Friedrich Franz III. (Mecklenburg)

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Friedrich Franz III. (Mecklenburg), Großherzog von Mecklenburg

Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin], vollständiger Name Friedrich Franz Paul Nikolaus Ernst Heinrich (* 19. März 1851 in Ludwigslust; † 10. April 1897 in Cannes, Frankreich) war Großherzog im Landesteil Mecklenburg-Schwerin und regierte zwischen 1883 und 1897.

Lebensweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbgroßherzog Friedrich Franz III. in den frühen 1880er Jahren
Großherzog Friedrich Franz III. zu Mecklenburg
Großherzogin Anastasia mit ihren Kindern Friedrich Franz IV., Alexandrine und Cecilie um 1895
Trauerzug Beerdigung des Großherzoges Friedrich Franz III., Teilnahme von über 300 Pastoren des Landes
Großherzogin Anastasia zu Mecklenburg-Schwerin, Großfürstin von Russland, Gemahlin Großherzog Friedrich Franz III.

Schulzeit und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Franz III. wurde am 19. März 1851 im Schloss Ludwigslust geboren.[1] Er war der Sohn von Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg und Auguste Reuß zu Schleiz-Köstritz, die bereits 1862 vermutlich an Tuberkulose starb. Friedrich Franz III. besuchte nach häuslicher Erziehung und Privatunterricht ein Gymnasium in Dresden. Er besuchte ab Herbst 1866[2] das öffentliche Vitzthumsche Gymnasium, das 1861 aus der Blochmannschen Erziehungsanstalt hervorgegangen war. Friedrich Franz erinnerte sich später gerne an seine Schulzeit zurück.[3] Im März 1870 legte er sein Abitur am Vitzthumsches Gymnasium ab. Es schloss sich eine Reise nach Italien an, von der er am 15. Mai zurückkehrte.

Ende Mai 1870 reiste Friedrich Franz nach Bonn um sein Jura-Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu beginnen.[4] Hier schloss er sich der Studentenverbindung Corps Borussia Bonn an, das ihn 1870 rezipierte.[5]

Reisen des Erbgroßherzoges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1874 und 1875 reiste er durch den Vorderen Orient, suchte Kairo und die Stätten der Pharaonen auf, kam nach Sinai und ins Heilige Land und machte Visite in Konstantinopel.[6] Friedrich Franz III. war sich wohl bewusst, dass dies in seiner Heimat nicht gern gesehen wurde und viele Leute „sehr schimpfen“ würden, aber das war ihm egal. Die auch in der Presse geäußerte Kritik bewertete er nur als „den Erguss einer beklemmten Schweriner Hoflieferantenseele“. Er konnte sich keinen anderen Grund denken, als dass die Schweriner Bevölkerung „ihr panem et circenses“ der winterlichen Hoffeste im Schloss vermisste.[7] 1885 verbrachten er und seine Frau den Januar in Kalkutta zu Gast des britischen Vizekönigs in Indien, Lord Dufferin, und seiner Frau, Hariot Hamilton-Temple-Blackwood.[8]

Regierungsgeschäfte und Krankheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. April 1883 verstarb der Großherzog Friedrich Franz II. an den Folgen einer Lungenentzündung.

Aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen konnte Großherzog Friedrich Franz III. die Regierungsgeschäfte zu diesem Zeitpunkt noch nicht übernehmen, er betraute das Staatsministerium in Schwerin mit der Führung der Regierungsgeschäfte. Auch eine Anreise zur Beerdigung seines Vaters war ihm nicht möglich. In Menton an der Côte d’Azur – wo sich der Großherzog aufhielt – fand daher in der dortigen deutsch-evangelischen Kirche ein Trauergottesdienst statt.[9]

Der Großherzog Friedrich Franz III. litt an Asthma und an einer Herzschwäche.[10] Die meiste Zeit seiner Regierungszeit verbrachte er am Genfersee, bei seiner Stiefmutter Marie von Schwarzburg-Rudolstadt in Palermo, in Baden-Baden sowie Cannes und ließ General Friedrich von Maltzahn (1848–1907) die Regierungsgeschäfte ausüben.

