Marineschule Mürwik

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Marineschule Mürwik
— MSM —
Wappen der Marineschule Mürwik
Verbandsabzeichen
Aufstellung Kaiserliche Marine: 1910 (Eröffnung)
Deutsche Marine: 5. Juli 1956 / 1. November 1956 (Schulbetrieb)
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Marine Marine
Typ Marineschule
Unterstellung Wappen Marinekommando
Standort Kiel (1956)
Flensburg-Mürwik (seit 1956)
Führung
Kommandeur Flottillenadmiral Carsten Stawitzki[1]

Die Marineschule Mürwik (MSM) in Flensburg-Mürwik ist die Offizierschule der Deutschen Marine. Die Marineschule diente ursprünglich als Offiziersschule der Kaiserlichen Marine. Anschließend diente sie in entsprechender Funktion der Reichsmarine und der Kriegsmarine. Die Altbaubestände des Ensembles der Marineschule wurden als Kulturdenkmale des Stadtteils Mürwiks geschützt.

Lage und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marineschule von der Förde aus gesehen (2014)

Architekt war Baurat Adalbert Kelm von der Marinebauverwaltung in Kiel. Vorbild war die Ordensburg Marienburg, was dem Wunsch des Kaisers Wilhelm II. entsprach.[2]

Der Gebäudekomplex aus rotem Backstein liegt an der Flensburger Förde und wird deshalb auch als Rote Burg an der Förde,[3] wie auch als Rotes Schloss am Meer[4] bezeichnet. Auf der Südseite liegt in einer Schlucht zudem der Bach Osbek.

In der Umgebung wurden weitere Gebäude für die MSM errichtet, darunter der Marine-Wasserturm und das Marinelazarett.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marineschule Mürwik mit deutlicher Burgoptik von der Landseite um 1910

Vorplanungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ersten Flottengesetz von 1898 begann die Aufrüstung der Flotte. Statt 70 bis 80 mussten 200 Seekadetten pro Jahrgang ausgebildet werden. Deshalb schlug der damalige Staatssekretär des Reichsmarineamts Admiral Alfred von Tirpitz den Neubau in Mürwik vor.[6] Sie sollte als Ersatz für die 1888 fertiggestellte Marineakademie und -schule Kiel errichtet werden. Vizeadmiral Volkmar von Arnim sah in Kiel auch politische (sozialdemokratische) Gefährdungen des Marinenachwuchses.[7] Wie ihre Vorgängerin sollte die MSM also der Kaiserlichen Marine zur Ausbildung von Seeoffizieren dienen. Am 22. Juni 1903 genehmigte Kaiser Wilhelm II. die Verlegung. Der Magistrat der Stadt Flensburg bot am 9. Mai 1905 ein 15 ha großes Gelände im fast unbesiedelten Mürwik kostenlos unter der Bedingung an, dass die Marineschule bis zum 1. April 1909 dorthin verlegt werden würde. Die Marine stimmte zu und kaufte 2 ha hinzu.

Errichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marineschule Mürwik wurde schließlich ab 1907 als Ersatz Marineakademie und -schule Kiel gebaut. Nur drei Jahre später, am 3. Oktober 1910 konnte der Ausbildungsbetrieb der neu errichteten Schule beginnen.[8] Kurz darauf am 21. November 1910 reiste der Kaiser in Begleitung von Admiral von Tirpitz mit dem Depeschenboot Sleipner an und weihte offiziell den Neubau ein.[9][10]

Weltkriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Offizierschule diente die MSM später auch der Reichsmarine und der Kriegsmarine.[11]

1920 mussten die Deutschen Soldaten die Stadt verlassen; denn sie sollten an der bevorstehenden Volksabstimmung zur Zugehörigkeit zu Deutschland oder Dänemark nicht teilnehmen. Britische Soldaten zogen in die Marineschule. Das besagte Regiment der Sherwood Foresters sollte den Ablauf der Volksabstimmung in Schleswig überwachen. Schon im Juni 1920 bezog die Reichsmarine die Marineschule wieder.[12][13]

