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Schulenburg (Adelsgeschlecht)

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Das Geschlecht derer von der Schulenburg ist ein zunächst brandenburgisches, später brandenburg-preußisches Adelsgeschlecht. 1237 taucht es erstmals in der Altmark durch den Ritter Wernerus de Sculenburch auf. Stammsitz der sich später weit verzweigenden Adelsfamilie war im 13. Jahrhundert die kleine Burganlage Schulenburg an der Jeetze bei Salzwedel in der Altmark.

Wegen der Neigung zum Soldatenberuf entstammten der Adelsfamilie Feldmarschälle, Generäle und zahlreiche hohe Offiziere der preußischen Armee. Andere Vertreter erlangten hohe Positionen wie Staatsminister und Bischof. Zwei Angehörige des Geschlechts, Fritz-Dietlof und Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, gehörten bei der Erhebung gegen Hitler zum Verschwörerkreis des 20. Juli 1944 und wurden hingerichtet.

Stammwappen derer von der Schulenburg

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschlecht von der Schulenburg trat im 13. Jahrhundert aus dem Dunkel der Geschichte hervor. Eventuell stammt es von dem alten holsteinischen Adelsgeschlecht Scharpenberg ab, das in den Elbmarschen ansässig war und im 13. Jahrhundert verschwand.[1][2] Angehörige des Geschlechts wurden in Urkunden dieser Zeit als Ritter und Burgmannen genannt. Sie erschienen im heutigen östlichen Niedersachsen und in der Altmark, dem nord-westlichen Teil des heutigen Sachsen-Anhalts. Durch eine bischöfliche Urkunde von 1237 wird als Erster des Adelsgeschlechts im Bereich der Altmark der Ritter Wernerus de Sculenburch bekannt. In weiteren Dokumenten aus den Jahren 1264 und 1271 werden der Ritter Thidericus de Sculenborch und Wernerus de Sculenburg genannt. Seit Ende des 13. Jahrhunderts dienten Familienmitglieder als Burgmannen auf der Burg Salzwedel.

Familienwappen an Schloss Wolfsburg

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappenmotiv des Geschlechts stellt drei rote Adlerfänge mit scharfen Krallen dar. Im Mittelalter gab es nur drei Familien, deren Wappen drei Adlerfänge zeigte, darunter die von der Schulenburg. Als Familienwappen tauchte es erstmals in einer Urkunde von 1324 auf, die den Ritter Bernhard I. von der Schulenburg, Stammherrn des weißen Stamms, betraf. Der Adlerfang war ein häufiges Wappenbild brandenburgischer Geschlechter, das sich wahrscheinlich vom roten märkischen Adler Brandenburgs ableitete.

Namensgebende Stammburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Geschlechts beruht auf der Stammburg Schulenburg an der Jeetze bei Stappenbeck in der Altmark, wenige Kilometer südöstlich von Salzwedel. Die Namensgebung der Schulenburg leitete sich aus ihrer geographischen Lage und dem Wort schulen, sich verstecken (engl. skulkim Verborgenen lauern) ab. Die Redewendung te der sculenden borch bedeutete bei der versteckten Burg und daraus wurde Schulenburg.

Reste der Turmhügelburg Schulenburg in der Altmark

Die kleine Burgstelle mit den Ausmaßen von 20 × 25 Meter lag verborgen in den Jeetzesümpfen und hatte den Charakter einer Turmhügelburg. Davon ist heute nur noch ein Erdhügel zu sehen. Sie war bereits im 14. Jahrhundert wüst gefallen. Bei Nachforschungen im 19. Jahrhundert waren noch Reste von Burgturm, Wohnhaus und Keller vorhanden. Landesdirektor Wilhelm von der Schulenburg (langjähriger Vorsitzender des Altmärkischen Vereins für Vaterländische Geschichte und Industrie) grub seinerzeit mittelalterliche Waffen sowie Geräte aus und richtete die Burgstelle wieder her.