Die Aufenthalte an der Côte d’Azur während der Wintermonate dienten der Linderung seiner Asthmaerkrankung. In Cannes bewohnte Friedrich Franz die Villa Wenden in der Avenue de la Favorite, eine im Auftrag des Großherzoges im Jahr 1889 erbaute Villa, welche als Winterwohnsitz des Großherzoges diente. Familienmitglieder der Romanows wohnten auch zeitweise in dieser Villa. Bei seinen vorherigen Aufenthalten in Cannes wurde stets die Villa Isola Bella gemietet.

Das Jahr 1890 war durch des Herzogs Krankheit geprägt, mehrwöchige Bettlägerigkeit und eine nachfolgende mehrmonatige Kur in Form einer Seereise auf der Yacht Conqueror behinderten die persönliche Ausübung der Regierungsgeschäfte in Schwerin.[11]

Im Frühjahr 1897 verschlimmerte sich sein gesundheitlicher Zustand zusehends.

Tod in Cannes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Abend des 10. April 1897 verstarb Friedrich Franz III. an den Folgen des Sturzes an seiner Wohnstätte in Cannes.

Die offizielle Erklärung zum Tode des Großherzoges lautete, dass der kranke Großherzog während eines Asthmaanfalles nach Luft ringend die hoch liegende Gartenterrasse betreten habe und über das Geländer auf die Straße hinabgestürzt sei. Hier fand man ihn an der Stützmauer der Gartenterrasse liegend.[12] Die Darstellung der Freifrau Louise von Reibnitz-Maltzan[13], die als Hofdame der Großherzogin damals am Ort des Geschehens gewesen war, sprach 1922 vom „Selbstmord Großherzogs Friedrich Franz III.“[14] Die damalige Presse – wie das Sonntagsblatt Wiener Bilder – meldete im April 1897 als Todesursache des Großherzoges “Herzlähmung” oder das “aufbrechen eines Pulsadergeschwüres”.[15] Die genauen Umstände des Todes konnten nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Beerdigung in Ludwigslust[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinem Wunsch entsprechend wurde er nicht im Schweriner Dom, sondern im dafür umgebauten Helenen-Paulownen-Mausoleum im Schlosspark von Ludwigslust am 21. April 1897 beigesetzt. Vorausgegangen war die Aufbahrung in der Schlosskirche Schwerin. Welches vom Bruder und Regent Johann Albrecht veranlasst wurde, dieses widersprach allerdings den Wünschen der Großherzogin - Witwe Anastasia zu Mecklenburg. Der Leichnam sollte auf direktem Wege nach Ludwigslust verbracht werden, der Herzog hatte zu Lebenszeiten diesen Wunsch geäußert. Die vom Schweriner Marstall bereitgestellte Trauerkutsche mit dem Verstorbenen wurde von acht schwarz geschmückten Pferden gezogen, jedes der Pferde wurde einzeln von einem Pferdeknecht geführt.[16] Der folgende Trauerzug angeführt von der deutschen Kaiserin, nachfolgend die Großherzöge, die Prinzen und Fürsten des Landes. Hinter dem Hochadel die Staatsbediensteten und Militärs. Nach der Trauerfeier in der Ludwigsluster Stadtkirche wurde der Verstorbene im Helenen-Paulownen-Mausoleum beigesetzt.

Erpressungsversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Tode wurde sein Bruder Herzog Regent Johann Albrecht wie auch seine Witwe mit Erpresserbriefen bedroht.

Die Familie wandte sich an den Berliner Hauptkommissar Hans von Tresckow, der die Briefe sicherstellte.[17] Friedrich Franz vermeintliche Homosexualität war Anlass zahlreicher Spekulationen in seinem Umfeld.[18] Homosexualität bedeutete das gesellschaftliche Aus und war im § 175 des Reichsstrafgesetzbuches (RStGB) kriminalisiert. Die Kriminalisierung spielte später eine Rolle in der Harden-Eulenburg-Affäre. In diesem Skandal spielte auch der mit den Ermittlungen zu den Erpressungsversuchen betraute Hauptkommissar Hans von Tresckow eine entscheidende Rolle.[19]

