Jiang Hu

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Shi Tao: Erinnerung an Qinhuai, um 1680

Jiang Hu (chinesisch , Pinyin jiānghú – „Flüsse und Seen“) bezeichnet eine wilde und unbesiedelte utopische Region, die dem Zugriff von Staat und Verwaltung entzogen ist. Viele der Wuxia-Geschichten spielen in diesem Raum außerhalb der Zivilisation und staatlichen Ordnung.

Klassische Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach heutiger Kenntnis taucht der Begriff erstmals im Geschichtswerk Shiji von Sima Qian (um 145 v. Chr. – um 90 v. Chr.) auf:[1]

„[After fulfilling his task, Fan Li resigned and] took a small boat, floating in the jianghu.“

„[Nachdem er seine Aufgabe erfüllt hatte, trat Fan Li zurück,] nahm ein kleines Boot und ließ sich ins jianghu treiben.“

Seit der Tang-Dynastie kennt die chinesische Literatur kurze Heldengeschichten (chinesisch , Pinyin Chuánqí), in denen fahrende Ritter oder in der Kampfkunst geübte Kämpfer sich auf Seiten der Armen und Unterdrückten gegen die örtliche Regierung stellen, meist aber ohne die Autorität des kaiserlichen Hofes anzuzweifeln.[2] Im klassischen Roman Die Räuber vom Liang-Schan-Moor (chinesisch 水滸傳 / 水浒传, Pinyin Shuǐhǔ Zhuàn – „Geschichte vom Wasserufer“) aus dem 14. Jahrhundert versteckt sich eine Bande von 108 Geächteten in einem Sumpf und führt von dort einen Guerillakrieg gegen korrupte Beamte.

Moderne Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In späterer Zeit weitete sich die Bedeutung des Begriffs aus. Jianghu umfasst (nach Minford, 1997) die Welt der „Einsiedler, Schausteller, fahrenden Ritter, Bettler, Banditen, Wahrsager, Angehörigen geheimer Gesellschaften und Schwindler.“[3] In den 1950er Jahren prägten von Hong Kong aus Schriftsteller wie Jin Yong (1924–2018) den literarischen Charakter des Einsiedler-Mönches, der eigentlich ein fahrender Ritter und Meister der Kampfkunst, dessen Heimat die Wildnis ist. Im Dokumentarfilm Jianghu (1999) begleitet der Regisseur Wu Wenguang eine Schaustellertruppe, wobei er deren aktuelle Lebenssituation als „Jianghu“ beschreibt, eine erzwungene Abwesenheit von zu Hause, ein Leben voller Risiken und ungewisser Aussichten.[4] Filme wie Jiang Hu: The Triad Zone (Hongkong, 2000) mit Tony Leung Kar Fai und Anthony Wong Chau-Sang oder Jiang Hu (Hongkong 2004) mit Andy Lau und Jacky Cheung schildern die Welt der Geheimgesellschaften und Triaden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sima Qian: Shi Ji. Shanghai Yuji Shubanshe, 2011, S. 2459.
  2. James L. Y. Liu: The Chinese Knight-errant. Routledge and Kegan Paul, London 1967.
  3. Jin Yong: General glossary of terms. In: The deer and the cauldron: A martial arts novel. Oxford University Press, New York 1997, ISBN 0-19-590323-4, S. xxix.
  4. Chris Berry: Wu Wenguang: An Introduction. In: Cinema Journal. Band 46 (1), 2006, S. 133–136, doi:10.1353/cj.2007.0000.