Im Jahr 2016 nahm die Universität Göttingen archäologische Untersuchungen an der Burgstelle vor. Dabei wurden Reste des achteckigen Burgturms mit 12 Meter Durchmesser und des Palas entdeckt sowie zum Teil freigelegt.[3]

Neuer Familiensitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die kleine, im Sumpf gelegene Turmhügelburg Schulenburg bei Stappenbeck zum großen Teil zerfallen war, wurde 1345 etwa 12 km südwestlich die bereits bestehende Burg Beetzendorf zum Hauptsitz derer von der Schulenburg. Diese wesentlich größere Burg wertete das Geschlecht auf. Von da an galt es als schlossgesessen und gehörte zur oberen Stufe des altmärkischen Adels. Über Jahrhunderte war hier der Familienmittelpunkt. Weiteren Machtzuwachs erlangten die von der Schulenburg 1351 durch das Lehen über Burg und Ort Apenburg in der Altmark, das östlich benachbart zu Beetzendorf liegt. Die Besitzungen Beetzendorf und Apenburg waren die Stammgüter des Geschlechts, die den Kern ihrer Grundherrschaft bis ins 19. Jahrhundert sicherten.

Die Burg Beetzendorf war bis um 1600 mit umgebenden Wassergräben festungsartig ausgebaut. Danach siedelten sich die Mitglieder der adligen Familie im Dorf Beetzendorf und der Umgebung an, so dass die Befestigungsanlage nutzlos wurde. Im Dreißigjährigen Krieg war sie nicht mehr verteidigungsfähig. Die letzte Kanone war 1642 verkauft worden und 1780 wurden die letzten Burggebäude abgerissen. Heute sind davon noch einige Ruinen vorhanden. Ab 1648 verfiel auch die Apenburg. Der Apenburger Hof wurde zum Sitz des Ritterguts Beetzendorf.

Familienstämme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 14. Jahrhundert teilte sich in der Altmark die Familie in zwei Linien. Dietrich II. (1304–1340) begründete die Schwarze Linie, sein jüngerer Bruder Bernhard I († nach 1340) die Weiße Linie. Beide Linien teilten sich im Laufe der Jahrhunderte weiter auf und werden genealogisch die nach "Ästen", "Zweige" und "Häuser" sortiert. In der heutigen Zeit ist das Geschlecht neben den Linien in Häuser untergliedert und befindet sich in der 22. Generation. Die Weiße Linie dominiert heute zahlenmäßig. Von allen Zweigen breitete sich der Wolfsburger Zweig am stärksten aus, der auf Adolph Friedrich zurückgeht.

Das Weiterbestehen des Geschlechts war wegen hoher Kindersterblichkeit, Seuchen, Kriege und durch den Eintritt von Mitgliedern in den geistlichen Stand nicht immer gesichert. 1499 gab es nur 42 männliche Vertreter, 1610 waren es schon 70 Personen. Der Rückgang auf 58 männliche Erbfolger im Jahr 1700 erklärt sich aus den Verlusten durch den Dreißigjährigen Krieg. Während es um 1800 70 männliche Schulenburgs gab, waren es um 1900 trotz der allgemeinen Bevölkerungszunahme nur 100 Personen. 1983 betrug die Zahl der männlichen Familienmitglieder 91 Personen. Im 20. Jahrhundert nahm das Aussterben einzelner Häuser des Geschlechts zu. Trotz des Verlustes von 15 Angehörigen im Zweiten Weltkrieg war die Ursache des Rückgangs vielmehr Ehe- und Kinderlosigkeit.

Sitze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standeserhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1563 wurden Jacob, Alexander und Daniel von der Schulenburg, die Söhne von Matthias von der Schulenburg, durch Kaiser Ferdinand I. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Sie waren die ersten Vertreter ihres Adelsgeschlechts, die eine Standeserhebung erreichten. Über die Söhne Daniels setzte sich die Freiherrenlinie wie folgt fort:

1644 wurde Heinrich Joachim von der Schulenburg (1610–1665) durch Kaiser Ferdinand III. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Seine beiden Ehen blieben jedoch kinderlos.

Testamentarisch hatte Heinrich Joachim Freiherr von der Schulenburg (1610–1665) verfügt, dass der als sein Universalerbe vorgesehene Achaz von der Schulenburg aus dem Hause Beetzendorf (1610–1680) die Freiherrenwürde erwerben müsse. Dies erreichte Achaz am 21. März 1667 bei Kaiser Leopold mit gleichzeitiger Wappenvermehrung.

