Jagdschloss Gelbensande

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Jagdschloss Gelbensande

Das Jagdschloss Gelbensande liegt in der Rostocker Heide im Norden Mecklenburg-Vorpommerns und gehört zur Gemeinde Gelbensande. Konzipiert wurde es als Sommerresidenz des mecklenburgischen Großherzogs Friedrich Franz III. und seiner Frau Anastasia Michailowna Romanowa.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1884–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1884 erteilte Großherzog Friedrich Franz III. dem bekannten Architekten Gotthilf Ludwig Möckel[1] den Auftrag eine Sommerresidenz im Gelbensander Forst zu errichten. In Anwesenheit des russischen Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow wurde am 1. Mai 1885 der Grundstein gelegt.[2] Das Richtfest konnte bereits einige Monate später am 23. September 1885 gefeiert werden. Im August 1887 war das Anwesen schließlich bezugsfertig. Die Einweihungsfeier am 25. August bildete den Abschluss der über zwei Jahre andauernden Bauarbeiten.

Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow, der den Bau mit finanzierte, und seine Söhne waren fortan alljährlich Gäste in Gelbensande, um hier der Jagd nachzugehen.[3]

1891 zeigte Architekt Möckel sein im Gelbensander Forst realisiertes Projekt auf der Internationalen Kunstausstellung in Berlin.[4]

Nach dem Tod von Friedrich Franz III. war das Jagdschloss der Witwensitz seiner Frau Großherzogin Anastasia. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Schlosses war die Verlobungsfeier am 4. September 1904 der Prinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin mit Kronprinz Wilhelm von Preußen, dem Sohn von Kaiser Wilhelm II.[5] Die Bekanntgabe der Verlobung fand im unweit gelegenen Teehaus der großherzoglichen Familie statt. Am Tage der Verlobung kam es zu einem Waldbrand um Gelbensande, der sich in Richtung des Anwesens ausbreitete. Kronprinz Wilhelm von Preußen, der Kronprinz Christian von Dänemark und Großherzog Friedrich Franz IV. zu Mecklenburg stellten ihre Tatkraft unter Beweis, indem sie sich an den Löscharbeiten beteiligten.[6] Der Großherzog blieb der Feuerwehr in Gelbensande auch später verbunden. So stiftete er im September 1932 ein Opel Löschfahrzeug mit Motorspritze.

Großherzogin-Witwe Anastasia zu Mecklenburg verließ zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Deutsche Reich. Da sie der russischen Zarenfamilie angehörte – somit Verbindungen zum Feind Russland hatte – war sie in Mecklenburg Anfeindungen ausgesetzt und verbrachte daher die folgende Kriegszeit in der Schweiz.

Am 8. November 1918 erfolgte die Anerkennung der von Sozialdemokraten getragenen Volksregierung durch Großherzog Friedrich Franz IV. Der Großherzog erklärte daraufhin am 14. November 1918 seine Abdankung, hiermit endete auch die Monarchie in Mecklenburg. Die herzogliche Familie begab sich nachfolgend ins Exil nach Dänemark, aus dem sie 1919 wieder nach Mecklenburg zurückkehrten. Jagdschloss Gelbensande ging daher vorübergehend in das Eigentum des Landes Mecklenburg über, welches vom Kabinett Wendorff regiert wurde.

Im Rahmen der Fürstenabfindung erhielt der abgedankte Großherzog Friedrich Franz IV. zu Mecklenburg das Jagdschloss Gelbensande im Jahr 1919 zurück und wohnte hier bis zum Jahr 1921. Im selben Jahr verlegte er seinen Wohnsitz nach Ludwigslust. Der Enkel der Großherzogin Anastasia, Christian Ludwig zu Mecklenburg, bewohnte das Jagdschloss jedoch weiter bis Mitte 1944.