Während des Zweiten Weltkrieges blieb die Marineschule bei den Luftangriffen auf Flensburg unbeschädigt. Am Ende des Weltkrieges und des Dritten Reichs war die Schule nach dem 3. Mai 1945 kurzzeitig Teil des Sonderbereichs Mürwik. Die angrenzende Marinesportschule diente der geschäftsführenden Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz als Regierungssitz. Am 13. Mai 1945 kam es zu einem Zwischenfall, bei dem der Kommandeur der Schule Kapitän zur See Wolfgang Lüth von einem Wachsoldaten erschossen wurde. Am 23. Mai 1945 besetzten die Alliierten den Sonderbereich Mürwik und verhafteten die Regierung Dönitz.

Nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Weltkrieg wurde die Schule zunächst als Teil des Marinelazarettes, dann als Pädagogische Hochschule (PH) und als Zollschule genutzt.

Die erwähnte PH zog später zum Volkspark um. In den 1990er Jahren entwickelte sich die PH zur Flensburger Universität. Sie liegt heute beim Sandberg. Von 1950 bis 1956 befand sich in einem großen Teil der Marineschule die besagte Zollschule Flensburg, die im Jahr 1938 in Flensburg eingerichtet worden war. 1956 benötigte die Marine das Gebäude wieder und die Zollschule verließ Flensburg. Die Innerdeutsche Grenze hatte an Bedeutung gewonnen und der Kalte Krieg hatte begonnen.

Zum 2. Mai 1956 wurde die Marine-Akademie in Kiel-Holtenau aufgestellt.[14] Bereits am 2. Juli 1956 wurde sie im Zuge der Verlegung nach Flensburg-Mürwik in Marineschule Mürwik umbenannt und von der neu gegründeten Bundesmarine (seit 1990 „Deutsche Marine“) übernommen, die dort bis heute ihre Offiziere ausbildet. Im Herbst 1959 endete die zivile Nutzung endgültig und die Marineschule wurde alleiniger Hausherr.[15][16]

Gliederung und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptgebäude mit Turm und Remter, 2007
Die Gorch Fock II am Liegeplatz vor der Marineschule (2013)

Die Marineschule wird von einem Flottillenadmiral als Kommandeur geführt und untersteht truppendienstlich dem Abteilungsleiter Personal, Ausbildung, Organisation im Marinekommando in Rostock.[17] Sie gliedert sich in verschiedene Lehrgruppen und spezielle Organisationselemente. Dem Kommandeur der Schule untersteht außerdem das Segelschulschiff Gorch Fock.

An der MSM erhalten die Offiziere der Marine ihre allgemeine militärische Ausbildung. Fach- und weiterführende Ausbildung finden an streitkräfte­gemeinsamen Ausbildungsstätten der Bundeswehr und an Fachschulen der Marine statt. Die Ausbildungsbedingungen und Ausbildungsbewertung lässt die Marineschule durch das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr fortlaufend evaluieren.[18]

Lehrgruppe Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lehrgruppe Ausbildung erarbeitet die Grundsätze der Offizierausbildung der Marine und stellt den Mittler zwischen den Vorschriften der Ausbildung und den Lehrenden dar. Zu ihr gehören die zwei Fachbereiche „Vorgesetztenausbildung“ und „Nautik“ sowie die drei Fachlehrergruppen für „Recht“, „Sprachausbildung“ und „Sport“.

Lehrgruppe A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lehrgruppe A bildet die Offiziere nach den Grundsätzen der Inneren Führung in sozialen Schlüsselkompetenzen aus.