Am 4. Dezember 1713 wurde Alexander von der Schulenburg (1662−1733) durch Kaiser Karl VI. in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

Lebenswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lebensweg der männlichen Familienangehörigen der Adelsfamilie war vorgezeichnet. Neben der Verwaltung ihrer Güter betätigten sie sich in großer Zahl beim Militär: im Mittelalter als Burgmannen und als Hauptleute der Lehnsaufgebote in der Mark Brandenburg, in der frühen Neuzeit als Führer von Söldnertruppen und später als Offiziere, vor allem in der preußischen Armee, aber auch in anderen Ländern. Am bekanntesten wurde Matthias Johann von der Schulenburg, der im Dienste der Republik Venedig zum Feldmarschall aufstieg und von Kaiser Karl VI. 1715 als erstes Mitglied der Familie in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben wurde.

Etliche Mitglieder der Adelsfamilie erlangten hohe Positionen. Dazu gehörten vier Feldmarschälle, 25 Generäle, drei Herrenmeister des Johanniterordens, sechs Staatsminister und vier Bischöfe.

Die Familie hatte mehrere Erbämter inne. Sie waren spätestens seit dem 14. Jahrhundert Erbküchenmeister der Kurmark Brandenburg.[4] Sie waren auch Erbkämmerer der Landgrafschaft Thüringen seit dem 18. Oktober 1861.[5] Ferner hatten sie einen erblichen Sitz im preußischen Herrenhaus für den jeweiligen Standesherrn der Freien Standesherrschaft Lieberose vom 12. Oktober 1855 bis 1918.[6]

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich auch zwei Eintragungen von Töchtern der gräflichen Familien von der Schulenburg aus dem mecklenburgischen Tressow und Groß Krankow von 1874 und 1903 zur Aufnahme in das adelige Damenstift.

Viele Vertreter der Familie haben auch Positionen in der Staatsverwaltung bekleidet. Die Neigung der Schulenburgs zum Soldatenberuf brachte es mit sich, dass die Familie in Kriegen zahlreiche Gefallene zu beklagen hatte, zuletzt im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Im 20. Jahrhundert waren zwei Angehörige des Geschlechts (Graf Dietlof und Graf Friedrich-Werner) Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 gegen das Regime Adolf Hitlers in der Zeit des Nationalsozialismus. Beide wurden vom Volksgerichtshof verurteilt und hingerichtet.

Ausbreitung und wirtschaftliche Basis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 15. Jahrhundert dehnte sich das Geschlecht durch den Erwerb von Besitzungen außerhalb der Altmark weiter aus. Um 1600 erreichte der Grundbesitz des Geschlechts seine größte Ausdehnung. Angehörige der Schulenburgs hatten Lehnsgüter in Brandenburg, dem Erzbistum Magdeburg, Anhalt, Wolfenbüttel, Lüneburg, Braunschweig, Sachsen, Pommern, in der Niederlausitz und in Böhmen.

Ihren Lebensunterhalt erlangten die Familienangehörigen, soweit sie ihn nicht aus Staats-, Hof- oder Militärdiensten bezogen, vorwiegend dadurch, dass sie den vom jeweiligen Landesherren zum Lehen erhaltenen Grundbesitz (Acker) Bauern zum Wirtschaften überließen. Diese zahlten darauf Abgaben oder leisteten Frondienste. Ansätze zu eigener Landwirtschaft zeigten die von der Schulenburg durch die Gründung von Vorwerken, aus denen sich später Güter entwickelten. Die Bauernbefreiung im 19. Jahrhundert führte einerseits zum Verlust von Einnahmequellen (der Fronen, Zehnten und Naturalabgaben), andererseits ermöglichte sie die Erweiterung mancher Güter durch Zukäufe mittels der hierfür erhaltenen Geld-Ablösungen.

Der schwerste Einschnitt im Lauf vieler Jahrhunderte war die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1945, durch die fast alle Familienbesitzungen der Schulenburgs entschädigungslos enteignet und die Familienzweige aus ihrer Heimat, deren Geschichte sie mit geprägt hatten, vertrieben wurden. Seither betätigen sich die meisten Familienmitglieder in „bürgerlichen“ Erwerbsberufen. Denn nur wenige Besitze lagen in Westdeutschland, darunter das 1742 von der Familie von Bartensleben im Erbgang auf Adolph Friedrich von der Schulenburg aus dem Haus Beetzendorf übergegangene Schloss Wolfsburg in Niedersachsen mit Burg Brome und den später hinzu erworbenen Rittergütern Nordsteimke und Bisdorf (siehe unten: Wolfsburger Linie). Das Wolfsburger Schloss hatte jedoch 1943 - samt einem Großteil des Gutes - an die Stadt des KdF-Wagens verkauft werden müssen und der neu erbaute Familiensitz Schloss Neumühle bei Beetzendorf wurde mit dem dazugehörigen Landbesitz durch die Bodenreform enteignet. Erst nach der Deutschen Wiedervereinigung konnte der Grundbesitz in Neumühle (ohne das Schloss), neben weiteren Flächen in Brandenburg, zurückerworben werden. Heute besteht der Gesamtbetrieb der Grafen von der Schulenburg-Wolfsburg aus ca. 780 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und 5.350 Hektar Forstfläche.[7]

