentlichungen sowie auf zahlreichen, von rechtsextremen und neonazistischen Gruppierungen organisierten Veranstaltungen verbreitet Graf, der Holocaust habe nicht stattgefunden. Dazu tritt er häufig als Referent auf internationalen Veranstaltungen auf. Aufgrund holocaustleugnender Aktivitäten wurde Graf in mehreren Gerichtsverfahren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz wegen Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhass, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und Beleidigung zu Geld- und Haftstrafen verurteilt.

In dem Buch „Todesursache Zeitgeschichtsforschung“, das auch unter dem Titel „Der Holocaust im Klassenzimmer“ erschien, stellt Graf in für jugendliche Leser aufbereiteter Form Szenen eines Unterrichts dar, in welchem Mädchen und Jungen gemeinsam mit der Lehrerin über den Holocaust diskutieren und dabei von ihrer ursprünglichen Überzeugung, dass es den Völkermord in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten gegeben hat, abrücken. Der Titel „Todesursache Zeitgeschichtsforschung“ bezieht sich hierbei auf den Tod der Lehrerin, dessen Umstand am Ende des Buches vage umschrieben wird und die aufgrund ihrer Unterrichtsführung vorher vom Schuldienst entlassen wurde.

Graf hat darüber hinaus zahlreiche Aufsätze für die belgisch-flämische Organisation „Vrij Historisch Onderzoek“ geschrieben, steht in engem Kontakt mit anderen Holocaustleugnern wie Germar Rudolf und Ernst Zündel und hat eine eigene Homepage im Internet.

Graf hat sich seinen letzten Haftstrafen durch Flucht nach Weißrussland, dann nach Russland entzogen. Er lebt mit seiner weißrussischen Ehefrau in Moskau. Er arbeitet eng mit Ahmed Rami von Radio Islam zusammen, dessen Bücher er übersetzt.

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Holocaust auf dem Prüfstand (1992)
  • Der Holocaust-Schwindel (1993)
  • Auschwitz – Tätergeständnisse und Augenzeugen des Holocaust (1994)
  • Todesursache Zeitgeschichtsforschung (1995)
  • Riese auf tönernen Füssen: Raul Hilberg und sein Standardwerk über den „Holocaust“ (1999)
  • Treblinka: Vernichtungs- oder Durchgangslager? (2002)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, S. 258–261.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Website von Jürgen Graf wird in der deutschsprachigen Wikipedia aus Rechtsgründen nicht verlinkt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alex Baur: Holocaust-Leugner Jürgen Graf: Heil in Moskau. In: Die Weltwoche. 29/05, abgerufen am 21. Juli 2014.
  2. Vom «Asylexperten» zum «Auschwitz-Leugner». Wie die «Schweizerzeit» Jürgen Graf Beachtung schenkte. (Memento vom 11. November 2007 im Internet Archive) In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Dezember 1999, abgerufen am 21. Juli 2014.
  3. Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, S. 259 f..