1945–1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1945 wurde auf den benachbarten Bahngleisen ein Lazarettzug der Wehrmacht abgestellt. Der Lazarettzug hatte eine mehrwöchige Irrfahrt hinter sich. Aufgrund der Gefahr von Tieffliegerangriffen ließ Kommandant Dr. Hoffmann die 750 verwundeten Wehrmachtssoldaten im Jagdschloss und in weiteren Gebäude in Gelbensande einquartieren.[7]

Auch die sowjetischen Besatzungstruppen, die Anfang Mai 1945 das Gebiet besetzten, nutzten das Schloss weiterhin als Lazarett. Im Lazarett wurden folgend die ehemaligen Insassen des KZ-Außenlager Schwarzenpfost versorgt, die bis Kriegsende Zwangsarbeit bei den Ernst Heinkel Werken in Rostock verrichten mussten.[8] Auf dem unweit vom Jagdschloss befindlichen Friedhof wurden 48 Verstorbene unterschiedlicher Nationen – Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – begraben.[9] An sie erinnert heute eine Gedenkstätte.[10]

Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte die Enteignung der Mecklenburger Fürstenfamilie, die vor der Roten Armee nach Schleswig-Holstein in die britische Besatzungszone geflüchtet war. Im Zuge der Gründung der DDR wurde das enteignete Jagdschloss in das Volkseigentum überführt.[11]

Das Schloss wurde daraufhin dem staatlichen Gesundheitswesen zur Nutzung überlassen und diente bis 1979 als Tuberkulose-Heilstätte und Krankenhaus.[12]

Von 1980 bis 1985 diente das Schloss dem Wohnungsbaukombinat Rostock als Bauarbeiterunterkunft.[13] Nach einem Beschluss der SED-Kreisleitung sowie des Rates des Kreises Rostock wurde in dieser Zeit in Gelbensande mit Mitteln des Wohnungsbauprogramms der DDR eine Plattenbausiedlung und die dazugehörige Infrastruktur errichtet. Kritik an dieser Maßnahme wurde seitens des Kulturhistorischen Museums in Rostock geäußert. Die Einstufung des unweit davon gelegenen Jagdschlosses als Denkmal fand keine Berücksichtigung im Entscheidungsprozess.

Nach der Nutzung als Bauarbeiterunterkunft – ab 1986 – erhielt die Gemeinde das Nutzungsrecht für das Gebäude. Zwischen 1986 und 1990 folgte die kommunale Nutzung durch die Gemeinde, die dort eine Gemeindebibliothek, den Veteranen Club, und Büroräume für den Abschnittsbevollmächtigten einrichteten. Im Jahr 1988 ging das Jagdschloss dann in das Eigentum der Gemeinde Gelbensande über. Daraufhin begannen die sogenannten Feierabendbrigaden mit der Sanierung des Gebäudes.

1989–heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Wende ergaben sich neue Möglichkeiten der Nutzung. Im Juli 1990 erteilte das Ministerium für Handel und Versorgung die Erlaubnis ein Spielcasino einzurichten. Eine GmbH sollte das Unternehmen führen, während die Gemeinde mit 10 Prozent am Gewinn beteiligt werden sollte. Ein Jahr später wurde die Lizenz jedoch vom Land Mecklenburg-Vorpommern verweigert. Die Gemeinde erwarb daraufhin das Schloss im Jahr 1994 und begann 1996 mit der Sanierung des Dachgeschosses sowie der Außenfassade. Überlegungen der Gemeinde, in dem Gebäude Eigentumswohnungen, ein Hotel oder eine Kurklinik einzurichten scheiterten an der Vorgabe, dass das Gebäude weiterhin öffentlich zugänglich sein müsse.

Im Jahr 2008 wurde das Jagdschloss von der Gemeinde an einen Bauunternehmer verkauft, seither werden Teilbereiche des Gebäudes kommerziell genutzt. Die repräsentativen Räumlichkeiten des Hauptgeschosses bleiben im vertraglich vereinbarten Dauernutzungsrecht der Gemeinde, ebenso ist die Weiterführung des Museums sowie der kulturellen Veranstaltungen im Nutzungskonzept festgeschrieben.[14]

Die elf restaurierten Räume der Etage mit den vier Kaminzimmern und dem Bad des Großherzogs können auch ohne Führung besichtigt werden, gezeigt werden hier dänisches königliches Porzellan, Bauzeichnungen des Jagdschlosses sowie Jagdtrophäen und Kupferstiche. Eine Dauerausstellung informiert über die Entwicklungsgeschichte des Hauses.