Ein noch älterer niedersächsischer Besitz der Familie war das um 1558 von dem Söldnerführer Fritz von der Schulenburg aus der „weißen Linie“ erworbene Gut Hehlen mit seinem 1579–1584 errichteten Wasserschloss Hehlen, das 1956 samt allem Grundbesitz und Inventar ohne Not verkauft wurde. Ein weiterer, seit 1748 bis heute im Besitz der Grafen Schulenburg befindlicher Betrieb ist das Gut in Osten-Altendorf bei Cuxhaven.

Das seit 1448 im Familienbesitz befindliche Gut Angern im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt, das 1945 enteignet worden war, konnte 1997 zurückerworben werden und wird heute mit 800 ha Forst sowie 150 ha Ackerland von Alexander Graf von der Schulenburg wieder bewirtschaftet (siehe unten: Linie Angern).

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gingen außerdem das lippische Rittergut Hovedissen in Leopoldshöhe, das Schloss Schönbrunn in Oberbayern und Schloss Philippsburg in Ostfriesland auf dem Erbweg an Familienmitglieder über. Die 1936 wieder aufgebaute oberpfälzische Burg Falkenberg wurde hingegen 2008 verkauft.

Bedeutende Namensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Johann von der Schulenburg (1661–1747), sächsischer General, venezianischer Feldmarschall, 1715 erster Reichsgraf; Gemälde von Giovanni Antonio Guardi, 1741
Adolph Friedrich Graf von der Schulenburg (1685–1741), preußischer Generalleutnant des Schulenburgischen Regiments unter Friedrich dem Großen
Melusine von der Schulenburg (1693–1778), Herzogin von Kendal und Munster; Mätresse Georgs I. von Großbritannien
Friedrich Werner Graf von der Schulenburg (1875–1944), Diplomat, als Widerstandskämpfer hingerichtet

Linie Angern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserschloss Angern

Die Linie Angern weist mit rund 500 Jahren neben der Linie Beetzendorf die älteste schulenburgische Tradition auf. Die 1341 entstandene Wasserburg Angern (heute Landkreis Börde) kam 1448 in Familienbesitz. Die Brüder Busso, Bernhard und Matthias von der Schulenburg erhielten sie für 400 Gulden als magdeburgisches Lehen. Während des Dreißigjährigen Krieges brannten Burg und Gutsgebäude 1631 komplett nieder. 1736 wurde auf den alten Kellergewölben ein Schloss mit drei Gebäudeflügeln errichtet. Die Anlage blieb weiterhin von einem breiten Wassergraben umgeben, der ihr auch heute noch den Charakter eines Wasserschlosses verleiht. 1849 erfolgte eine Modernisierung im Stile des Klassizismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sigurd Graf von der Schulenburg als Besitzer von Schloss Angern und den dazugehörigen Ländereien entschädigungslos enteignet. Die sowjetische Besatzungsmacht wies ihn 1946 aus, nachdem seine Familie dreizehn Generationen lang dort gelebt hatte.

Zu DDR-Zeiten war im Schloss eine Berufsschule untergebracht. Aber erst nach der Wende von 1989 wurde die Bausubstanz durch Leerstand und Wassereinbruch nachhaltig geschädigt. 1997 erwarb Alexander Graf von der Schulenburg die vom Verfall bedrohte Schlossanlage. Nach einer Sanierung zogen er und seine Familie im Jahr 2000 aus Hamburg nach Angern. Der Schlossherr vermietet für Veranstaltungen repräsentative Säle und Salons im Barock- sowie Rokoko-Stil. Außerdem pflegt er die landwirtschaftliche Familientradition des Hauses Angern und bewirtschaftet auf zurückerworbenen Flächen 800 ha Forst sowie 150 ha Ackerland.