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Januar 1879 heiratete Friedrich Franz III. in Sankt Petersburg die Großfürstin Anastasia von Russland (1860–1922), einzige Tochter des Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow (1832–1909) und seiner Ehefrau Prinzessin Cäcilie von Baden (1839–1891), Enkelin des russischen Zaren Nikolaus I. Das Paar hatte folgende drei Kinder:

∞ 1898 König Christian X. von Dänemark (1870–1947)
∞ 1904 Alexandra von Hannover und Cumberland (1882–1963)
∞ 1906 Wilhelm von Preußen (1882–1951)

Die Erstgeborene erhielt bei ihrer Geburt im Jahre 1879 den Namen Alexandrine nach der Großmutter des Großherzogs, der Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise. Alexandrine wurde später Königin von Dänemark.

Das zweite Kind war dann endlich im Jahre 1882 der ersehnte Thronerbe, der seinem Vater später als Friedrich Franz IV. nachfolgen sollte.[20]

Schließlich wurde im Jahre 1886 Cecilie geboren, die sich am 4. September 1904 mit Kronprinz Wilhelm von Preußen, Sohn Kaiser Wilhelms II., im Jagdschloss verlobte.

Politisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regentschaft ist von der Erkrankung des Großherzoges dominiert und zeigte weitgehend bloß repräsentativen Charakter. Staatsminister Alexander von Bülow zeichnete ab dem Jahr 1886 verantwortlich für die Regierungsgeschäfte. Wenig wirkte der ständig Kranke an politischen Entscheidungsprozessen mit. In der Winterzeit hielt sich der Großherzog aufgrund seiner Lungenerkrankung in Cannes auf. Akten wurden von Schwerin nach Cannes verbracht, der Staatsminister und der Landmarschall reisten zum Vortrag nach Cannes. Für das Land eine schwierige Zeit, welche auch einen Kontrast zur Regentschaft Friedrich Franz II. darstellte.

Angelegenheiten des Militärs galten seine besondere Aufmerksamkeit, in einen Brief von 1895 beschwört er die Einigkeit des Militärs „gute Deutsche und gute Mecklenburger zu sein; der Soldat ist nur Deutscher, da gibt es keinen Unterschied zwischen Preußen, Mecklenburger oder Bayern. Die Armee soll nach Außen verteidigen und im Inneren verbinden.“[21][22]

Während seiner Regentschaft werden an Kirchengebäuden des Landes auf seine Anweisung Renovierungsarbeiten durchgeführt, besonders erwähnenswert sind die Restaurierungsarbeiten am Doberaner Münster. Die bereits unter Friedrich Franz II. beauftragten Arbeiten überwachte er persönlich.[23]

1885[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf des Großherzogs Initiative erfolgt der Ausbau des seit 1779 bestehenden Gebäudes der Regierungsbibliothek in Schwerin. Für den Ausbau zeigten sich Baurat Daniel und Baumeister Raspe verantwortlich. Die Fertigstellung erfolgte im Juli 1886. In der Folgezeit wurden Büchersammlungen des Landes in der Regierungsbibliothek zusammengeführt. Direktor wird Carl Schröder, als enger Wegbegleiter verfasst er 1898 eine Biografie über den Großherzog.
  • Im März Stiftung einer Medaille in Silber zur Anerkennung für rühmliche Handlungen, der Rettung von Menschenleben bei Gefährdung des eigenen Lebens.

1887[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dem Parlamentarismus im Reich stand der reaktionäre Großherzog Friedrich Franz kritisch gegenüber. So schrieb er seinem Staatsminister vom “nörgelnden Parlamentarismus”, dieses bezog sich auf die Ablehnung der Militärvorlage und die folgende Reichstagsauflösung des Jahres 1887.[24] Seiner festen Überzeugung nach müsse die Armee nicht vom Reichstag, sondern vom Kaiser kommandiert werden.[25]

1888[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im März 1888 kam es zu schwerem Hochwasser in Mecklenburg, aufgrund von Schneeschmelze und Eisstauungen. Dömitz war besonders betroffen. Der Großherzog ließ umgehend erste Nothilfe anweisen. Obwohl er sich wegen seiner Erkrankung in Cannes aufhielt, organisierte er in Abstimmung mit dem Staatsminister die Notmaßnahmen in den Überschwemmungsgebieten. Für die Helfer stiftete er am 21. Juni die Ehrenmedaille für opferwillige Hilfe in Wassernot 1888.[26] Am 10. Juli besuchte der Großherzog das Überschwemmungsgebiet Dömitz. In Boizenburg an der Elbe traf der Großherzog mit seinem Staatsminister am 24. Juli ein, auch hier gab es großflächige Überschwemmungen.