Das Jagdschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordostseite des Jagdhauses
Südostseite des Jagdhauses

Großherzog Friedrich Franz III. zu Mecklenburg erteilte 1884 den Auftrag zum Bau seiner Sommerresidenz, als Standort bot sich das Jagdrevier der mecklenburgischen Landesfürsten an. Mit der wichtigste Entscheidungsgrund für den Standort waren die guten klimatischen Bedingungen in der Region während des Sommers, die sich günstig auf den Gesundheitszustand des von Asthma geplagten Großherzog auswirkten. Bereits 1878 hielt sich der Großherzog zur Kur in Gelbensande auf, ihn begeisterten seither die Umgebungsbedingungen.[15] Der Bau geht auf direkte Initiative von Großherzogin Anastasia zurück.[16]

Dem Wunsch der Hausherrin entsprechend, sollte das Haus nicht mit Türmen und anderen Stilelementen eines Schlosses überfrachtet werden, vielmehr sollte es sich in die Umgebung einfügen. Das Haus wurde als Wohnhaus konzipiert und die Inneneinrichtung nach den damalig neuesten Erkenntnissen der gesundheitlichen Verträglichkeit ausgewählt.

Mit der planerischen Ausführung wurde Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel beauftragt, die Bauausführung vor Ort leitete hingegen der Bauleiter Vogel und später der Bauleiter Diesend.[16]

Außengestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptgeschoss und das Untergeschoss sind aus Backstein errichtet, in Kombination aus roten und gelben Verblendziegeln, welche in der Ziegelbrennerei Saniter in Rostock hergestellt wurden. Die schmuckvolle Ausführung der Musterung mittels der gelben Ziegelverblendung bildet einen exzellenten Kontrast zum roten Backsteinbau, unterschiedliche Farbgebung der verwendeten Backsteine sind ein Merkmal für von Gotthilf Möckel gestaltete Fassaden. Im Gegensatz dazu das Obergeschoss, bestehend aus Fachwerk mit geputzten Ausfachungen. Das für das Fachwerk verbautet Holz stammte aus dem umliegenden Waldgebiet.

Eingangsvorbau und Laterne, russische Stilelemente

Dem Wunsch der Großherzogin entsprechend finden sich allseitig Hallen, welche Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft bieten.[16] Zugang zu diesen Hallen erlangte man über die Treppenaufgänge an den Gebäudeseiten.

Das Großherzogliche Jagdhaus orientierte sich in seiner Grundform am Stil der herrschaftlichen englischen Landhäuser.

Großherzogin Anastasias Wunsch entsprechend, wurden auch Gestaltungselemente aus russischen Schlössern und Bojaren-Häusern eingearbeitet. Diese zeigen sich unter anderem in den schmuckvollen Holzarbeiten. Hier ist besonders die hölzerne Überdachung des Haupteinganges anzumerken, in dieser Form auch an Bojarenhäusern zu finden. Der russische Doppeladler findet sich gleichfalls am Gebäude. Auch die Säulenarchitektur der Balkone und Altane lässt die russische Architektureinstreuung deutlich erkennen. Die pyramidalen Spitzhelme der Türmchen erscheinen abgeleitet vom Turm des Bojarenhaus der Romanows,[17] obgleich Architekt Möckel diese Form der Türmchen bereits an seiner 1878 im neo-gotischen Stil erbauten Villa in Dresden verwendete.

Die Treppenaufgänge zum Hauptgeschoss sind mit kunstvoll gestalteten schmiedeeisernden Geländern ausgestattet, welche den Fenstergittern des Untergeschosses gleichen.

Eine reich verzierte Ecklaterne – linksseitig des Haupteinganges – zeigt in ihrer Ausarbeitung wiederum die russischen Einflüsse auf die Gestaltung der Anbauteile, bekrönt wird die Laterne vom russischen Doppeladler.