Ausbildungsausstattung Nautische Schiffsführung (AANS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Einrichtung dient der theoretischen und praktischen nautischen Ausbildung der angehenden Marineoffiziere und von Brückenbesatzungen des Bundespolizeiamts See. Dazu wurde ein hydraulisch beweglicher Schiffsbrückensimulator installiert, der mit Videoprojektoren eine realistische Situation auf See darstellen kann. Es können verschiedene Schiffe mit entsprechendem nautischen Verhalten und Eigenschaften sowie verschiedene Wettersituationen und Zwischenfälle (Feuer, Systemausfälle, Kollision, jedoch kein Waffeneinsatz) simuliert werden. Die Brücke ist über eine Sprechanlage mit sechs weiteren Kabinen verbunden, in denen allerdings nur die für die Navigation wichtigsten Geräte installiert sind, so dass insgesamt sieben Gruppen gleichzeitig virtuell „zur See fahren“ können. In einem zentralen Briefingraum werden die Ausbildungsabschnitte vorher besprochen und die gefahrenen Manöver hinterher mit Hilfe der Computertechnik analysiert.[19]

Gorch-Fock-Übungsmast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2012 nordöstlich der Schule errichtete Gorch-Fock-Übungsmast dient der Schulung und Ausbildung an Mast und Takelage, zur Vorbereitung des Einsatzes auf dem Schulschiff Gorch Fock.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek wurde im Jahre 1910 eingerichtet.[20] Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1573 und beschäftigt sich mit der Sternennavigation. Die Bibliothek besitzt über 60.000 Medien mit einem fachspezifischen Schwerpunkt mit Bezug zur Schule und Marine. Die Bibliothek befand sich zunächst im Dachgeschoss des Mittelteils vom Hauptgebäude. Ihre Lage war von Admiral Alfred von Tirpitz festgelegt worden. Doch in der Zeit danach wechselte sie mehrfach ihren Standort. Heute befindet sie sich im Unterrichtsflügel „Süd“. Die Bibliothek hat in der Woche durchgehend von 7 bis 12 Uhr geöffnet. Montag bis Mittwoch hat sie zudem bis 16.30 Uhr und Dienstag bis Donnerstag hat sie sogar bis 19 Uhr geöffnet. Seit 2009 ist die Bibliothek auch für die Öffentlichkeit zugänglich.[21]

Planetarium der Marineschule Mürwik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marineschule Mürwik beherbergt zudem in einem ihrer Flügel im Burgbau ein Planetarium. Im benachbarten Vorort Glücksburg befindet sich das nächste öffentliche Planetarium. Beim Glücksburger Menke-Planetarium wurde aber der klassische Projektor durch eine Ganzkuppel-Video-Projektionsanlage ausgetauscht. Dort ist der alte Projektor zwar noch vorhanden wird aber gewöhnlich nicht mehr genutzt. Das Planetarium der Marineschule nutzt weiterhin einen konventionellen Projektor, der beispielsweise den Vorteil hat, dass die Sterne intensiver leuchten.

Wehrgeschichtliches Ausbildungszentrum (WGAZ) in der Kommandeursvilla[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandeursvilla (2015)
Hauptartikel: Kommandeursvilla

Die Kommandeursvilla wurde mit dem Schulgebäude gebaut und diente dem jeweiligen Kommandeur und seiner Familie als Wohnhaus. Später stand sie lange Zeit leer und verfiel. Ab 1989 wurde sie vom damaligen Landesbauamt Schleswig-Holstein erneuert. Seit 1991 beherbergt die Villa das Wehrgeschichtliche Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik. Das Wehrgeschichtliches Ausbildungszentrum dient in erster Linie der Ausbildung der Offizieranwärter und der Marineoffiziere. Auf vier Stockwerken erschließt das WGAZ die Deutsche Marinegeschichte, mit über 10.000 Objekten, bestehend aus Schiffsmodellen, Schiffswappen, Urkunden, Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Flaggen, Uniformen und weiteren maritimen Gegenständen. Der Öffentlichkeit ist es jeden Dienstag von 14:00 Uhr bis 19:00 Uhr zugänglich und zudem zu besonderen Anlässen. Das WGAZ führt auch die sogenannte Bolzenakte.

Gorch-Fock-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Gorch-Fock-Haus

Das Gorch-Fock-Haus wurde mit dem Hauptgebäude der Marineschule gebaut. Heute beherbergt es das Evangelische Militärpfarramt und das Dezernat S 12 des Bundessprachenamts als Sprachendienst der Marineschule.