1889[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Januar 1889 bewegte den Großherzog die Verstaatlichung der mecklenburgischen Eisenbahnen, die auf Streitigkeiten innerhalb der verschiedenen Eisenbahn-Gesellschaften und finanzielle Unsicherheiten folgen sollte. Nach seiner Ansicht hatte das Land ein hohes Interesse an einer einheitlichen und ertragreichen Eisenbahn im Lande. Im April erfuhr er von der Zustimmung – der Großherzog hielt sich in Cannes auf - von seinem Staatsminister aus Schwerin. Er zeigte sich erfreut, dass die Vorschläge auf breite Zustimmung trafen.
  • Im Frühjahr des Jahres folgten Treffen mit dem Staatsminister Alexander von Bülow und Staatsrat aus dem Justizministerium in Cannes.[27] Diese Treffen ermöglichten dem Großherzog die Ausübung der Regierungsgeschäfte bei seinen gesundheitlich bedingten Aufenthalten in Cannes.
  • Von besonderen Interesse waren die Planungen für den Neubau des Turmes am Schweriner Dom. Hier ließ er sich Fotografien der Baumaßnahmen bzw. Vorbereitungen und Planungsunterlagen nach Cannes senden. Im weiteren Verlauf pflegte er mit Baurat Daniel regen Kontakt.

1890[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1893[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 21. März begleitete der Großherzog den Großfürsten Alexander auf seiner Seereise nach Algier, hier inspizierte der Großfürst den russischen Panzerkreuzer Dimitri Donskoi.
  • Die Enthüllung des Reiter-Denkmales für Friedrich Franz II. am 24. August 1893 im Schweriner Schlossgarten ging mit dem Besuch des Kaisers einher. Hunderte von Soldaten und Angehörige der Kriegervereine des Landes nahmen an der Einweihung teil. Der Großherzog und der Kaiser ritten dorthin, Graf von Plessen hielt eine Ansprache, das von Ludwig Brunow geschaffene Werk wurde daraufhin enthüllt. Dieses wurde vom Fanfarenzug der Militärkapellen begleitet.
  • Am 2. Oktober fand die feierliche Einweihung des durch Baurat Gotthilf Ludwig Möckel im Auftrag des Großherzoges erbauten Ständehaus in Rostock statt. Die feierliche Veranstaltung wurde im großen Festsaal ausgerichtet. An der Einweihung nahmen Großherzog Friedrich Franz III. und Großherzogin Anastasia teil. Weitere Gäste waren der Herzog Johann Albrecht, der Erbgroßherzog von Mecklenburg-Strelitz und Großfürst Alexei Michailowitsch Romanow. Den Bau des Ständehauses verfolgte der Großherzog mit großem Interesse.
  • Auf Weisung des Großherzogs Friedrich Franz III. wird durch den Großherzoglichen Musikdirektor Otto Kade die Musikalien-Sammlung des Großherzoglichen Fürstenhauses archiviert und katalogisiert.[29]

Militärzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzog Friedrich Franz III. in Uniform des Husaren-Regiment (Hannoversches) Nr. 15

Seine militärische Laufbahn begann bereits in der Jugendzeit. Am 15. März 1863 ernannte ihn sein Vater zum Offizier des Grenadier-Garde-Bataillons.[30] Es folgte die Ernennung durch den König zum Offizier der preußischen Armee und à la suite des 4. Brandenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 24, in welchem der Großherzog Friedrich Franz II. der Regimentschef war. Am 25. März nahm er – jetzt im Offiziersrang – an der Grundsteinlegung für das Denkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege in Güstrow teil.