In der Farbgestaltung des Hauses zeigt sich der gewollte Kontrast des roten und gelben Backstein mit den in weiß gehaltenen geputzten Flächen der Ausfachungen des Obergeschosses. Die in schwarz gehaltenen Holzbauteile des Jagdschlosses bilden den schmuckvollen Abschluss der äußerlichen Farbgestaltung.

Die Satteldächer und Dachgauben werden von First- und Giebelbekrönungen geschmückt, hier finden sich aus Kupfer gefertigte Kugeln mit Spitze, die als Blitzableiter dienten und auch noch heute ihren Zweck erfüllen.

Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow – Vater von Großherzogin Anastasia – unterstützte den Bau finanziell, infolgedessen nahm er auch Einfluss auf die gestalterische Ausführung des Baues.

Innengestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundrisse Hauptgeschoss und Obergeschoss Jagdhaus Gelbensande
Die Jagdhalle
Wappenschild der russischen Zarenfamilie

Das Zentrum des Hauses bildet die Jagdhalle, beim Durchschreiten des seitlichen Zuganges gelangt man in den Salon, von hier aus ist auch das Esszimmer begehbar.

Das Jagdzimmer ist der größte Raum des Hauses, mit prachtvollen Jagdtrophäen geschmückt. An den Wänden mit Holzpaneele ausgekleidet und einer hölzernen kassettierten Decke versehen. Neben liegend der Salon mit seinen ausladenden Sitzgelegenheiten. Im Esszimmer sind die Erker zu bemerken, welche Platz für Sitzgelegenheiten boten. Schmuckvoll gestaltete Kamine bilden einen weiteren Bestandteil der Innenausstattung.[18] Im Cabinet hingegen befindet sich der schmuckvolle Kaminofen mit seinen vorgelagerten Sitzplätzen. Das notwendige Kaminholz zur Befeuerung wurde vom Keller per Aufzug in die Wohnräume verbracht.

Schlafzimmer und die Badebereiche der Herrschaften befanden sich im Hauptgeschoss. Diese Räumlichkeiten standen in Verbindung mit dem Jagdzimmer, dem Cabinet und dem Salon. Das schmuckvolle Cabinet wird flankiert vom Boudoir und dem gegenüberliegenden Bad mit Toilette. An den Boudier Bereich schließt sich ein weiteres Bad an, welches mit direkten Zugang zum Schlafzimmer der Herrschaften versehen ist.

Das Gastzimmer und das Zimmer der Kammerfrau befanden sich gleichfalls in diesem Gebäudebereich, und waren vom Flurraum aus zugänglich.

Die Haupträume besitzen eine schmuckvolle Ausgestaltung und Einrichtung. In den Räumlichkeiten finden sich aufwendig gefertigte Holzelemente, teils mit aufwendigen Schnitzwerk verziert. Auch im Innenbereich sind russische Stilelemente und Einrichtungsgegenstände erkennbar. Im Hauptgeschoss ist die Innengestaltung im Originalzustand erhalten.

Mit schmuckvollen buntfarbigen Bleiglasfenstern sind die hochgestelzten Rundbogenfenster des Hauptgeschosses ausgestattet. Das durch diese Fenster einfallende natürliche Licht sorgt für eine ausgezeichnete Lichtsituation in den Innenräumen. Bemerkenswert sind die runden buntfarbigen Wappenfenster, in welche der russische Doppeladler eingearbeitet wurde. Es finden sich auch Fenster die mit buntfarbigen Butzenscheiben versehen sind.

Zwischen dem Hauptgeschoss und dem Obergeschoss wurden Doppeldecken eingezogen, welche die Schallausbreitung verhindern sollen.

