Riebau

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Riebau
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 51′ 24″ N, 11° 16′ 22″ O
Höhe: 22 m ü. NHN
Fläche: 19,09 km²
Einwohner: 199 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 10 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 29410
Vorwahl: 039037
Riebau (Sachsen-Anhalt)
Riebau

Lage von Riebau in Sachsen-Anhalt

Riebau ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Riebau liegt 8 Kilometer östlich von Salzwedel am Riebauer Graben.[2] Es ist ein Straßenangerdorf, das in östlicher Richtung als Straßendorf erweitert wurde.[3] Nachbarorte sind Jeebel, Mechau, Pretzier und Groß Chüden.

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ortschaft Riebau gehören die Ortsteile Riebau und Jeebel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riebau wurde im Jahre 1268 erstmals als in Ribowe erwähnt. Markgraf Otto beschenkte das Haus der Aussätzigen in Salzwedel (Hospital St. Georg) mit Besitzungen in einigen Dörfern.[4][5] Im Jahre 1285 heißt es in villa rybuu, als die Markgrafen Otto und Otto Grundbesitzungen zu einem Altar in Salzwedel vereigneten. Die Gebrüder von Visne hatten hier Lehngüter.[6] 1369 heißt das Dorf in einer Urkunde villa Ryboue.[7] Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Rybowe mit 21½ Zinshufen aufgeführt.[8] 1444 wurden ein Schulzenhof und eine Windmühle genannt. Weitere Nennungen sind 1541 Ribo und 1687 Riebau.[3]

Am 4. April 1924 wurde die Freiwillige Feuerwehr Riebau gegründet, die seitdem das gesellschaftliche Leben in Riebau entscheidend mitgeprägt hat.

Bekanntheit erlangte der Bahnhof Riebau durch seinen frühen Grenzverkehr. Schon 1946 war er anscheinend ein bedeutender Umschlagsbahnhof. Etwa 200 bis 300 Menschen passierten die grüne Grenze in Richtung Westen, und die letzte Bahnstation war für alle der Bahnhof Riebau. In die DDR-Geschichte ging dieser Bahnhof ein, als im Mai und Juni 1952 die Zwangsaussiedlung erfolgte und viele Menschen mit ihrem Hab und Gut auf dem Bahnhof in die Züge verladen wurden.

Eine überalternde Bevölkerung und der Wegzug brachten 1996 die ansässige Kita in Existenznöte. Der leer stehende Bahnhof war dem Verfall und der Demontage preisgegeben.

In Riebau war zu DDR-Zeiten die Grenztruppenunterkunft (Grenzkaserne) der „Kompanie 5“ vom Grenzregiment 24.[9] Der Gebäudekomplex über drei Etagen wird heute zusammen mit dem Bahnhofsgebäude vom Projekt „Traumschule“ genutzt.[10]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riebau ist die deutsch ausgesprochene Form von slawischen „Ribow“ oder „Ribowe“.

Sagen und Bräuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanns H. F. Schmidt erzählte 1994 die Sage Die Hagelpredigt nach: In Riebau wurde einmal die gesamte Ernte durch Hagelschlag vernichtet. Die Leute glaubten, sie hätten die christlichen Gebote nicht befolgt, so dass nun die Strafe gekommen sei. Nach diesem Unglück traf man sich einmal im Jahr donnerstags nach Pfingsten, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Niemand durfte an diesem geheiligten Tag arbeiten. Wer nicht teilnehmen konnte oder wollte, musste das Dorf vor Sonnenaufgang verlassen und durfte erst nach Sonnenuntergang zurückkehren.[11]

Noch 1834 war in einigen Dörfern der östlichen Altmark der Brauch des Hagelfeiertags üblich, wie Georg Wilhelm von Raumer berichtete: Am Donnerstag nach Pfingsten wird der Hagelfeiertag durch Gottesdienst und Enthaltung von der Arbeit gefeiert, indem die Flurmarken einst an diesem Tage gänzlich verhagelt seyn sollen. Wer früher an diesem Tag verreisen wollte, musste vor Sonnenaufgang weggehen und durfte erst nach Sonnenuntergang zurückkommen.[12]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Becher der Einzelgrabkultur aus Riebau im Johann-Friedrich-Danneil-Museum, Salzwedel

In einem Brandgräberfeld in Riebau waren Becher der Einzelgrabkultur gefunden worden, die heute im Johann-Friedrich-Danneil-Museum in Salzwedel ausgestellt sind.