Wolfsburger Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebhard Werner Graf von der Schulenburg aus dem Hause Beetzendorf (1722–1788), der erste Spross der Wolfsburger Linie mit Ehefrau Sophie Charlotte; 1750-86 Hofmarschall Friedrichs des Großen

1746/47 kamen die von der Schulenburg durch Erbgang in den Besitz der Güter des Geschlechts derer von Bartensleben mit der Wolfsburg. Die Ehefrau von Adolph Friedrich von der Schulenburg-Beetzendorf (1685–1741), Anna Adelheit Catharina von Bartensleben (1699–1756), brachte die wehrhafte Schlossanlage in die Familie ein, wobei ihr Mann bereits vor dem Erbeintritt 1741 gefallen war. Sie war Alleinerbin, als ihr Vater Gebhard Werner von Bartensleben 1742 verstarb und das Geschlecht im Mannesstamme erlosch. Aus den Kindern von Adolph Friedrich und Anna Adelheid Catharina entwickelte sich der Wolfsburger Familienzweig derer von der Schulenburg. Zum bedeutendsten Nachfolger wurde der 1722 auf der Wolfsburg geborene Gebhard Werner Graf von der Schulenburg.

Als Familienbegräbnis nutzten die Herren von der Schulenburg nach der Übernahme der Wolfsburg Mitte des 18. Jahrhunderts die unmittelbar an der Burg errichtete Kirche St. Marien im heutigen Alt-Wolfsburg. In der Gruft ruhen aus der Zeit zwischen 1759 und 1805 elf ihrer Angehörigen neben neun Vertretern der vorherigen Schlossherren von Bartensleben. Der Wolfsburger Familienzweig hatte seit dem 18. Jahrhundert viele Kirchenpatronate inne, bei denen die Erhaltung der entsprechenden Gotteshäuser und die Betreuung der Geistlichen zu leisten war. Als Günther Graf von der Schulenburg 1985 als letzter Schlossherr der Wolfsburg verstarb, hatte er das Patronat in 26 Kirchen der Umgegend inne.

Die neue Wolfsburg im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1930er Jahren wurde das Gebiet um das Schloss Wolfsburg zum Mittelpunkt des Großdeutschen Reiches erklärt. Hier sollten das Volkswagenwerk und die Stadt des KdF-Wagens entstehen. Ende 1937 stand fest, dass die Familie von der Schulenburg ihren angestammten Besitz Schloss Wolfsburg verlassen musste. Ihr Grund und Boden von etwa 2.000 ha landwirtschaftlicher Fläche wurde zum Aufbau von Stadt und Werk benötigt und enteignet. Familienoberhaupt Günther Graf von der Schulenburg entschied, im alten schulenburgischen Waldbesitz Neumühle bei Tangeln (damals Landkreis Salzwedel) ein neues Schloss zu bauen. In vierjähriger Bauzeit entstand ab 1938 Schloss Neumühle als einer der letzten großen Schlossbauten des 20. Jahrhunderts in Deutschland, geplant und gebaut durch den bekannten Architekten Paul Bonatz. Das neue Schloss wurde in moderner Bauweise aus Stahlbeton mit vier runden Ecktürmen errichtet und fiel nur wenig kleiner als die Wolfsburg aus. Im November 1942 bezog die Familie etwa 35 km nordöstlich der „alten“ die „neue“ Wolfsburg im Forst Neumühle, zum Transport des Inventars des Schlosses Wolfsburg wurden etwa 1000 m Reichsbahnwaggons benötigt. Die Stadt des KdF-Wagens erwarb 1943 die alte Wolfsburg für 560.000 Reichsmark (heute: 2.118.496 EUR).

Rückkehr nach Wolfsburg-Nordsteimke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrenhaus des Rittergutes von der Schulenburg in Nordsteimke

Kurz vor dem Abzug der britischen Truppen und dem Einzug der Roten Armee am 1. Juli 1945 flüchtete die Familie von der Schulenburg aus ihrem Schloss in Neumühle unter Zurücklassung fast der gesamten Habe zurück zur Wolfsburg in die britische Besatzungszone. Die sowjetischen Besatzungssoldaten plünderten das Inventar von Schloss Neumühle, warfen das Archivgut auf den Hof und zündeten es an. Den Schlossverwalter, Herrn Gaal, brachten die neuen Machthaber in das Internierungslager Buchenwald, wo er umkam. Die Familie nahm nach dem Krieg und dem Verlust der Güter im Osten durch Enteignung ihren Sitz auf dem einst im Herzogtum Braunschweig gelegenen Rittergut Nordsteimke nahe Wolfsburg, das seit 1846 im Familienbesitz war. Die Burg Brome im Landkreis Gifhorn wurde 2001 verkauft. Das zur Lüneburger Ritterschaft zählende Gut Bisdorf gehört noch zum Besitz.