Im Obergeschoss befanden sich die Räumlichkeiten des Erbgroßherzogs Friedrich Franz IV. und seiner Schwestern. Zudem befanden sich dort die Gästezimmer und die Räume der Bediensteten. Die im Obergeschoss befindliche Küche war strikt von den umliegenden Wohnräumlichkeiten abgetrennt worden. Sie verfügte über einen eigens eingebauten Speiseaufzug, der die Speisen direkt zur Anrichte transportierte. Im darüberliegenden Dachgeschoss befanden sich weitere Gästezimmer und die Warmwasseraufbereitunganlage. Das Kellergeschoss beherbergte hingegen weitere Wirtschafts-Räumlichkeiten und Diensträume.

Eine Diensttreppe aus Naturstein – für die Dienerschaft – ermöglichte den Zugang vom Kellergeschoss bis zum Obergeschoss. Neben der Anrichte die gusseiserne Wendeltreppe, die den direkten Zugang in die Küche im Obergeschoss ermöglichte. Die Herrschaften gelangten über die Haupttreppe in das Obergeschoss/Dachgeschoss und zu den Räumlichkeiten der Kinder.

Haustechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jagdschloss war mit einer Warmluftheizung ausgestattet, welche mittels Zirkulation der erwärmten Luft die Haupträume versorgte. Die erwärmte Luft wurde mittels Rohre den Räumlichkeiten zugeführt. Des Weiteren waren Kamine und Öfen in die Räumlichkeiten des Hauses eingebaut.

Sanitäranlagen und die Bäder waren mit der damalig modernsten verfügbaren Technik ausgestattet. Das Bad des Großherzoges befindet sich noch heute im Original-zustand.[19] Die Warmwasseraufbereitung war im Dachgeschoss untergebracht. Im Außenbereich wurde eigens ein Brunnen angelegt, welcher sich im Pumpenhaus befand, mittels Pumpen und Wasservorratsbehälter erfolgte die Versorgung des Jagdhauses.

Speiseaufzug und Brennstoff Aufzug – an Seilzügen aufgehängt – wurden mittels Handkurbel betrieben. Hier ist das Zahnradgetriebe zu bemerken, damit der Kraftaufwand beim Handbetrieb möglichst gering blieb.

Teehaus und Außengelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teehaus der herzoglichen Familie in den Dünen

Auch ein schlichtes Teehaus gehörte zum Jagdschloss. Es befand sich unweit des herrschaftlichen Anwesens nahe den Dünen.[20] Der pyramidale Spitzhelm des Türmchens und die typische Holzbauweise ließen den russischen und asiatischen Einfluss auf die Gestaltung des Teehauses erkennen. Die Bekanntgabe der Verlobung von Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin und Kronprinz Wilhelm von Preußen fand im Teehaus statt.

Bei der Gestaltung des Außenbereiches wurde auch darauf Wert gelegt, dass sich die Bepflanzung und deren Gestaltung in die Natur der Umgebung einfügt. Der Außenbereich wurde mit Ziersträuchern und heimischen Blumen bepflanzt, auf der Rückseite und der Vorderseite schlossen sich Ziergrünflächen an.

Auf Wunsch der Großherzogin Anastasia hatte man einen Tennisplatz angelegt. Hier ist bemerkenswert, dass sie die Brüder Laurence Doherty und Reginald Doherty – beide berühmte Tennisspieler ihrer Zeit – als ihre Gäste begrüßen konnte. Vom Tennisplatz restet heute nur noch die Bodenplatte.

Ergänzendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbild für Schloss Cecilienhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kronprinzessin Cecilie erinnerte sich gerne an den Ort ihrer Kindheit und Jugend. Die kaiserliche Familie ließ ihren Wunsch entsprechend Cecilienhof in Potsdam errichten.[21] Für das neu erbaute Schloss wurden Architekturelemente des Jagdschlosses Gelbensande übernommen, erwähnenswert sind hier besonders die Fachwerkelemente im Bereich des Obergeschosses und die Giebel.

