Jürgensby

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Dieser Artikel befasst sich mit Stadtteil der Stadt Flensburg namens Jürgensby; zum Ausflugs- und Butterschiff das nach diesem benannt wurde siehe Jürgensby (Schiff)
Wappen der Stadt Flensburg

Jürgensby
Stadtteil von Flensburg

Engelsby Friesischer Berg Fruerlund Innenstadt Jürgensby Mürwik Neustadt Nordstadt Sandberg Südstadt Tarup Weiche Westliche HöheLage von Jürgensby in Flensburg
Über dieses Bild
Basisdaten
Einwohner 7639 (1. Nov. 2011)
Koordinaten 54° 47′ 23″ N, 9° 27′ 23″ O54.789659.4563111111111Koordinaten: 54° 47′ 23″ N, 9° 27′ 23″ O.
Eingemeindung 1900
Räumliche Zuordnung
Stadtteilnummer 09
Bild
Jürgensbyer Hügel[1] mit St. Jürgen-Kirche

Jürgensbyer Hügel[1] mit St. Jürgen-Kirche

 

Jürgensby (dänisch: Jørgensby; Sønderjysk: Jørnsby; Petuh und niederdeutsch Jürnsby[2]) ist ein Stadtteil Flensburgs, der früher auch unter dem Namen Jürgensgaard (dänisch: Jørgensgård bzw. Jørgensgaard) bekannt war und von ungefähr 1869 bis 1900 eine eigenständige Landgemeinde im Kreis Flensburg bildete, aber noch im Jahr 1900 in die kreisfreie Stadt Flensburg eingemeindet wurde.

Der Stadtteil, aufgrund seiner Hügellage gelegentlich als Flensburgs Blankenese bezeichnet[1], gehört zum Angelner Hügelland.[3] Daher wähnen sich die Einheimischen gemäß ihrem Selbstverständnis auf Jürgensby und nicht in Jürgensby.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bildnis des Namensgebers des Stadtteils, dem Heiligen Georg beziehungsweise Jürgen, am Gemeindehaus der St. Jürgen-Kirche

Keimzelle der Ortschaft war ein Leprosen-Hospital unweit der Stadt Flensburg, dessen Schutzpatron der heilige Georg (niederdeutsch Jürgen, dänisch Jørgen) war. Dieses lag auf einer Anhöhe, wo sich der am Hang ansteigende Weg aus dem Flensburger Johannisviertel, der Weg zur Ballastbrücke und nach Fruerlund kreuzten. Möglicherweise befand sich etwas südlich hiervon ein Dorf namens Achtrup (Vgl. Achtrup).

Nach der Reformation wurde das Hospital mit vier anderen Flensburger Stiftungen zu einer neuen Hospitalsinstitution zusammengefasst, wobei der Standort St. Jürgen aufgegeben wurde. An Stelle des Hospitals entwickelte sich ein Bauernhof, der dem künftigen Dorf dem Namen gab (dänisch gård = Hof). Im 19. Jahrhundert bestand dieses aus vier selbständigen Höfen und zwei Katen, die aber alle dem Flensburger Hospital unterstanden. Gleiches galt auch für die Katensiedlung Bredeberg, ein Teil des Gebietes Hohlwege, das am Südende der Jürgensgaarder Gemarkung an der in den 1840er Jahren ausgebauten Chaussee von Flensburg nach Glücksburg lag. Diese Ortschaft, die ab den 1870er Jahren vorstädtisch ausgebaut wurde, nannte man zeitweise auch Jürgensgaardfeld. Eine weitere von Jürgensgaard abgelegte Katensiedlung war Blasberg nördlich des Lautrupsbachtals. Von dieser Ortschaft gehörte allerdings nur die Hälfte dem Hospital; der Rest unterstand dem Amt Flensburg. Auch das Adelbyer Gebiet Vogelsang sowie Blocksberg gehörten dem St. Jürgen Hospital. 1853 wurde die Jurisdiktion des Flensburger Hospitals aufgehoben. Fortan unterstand Jürgensgaard wie das gesamte Kirchspiel Adelby der Amtsverwaltung.

1864 wurde das Herzogtum Schleswig preußisch. Nach den ab 1867 durchgeführten Kommunalreformen bildete Jürgensgaard eine eigenständige Landgemeinde im Kreis Flensburg. Diese umfasste neben den genannten Ortschaften Jürgensgaard, Hohlwege und Bredeberg und Blasberg auch das direkt an der Förde gelegene Kielseng. — Blasberg und Kielseng gehören heute zu Fruerlund. — Mit der Eingemeindung von Norder- und Süder-Sankt Jürgen 1874 und der Hohlwege 1875 rückte die Grenze der Stadt Flensburg in breiter Front an die Jürgensgaarder Gemarkung. Zunächst entwickelte sich vor allem Bredeberg in Verlängerung des Norderhohlwegs an der Glücksburger Chaussee immer mehr zu einer Flensburger Vorstadt; hier entstand auch die später weitbekannte Adelbyer Meierei. Das hoch gelegene Jürgensgaard wurde in den 1890er Jahren nicht zuletzt dank der schönen Aussicht über die gegenüber liegende Altstadt zu einer bevorzugten Flensburger Wohngegend. 1900 erfolgte schließlich die Eingemeindung nach Flensburg.