Mit Einflussnahme seines Vaters Großherzog Friedrich Franz II. wurde er zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges an das Hauptquartier Wilhelm I. attachiert. In Berlin traf er am 29. Juli 1870 ein, um dort seine Aufgaben zu übernehmen.

Nach dem für Deutschland siegreichen Ende des Feldzuges nahm er am 18. Januar 1871 in Vertretung seines Vaters an der Kaiserproklamation in Versailles teil.[31][32]

Dienstgrade und Regimentschef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle: Mecklenburg-Schwerinsches Staatshandbuch 1896)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen FF 3.jpg

(Quelle: Mecklenburg-Schwerinsches Staatshandbuch 1896)

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Residenzen des Großherzogs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerresidenz Jagdhaus Gelbensande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jagdschloss Gelbensande
Jagdhaus Gelbensande

Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg gab um 1880 den Auftrag zum Bau einer Sommerresidenz. Hier bot sich als Standort das Jagdrevier der mecklenburgischen Landesfürsten an. Mit der wichtigste Entscheidungsgrund waren die guten klimatischen Bedingungen in der Region während des Sommers, die sich günstig auf den Gesundheitszustand des von Asthma geplagten Großherzog auswirkten.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Mai 1885. Die Einweihungsfeier fand am 25. August 1887 statt, in Anwesenheit des Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow und seinen Söhnen Sergei und Alexei.[33]

Das Großherzogliche Jagdhaus wurde vorwiegend im englischen Cottage-Stil errichtet. Da Großherzog Friedrich Franz III. mit der russischen Großfürstin und Zarenenkelin Anastasia Michailowna Romanowa verheiratet war, findet man am Schloss als Ausdruck der familiären Verbindungen zur Zarenfamilie als Schmuckelemente den russischen Doppeladler sowie Gestaltungselemente aus russischen Schlössern und Bojaren-Häusern. Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow – Vater von Anastasia – unterstützte den Bau finanziell.

Nach dem Tod von Friedrich Franz III. war das Jagdhaus in Gelbensande der Witwensitz seiner Frau Großherzogin Anastasia.

Winterresidenz Villa Wenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa Wenden

Friedrich Franz III. ließ 1889 in Cannes eine Villa im Stil des Historismus errichten, der imposante Putzbau ist teils mit gequaderten Außenflächen versehen. Die Villa wurde auf einem künstlich aufgetürmten Felssockel errichtet. Von hier aus bot sich ein herrlicher Ausblick auf die Küste und das Meer. Die damaligen Wohnräume waren alle nach Süden ausgerichtet, so konnten Hausherr und Gäste den gleichen Ausblick genießen. Die Namensgebung der Villa leitete sich von der Titulierung Fürst zu Wenden ab. In der Winterzeit residierte der Großherzog in seiner Villa in Cannes, seine angeschlagene Gesundheit machte dieses notwendig. Auch die Familie Romanow nutzte die Villa als Ferienresidenz. Der spätere König Christian X. von Dänemark und Alexandrine zu Mecklenburg feierten im April 1898 ihre Hochzeit in der Villa.

Villa Wenden war die erste Residenz am Ort die mit elektrischen Strom versorgt wurde. Eine zugehörige große Gartenterrasse wurde von einer imposanten Außenwand getragen, diese dient gleichzeitig als Stützmauer.

Wie auch andere deutsche Immobilien, wurde Villa Wenden nach Beginn des Ersten Weltkrieges vom französischen Staat beschlagnahmt. 1918 wurde die Villa zur Ostseite hin erweitert. Im Jahr 1923 erfolgte der Verkauf an Joseph Gruss, der das Gebäude in Villa "Le Rouve" umbenannte.[34] Heute ist die Villa in Luxus-Appartements unterteilt.