Schloss- und Garnisonkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der Schule sollte auch eine zugehörige Garnisonkirche errichtet werden.[22] Die Pläne sahen zunächst an der Wasserseite, nördlich der Schule eine große doppeltürmige Schlosskirche vor, die von der später ebenfalls nicht weiter ausgebauten Burgmauer mit umschlossen sein sollte.[23] Die Pläne wurden jedoch nicht realisiert. Die Aula sollte deshalb als Andachts- und Kirchenraum mitbenutzt werden. In der Weimarer Republik fehlte das benötigte Geld. In der NS-Zeit zeigte der Nationalsozialistische Staat kein Interesse.[24] Seit den 1930er Jahren besaß der Stadtteil Mürwik aber eine kleine Kapelle. In den 1950er Jahren beteiligte sich die Bundeswehr am Bau der Christuskirche, die seitdem mit als Garnisonkirche des Stützpunktes dient. Um 2000 wurde zudem im Hauptgebäude der Schule eine kleine ökumenische Kapelle eingerichtet. Sie befindet sich neben der Aula der Schule, welche weiterhin zeitweise mitbenutzt wird.[24]

Räumlichkeiten im Hauptgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Remter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Remter beziehungsweise Speisesaal liegt am oberen Ende der zentralen Freitreppe zur Wasserseite des Hauptgebäudes. Die Remterwände wurden mit verschiedenen, prachtvollen Motiven zur Geschichte der Marine bemalt.

Der Remter erhielt Glasfenster mit den Wappen der fünf wichtigsten Marinehäfen: Danzig, Flensburg, Kiel, Sonderborg und Wilhelmshaven. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fenster von Flensburg, Wilhelmshaven und Kiel wurden im Jahr 2010 durch eine Spende der Marine-Offizier-Vereinigung anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens ersetzt.

Aula[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kassettendecke der Aula mit rechtsblickendem Reichsadler

Die Aula wurde von Adalbert Kelm zeitgleich mit dem Bau der Schule geplant und ausgeführt. Die Decke der Aula beherbergt die 26 Wappen der Bundesstaaten des ehemaligen Kaiserreichs.[25] Gemäß der damaligen Verfassung waren die Landstreitkräfte Ländersache, während die „kaiserliche“ Marine allein vom Reich getragen wurde. Kelm wollte in diesem Kontext mit der Deckengestaltung auf die Einheit des Reiches verweisen.[26] Der Reichsadler im Zentrum der Decke blickt ungewöhnlicherweise nach rechts, damit aber auch zur Wasserseite mit der Flensburger Förde.

Zollkantine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kantine aus der Zeit der Mürwiker Zollschule im Untergeschoss des Hauptgebäudes. Die Abbildung mit den fröhlich trinkenden Zöllnern über der Kantinentür stammt vom Maler Otto Thämer der mit entsprechenden Malarbeiten von 1944 bis 1955 beschäftigt war.[27]

Liegenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Schule gehörten und gehören neben der eigentlichen Marineschule, die im Stil der Backsteingotik gebaut wurde, noch weitere umliegende Gebäudeeinheiten, die zum Großteil wesentlich später entstanden und damit in anderen Baustilen errichtet wurden.

Torwache der Marineschule Mürwik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Torwache der Marineschule Mürwik dient als Hauptzugang zur Marineschule.

Bootshafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bootshafen der Marineschule Mürwik wurde zeitgleich mit dem Bau der Marineschule erstellt und befindet sich unterhalb der Freitreppe. Er ist Liegeplatz für Motor- und Segelboote, die für die seemännische Ausbildung benötigt werden.

Trampedach-Lager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim früheren Trampedachlager handelt es sich um 1937 gebaute Unterkunftsbaracken für Offizieranwärter der Kriegsmarine. Am 22. Februar 1940 wurde das Lager nach Fregattenkapitän Claus Trampedach benannt, der in der Nordsee gefallen war. Nach 1945 als Flüchtlingsunterkunft genutzt, wurde das Lager 1956 von der Bundesmarine als Unterkunft übernommen. Fünf der ehemalig sieben Baracken wurden abgerissen (Baracke 3–7). Baracke 1 wurde wieder der militärischen Nutzung zugeführt. Baracke 2 soll zu einem Ausstellungsgebäude umfunktioniert, wo die Geschichte des „Trampedachlagers“ durch Exponate, Fotos und Info-Tafeln dargestellt wird.