Nach 1900 wurde Jürgensgaard gemäß dem von Josef Stübben aufgestellten Flächennutzungsplan städtisch ausgebaut, und zwar sowohl mit Villen als auch mit Etagenwohnungen. 1907 wurde die neue St. Jürgen-Kirche, die seither die Ortslage beherrscht, an der Stelle des früheren Leprosen-Hospitals eingeweiht. Einzelne der alten Höfe blieben jedoch noch länger bestehen, bis in den 1970er Jahren zahlreiche, teils sehr große Neubauten in Jürgensgaard entstanden.

Durch den Bau der Flensburg-Kieler Eisenbahn 1881, der Flensburger Kreisbahn ab 1885 und erst recht durch den Bau der Nordstraße (Bundesstraße 199) im Lautrupsbachtal wurde Jürgensgaard räumlich vom nördlichen Teil der Gemeinde getrennt. Die Ortschaft Blasberg wurde durch den Bau der neuen Hauptverbindung nach Mürwik 1912 an die Stadt angeschlossen. In den 1920er Jahren und verstärkt in den 1950er Jahren wurde es baulich immer mehr ein Teil von Fruerlund und wird logischerweise heute zu diesem Stadtteil gezählt. Gleiches gilt für Kielseng, das als Wohnplatz dem Ausbau des Osthafens zum Opfer fiel. Jürgensgaard wird heute mit dem alten Norder-Sankt Jürgen und dem Südwesten des alten Fruerlund zum Stadtteil Jürgensby zusammengefasst. Die ehemalige Dorfstraße zwischen Bredeberg und St. Jürgen-Kirche heißt hingegen noch heute Jürgensgaarder Straße.

1914 bis 1919 entstand das imposante Gebäude der Goethe-Schule von Paul Ziegler, das seit dem einen großen Teil des Hangs von Jürgensby beherrscht.

Gliederung des Stadtteils[Bearbeiten]

Das ehemalige Sendegebäude an der Straße Am Sender im Stadtbezirk Sender Flensburg-Jürgensby im Jahr 2013

Der Stadtteil besteht heute aus vier Stadtbezirken:[4]

St. Johannis[Bearbeiten]

St. Johannis (dänisch: Sankt Hans), unter anderem zur Vermeidung von Verwechslungen mit Adelby, häufig als Johannisviertel bezeichnet, liegt nahe der Flensburger Innenstadt. Das Johannisviertel mit seiner Kirche St. Johannis stellt einen der vier ursprünglichen Siedlungskerne der Stadt Flensburg dar. Er gilt als Keimzelle des Flensburger Stadtkerns. Als eigentliche, aber weniger bekannte Keimzelle der Stadt, gilt jedoch Adelby mit seiner Kirche St. Johannis. Im Johannisviertel liegt auch ein Areal wo eine Burg gestanden haben soll (Vgl. Dammhofareal). Ein erheblicher städtebaulicher Schaden entstand in den 1960er Jahren durch den Neubau der Handwerkskammer Flensburg in besagten Bereich.

St. Jürgen[Bearbeiten]

St. Jürgen (dänisch: Sankt Jørgen) ist die Keimzelle des Stadtteils mit der Kirche sowie dem Kapitänsviertel. Zum Teil wird St. Jürgen auch noch in Süder- und Norder- St. Jürgen (dänisch: Sønder og Nørre Sankt Jørgen) unterteilt.[5]

Jürgensgaard[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk Jürgensgaard (dänisch: Jørgensgaard) liegt östlich von St. Johannis und St. Jürgen. Die dort befindliche Teufelsbrücke verbindet Jürgensby mit Fruerlund.

Sender Flensburg-Jürgensby[Bearbeiten]

Der östliche Bereich des Stadtteils, der nach dem ehemals dort befindlichen Sender (auch Bleistift) benannt wurde. Heute erinnert außer dem Stadtbezirksnamen, noch das alte Sendegebäude und die Straße Am Sender an den ehemaligen Sender. Am 7. Mai 1945 gab Lutz von Schwerin-Krosigk über den Jürgensbyer Sender das Ende des Zweiten Weltkrieges, also die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht bekannt.[6][7] Im nahgelegenen Stadtteil Mürwik befand sich damals der provisorische Sitz der Reichsregierung. Der Sender Flensburgs befindet sich heute im Vogelsang in Engelsby.