Bei Bauarbeiten auf einem Acker zwischen Pretzier und Riebau im Jahre 2017 wurde ein Spielstein geborgen. Die drei Hauptfundorte weisen darauf hin, dass in der Gegend um Pretzier und Riebau bereits in der Eisenzeit Menschen siedelten. Es wurden Hinweise auf eine Eisenverarbeitung entdeckt.[13]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Riebau aus dem Landkreis Salzwedel in den neu errichteten Kreis Salzwedel umgegliedert. Am 1. Januar 1963 wurde die Gemeinde Jeebel aus dem gleichen Kreis nach Riebau eingemeindet. Bereits am 1. Juli 1950 die Gemeinde Jahrsau aus dem Landkreis Salzwedel in die Gemeinde Jeebel eingemeindet worden.[14]

Bis Ende 2009 bildete Riebau mit dem Ortsteil Jeebel und dem ehemaligen Ortsteil Jahrsau, der dem DDR-Grenzausbau zum Opfer fiel und heute eine Wüstung ist, eine eigenständige Gemeinde. Sie war zuletzt Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Riebau am 23. Januar 2009, dass die Gemeinde Riebau in die Hansestadt Salzwedel eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[15][16]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Riebau wurden Jeebel und Riebau Ortsteile der Hansestadt Salzwedel. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Riebau mit den künftigen Ortsteile Jeebel und Riebau wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Salzwedel. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Riebau wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 167
1774 157
1789 170
1798 208
1801 175
1818 165
Jahr Einwohner
1840 341
1864 414
1871 407
1885 426
1892 414
1895 427
Jahr Einwohner
1900 378
1905 399
1910 387
1925 401
1939 382
1946 530
Jahr Einwohner
1964 534
1971 501
1981 399
1993 366
2006 305
2008 299
Jahr Einwohner
2014 222
2015 229

Gebietsstand des jeweiligen Jahres. Quellen:[3][1][17]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Riebau gehörte früher zur Pfarrei Groß Chüden[18] und gehört heute zum Pfarrbereich Salzwedel-St. Georg[19] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilfried Bettzieche (CDU) war letzter Bürgermeister der Gemeinde und ist nun Ortsbürgermeister der Ortschaft Riebau.

Politische Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hedonistische Internationale veranstaltete vom 9. bis zum 13. Juni 2011 ihren zweiten Weltkongress mit mehr als 300 Teilnehmern in Riebau.[20]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Riebau
  • Die evangelische Dorfkirche Riebau ist ein Feldsteinbau aus dem späten 12. Jahrhundert mit einem querrechteckigen Westturm.[21] Die Kirche ist eine Filialkirche von Groß-Chüden.[18] Riebau war bis 1822 Filiale der früher selbständigen Pfarrei Pretzier.[17]
  • Der Ortsfriedhof liegt am nordwestlichen Ortsausgang.
  • Eine Gedenkstätte auf dem Ortsfriedhof ist die Grabstätte für einen namentlich bekannten jugoslawischen Kriegsgefangenen, der während des Zweiten Weltkrieges ein Opfer von Zwangsarbeit wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jens Heymann: Kernstadt und Dörfer der Einheitsgemeinde Salzwedel legen zu. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Salzwedel. 15. Januar 2016 (az-online.de).
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 1764–1769, doi:10.35998/9783830522355.
  4. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 236, Nr. 961 (uni-potsdam.de).
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 14. Berlin 1857 (Digitalisat).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 14. Berlin 1857, S. 32 (Digitalisat).
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 14. Berlin 1857, S. 150 (Digitalisat).
  8. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 397–398 (uni-potsdam.de).
  9. Alexander Rekow: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Salzwedel. 16. Dezember 2017 (volksstimme.de [abgerufen am 28. April 2019]).
  10. tRaumschule Riebau. Abgerufen am 28. April 2019.
  11. Hanns H. F. Schmidt: Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 2 von K wie Kleinau bis Z wie Zichtau. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-42-0, S. 182.
  12. Georg Wilhelm von Raumer: Volksfeste in der Altmark (= Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 14). Berlin 1834, S. 298– 294–295 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10013512~SZ%3D00300~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  13. Antonius Wollmann: Aus dem Acker grüßt die Eisenzeit. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Salzwedel. 28. Dezember 2017 (volksstimme.de [abgerufen am 28. April 2019]).
  14. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359, 362.
  15. Amtsblatt des Landkreises Nr. 5/2009 Seite 128–130. (PDF) Abgerufen am 19. August 2021.
  16. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  17. a b Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 132.
  18. a b Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 96 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  19. Pfarrbereich Salzwedel-St. Georg. Abgerufen am 28. April 2019.
  20. Velten Schäfer, Riebau: Hightech am Lagerfeuer. In: Neues Deutschland. 15. Juni 2011 (neues-deutschland.de [abgerufen am 28. April 2019]).
  21. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 388.