Marine-Sportschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporthalle der Sportschule
Hauptartikel: Marinesportschule

Die Sportschule wurde 1936 bis 1937 gebaut und als Marinedienststelle genutzt. Dort war 1945 der eigentliche Amtssitz der Regierung Dönitz. Der Gebäudekomplex steht heute zum großen Teil unter Denkmalschutz und wird weiterhin als Sportstätte genutzt. Im nördlichen Gebäude der Sportschule wurde der Simulator für die nautische Ausbildung (AANS) eingebaut.

Marine-Reitschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst diente ein Wachhaus des Schiffsjungenschulschiffs SMS König Wilhelm als Pferdestall, für die Reitausbildung der Offizieranwärter. 1937 entstand nördlich der Sportschule bei Twedter Mark ein großer Reitstall mit zugehörigem Reitgelände. Nach 1945 wurde der besagte Reitstall zivil genutzt und 1985 abgerissen. Die dortige Straße Am Sattelplatz, die ihren Namen im Jahre 1973 erhielt, erinnert noch heute an den Reitstall mit der Reitbahn.[28] In dem angrenzenden Gebiet stehen heute Wohnhäuser. Die Liegenschaft existiert heutzutage also nicht mehr.

Schwimmbad der Marineschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungefähr unterhalb dem Trampedachlagers am Fördeufer in Richtung Twedter Mark befand sich früher das Mürwiker Freibad (auch: Mürwiker Badeanstalt), das zur Schwimmausbildung der Soldaten diente. Es ist jedoch unklar, wann es genau eingerichtet wurde. Es wurde aber zumindest in der Zeit nach dem Krieg von der Flensburger Bevölkerung stark genutzt, könnte aber schon vorher bestanden haben. Das erwähnte Freibad wurde irgendwann nach 1965 wegen Baufälligkeit von der Marine abgerissen.[29] Zuvor, im Jahr 1963, war das städtische Hallenbad im Bahnhofsviertel in der Südstadt eröffnet worden.[30]

Nach Abrisses des Freibades baute die Bundeswehr nahe der Torwache der Marineschule Mürwik ein neues Schwimmbad, die Mürwiker Bundeswehrschwimmhalle, die heute noch besteht. Nach Initiative des Kreisschwimmverbandes beim damaligen Verteidigungsminister Georg Leber konnten dort ab September 1975 auch Zivilisten trainieren. Für die Schwimmsportler vom DLRG und von Vereinen aus dem Stadt- und Landkreisgebiet, darunter des Flensburger Schwimmklubs, bot sich die Möglichkeit, in den frühen Abendstunden dort zunächst sechs, dann acht Stunden zu trainieren. Ab Herbst 1996 erhöhten die Vereine ihre Trainingseinheiten in der Halle.[31]

Stabszug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stabszug liegt gegenüber der Sportschule auf der anderen Seite der Fördestraße. Die Werkstattgebäude wurden als Lehrwerkstatt für die praktische Ausbildung der Technischen Offiziere 1939/40 erbaut. Neben besagten Gebäude an der Fördestraße befand sich damals noch das Heinz-Krey-Lager. Nach 1945 wurde es zunächst zivil genutzt. In der Zeit des Kalten Krieges befand sich im Gebäude des Stabszugs die Bundeswehr-Fachschule.

