Jim Crow

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Dieser Artikel behandelt den diskriminierenden Stereotyp des US-amerikanischen Schwarzen; zum ebenfalls häufig Jim Crow genannten US-amerikanischen Wissenschaftler siehe James F. Crow
Thomas D. Rice als Jim Crow

Der Ausdruck Jim Crow („Jim, [die] Krähe“) wird in den USA im Rahmen der Rassendiskriminierung von Afroamerikanern bzw. Schwarzen benutzt.

Im 19. Jahrhundert wurde „Jim Crow“ die Bezeichnung für das Stereotyp eines tanzenden, singenden, mit sich und der Welt zufriedenen, aber faulen, unterdurchschnittlich intelligenten und zum Teil auch stehlenden Schwarzen, was vor allem in den Minstrel Shows ein beliebtes Thema war. Entsprechende schwarze Figuren wurden mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert von mehreren weißen Komikern dargestellt (blackface). Geprägt wurde Jim Crow jedoch von dem Komiker Thomas D. Rice, dessen charakteristische Nummer Jump Jim Crow („Spring, Jim Krähe“).[1]

Ausgehend von dieser Bedeutung wurde eine Reihe von US-Gesetzen, mit denen 1876 bis 1964 die Rassentrennung festgeschrieben wurde, von Kritikern die Jim-Crow-Gesetze genannt (siehe unten: „Jim Crow Laws“).

Heute ist Jim Crow damit zu einer Bezeichnung geworden für das umfassende System zur Aufrechterhaltung einer Rassenhierarchie in allen Bereichen der amerikanischen Gesellschaft.[2]

Jim Crow Laws[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Jim Crow Laws (Jim-Crow-Gesetze) werden in den USA Gesetze bezeichnet, die von 1876 bis 1964 eine Rassentrennung (vor allem zwischen Afroamerikanern und Weißen) vorschrieben. Die Zeit nachdem die Jim Crow Laws verabschiedet wurden, nennt man Jim Crow Era. Diese endete 1964 mit dem Civil Rights Act, der die Rassentrennung verbot.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten das Ende der Sklaverei nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg und die Emanzipationsbestrebungen die allgemein verbreitete Rassendiskriminierung sowie die vor allem in den Südstaaten traditionelle Rassentrennung in Frage. Nach dem Abschluss der Reconstruction verabschiedeten mehrere Bundesstaaten (vor allem Südstaaten und angrenzende Staaten) Gesetze, welche die Rassentrennung im täglichen Leben rechtlich zementierten. Der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) bestätigte die Gesetze 1896 de facto in seiner Entscheidung Plessy v. Ferguson und bestimmte, dass Rassentrennung – im konkreten Fall ging es um getrennte Eisenbahnabteile – zulässig sei, wenn die den Weißen und Schwarzen zustehenden Einrichtungen gleichwertig seien. Dieser Grundsatz wurde als Separate but equal (getrennt, aber gleich) bekannt. Zu dieser Zeit entstanden landesweit tausende sogenannter Sundown towns.

Rosa Parks war eine schwarze US-amerikanische Bürgerrechtlerin, die am 1. Dezember 1955 in der Stadt Montgomery (im amerikanischen Bundesstaat Alabama) verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr ziviler Ungehorsam gegen dieses rassendiskriminierende Rechtsinstitut löste den Busboykott von Montgomery aus, der seither neben den Protesten im Fall Emmett Till als Anfang der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gilt.

Die Gesetze zur Rassentrennung und -diskriminierung sowie ihre Umsetzung wurden im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Civil rights movement) in den 1950er und 1960er Jahren nach und nach abgeschafft bzw. aufgehoben. Der Supreme Court urteilte 1954 im Prozess Brown v. Board of Education, dass Gleichheit bei Rassentrennung in der Praxis unmöglich sei, und erklärte die Rassentrennung an staatlich finanzierten Schulen für unzulässig. Der Civil Rights Act von 1964 (Bürgerrechtsgesetz von 1964) hob alle noch bestehenden Jim-Crow-Gesetze auf.

Cornel West spricht von einer neuen Jim-Crow-Welle, die sich in der heutigen Zeit in den USA ausgebreitet hat; diese äußere sich nicht durch in Gesetzen manifestierte Rassentrennung, sondern durch die de facto schlechtere Behandlung von Afroamerikanern durch die Polizei oder vor Gericht. Als Beispiele hierfür nennt er unter anderem die prozentual höhere Verurteilungsrate von Afroamerikanern gegenüber Weißen für die gleichen Delikte und die in New York gängige Polizeipraxis des „Stop and frisk“, bei der vor allem dunkelhäutige Afroamerikaner und Latinos ohne speziellen Verdacht auf der Straße angehalten und nach Waffen oder Drogen durchsucht werden.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Minstrel Show; in: Richard Moody (Hg.): Dramas from the American Theatre 1762–1909. Houghton Mifflin, New York 1966.
  • Franklin, John Hope: An Illustrated History of Black Americans. Time Life Books, New York 1970, ISBN 0316845965.
  • Alexander, Michelle: The New Jim Crow. Mass Incarceration in the Age of Colorblindless. The New Press, New York 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Songtext, mit dem Rice die von ihm geschaffene Figur besang, siehe: „Jim Crow“ (or „Jump Jim Crow“)
  2. Online-Text auf der Seite des sogenannten Jim Crow Museum of Racist Memorabilia auf den Seiten der Ferris State University (abgerufen 30. Januar 2017)
  3. Interview mit Cornel West, der philosophischen Stimme Afroamerikas.