Kirche Volkenshagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzog Friedrich Franz III. unterstützte die Wiederherstellung und Ausschmückung der Kirche Volkenshagen – Gelbensande gehörte zum Pfarrsprengel – mit beachtlichen Geldmitteln. Als Dank wurde nach seinem Tode eine Marmortafel mit Widmung am Altarplatz in der Kirche gestiftet.[22]

Automobile in Gelbensande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzogin Anastasia galt als fortschrittlich, so auch in der Wahl ihrer Fortbewegungsmittel. 1898 erwarb sie ein Automobil der Marke Panhard & Levassor Type M2F Wagonette.[23]

Die Großherzogin war die erste Protektorin des am 10. Juli 1899 im Hotel Bristol in Berlin gegründeten Deutschen Automobil Clubs. Auch die Initiative zur Gründung des DAC ging von Großherzogin Anastasia aus.[24]

Jagdschloss Gelbensande war auch Jahre später Treffpunkt der Automobil-Freunde. So lud der abgedankte Großherzog Friedrich Franz IV. und die Großherzogin die Damenabteilung des Großherzoglich Mecklenburgischen Automobilclub (G.M.A.C.) nach Gelbensande ein. Der Einladung am 15. September 1932 folgten 28 Damen in 12 Wagen.[25]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jagdschloss Gelbensande. In: Dieter Pocher: Schlösser und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. L & H Verlag, Hamburg 2005, ISBN 978-3-92-8119-90-0, S. 122–124.
  • Jörg Kirschstein: Kronprinzessin Cecilie: Die Bildbiographie der letzten deutschen Kronprinzessin. be.bra Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86-1246-66-4
  • Jagdschloss Gelbensande. In: Matthias Barth: Mecklenburgische Residenzen: landesfürstliche Repräsentationsarchitektur aus sieben Jahrhunderten. Seemann Verlag, Leipzig 1995, ISBN 978-3-36-3006-36-0, S. 89–90.
  • Wilfried Steinmüller: Das Jagdschloss Gelbensande: Residenz der mecklenburgischen Landesfürsten. Förderverein Jagdschloss Gelbensande e. V.

ungedruckte Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • Bestand: (5.12-5/1) Nr. 1511, Ministerium der Finanzen, Försterstelle zu Gelbensande 1879 verlegt nach Hirschberg, enthält auch: Das neuerbaute Jagdschloss zu Gelbensande, Laufzeit: 1847–1907.
    • Bestand: (02.26.03) Nr. 44, Großherzogliches Marstallamt, Abrechnung der Kosten des Aufenthalts einer Marstallabteilung in Gelbensande, Laufzeit: 1886.
    • Bestand: (02.26.03) Nr. 696, Nr. 697, Großherzogliches Marstallamt, Inventar des Marstalls in Gelbensande, Laufzeit: 1902.
    • Bestand: (02.26.03) Nr. 702, Großherzogliches Marstallamt, Inventar der Automobilgaragen in Gelbensande, Laufzeit: 1903.
    • Bestand: (5.12-4/2) Nr. 11384, Jagdhaus mit Zubehör der Großherzogin Anastasia im Gelbensande, Laufzeit: 1884–1933.
    • Bestand: (5.12-4/2-1) Nr. 463, Ankauf von Forstflächen aus der Großherzoglichen Forst Gelbensande für Graal Müritz, Laufzeit 1940–1941.
    • Bestand: (06.12.01/05) Nr. 1139, Kreistag/Rat des Kreises Rostock, Inventarisierung und Verbleib von Kunst- und anderen Gegenständen des Jagdschlosses Gelbensande, Laufzeit: 1948–1950.
    • Bestand: (06.12.01/05) Nr. 113, Kreistag/Rat des Kreises Rostock, Beschwerde über das Tbc-Krankenhaus Gelbensande, Laufzeit: 1949–1951.
  • Bundesarchiv
    • Bestand: DC 1/1550, DC 1/2269, DC 1/1464, Zentrale Kommission für Staatliche Kontrolle, Klärung der Eigentumsverhältnisse für das Jagdschloss Gelbensande, Mecklenburg, Laufzeit: 1949–1950.
    • Bestand: DN 1/38874, Ministerium der Finanzen, Devisenrecht und Finanzabkommen, Teil: Internationale Zusammenarbeit, Außenwirtschaft und Valutaplanung, Verwaltung des Jagdschlosses Gelbensande, Laufzeit: 1952.