Grundstein für den Neubeginn war der land- und forstwirtschaftliche Familienbesitz im Raum Wolfsburg. Die Mitglieder der gräflichen Familie sind seither als Land- und Forstwirte tätig und betätigen sich als mittelständische Unternehmer. Die Verwaltung der schulenburgischen Güter erfolgt heute vom Rittergut in Wolfsburg-Nordsteimke aus, wo eine Straße nach dem Geschlecht benannt ist. Das derzeitige Familienoberhaupt (2005) ist Dr. Günzel Graf von der Schulenburg, der 1934 auf Schloss Wolfsburg zur Welt kam. Sein 1965 geborener Sohn, Günther Graf von der Schulenburg, übernahm 1998 die Verantwortung für den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb. Die Forstverwaltung bewirtschaftet insgesamt 5.300 ha Forstfläche in der Region Wolfsburg, der Altmark, der Colbitz-Letzlinger Heide sowie im Fläming (Brandenburg). Von Nordsteimke aus erzeugt der landwirtschaftliche Betrieb im Stadtgebiet und im benachbarten Landkreis Helmstedt auf rund 600 ha Fläche Ackerfrüchte wie Getreide, Raps und Zuckerrüben.

Begräbnisstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiengruft in der St.-Marien-Kirche

Als Begräbnisstätte wählte die Wolfsburger Linie die unmittelbar an der Wolfsburg gelegene St.-Marien-Kirche in Alt-Wolfsburg. Sie war Patronatskirche derer von der Schulenburg und diente den Schlossbewohnern etwa ab dem 16. Jahrhundert als Hauskirche. In der Gruft unter dem Glockenturm befinden sich 27 prunkvoll verzierte Särge aus Alabaster und schwarzem Marmor, darunter auch Kindersärge. Elf Verstorbene tragen den Namen von der Schulenburg. In den übrigen Särgen liegen weitläufigere Familienangehörige und acht Angehörige des Geschlechts der von Bartensleben, die vor den Schulenburgs Schlossherren auf der Wolfsburg waren. Die hier Bestatteten verstarben zwischen 1670 und 1832. Nach der letzten Beisetzung wurde die Gruft verschlossen und erst bei einer Renovierung 1984 wieder geöffnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schulenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Detlef Detlefsen: Geschichte der holsteinischen Elbmarschen, 1. Band, Seite 269 (Glückstadt 1891)
  2. Detlef Detlefsen:Die Rittergeschlechter der holsteinischen Elbmarschen, insbesondere der Wilstermarsch, in: ZSHG, Bd. 27 (1897), S. 171 bis 190.
  3. Burgreste entdeckt in Volksstimme vom 15. August 2016
  4. Genealogisches Handbuch des Adels Bd. GA IV, S. 410, Bestätigung durch Kaiser Karl IV. am 12. September 1373, Starke-Verlag, Limburg, 1962.
  5. Genealogisches Handbuch des Adels Bd. GA IV, S. 438, Starke-Verlag, Limburg, 1962.
  6. Genealogisches Handbuch des Adels Bd. GA IV, S. 411, Starke-Verlag, Limburg, 1962.
  7. Website Günther Graf von der Schulenburg-Wolfsburg
  8. Christian Gahlbeck: Regionalität und Transfergeschichte. Ritterordenskommenden der Templer und Johanniter im nordöstlichen Deutschland und in Polen (= Heinz-Dieter Heimann, Klaus Neitmann im Auftrag Brandenburgische Historische Kommission und Brandenburgisches Landeshauptarchiv [Hrsg.]: Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte. Band 9). 1. Auflage. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2014, ISBN 978-3-86732-140-2, Regionale und überregionale Entwicklungen – die Johanniter in der Ballei Brandenburg. Lagow (Łagów) oder Sonnenburg (Słońsk). Zur Frage der Residenzbildung in der Ballei Brandenburg der Johanniter von 1317 bis 1527. Bernhard von der Schulenburg, S. 312–315.
Dieser Artikel wurde am 22. September 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.