Denkmäler Friedrich Franz III.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1898, am 24. Mai Einweihung der Sandsteinbank mit Bronzebüste in Schwerin (Marstallhalbinsel), gestaltet von Max Buchholz (Bank) und Hugo Berwald (Büste), gestiftet von den Segel- und Rudervereinen des Landes[35], 1948 zerstört.
  • 1898 Gedenktafel zu Ehren Friedrich Franz III. in der Kirche Volkenshagen – Gelbensande zugehörig zum Pfarrsprengel – am 10. April des Jahres enthüllt, gestiftet von der dortigen Gemeinde.
  • 1899 Bronzebüste von Hugo Berwald auf einem Granitsockel in Lübtheen (Friedrich-Franz-Schacht), 1936 umgesetzt in den Schlosspark Ludwigslust, dort erhalten.
  • 1901 Friedrich-Franz-III.-Denkmal in Rostock von Wilhelm Wandschneider, (wohl) 1941 demontiert und eingeschmolzen.

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Schwerin: Bahn 1898 (Digitalisat)
  • Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus. Rostock 2009, ISBN 3-356-01334-3.
  • Bernd Kasten: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, in: Biographisches Lexikon für Mecklenburg; Bd. 6, Rostock 2011, S. 117–120.
  • Bernd Kasten, Matthias Manke, René Wiese: Die Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin, Herstellung: Hinstorff Verlag GmbH, Rostock 2015, ISBN 978-3-356-01986-5.
  • Jürgen Borchert: Mecklenburgs Großherzöge. 1815–1918, Demmler Verlag Schwerin 1992, ISBN 3-910150-14-4, S. 71–90.
  • Elsbeth Andre: Großherzog Friedrich Franz III. und Baumeister Georg Daniel. In: Mecklenburgische Jahrbücher. 119. Jahrgang 2004, S. 263–277.
  • Mecklenburgische Zeitung: Die Regentschaft im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1897, S. 177, 180, 183.
  • Christiane Freuck: Historisches aus Gelbensande: aus dem Leben von Friedrich Franz III. (1851–1897) - Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Bd. 15. 2006, S. 13–14, Mitteilungsblatt des Amtes "Rostocker Heide".
  • Grossherzoglich Mecklenburg - Schwerinscher Staatskalender Jahr 1891, Jahr 1896, Jahr 1897, Jahr 1898, Jahr 1899, Verlag der Bärensprungschen Hofbuchdruckerei Schwerin (Digitalisat)
  • Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Friedrich Wigger: Stammtafeln des Großherzoglichen Hauses von Meklenburg, Band 50 (1885), Schwerin 1885 (Digitalisat), S. 304–305.

