Jacques Handschin

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Jacques Handschin (* 5. April 1886 in Moskau; † 25. November 1955 in Basel) war ein Schweizer Organist, Musiker und Musikwissenschaftler.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jacques Handschin besuchte zunächst ein Gymnasium in Moskau und später die Handelsschule in Neuenburg. Während seiner Gymnasialzeit in Moskau erhielt er Orgelstunden durch den aus St. Gallen stammenden Organisten Friedrich Brüschweiler. Anschliessend studierte er zunächst an der Universität Basel und an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte, Philologie und Nationalökonomie. Danach folgte, ausdrücklich entgegen dem Wunsch der Eltern, das Studium der Musik bei Max Reger, Karl Straube und Charles-Marie Widor.

1909 wurde er Lehrer am Konservatorium der kaiserlichen Musikgesellschaft in St. Petersburg. Vorübergehend war er im Sommer 1912 Organist am Berner Münster. Er verzichtete auf die endgültige Wahl in dieses Amt und wurde Organist an der evangelisch-lutherischen Petri-Kirche in St. Petersburg. 1914 wurde er zum Professor am Konservatorium der kaiserlichen Musikgesellschaft in St. Petersburg berufen. Zwischen 1919 und 1920 verwaltete er die wissenschaftlich-theoretische Musikabteilung des Volkskommissariats für Bildungswesen. 1921 musste er aus politischen Gründen in die Schweiz emigrieren.

1921 promovierte er in Basel mit einer Arbeit zur mehrstimmigen Musik des 13. Jahrhunderts. Zwischen 1922 und 1924 war er Organist der Linsebühlkirche in St. Gallen. 1924 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Mehrstimmige Musik der St. Martial-Epoche an der Universität Basel. Im selben Jahr wechselte er an die Zürcher St. Peter-Kirche, wo er bis 1935 das Amt des Organisten ausübte. 1930 wurde er zum ausserordentlichen Professor an der Universität Basel ernannt. 1935 trat er das Amt des Organisten an der Basler Martinskirche an und wurde im selben Jahr auf eine ordentliche Professur für Musikwissenschaft an der Universität Basel berufen.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 gründete Handschin zusammen mit dem russischen Mathematiker Valentin Kowalenkow auf Veranlassung eines Beschlusses der wissenschaftlich-theoretische Musikabteilung des Volkskommissariats für Aufklärung ein akustisches Laboratorium, in welchem temperierte Tonleitern erforscht wurden. Neben gelegentlichen monographischen Arbeiten trat er vor allem durch seine Beschäftigung mit der mittelalterlichen Musik hervor. Grundlegend ist sein Spätwerk zur Tonpsychologie.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Toncharakter: Eine Einführung in die Tonpsychologie. Atlantis, Zürich 1948 (diverse Neuauflagen).
  • Musikgeschichte im Überblick. Räber, Luzern 1948.
  • Das Zeremonienwerk Kaiser Konstantins und die sangbare Dichtung. F. Reinhardt, Basel 1942.
  • Über das Studium der Musikwissenschaft. Hug & Co., Zürich/Leipzig 1936.
  • Strawinsky: Versuch einer Einführung. Hug & Co., Zürich/Leipzig 1933.
  • Camille Saint-Saens. Orell Füssli, Zürich 1929.
  • Über die mehrstimmige Musik der St. Martial-Epoche sowie die Zusammenhänge zwischen Notre Dame und St. Martial und die Zusammenhänge zwischen einem dritten Stil und Notre Dame und St. Martial. Habilitationsschrift Universität Basel, Basel 1924.
  • Mussorgski: Versuch einer Einführung. Orell Füssli, Zürich 1924.
  • Choralbearbeitungen und Kompositionen mit rhythmischem Text in der mehrstimmigen Musik des XIII. Jahrhunderts. Dissertation der philosophischen Fakultät der Universität Basel, Basel 1923.
  • Zur Geschichte der Orgel in Russland: Über eine neue Auffassung der Musik des XIV.–XVI. Jahrhunderts. St. Petersburg 1916.

Würdigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 vergibt die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) alle zwei Jahre den mit 10'000 Schweizer Franken dotierten Jacques-Handschin-Preis für junge Nachwuchswissenschaftler.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]