Jahrsau

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Ein altes Ortsschild von Jeebel zeugt noch von der ehemaligen Siedlung.

Die Wüstung Jahrsau (Jeebel-Jahrsau) war vom 14. Jahrhundert bis zur endgültigen Schleifung im Jahr 1970 ein Rundlingsdorf in Sachsen-Anhalt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze nordöstlich von Salzwedel. Heute führt die kopfsteingepflasterte Zugangsstraße nur noch zu einer Informationstafel, Obstbäumen und wenigen überwachsenen Mauerresten am ehemaligen Dorfplatz.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahrsau liegt am Rand eines Hügels, der sich aus dem umgebenden ehemaligen Feuchtgebiet erhebt, unweit von Salzwedel im sogenannten „Jahrsauer Sack“, einer Ausbuchtung der Landesgrenze Sachsen-Anhalts bei Riebau-Jeebel ins benachbarte Niedersachsen, etwa drei Kilometer nordöstlich von Jeebel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Jarsowe wurde 1375 erstmals erwähnt. Ab 1541 hieß es dann offiziell Jahrsau. Sowohl im dreißigjährigen Krieg wie auch in den Napoleonischen Kriegen wurde es übersehen, weil es abgelegen und nur von Süden aus zugänglich war. Am 1. Juli 1950 wurde der Ort nach Jeebel eingemeindet. Nach der deutschen Teilung war Jahrsau nach drei Seiten von der innerdeutschen Grenze eingeschlossen. Von Seiten der DDR bestand die Meinung, das Dorf liege zu nahe an der innerdeutschen Grenze und man wolle ein freies Schussfeld schaffen. Bis zur Vertreibung von drei Familien im Jahr 1952 im Rahmen der Aktion „Ungeziefer“ der Stasi und der Volkspolizei bestand das Dorf aus vier Bauernhöfen. Die drei Familien mussten ihre Häuser verlassen und wurden nach Delitzsch zwangsausgesiedelt. 1961 wurden auch die letzten Bewohner unter der Aktion „Kornblume“ zwangsausgesiedelt. Im März 1970 wurde das Dorf durch Einebnung aller Gehöfte endgültig geschleift. Einzige erhaltene Gegenstände des ehemaligen Dorfes sind die Kirchglocke und der spätgotische Schnitzaltar von 1499 aus der Dorfkapelle, die sich nun an bzw. in der Kapelle von Klein Chüden befinden. Im August 1993 wurde die „Wüstung Jahrsau“ einschließlich des 200 Meter entfernten Zaunabschnittes der ehemaligen innerdeutschen Grenze als eines der Zeugnisse der deutschen Teilung durch das Landesamt für Denkmalpflege in die Liste der Denkmale des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 53′ N, 11° 17′ O