Ungedruckte Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • Bestand: (10.09. L/06) 270, Personennachlass Lisch - Heraldik, Bitte des Erbgroßherzogs Friedrich Franz III. um eine heraldisch und historisch genaue Zeichnung des Mecklenburgischen Wappens, Laufzeit: 1871
    • Bestand: (02.26.03) 935, Großherzogliches Marstallamt, Einrichtung einer Equipage für den Erbgroßherzog Friedrich Franz während seines Aufenthalts in Bonn, Laufzeit: 1869–1872
  • Landeskirchliches Archiv Schwerin
    • Bestand: (03.01.01.01.) 0944, Aktengruppe II. - Kirchenwesen und Kirchenregiment, Das Ableben von Mitgliedern des großherzoglichen Hauses, Trauerfeierlichkeiten für Ghz. Friedrich Franz III, Laufzeit: 1897
    • Bestand: (11.01.01.) D3/Rolle, Aktengruppe II. - Kirchenwesen und Kirchenregiment, Inschrift Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg Schwerin, Mausoleum Ludwigslust
  • Stadtarchiv Schwerin
    • Bestand: Magistrat Aktengruppe 05.05.03. - Todesfälle / 5951, Feierlichkeiten anlässlich der Beerdigung des Großherzogs Friedrich Franz III., Laufzeit: 1897–1901
    • Bestand: Magistrat Aktengruppe 31.06 - Denkmale / 9042, Unterstützung der Errichtung eines Denkmals für Großherzog Friedrich Franz III., Laufzeit: 1897–1898
  • Landesarchiv Baden-Württemberg
    • Bestand: Q 2/3 Bü 7, Bü 8, Bü 9, Nachlass Dr. Berthold von Fetzer, Leibarzt und Staatsrat, Tagebücher 1885–1887, Unterredung Fetzers mit Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin (27. November 1885), Besuch Fetzers bei Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin (S. 31), Verleihung des Ehrenkreuzes des Greifenordens des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin an Fetzer (6. Mai 1886), Besuche von Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Franz III. (Mecklenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Borchert: Mecklenburgs Großherzöge. 1815–1918, Schwerin 1992, S. 74.
  2. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 63–64
  3. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 356.
  4. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 63.
  5. Kösener Korps-Listen von 1798 bis 1910, S. 47, 19. Borussia Bonn, 469. Großherzog Friedrich Franz III. zu Mecklenburg.
  6. Jürgen Borchert: Mecklenburgs Großherzöge. 1815–1918, Schwerin 1992, S. 86.
  7. Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus., Rostock 2009, S. 20–21.
  8. Hariot Hamilton-Temple-Blackwood: Our Viceregal Life in India: Selections from my Journal, 1884–1888., London 1890, S. 36–49.
  9. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 213.
  10. Valentina Grigorian: Die Romanows und die Mecklenburger Fürsten, Treue Pflegerin an vielen kranken Tagen: die Zarennichte Anastasia, Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, Verlag Demmler, Schwerin 2007, S. 114–142.
  11. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 317–318.
  12. Irma Freiin von Waldstedt: Dreißig Jahre Hofdame 1870–1900, Vossische Buchhandlung, Berlin 1907, S. 349.
  13. Louise von Reibnitz-Maltzan: Gestalten vom letzten Zarenhof und andere persönliche Begegnungen, Verlag C. Reissner, 1928, S. 176.
  14. Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus., Rostock 2009, S. 23.
  15. Wiener Bilder - Illustriertes Sonntagsblatt Nr. 17, Wien am Sonntag 25. April 1897, Seite 10 II. Jahrgang.
  16. LHAS Bestand: (02.26.03) 971, Aktengruppe 6. 6. - Bereitstellung von Pferden und Wagen zu Beerdigungen, Großherzog Friedrich Franz III., April 1897
  17. Tresckow, Von Fürsten und anderen Sterblichen, Erinnerungen eines Kriminalkommissars, Berlin 1922, S. 88–106.
  18. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon, Frankfurt/M. 2001, S. 253.
  19. Peter Winzen: Das Ende der Kaiserherrlichkeit: die Skandal Prozesse um die homosexuellen Berater Kaiser Wilhelms 1907–1909, Böhlau Verlag, Köln 2010, S. 213–214.
  20. Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus., Rostock 2009, S. 27.
  21. Abdruck des Briefes von 1895 im Sonntagsblatt der Mecklenburger Nachrichten vom 10. April 1898
  22. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 277.
  23. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 385.
  24. Dieter C. Umbau: Parlamentsauflösung in Deutschland: Verfassungsgeschichte und Verfassungsprozess, Verlag Walter de Gruyter & Co, Berlin 1989, S. 227.
  25. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 275.
  26. Medaille aus Bronze, Vorderseite Bildnis des Herzoges, Rückseite Inschrift, wurde am dunkelroten Band getragen.
  27. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 303.
  28. Großherzoglich Mecklenburg - Schwerinscher Staatskalender 1891, Neue Annalen 1890, S. 419.
  29. Otto Kade: Die Musikalien - Sammlung des Großherzoglich Mecklenburg-Schweriner Fürstenhauses aus den letzten zwei Jahrhunderten, Band I. u. Band II., Hinstorffsche Hofbuchhandlung. Wismar 1893.
  30. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 12.
  31. Dr. Theodor Toeche-Mittler: Die Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 mit einem Verzeichniß der Festtheilnehmer, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896
  32. H. Schnaebeli: Fotoaufnahmen der Kaiserproklamation in Versailles, Berlin 1871.
  33. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 279–280.
  34. Archives départementales des Alpes-Maritimes, 03E 102/059, 03E 102/189 Hypothekenbrief auf Villa Wenden in Cannes, Verkauf durch Königin von Dänemark, Laufzeit 1922/1929.
  35. Großherzoglich Mecklenburg - Schwerinscher Staatskalender 1899, Neue Annalen 1898, S. 510.
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Franz II. Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin]
1883–1897
Friedrich Franz IV.