Werkstattgebäude für Waffenausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrwerkstatt für die Ausbildung der Waffenoffiziere wurde nördlich vom Trampedachlager vermutlich 1939/40 erbaut. Nach 1945 zivil genutzt und anschließend von der Bundesmarine übernommen. Die Gebäude dienten zuletzt dem früheren Fernmeldebereichs 91 als Sitz (vgl. Marinefernmeldestab 70). Die Gebäude gehören somit schon seit vielen Jahren nicht mehr zu den Liegenschaften der Marineschule.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Absolventen der Marineschule Mürwik 1929
Vereidigung vor der MSM. Auf der Förde die Gorch Fock (2006)

Jährliche öffentliche Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Tag der offenen Tür findet gewöhnlich mehrmals im Jahr statt.
  • Tag des offenen Denkmals in Flensburg findet offenbar generell mit Beteiligung der MSM statt.
  • Ratssitzung des Flensburger Rathauses, eine der Sitzungen eines Jahres findet gewöhnlich in der Aula der Schule statt. Kostenlose Karten müssen vorbestellt werden.
  • Kammerkonzert in der Aula der Schule, einmal jährlich. Karten müssen im Vorverkauf erworben werden.[32]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl H. Peter: Seeoffizieranwärter. Ihre Ausbildung von 1848 bis heute. Mürwik 1969. Mit einigen Nachträgen von 1973 (online auf pkgodzik.de) (PDF; 2,6 MB)
  • Dieter Matthei, Jörg Duppler, Karl Heinz Kuse (Red.): Marineschule Mürwik. Hrsg. durch das Deutsches Marine Institut, Mittler & Sohn, Herford 1985, ISBN 3-8132-0216-X (2. überarb. Auflage, Herford 1989, ISBN 3-8132-0321-2).
  • Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Convent Verlag, Hamburg 2002, ISBN 978-3-934613-26-3.
  • Wolfgang Sender: Die Berufsbiografie von Marineoffizieren. Die Offizierausbildung an der Marineschule Mürwik – Bericht zur Befragung von Offizieranwärterinnen und Offizieranwärtern der Crew VII/2005 und Crew VII/2006 (= Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr. Forschungsbericht 85). August 2008, ISSN 0342-2569 (online [PDF] PDF).
  • Wolfgang Sender: Die Berufsbiografie von Marineoffizieren. Berufswahl, berufliche Erwartungen und Evaluation der Offizierausbildung an der Marineschule Mürwik – Ergebnisse der Befragungen der Crews VII/2005 bis VII/2008 (= Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr. Forschungsbericht 87). 2009, ISBN 978-3-941481-00-8, ISSN 0342-2569 (online [PDF] PDF).
  • Carsten Pietsch: Panelstudie zur beruflichen Entwicklung von Marineoffizieren. Dritter Forschungsbericht zur Berufsbiografischen Panelstudie Marineoffiziere. Ergebnisse der Befragungen der Crews VII/2005 bis VII/2009 (= Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr. Forschungsbericht 91). 2010, ISBN 978-3-941481-08-4, ISSN 0342-2569 (online [PDF] PDF).
  • Heinrich Walle (Hrsg. im Auftrag des Deutschen Marine Instituts): Moderne Ausbildung in historischen Mauern. 100 Jahre Offizierausbildung an der Marineschule Mürwik. Köllen, Bonn 2010, ISBN 978-3-88579-149-2.
  • Die neue Marineschule in Mürwik-Flensburg. In: Ministerium der öffentlichen Arbeiten (Hrsg.): Zeitschrift für Bauwesen. 62. Jahrgang (Berlin 1912), S. 173–188. (Digitalisat des gesamten Bands: urn:nbn:de:kobv:109-opus-91722, dazu Abbildungen im Bildatlas urn:nbn:de:kobv:109-opus-91782).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marineschule Mürwik – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tim Gabrys: Abschied und Neubeginn – Kommandeurswechsel an der Marineschule Mürwik. In: Marine. Bundeswehr, 20. Juni 2013, abgerufen am 12. Juli 2015.
  2. Eiko Wenzel, Henrik Gram: Zeitzeichen, Architektur in Flensburg, S. 136.
  3. Neujahrsempfang an der Marineschule Mürwik. FDP Flensburg, 2013-0130, abgerufen am 12. Juli 2015.
  4. nach dem 2002 erschienenen Buch von Jörg Hillmann und Reinhard Scheiblich
