Jesuskirche (Cieszyn)

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Jesuskirche in Cieszyn

Die Jesuskirche in Cieszyn (Evangelische Gnadenkirche zum Namen Jesu) befindet sich in Cieszyn (deutsch Teschen) im Powiat Cieszyński in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Sie entstand als eine der sechs evangelischen Schlesischen Gnadenkirchen nach der Altranstädter Konvention von 1709. Von 1740 bis 1781 war sie das einzige evangelische Gotteshaus Oberschlesiens. Die zur Diözese Cieszyn gehörende Kirche gilt als das größte evangelisch-augsburgische Kirchengebäude in Polen. Sie ist die einzige der sechs Gnadenkirchen, die bis heute ununterbrochen in den Händen der evangelischen Gemeinde geblieben ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche wurde 1709 bis 1723 von den aus Troppau stammenden Baumeistern Hans Georg Hausrücker und Joseph Ried[1] im Stil des Barock errichtet. Die Grundsteinlegung fand am 13. Oktober 1710 statt. Den Rokoko-Hauptaltar mit den Evangelistenfiguren schuf 1766 der ortsansässige Bildhauer Joseph Pracker, von dem auch die Kanzel mit der Figur des wiedererstandenen Christus auf dem Schalldeckel stammt (1782). Das Hauptaltargemälde Letztes Abendmahl malte Friedrich Oezer. In der Apsis neben dem Hochaltar befindet sich rechts die Büste des Schwedenkönigs Karl XII. und links das Taufbecken mit klassizistischen Stilmerkmalen. Das Portal in Ädikulaform mit toskanischen Pilastern entstand im 3. Viertel des 18. Jahrhunderts. 1772 wurde an der Frontfassade ein Glockenturm angebaut, in dem sich seit 1922 drei Glocken befinden.

Das Äußere der spätbarocken Kirche besticht durch seine Schlichtheit. Das Gebäude ist 54 m lang und 38 m breit.[2] Es ist eine fünfschiffige Basilika mit halbrundem Chor und einem Satteldach mit Lukarnen. Alle Fenster sind als Halbkreise geformt. Die vier Fensterstockwerke der Fassaden entsprechen den drei Emporenetagen über dem Erdgeschoss. Die Emporen sind in die Struktur der Kirche integriert, sie werden zum Mittelschiff durch große halbkreisförmige Arkadenbögen geöffnet. Die steinernen Emporenbrüstungen werden von quadratischen Pfosten getragen. Die Sauer-Orgel wurde 1900 renoviert.

Die Kirche wurde am 2. November 1956 unter R-466/56, am 2. März 1960 unter 205/60 und am 14. Dezember 1977 unter A-237/77 in das Verzeichnis der Baudenkmäler der Woiwodschaft Schlesien eingetragen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 240f.
  • Reiner Sörries: Von Kaisers Gnaden – Protestantische Kirchenbauten im Habsburger Reich. Böhlau Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-412-20154-8, S. 115–117.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jesuskirche Cieszyn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Harasimowicz: Schwärmergeist und Freiheitsdenken: Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schlesiens in der frühen Neuzeit. Böhlau Verlag, Köln 2010, S. 260. online
  2. http://www.ebw-noe.net/veranstaltungen/perchtoldsdorf/300-jahre-jesus-kirche-in-teschen-cieszyn.html
  3. http://www.nid.pl/pl/Informacje_ogolne/Zabytki_w_Polsce/rejestr-zabytkow/zestawienia-zabytkow-nieruchomych/stan%20na%2030.09.13/SLS-rej.pdf (polnisch)

49.74491666666718.63675Koordinaten: 49° 44′ 41,7″ N, 18° 38′ 12,3″ O