Jim Crow

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Dieser Artikel behandelt den diskriminierenden Stereotyp des US-amerikanischen Schwarzen; zum häufig Jim Crow genannten US-amerikanischen Wissenschaftler siehe James F. Crow
Thomas D. Rice als Jim Crow

Der Ausdruck Jim Crow („Jim, [die] Krähe“) war in den USA im 19. Jahrhundert die Bezeichnung für das Stereotyp eines tanzenden, singenden und unterdurchschnittlich intelligenten Schwarzen, der vor allem in den Minstrel Shows ein beliebtes Thema war.

Der Begriff wurde mit der Zeit im Rahmen der Rassendiskriminierung von Afroamerikanern und anderen Schwarzen kritisch genutzt, vor allem für die „Jim-Crow-Gesetze“. Heute ist Jim Crow zu einer Bezeichnung für das umfassende System zur Aufrechterhaltung einer Rassenhierarchie in allen Bereichen der amerikanischen Gesellschaft geworden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurde „Jim Crow“ die Bezeichnung für das Stereotyp eines tanzenden, singenden, mit sich und der Welt zufriedenen, aber faulen, unterdurchschnittlich intelligenten und zum Teil auch stehlenden Schwarzen, der vor allem in den Minstrel Shows ein beliebtes Thema war. Entsprechende schwarze Figuren wurden mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert von mehreren weißen Komikern als sogenanntes Blackface dargestellt. Geprägt wurde Jim Crow von dem Komiker Thomas D. Rice und dessen charakteristischer Nummer Jump Jim Crow („Spring, Jim Krähe“).[2] Ausgehend von dieser Bedeutung wurde eine Reihe von US-Gesetzen, mit denen von 1876 bis 1964 die Rassentrennung (vor allem zwischen Afroamerikanern und Weißen) festgeschrieben wurde, von Kritikern die „Jim-Crow-Gesetze“ (Jim Crow Laws) genannt. Diese Zeit wird als „Jim-Crow-Ära“ (Jim Crow Era) bezeichnet.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten das Ende der Sklaverei nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg und die Emanzipationsbestrebungen die allgemein verbreitete Rassendiskriminierung sowie die vor allem in den Südstaaten traditionelle Rassentrennung in Frage. Nach dem Abschluss der Reconstruction verabschiedeten mehrere Bundesstaaten Gesetze, welche die Rassentrennung im täglichen Leben rechtlich zementierten. Der Oberste Gerichtshof, der Supreme Court, bestätigte die Gesetze 1896 de facto in seiner Entscheidung Plessy v. Ferguson und bestimmte, dass Rassentrennung – im konkreten Fall ging es um getrennte Eisenbahnabteile – zulässig sei, wenn die den Weißen und Schwarzen zustehenden Einrichtungen gleichwertig seien. Dieser Grundsatz wurde als Separate but equal („getrennt, aber gleich“) bekannt.

Diese Gesetze sowie ihre Umsetzung wurden im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Civil rights movement) in den 1950er und 1960er Jahren nach und nach abgeschafft bzw. aufgehoben. Der Supreme Court urteilte 1954 im Prozess Brown v. Board of Education, dass Gleichheit bei Rassentrennung in der Praxis unmöglich sei, und erklärte die Rassentrennung an staatlich finanzierten Schulen für unzulässig. Der Civil Rights Act von 1964 hob alle noch bestehenden Jim-Crow-Gesetze auf.

Gegenwart laut Cornel West[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cornel West spricht von einer neuen Jim-Crow-Welle, die sich in der heutigen Zeit in den USA ausgebreitet habe; diese äußere sich nicht durch in Gesetzen manifestierte Rassentrennung, sondern durch die de facto schlechtere Behandlung von Afroamerikanern durch die Polizei oder vor Gericht. Als Beispiele hierfür nennt er unter anderem die prozentual höhere Verurteilungsrate von Afroamerikanern gegenüber Weißen für die gleichen Delikte und die in New York City gängige Polizeipraxis des Stop and frisk, bei der vor allem Afroamerikaner und Latinos ohne speziellen Verdacht auf der Straße angehalten und nach Waffen oder Drogen durchsucht werden.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Minstrel Show; in: Richard Moody (Hg.): Dramas from the American Theatre 1762–1909. Houghton Mifflin, New York 1966.
  • Franklin, John Hope: An Illustrated History of Black Americans. Time Life Books, New York 1970, ISBN 0316845965.
  • Alexander, Michelle: The New Jim Crow. Mass Incarceration in the Age of Colorblindless. The New Press, New York 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Online-Text auf der Seite des sogenannten Jim Crow Museum of Racist Memorabilia auf den Seiten der Ferris State University (abgerufen 30. Januar 2017)
  2. Zum Songtext, mit dem Rice die von ihm geschaffene Figur besang, siehe: „Jim Crow“ (or „Jump Jim Crow“)
  3. http://guides.ll.georgetown.edu/c.php?g=592919&p=4172697
  4. Interview mit Cornel West, der philosophischen Stimme Afroamerikas.