  5. Gerhard Nowc: 100 Jahre Marineschule Mürwik – Geschichte der Schule. In: shz.de. 11. August 2010, abgerufen am 12. Juli 2015.
  6. Die Welt: Eine Schule als Schauplatz deutscher Geschichte, vom: 31. Oktober 2010; abgerufen am: 2. Februar 2016
  7. Jörg Hillmann: 100 Jahre Marineschule Mürwik. Festansprache anlässlich des Festaktes am 24. November 2010. Deutsches Marine Institut 2011, S. 6.
  8. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, S. 11.
  9. Die Welt: Eine Schule als Schauplatz deutscher Geschichte, vom: 31. Oktober 2010; abgerufen am: 2. Februar 2016
  10. Vgl. Max Hecker: Depeschenboot SMS Sleipner. In: modellmarine.de. 4. Januar 2009, abgerufen am 12. Juli 2015 (private Website).
  11. Gerhard Nowc: 100 Jahre Marineschule Mürwik – Geschichte der Schule. In: shz.de. 11. August 2010, abgerufen am 12. Juli 2015.
  12. Gerhard Nowc: 100 Jahre Marineschule Mürwik – Geschichte der Schule. In: shz.de. 11. August 2010, abgerufen am 12. Juli 2015.
  13. Dieter-Jürgen Mehlhorn: Architektur in Schleswig Holstein. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Kiel/Hamburg 2016, Seite 140
  14. BM 20 – Marineschulen. Bundesarchiv-Militärarchiv, abgerufen am 13. Juli 2016 (Beständeübersicht).
  15. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Landessportschule. In: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte). 1. Auflage. Band 71. Flensburg 2009, ISBN 978-3-925856-61-7.
  16. Gerhard Nowc: 100 Jahre Marineschule Mürwik – Geschichte der Schule. In: shz.de. 11. August 2010, abgerufen am 12. Juli 2015.
  17. Axel Schimpf: Das Marinekommando in Rostock – Die Marine auf Zukunftskurs. In: Marineforum 1/2-2013, S. 22ff.
  18. Presse- und Informationszentrum Streitkräftebasis: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. In: Die Dienststellen der Streitkräftebasis. Streitkräftebasis, 25. November 2013, abgerufen am 12. Juli 2015.
  19. Presse- und Informationszentrum Marine: Schiffführungssimulator. In: Marine. Bundeswehr, 27. November 2013, abgerufen am 12. Juli 2015 (Beschreibung und Bilder der AANS).
  20. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Büchereien. In: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte). 1. Auflage. Band 71. Flensburg 2009, ISBN 978-3-925856-61-7.
  21. Deutsche Marine – Pressemeldung/ Pressetermin: Neuste Bibliothek der Bundeswehr an der Marineschule Mürwik eröffnet – sie ist für jedermann zugänglich. In: Presseportal. 3. März 2009, abgerufen am 12. Juli 2015.
  22. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, S. 23.
  23. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, S. 130.
  24. a b Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, S. 26.
  25. Wappen am ReichstagsgebÄude. Eine klar kalkulierte Dramaturgie, S. 3; abgerufen am: 9. November 2015
  26. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, S 24.
  27. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 534.
  28. Dieter Pust: Am Sattelplatz. In: Flensburger Straßennamen (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte). Band 61. Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1.
  29. Wulf Beeck: Mit Überschall durch den Kalten Krieg: Ein Leben für die Marine. 2013, S. 29 (google books [abgerufen am 13. Juli 2016]).
  30. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Hallenbad In: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009.
  31. Hans Hansen, Horst Höfer (Redaktion): 50 Jahre Sportverband Flensburg e. V. 1947–1997. Fünf Jahrzehnte Sport in Flensburg. Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Hrsg.: Sportverband Flensburg e. V. Horst Dieter Adler, Flensburg 1997, Schwimmen, S. 67–68.
  32. Kammerkonzert in der Marineschule Mürwik. In: www.marine.de. Marineschule Mürwik, 28. Januar 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.

Koordinaten: 54° 48′ 54″ N, 9° 27′ 34″ O