Gedruckte Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingrid Möller: Durch Vereinsinitiative wieder Anziehungspunkt: Jagdschloss Gelbensande - ein Ort mit wechselhafter Geschichte. In: Mecklenburg-Magazin. Nr. 27, Schwerin 2002, S. 23.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jagdschloss Gelbensande – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cecilie von Preußen: Kronprinzessin Cecilie. Erinnerungen. Koehler & Amelang Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-733803-04-9, S. 48.
  2. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, S. 279–280 Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898
  3. Cecilie von Preußen: Kronprinzessin Cecilie. Erinnerungen. Koehler & Amelang Verlag, Berlin 2001, S. 47 f, S. 61.
  4. Centralblatt der Bauverwaltung 1891. Nr. 31, Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1891, S. 298.
  5. Iselin Gundermann: Kronprinzessin Cecilie. Edition Rieger, Neuruppin 2010, ISBN 978-3-935231-56-5, S. 7.
  6. Chronik der Feuerwehr Gelbensande, abgerufen am 12. Juli 2017.
  7. „Spurensuche“ Pilotprojekt der Regionalen Schule Gelbensande, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Landesverband Mecklenburg-Vorpommern Petra Klawitter, S.7, Ausgabe 07/2003
  8. Die Dunklen Jahre von Schwarzenpfost, abgerufen am 11. Juli 2017.
  9. Schicksal in Zahlen Informationen zur Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. S. 179 (Digitalisat).
  10. Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus: Eine Dokumentation. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen. Bundeszentrale für Politische Bildung, Berlin 1999, S. 408.
  11. Eva Lange: Jagdschloss Gelbensande bleibt Volkseigentum. Wie Königin Alexandrine von Dänemark einen Kreisrat überlistete aber an den Kontrollorganen der Republik scheiterte. In: Neues Deutschland. 18. Januar 1950.
  12. Hans Bernitt: Ein großherzogliches Jagdschloss wurde Tbc-Heilstätte. Vom alten und neuen Mecklenburg. MV Taschenbuch, Rostock 2000, S. 273–276.
  13. Christine Hannemann: Die Platte Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR. Vieweg Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 1996, S. 81 f.
  14. FAZ Deutsche Farbenlehre Teil 8, S.4, Der Durchbruch des Realen
  15. Carl Schröder: Friedrich Franz III. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 147.
  16. a b c Centralblatt der Bauverwaltung 1892. Nr. 24. Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1892, S. 252 f.
  17. Das Bojarenhaus der Romanows in Moskau, abgerufen am 11. Juli 2017.
  18. Herbert Remmel: Feuer in englischen Kaminen: das Jagdschloss Gelbensande und seine Retter. In: Schweriner Volkszeitung. 27. Mai 1997, Nr. 120, S. 5.
  19. Dörte Bluhm: Blick auf Durchlauchts Wanne. In: Norddeutsche neueste Nachrichten. 18. Mai 2000, Nr. 115, S. 8.
  20. Die Gartenlaube. Jahrgang 1905, I. Beilage zu Nr. 23, Verlag Ernst Keils Nachfolger, Leipzig 1905, S. 2.
  21. Ilka Zander: Schloss Gelbensande war Vorbild für Cecilienhof, Ostsee-Zeitung - Ribnitz-Damgartener Zeitung, Bd. 53.2005, 185 (10.8.), S. 14, Ostsee-Zeitung GmbH
  22. Carl Schröder: Friedrich Franz III. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 334–335.
  23. Gelbensande-fürstliches Jagdschloss, abgerufen am 11. Juli 2017.
  24. DAC-KAC-AvD (1899–2014), abgerufen am 11. Juli 2017.
  25. Automobilklub von Deutschland (Hrsg.): Allgemeine Automobil-Zeitung. Band 32. Verlag Delius-Klasing, Berlin 1932, S. 20, S. 59.

Koordinaten: 54° 12′ 27″ N, 12° 18′ 51″ O