Zentralbereiche[Bearbeiten]

Ein zentral gelegenes Nahversorgungszentrum besitzt Jürgensby nicht. Am südlichen Rand liegt jedoch der Hafermarkt, wo Einkaufsmöglichkeiten bestehen. Ein Stück weiter talwärts befindet sich zudem die Flensburger Innenstadt. Eine weitere Einkaufsmöglichkeit, stellt der Twedter Plack in Mürwik dar, der über die Bismarckstraße, die durch die Verlängerung aus Mürwiker Straße und Fördestraße auf direktem Wege erreichbar ist.

Einen optischen Zentralenbereich in Form einer Grünanlage bildet der Sankt-Jürgen-Platz, mit dem daneben liegenden Bremerplatz, oberhalb des Hafermarktes. Am Sankt-Jürgen-Platz befinden sich ein asiatisches Schnellrestaurant mit Lieferservice und die Adler-Apotheke.[8] Der Bremerplatz dient heute als Spielplatz. Am Sankt-Jürgen-Platz Laufen einige Busverbindungen vom Twedter Plack Richtung Innenstadt zusammen; zum einen die Stadtlinien und die Regionallinie aus Glücksburg über Stadion, zum anderen die (ehemaligen) AFAG Linien über Engelsby.

Kultureinrichtungen[Bearbeiten]

Neben dem Gemeindehaus der Kirche existieren, noch weitere Institutionen und Häuser in denen im Stadtteil Kulturveranstaltungen und kulturelle Angebote stattfinden. Es sind dies:

Offener Kanal Flensburg[Bearbeiten]

Die Theaterschule Flensburg im Palast-Theater-Gebäude (2014)

Der Offene Kanal Flensburg ist ein Fernsehsender, dessen Programm von volljährigen Bürgern, mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein, Hamburg oder der Region Syddanmark liegt. gestaltet wird. Darüber hinaus bietet die Institution Schnittplätze, einen Verleih von Kamera-Hardware sowie Kurse zum Thema Filmen an. Darüber hinaus stellt sie auch Proberäume, Ateliers und Räumlichkeiten für Vereinstreffen zur Verfügung. Seit 2015 befindet sich hier auch der Hackerspace des Nordlab e.V..

Theaterschule Flensburg im Palast-Theater-Gebäude[Bearbeiten]

Die Theaterschule Flensburg befindet sich in einem ehemaligen Kino, dem Palast-Theater, am Adelbyer Kirchenweg zur Bismarkstraße hin. Das Kino Palast-Theater wurde 1955 erbaut und bestand bis 2003. Die heutige dort ansässige Theaterschule bietet Kurse zum erlernen des Schauspiels an. Eine ähnliche Möglichkeit bietet die nahgelegne Theaterwerkstatt Pilkentafel an. Das Gebäude liegt nahe der Teufelsbrücke und somit nahe Fruerlund.[9]

Theaterwerkstatt Pilkentafel[Bearbeiten]

Die Theaterwerkstatt Pilkentafel bietet ähnliche Möglichkeiten wie die nahgelegene Theaterschule Flensburg, ist jedoch wesentlich älter als diese.[10]

Panorama von Jürgensby, gesehen vom Westufer

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerret L. Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860-1930. Flensburg 2009. S. 106 ff. ISBN 978-87-89178-73-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Gerhard Nowc: Einsamer Tod und Idylle am Hang: Flensburgs Blankenese. In: Flensburger Tageblatt. 4. Juli 2009 (Artikel online lesen beim Verein zur Erhaltung der östlichen Altstadt Flensburgs St. Jürgen / St. Johannis e.V., abgerufen am 12. März 2015).
  2.  Paul Selk (Hrsg.): Flensburger Anekdoten. 1. Auflage. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft mbH u. Co. KG, Husum 1978, ISBN 3-88042-072-6, 6. Winterschlacht 1888 up'n Flensborger Haaben, S. 25–28 (unter der Mitarbeit von Renate Delfs).
  3. Bernhard Asmussen: Die Landschaft Angeln. Heimatverein der Landschaft Angeln e.V., abgerufen am 13. März 2015.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatZahlenspiegel Teil 3: Stadtteile. Stadt Flensburg, abgerufen am 2014-28-01.
  5. Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860-1930. Flensburg 2009. Seite 99 und 102
  6. Der Spiegel: Es ging nicht anders, Wie Hitlers Nachfolger Karl Dönitz versuchte, den Geist der NS-Zeit über die Stunde Null hinwegzuretten, vom 8. Mai 1995; abgerufen am: 30. Januar 2014
  7. Österreichische Mediathek: Bekanntgabe der deutschen Kapitulation im Radio; abgerufen am: 30. Januar 2014
  8. http://www.flensburg-mobil.de/einrichtungen/adler-apotheke-24943-flensburg/kategorien/kindergaertenkindertagesstaetten-2/seite/4.html
  9. http://www.theaterschule-flensburg.de/
  10. http://www.pilkentafel.de/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jürgensby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien